Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1901)
- Date
- 1901-09-06
- Page
- Seite 432 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Heinrich Clementz: Flavius Iosephns, Geschichte des jüdischen Krieges. Halle a. S. o. I. Otto Hendel. Seiner Übertragung der Alterthümer läßt Clementz nun anch eine Uebersetzung des Meisterwerkes von Iosephns folgen. Sie ist ebenso vollständig und wortgetreu wie die erste, und es ist lebhaft zu wünschen, daß nun auch die kleineren Schriften von Iosephns bald folgen möchten. Voll besonderem Werth ist das Namenregister. Zwei von F. Spies gezeichnete Tafeln erleichtern das Verständniß der geschilderten Vorgänge. Es ist wohl möglich, daß der alte Historiker in dieser neuen Ausgabe wieder zll einem Volksbuche wird. Der Uebersetzer erzählt selbst, daß es vor 30 Jahren in seiner Vaterstadt Köln kaum eine Familie gegeben habe, in der nicht ein älteres Exemplar des Flavius Iosephns vorhanden gewesen wäre. Seinen Wunsch, dieses allgemeine Interesse für den jüdischen Historiker wieder zu beleben, theilen wir gern. Kpvechfaal. Geehrter Herr Redakteur! (Mhr werthes Blatt brachte neulich eine Notiz, daß in Berlin 160 Personen zum Christenthnm übergetreten seien. In dieser Ziffer seien auch die Kindertansen enthalten, mit Ausnahme derjenigen, welche gleich nach der Geburt erfolgt seien. Dürfte ich mir die Frage erlauben, worauf sich diese Annahme stützt? Ich möchte glauben, daß auch diese Taufen in den 160 Fällen enthalten sind. Rechtlich erwirbt ein Kind nicht erst durch eine Erklärung des Vaters die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession, sondern die bloße Thatsache seiner Geburt von jüdischen Eltern macht ein Kind zum Juden. Wird ein Kind alsbald nach der Geburt getauft, so ist das schon als eine Aendernng der Religion im Sinne des Gesetzes anzusehen. Berlin, 23. August. Hochachtungsvoll Sehr geehrter Herr Redakteur! ljA nf den unberechtigten Vorwurf, welchen die „Korrespondenz des Bundes der Landwirthe" gegen die Juden wiederholt erhoben, „sie scheuten jede Arbeit, welche mit körperlichen Anstrengungen verbunden sei." hatte Herr Rabbiner Dr. Münz-Gleiwitz eine znrechtweisende und belehrende Antwort im „Oberschl. Wanderer" veröffentlicht. Herr Dr. Münz trifft den Nagel ans den Kopf, wenn er schreibt: „Dem jungen Manne jüdischen Glaubens, der sich als Landwirth oder als Gärtner ausgebildet hat und Tüchtiges zu leisten im Stande ist, wird die Möglichkeit entzogen, seine erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten praktisch zur Ausübung zu bringen. Vergebens sieht er sich bei den Gutsverwaltungen und Dominien um Arbeit und Stellung um — er wird abgelehnt!" In Nr. 29 Ihres geschätzten Blattes vom 19. Juli d. I. würdigen Sie mit Recht diesen Artikel einer Besprechung und bemerken am Schluß zu den Ausführungen des Herrn Dr. Münz: „Im Allgemeinen wird dies richtig sein, doch giebt es auch Ausnahmen. Die „V.-Z." kennt beispielsweise einen Inden, der lange Jahre als W i r t h s ch a f t s - inspektor bei dem Freiherrn von Durant in Oberschl. in Diensten stand. Und der Freiherr von Durant gilt keineswegs als Judensreund..." Der „V.-Z." ist hier ebensowohl eure Verwechselung wie auch eine Unrichtigkeit unterlaufen. Freiherr von Durant auf Barauowitz bei Sohrau (Mitglied des Herrenhauses) hat nie einen Juden als Beamten ans seinem Gute beschäftigt. Dagegen hatte dessen Bruder, Freiherr von Durant in Langendorf, vor Jahren einen jüdischen Brennerei- Verwalter. Die Gesinnung des Frei Herrn von Durant auf Barauowitz wird meistens nach seinen! Verhalten im Herrenhause beurtheilt, woselbst er einmal die „Uebersetzung des Schulchan-Aruch von Staatswegen" beantragt hatte. Daraus zu resultiren, daß er „kein Judensreund sei", dürste immer etwas gewagt sein. Ich hatte sehr oft Gelegenheit zu beobachten, daß dieser Freiherr von Durant seine Geschäfte vornehmlich mit hiesigen Juden abschließt, von deren Reellität er überzeugt ist. Mit vorzüglichster Hochachtung Sohrau O.-S., 26. August. Raphael Plaut. Geehrter Herr Doktor! (Mm Anschluß an meinen Artikel „Die Sirachsunde der letzten Jahre" werde ich von berufener Seite auf eine Uebersetzung des Sirach ins Hebräische aufmerksam gemacht, die in Warschau 1883 zuerst erschienen ist: '"I (Einleitungen von Bensew und Messest)). P reu ßisch -Stargar d t. 26. Juli. Dr. Rosenthal. 4 Hochgeehrter Herr Doktor! Akn der „Zeitung des Jndenthums" vom 2. August ist ein kurzer Artikel über die letzte Sitzung der Amerikanischen Rabbiner- Versammlung. in welchem ans einigen dort gefaßten Beschlüssen der Schluß gezogen wird, daß „auch in Amerika der Radikalismus ins Hintertreffen gerathen ist". In der That zeigt dieser Schluß eine vollständige Verkennung der herrschenden Verhältnisse. Wenn der Präsident die Vernachlässigung der hebräischen Sprache in den Schulen bedauert und wünscht, daß die Methode des hebräischen Unterrichts reorganisirt werde, so folgt er nur der Leitung radikaler Reformer, die in ihren Neligionsschulen das längst angestrebt haben Der Unterricht im Hebräischen ist überall da gründlicher und be friedigender geworden, wo die Theilnahme an demselben fakultativ gemacht wurde. Infolge dessen nehmen nur Diejenigen an demselben Theil, die wirklich etwas lernen wollen. Eine Rückkehr zu vermehrtem Gebrauch der hebräischen Sprache im Gottesdienste schlägt auch de; Präsident nicht vor. und alle fortschrittlichen Rabbiner in diesem Lande stimmen darin überein, daß die Gebete möglichst in der Landes spräche stattfinden sollen. Die Resolution über die Stellung des Jndenthums zu Jesus (und nicht zum Christenthum. wie der Artikel irrtümlicherweise behauptet) ist genau diejenige, welche die radikalsten Reformer stets gelehrt haben Gegen den Zionismus hatte sich die Nabbiuerversammlung schon vor mehreren Jahren in Montreal aufs Schärfste ausgesprochen und hat auch iu Philadelphia dieselbe Position eingenommen. Die Ernennung eines Komitees, „welches sich mit der Frage de) Kolonisation Palästinas befassen möge", hat gar nichts zu bedeuten Es ist sehr möglich, daß das Komitee nie berichten wird. Sollte e^ jedoch einen Bericht machen, so ist sicher, daß derselbe keineswegs zeigen wird, daß „der Radikalismus in Amerika ins Hintertreffen gerathen ist". Die ehrliche, und wenn Sie es so nennen wollen, die radikal) Reform, hat hier noch immer die Führung, und wie bisher, so wird auch in Zukunft die Gestaltung des Jndenthums in Amerika durch sie bestimmt werden. Crawford House, 22. August. Ergebenst Dr. Max Landsberg. Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Rochester, N.»A Briefkasten der Redaktion. in i>I. Es versteht sich von selbst, daß uns nichts ferner ge legen hat, als die Lehrer beleidigen zu wollen. Die in dem betreffenden Artikel „Ursache und Wirkung" in Nr. 34 ausgesprochenen Vorwürsi sind mit Unrecht gegen die Lehrer erhoben worden und e n t behren des tha tsächlich e n Untergrunds. Der betreffend) Passus ist — in Abwesenheit des Redakteurs — nur aus Versehen stehen geblieben. Im klebrigen hat die „Allgemeine Zeitung" ii 65 Jahren bewiesen, daß sie die Interessen der Lehrer stets in wirk samster und entschiedenster Weise zu vertreten bereit ist. So soll e auch ferner bleiben! U. iu L. Wir geben Ihnen den Rath, sich an einen Sach' verständigen ans diesen: Gebiete zu wenden. (!. in O. Leider sind uns solche Anstalten nicht bekannt. Weis vielleicht Jemand in unserm Leserkreise, welche jüdischen Krankenhäuser wenig bemittelte Nervenkranke resp. Epileptiker ausnehmend Ock. in U. Die Zuschrift über die Lage der jüdischen Richter ist nicht von Herrn Landgerichtsrath Peltasohn, wie ein antisemitisches Blatt behauptet. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.