Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1901)
- Date
- 1901-09-06
- Page
- Seite 426 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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426 aber, wo wir ihm durch unsere Kraft, durch urrsereu Willen trotz widriger Zeitverhältnisse wieder in größerem Maßstabe als bisher die Neuweihe zu Theil werden lassen, er stünde nicht zurück hinter dem Tage der Weihe des größten und schönsten Heiligthums in Israel! Emilie Ludwig. Von Lina Morgenster n. ^LLp iue verdienstvolle Frau, welche sich in dem harten Lebenskämpfe bewährt und aus eigener Kraft ihre ehrenvolle Existenz geschaffen hat, ist am 19. August in Berlin dahingeschiedeu. Es ist Frau Emilie Ludwig, geb. Schneck. Sie wurde am 15. April 1839 zu Neisse in Schlesien als die Tochter des Bibliothekars Schneck geboren. Sie war ein phantasievolles, träumerisches Kind, welches schon mit sieben Jahren ihre Gedanken in Gedichtform ausdrückte und dazu mit der kindlichen Hand zugleich die Illustrationen zeichnete. Es ist daher nicht erstaunlich, daß ihre Eltern sie als Wunderkind betrachteten, ihr frühzeitiges Talent überschätzten und sie dadurch eitel machten, so daß sie auf falsche Bahn gelenkt wurde. Ein Lehrer der von ihr besuchten Schule nahm sich des hochbegabten Kindes an und brachte sie durch ernste Mahnungen dahin, erst vollkommen und fleißig wissenschaftlich sich auszubilden, ehe sie daran denken konnte, zu dichten. Nachdem sie die Schule vollendet, ging sie nach Breslau auf das Seminar, machte ihre Lehreriuuenprüfung und erhielt all einer städtischen höheren Töchterschule Anstellung, die sie aufgab, als sie sich 1864 mit dem Kaufmann Levy verheirathete. Ihre durch gegenseitige Liebe und Achtung beglückte Ehe brachte jedoch manchen schweren Schicksalswechsel mit sich. — Als Vertreter einer großen Bankfirma ließ sich ihr Gatte zu Spekulationen Hinreißen, durch die er sein Vermögen verlor. Er erhielt daun bei dem Dr. Stroußbergschen Unternehmen in Rußland eine bevorzugte Stellung. Doch bekanntlich brach auch dieses Unternehmen zusammen, und die Familie kehrte mittellos nach Deutschland zurück und übersiedelte nach Berlin. Nun begann Frau Levy, die sich als Schriftstellerin Emilie Ludwig nannte, ihre litterarische Thätigkeit, um ihrem Manu zu Hilfe zu kommen, der nicht sogleich einen Wirkungskreis finden konnte. — Vier junge Kinder verlangten Pflege und Erziehung, und so versuchte die Mutter durch ihre schriftstellerische Thätigkeit die Noth des Hauses zu lindern. Sie hatte über Erwarten Glück; der Erlös für einige kleine Bücher bildete das Anfangskapital, dann trat sie in Beziehungen zu guten Zeitschriften, die ihre Arbeiten gern aufnahmen. Ihr Hauptgebiet war das Feuilleton und die Jugendlitteratur. — Nach der Begründung des Berliner Hausfrauenvereins schloß sie sich diesem an, war eine Zeit lang in demselben thätig und stand der unentgeltlichen Stellenvermittelung desselben vor. Im Jahre 1888 starb ihr Gatte. Sie führte fortan ein arbeitsvolles, mühseliges Leben, um ihre Familie zu ernähren und ihre Kinder auf die richtige Lebensbahn zu lenkeil. Nachdem ihr ältester Sohn, der Chemiker und Patentanwalt Dr. Anton Levy-Ludwig, sich 1897 verheirathet hatte und der jüngste als Redakteur nach Sachsen gegangen war, lebte Frau Ludwig mit ihren beiden Töchtern zusammen, von denen Margarethe seit Jahren eine leitende Stellung in einem naturwissenschaftlichen Institut bekleidet; die andere, Franziska, verheirathete sich im vorigen Jahr mit Willem de Graaff in Leyden, einem holländischen Blumenzüchter. Emilie Ludwig war auch nahe verwandt mit Emin Pascha (Dr. Schnitzer), mit dem sie in Briefwechsel stand und nach dessen Tode sie manches Feuilleton über dessen interessante Lebensschicksale verfaßte. Frau Emilie Ludwig arbeitete bis in die letzte Zeit ihres Lebens ununterbrochen schriftstellerisch als Mitarbeiterin an Jugendblättern und an dem Pädagogisch-Hygienischen Buch der jungen Mutter, das sie gemeinschaftlich mit Professor Dr. Benninghofen herausgab. Von ihren Schriften nennen wir: „Ernste und launige Stammbuchverse", die sie im Jahre 1879 unter ihrem Mädchennamen Emilie Schneck herausgab; „Irrungen des Mutter- Herzens und Szenen und Bilder aus dein Frauenlebeu", die bei Schröter L Meyer in Zürich 1887 erschienen; „Frühlingsstürme", Erzählungen für die Mädchenwelt, welche sie 1891 bei Nenfeld «L Henius herausgab. Ihr letztes Buch, eine Sammlung und Bearbeitung der schönsten Märchen aller Völker, lieferte sie am 1. Juli d. I., obgleich schon schwer krank, ab. Ihr Fleiß und ihre Gewissenhaftigkeit bei Einlösung eingegangener litterarischer Pflichten war bewunderungswürdig. Sie hatte an der Vollendung dieses Werkes bis Ende Juni Tag und Nacht gearbeitet, ohne auf ihre Schmerzen Rücksicht zu nehmen, bis sie völlig entkräftet war, und obgleich alles zu ihrer Pflege aufgeboten wurde, verschlimmerte sich ihr Zustand, so daß ihrem Wunsche in ihren Schmerzen nachgegeben und sie im Augustahospital operirt wurde, wo, von allen ihren Kindern umgeben, am 19. August ihr arbeitsreiches Leben abschloß. Frau Ludwig war eine energische und dabei liebenswürdige Persönlichkeit, die sich nicht von den Verhältnissen beugen ließ. Zn Moses Mendelssohn. Voll Ludwig Geiger. Z. Aus der Heimatl) Moses Mendelssohns. 'er zu dem Buche greift,') das zu der felgenden Skizze Anlah und Stoff gewährt — und hoffentlich habe» dies schon recht Viele gethan, so daß die unliebsame Verspätung dieses Referats dein Buche nicht geschadet hat — der wird angenehm berührt durch Eigenschaften, die bei Büchern jüdischen Inhalts nicht allgemein sind: guten Druck, vortreffliches Papier und vornehme Ausstattung, Auch die Unart mancher jüdischer Historiker, die über Geschichte der Juden schreiben, stets in beleidigtem, um nicht zu sagen agressivei» Tone zu sprechen, die traurigen Schicksale ihrer Glaubensgenossen und die Unbill der Mächtigen, statt sie einfach und würdig zu referiren, mit Klagelauten und Vorwürfen zu begleiten, kommt verhältnißmäßig selten vor. Es ist ein wackeres Buch, von tüchtigen archivalischen Studien in Dessau, Dresden, Berlin, Wien und anderen Archiven, von solider Belesenheit in jüdischen Quellen Zeugniß ablegend, zugleich eine gute Probe ') Aus der Heimath Mendelssohns. — Moses Benjamin Wulff und seine Familie, die Nachkommen des Moses Zsserles. Von Dr. Max Freudenthal. Berlin. F. I. Lederer (Franz Seeliger) 1960,