Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-09-06 · Heft 36 (6.9.1901) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3228419-3228456--57900-3294310
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

ob nicht durch reichere Guben die Miethnng oder auch der Erwerb ereigneter Räume sich ermöglichen liehe, damit ebenso wie in anderen Zadeorten auch in Landeck ein würdiger Gottesdienst gewährleistet sei. Tie Herren des Komitees sind bereit, die freundlichen Gaben in Em- Tang zu nehmen und dem bereits vorhandenen Fonds zuzuführen. Tas Komitee zur Schaffung eines würdigen Gottesdienstes m Bad ändert. Ludwig Brieger. Rechtsanwalt, Breslau, Dr. Jacob Cohn, iabbiner. Kattowitz O.--S., Max Ellguther, Rabbiner. Neiße, Eugen eriedrnann, Bücherrevisor, Berlin 8., Kommandantenstrahe 63 III l., -dnard Leipziger. Kaufmann, Land eck, Louis Oppler, Kölliglicher wtterieeimlehmer. Pleschen. L. Pinczower, Kenismann, Ratibor, I. Pinczower, Kaufmalm, Liegilitz, Leopold Rieh, Kanfmann. Bresan. Dr. Rosenthal, Rabbiner, Breslau, Israel Spiegvogel, Kaufmann, rollin (Russisch-Polen), Dr. Theodor. Rabbiner, Bojanowo. Unter en Lesern und Leserinnen dieses geschätzten Blattes wird es ohne Zweifel viele geben, die jemals die gesundheitlichen Segnungen von Zad Landeck in Schlesien und der mit demselben verbundenen Kuranstalt Thalheim an sich selbst oder an ihren Angehörigen beobachtet aben und in dankbarer Erinnerung hieran diese Dankbarkeit beweisen wllen durch Spenden, welche zur Anfrechterhaltnng eines würdigen Gottesdienstes in Bad Landeck. sowie zur rituellen Pflege von heiledürftigen, aber unbemittelten Glaubensgenossen ohne Unterschied der Nationalität Verwendung finden sollen. Spenden für diesen edlen >weck, der allerseits die wärmste Unterstützung verdient, sind all eine er genannten Adressen zu richten. Frankfurt a. M., 1. Septetllber. Daß allch in südentschen Sommerfrischen der Antisemitismus nicht ganz auseschlossen ist, wissen Sie zur Genüge. Besonders im Schwarzwald, der hervorgehoben zu werden verdient eine Einrichtung im Hotel „de nssie" in Wildbad-Schwarzwald. Tort werden die Besucher jüdischen laubens zwar beherbergt und verpflegt, jedoch sitzen solche bei der alllo ll'siota all einem besonderen Tisch, also getrennt voll den ristlichen Gästen. Der Besitzer genannten Hotels, dem man keinen ntisemitisrnus Vorwersen kann, sagte auf eine diesbezügliche i,frage, daß verschiedene Gäste unter den Christen nicht neben Inden tzen wollten. Daraus ging er ein (es war dieses vor zwei Jahren), i ad diese Einrichtung ist noch unverändert. Und es kommen noch imer Inden hin! Da ist der Besitzer des hiesigen Hotel „Kölner ' of" viel entschiedener. Bekanntlich hatte er früher ans den Tischen s Raumes vor seinem Hotel Zettel mit der Ueberschrist: „Juden ist T r Eintritt verboten," aufgelegt. Aus Anordnung des Stadtrathes, welche von den höheren Instanzen genehmigt wurde, mußte die fernere uflegnng dieser Zettel unterbleiben. An deren Stelle sind nunmehr .'M Hotelier kleine Karten mit der Aufschrift.' „Einziges judenfreies atel" getreten, aus deren Rückseite verschiedene das Judenthmn ,mähende Sätze abgedruckt sind, als: „Die Gesetze der Inden entl lten eine direkte Kriegserklärung gegen jedes andere Volk." Hoffent- > h wird allch gegen diesen Unfug die Abhilfe nicht ausbleiben. Gestrrreich-Ängarn. Wie«, 1. September. Nach längerer Panse kam vor einigen - igen eine Gruppe ru m äuischer Au slv a n derer, zumeist Frauen > rd Kinder hier all, die zu ihren in Amerika bereits ansässigen Ans hörigen reisen. Sie wurden von Bediensteten der Israel. Allianz l wartet, gelabt lind mit Geldmitteln versehen, nach Rotterdam weiterl fördert, wo sie nach Amerika eingeschifft werden. — Vor einigen ngen feierte in ländlicher Zurückgezogenheit der Gemeinderath Dr. lsred Steril seinen 70. Geburtstag. Eine besonders eifrige Thätigk hat Dr. Stern im Vorstände der Wiener israelitischen Knltusge- 1 inde entwickelt, dem er seit vielen Jahren als Vicepräsident ange-! Ne. Desgleichen ist Dr. Stern erster Vicepräsident der Israelitischen 2 lianz, in deren Anstrag er im Jahre 1882 an die russisch-galizische l T?nze ging, um das Elend der aus Rußland vertriebenen Juden zu ledern. Dr. Stern hat sich der ihm damals gewordenen Aufgabe l.-t ebenso großem Eifer als Erfolg unterzogen. Er wußte die Ans- >: ,'lnng eines Militär-Cordons an der österreichischen Grenze, die - sterreich-Ullgarn viele Millionen gekostet und über seine Glaubensu lösten unsägliches Elend gebracht hätte, hintanznhaltett und schuf Vorsitzender einer all licw gebildeten Kommission, in der auch 'treter der Civil- und Militärbehörden Platz gefunden hatten, eine - gcmisation. die sich vortrefflich bewährte. In humanitärer Be-! ziehnng hat Dr. Stern überhaupt Hervorragendes geleistet, eine ungemein werthvolle Kupferstich- und Knnstbnchersammlung ans dem Nachlasse seines verblichenen Bruders hat er dem Israelitischen Altersversorgungshanse geschenkt, beziehungsweise bestimmt, daß im Falle des Verkaufes der Erlös dem genanten Institut zu gute käme. Das Wiener jüdische Gemeindestatut vom Jahre 1896 stammt aus der Feder Dr. Stern's. Dem ausgezeichneten Jubilar, dem es vergönnt ist. seinen 70. Geburtstag in unverminderter Schaffenskraft und Schaffensfreudigkeit zu begeheil, kamen viele Gratulationen lind besondere Aufmerksamkeiten voll Seiteil seiner zahlreichen Freunde und Verehrer zu. — Im Alter von 62 Jahren verschied vorige Woche in Ischl Generalstabsarzt i. N. Dr. Moritz Leon aus Naab, Ritter der eisernen Krolle, uild am vorigen Donnerstag wurde derselbe vom Garnisonsspitale aus unter militärischem Kondukt ans ärarischem Galawagen zur Erde bestattet. — Der Domherr und Canouicus Pater Johann Mardyros iewi cz in Lemberg ist wegen des Verbrechens der Unterschlagung zu 8 Monaten Gefänguiß verurtheilt worden. Derselbe war einer der schlimmsten Antisemiten in Galizien — und das will viel sagen! — Ein unerhörter skandalöser Fall hat sich in Krakau zngetragen. Aus einem Dorfe bei Wieliczka haben Bauern ein vierzehnjähriges jüdisches Mädchen ins Kloster entfuhrt, um es zu taufen; cs wurde auch thatsächlich getauft. Die betrübten Ettern überreichten beim kompetenten Gerichte eine Klage gegen die Bauern und allch der Staatsanwalt vertrat die Allklage. Delngemäß wären die Killdesränber vorallssichtlich bestraft worden und die Kunde davoll hätte als abschreckendes Beispiel gedient. Allein es traf sich ein nicht getaufter jüdischer, wohlgemerkt, ein jüdischer Advokat. der die Vertheidignng der Räuber des jüdischen Mädchens übernahm, und begeistert voll den 25 fl., die er dafür erhielt, führte er die Vertheidignng beim Krakauer Strafgerichte so meisterhaft, daß die Bauern von der Anklage, die auf Entführung lautete, freigesprochen wurden. Der christliche Staatsanwalt aber hat gegen den Freispruch appellirt, und so ist es noch möglich, daß die Verbrecher, die jüdischen Eltssrn ihr Kind geraubt, ihre wohlverdiente Strafe erhalten werden. Die hiesigen antisemitischen Zeitungen schroten diesen Skandal weidlich ans, und das ist ganz natürlich. — In Brünn ist der Handelskammerrath Simon Strakosch im 66. Lebensjahre, und hier ist im Alter von 49 Jahren Dr. Julius Strakosch, Bürgermeister und Ehrenbürger von Hohenau, plötzlich gestorben. Von Nah und Fern. — Dem Stndirenden der Rechte Paul Abraham aus Grünberg ill Schlesien ist auf Veranlassung der Unioersitätsbehörden der städtische Preis sür die juristische Fakultät Anerkannt worden. — Der frühere Rendant der Vorschnßkasse in Friedeberg (Nemuark) Kntzer und dessen Sohn, gleichfalls Beamter der Kasse, sind verhaftet worden. Sowohl Vater wie Sohn waren seinerzeit die hervorragendsten Hetzer gegen die Juden und haben Ahlwardt ans den Schild erhoben. —In Könitz wurde auf polizeiliche Veranlassung die von dem Verlagsbuchhändler Dewald in Berlin in Umlauf gesetzte Ansichtspostkarte ans dem Schaufenster des Buchhändlers S. entfernt und beschlagnahmt, aus der der Entwurf des Denkmals sür den am 11. März 1900 ermordeten Gymnasiasten Ernst Winter abgebildet und eine Inschrift, die den Mord als eine That einer Sekte der Inden bezeichnet, zu lesen ist. Im Laufe des Tages erfolgte die Beschlagnahme der sännntlichen Karten in den anderen dortigen Buchhandlungen. — Auf Beschwerde des Rechtsanwalts Dr. Vogel gegen den ablehnenden Beschluß der Konitzer Ferienstraskannner hat der Feriensenat des königlichen Oberlandesgericht zu Marienwerder ans Aufhebung des Haftbefehls gegen den Barbiergehilfen Giede erkannt, und es ist Giede demzufolge aus der Untersuchungshaft, in der er sich seit Mitte Juli dieses Jahres bekanntlich wegen des Brandes des Synagogenschuppens befand, entlassen worden. Gegen den Zweitbeschuldigten in besagter Angelegenheit, den Arbeiter Daehnert von hier, dauert dagegen die Untersuchungshaft noch fort. — In H ei l i g enstad t starb am 27. v. Nt. der Senior der israelitischen Gemeinde, Kaufmann N a t ha n Gans, im Alter von 74 Jahren, geachtet und beliebt bei allen Mitbürgern. — Zum Leibarzt des Fürsten von Bulgarien ist Dr. med. Hugo Graetzer, bisher Assistenzarzt an der chirurgischenUniversitätskliilik in K i e lauf ganz besondere Empfehlung des Leiters der Anstalt, des Professors v. Esmarch, ernaililt. Derselbe begiebt sich schon in den nächsten Tagen nach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.