Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1901)
- Date
- 1901-08-30
- Page
- Seite 417 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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417 - über die der Herausgeber (12. Jan.) bemerkt, daß man sie ihm mit Unrecht zuschreibe — gab sie (25. Febr.), freilich im Anzeigeutheil, einer Ankündigung des Kupferstechers Haas Raum, daß noch einige der ersten Abdrücke des Bildnisses M.'s zu haben seien. Am 3. März brachte sie ein lateinisches Gedicht. Die „Vossische Zeitung" ist reicher in ihren Notizen. Am 10. Januar wurde angekündigt, daß die „Denkwürdigkeiten" (bei I. F. Unger) 2. Stück einen Aufsatz über Moses Mendelssohn von einem seiner Freunde enthalten, ebenso daß eine Medaille, von Abraham geprägt, zu haben sei. In der Nummer vom 24. Januar stand eine sehr ausführliche Besprechung der letzten Schrift Mendelssohns; am 7. Februar eine Polemik, M. unterzeichnet (Müchler?), gegen zwei Artikel von Niehardt in Hamburger Zeitungen, die aus angeblichen Unterredungen mit Mendelssohn den Schluß zogen, dieser sei durch Jakobis Schrift nicht gekränkt gewesen; die Unterredungen selbst werden mit einem Vorbericht am 11. Februar abgedrnckt; ihnen folgen erst kräftige Widerlegungen von Markus Herz und David Friedländer. Am 16. Februar stand ein sehr schwaches vierzeiliges Gedicht: „Mendelssohns Andenken geweiht" mit dem Schluß: „Und Thränen der Christen bezeichnen sein Grab." Am 9. März bat die Wittwe Mendelssohn um Rückgabe der aus der Bibliothek ihres Mannes entliehenen Bücher; am 21., 23. 25. März war eine sehr lange Besprechung der Schrift: Zwei Recensionen in Sachen der Herren Lessing, M. Jacobi, Hamburg 1786 gewidmet; am 11. April der neuen Auflage der „Morgenstunden". Am 2. Mai wurde das Brustbild Moses Mendelssohns in Gips, mit Postament 21 Zoll hoch, empfohlen. War nun in manchen intimeren Kreisen die Lust rege, sich ein Bildniß des Dahingeschiedenen zu verschaffen, und wurde von verschiedenen Künstlern diesem Bedürfniß Rechnung getragen, so schwand damit das Bestreben nicht, ein öffentliches Erinnerungszeichen zu stiften. Von dem also projektirten Denkmal finden sich manche nähere Nachrichten. (Zn dem Folgenden vrgl. meine Mittheilungen in „Ztschr. f. Gesch. d. Juden in Deutschland" IV, 295, 303.) Das kulturhistorisch Wichtigste ist, daß die Idee zu dem Erinnerungsbild nicht von Juden, sondern von Christen ansging. Und zwar war es W. v. Archenholz (1743—1812), Offizier und Schriftsteller, der sich 1789 durch seine Geschichte des siebenjährigen Krieges, au dem er selbst theilgenommen, bekannt machte, der damals (1786) durch sein ziemlich bestrittenes Buch: „England und Italien" in litterarischen Kreisen genannt zu werden anfing. Er gehörte nicht zu den Intimen des Mendelssohn'schen Hauses — bei Kayserling fehlt sein Name vollständig — von seinem Leben ist zu wenig Einzelnes bekannt, als daß sein Aufenthalt in Berlin bestimmt angegeben werden könnte. Dieser Archenholz nun schrieb in dem von ihm heransgegebenen Journal „Litteratur- und Völkerkunde" 1786 Juli, S. 6 ff., einen Aufsatz mit dem Titel: „lieber das patriotische Monument in Berlin, zu Ehren der deutschen Philosophen: Leibniz, Lambert, Sulzer und Moses Mendelssohn." Der Aufsatz führte aus, daß ein solcher Plan der erste derartige in Deutschland, ja in Europa sei, aus privaten Mitteln aller Derer, die sich für Entwickelung des geistigen Lebens intereffirten, ein Nationaldenkmal zu errichten. Gerade deshalb solle man das Unternehmen langsam fördern, um alle Kreise Deutschlands zu interessiren und das Werk prächtig zu gestalten. Die Idee faßte Wurzel. Es wurden Sammlungen begonnen und Veranstaltungen gemacht, deren Ertrag dem Denkmal zu Gute kommen sollten, lieber die ersteren kann ich nach freundlicher Mittheilung von H. Heidenheimer in Mainz folgendes interessante Zeugniß beibringen: In dem Berichte eines hessendarmstädtischen Agenten in Berlin 1786 (im Besitze der großherzoglichen Hofbibliothek in Darmstadt) heiß es: „Der Platz beim Opernhaus und der Bibliothek soll Statuen von Gelehrten erhalten, und zwar Sulzer, Leibnitz und Lambert. Der damit beauftragte Professor der Akademie der Wissenschaften Müchler schrieb an den König: ob er nicht erlauben wollte, daß er auch die Statue des jüdischen Gelehrten und Weltweiseu Moses Mendelssohn mit aufstellen und den Platz dadurch verschönen dürfe. Der König erwiderte: „Was frügt ihr mich, was geht mir die Einkleidung der Sache an, wißet ihr nicht, daß ich jede Religion und besonders den Gelehrten und Weisen schätze." Man hat diese Aeußerung des gütigen Monarchen für eine Einwilligung gehalten, und hat daher den Nutzen, daß so viel Geld, und besonders von der hiesigen Judenschaft zusammen gebracht, daß noch vier Statuen davon errichtet werden können. Auch sogar aus Holland und Wien sind zu diesem Behuf Gelder eingegangen." Auch über eine künstlerische Veranstaltung, an welcher der damals viel genannte Berliner Dichter Namler hauptsächlich betheiligt war, sind wir unterrichtet. Ramlers „Sulamith und Eusebia, eine Trauerkantate auf den Tod Moses Mendelssohns" (Berlinische Monatsschrift 1786 7, Seite 481—489), ist ein Dialog der beiden im Titel genannten Frauen, deren erstere als Vertreterin des Judenthnms, die letztere als die des Christen- oder Deutschthums erscheint, ein Dialog voll von Nühmungen des Verstorbenen und Klagen über ihn, mit Hinweis auf manche Einzelheiten, daß die Beerdigung spater erfolgte, als sonst üblich war, daß während der Beerdigung die Läden geschlossen, daß dem Tobten durch einige Verehrer Locken abgeschnitten wurden. Nach Anführung zahlreicher Bibelstellen, die auf deu Verstorbenen angewendet werden, schließt das ganz gut gemeinte, aber mehr wortals gedankenreiche Gedicht mit einer Verherrlichung Gottes. Die Aufführung fand am 23. Mai 1786 in der „Stadt Paris" statt. Biester, der sich selbst zum Vertrieb von Billeten aubot, kündigte dies (16. Mai 58 St., wiederholt 59 St.) an und theilte mit: „Der junge Komponist (ein Schüler und Pathe des Seligen), der seine Kunst unter den besten Meistern studirt hat, will die Einnahme von dieser ersten Probe seiner Arbeiten aus schuldiger Dankbarkeit dem Denkmale widmen, welches seinem verewigten Lehrer und dreh anderen Gelehrten hier errichtet wird." Aber die Geldsammlungen und die Erträge aus künstlerischen Veranstaltungen hatten keinen sichtbaren Erfolg; ein öffentliches Denkmal Mendelssohns wurde damals nicht errichtet. 2. Ausgabe der Schriften Mendelssohns. Im 59. Stück der „Vosstschen Zeitung" 1786 (18. Mai) zeigte Mendelssohns Wittwe an, daß sie einigen Freunden die Herausgabe der ungedrnckteu und die Sammlung der gedruckten Schriften ihres Mannes übertragen habe. Dieser Ausgabe der sämmtlichen Schriften werde eine Biographie