Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1901)
- Date
- 1901-08-30
- Page
- Seite 411 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Lu 6. August. stige Einlaß keine Wäger in elden und die antilitischeu )er Lieberl, geht jetzt a Kritiker bei dem »nd jetzt r Förster Silbergsche reins vor;r nehme folgt eine chen Konnrger anlimpsehlendo mterinachl: rd andere» Haus gang verdammt, itionsjude» ß er billig ikosten bc der Anti- Heu wird. Ansicht so >u wie nur Partei getrumpf der chen dieser! deutschen ein; eine hums als nnen die n. ner schwieliit rnhmndgerichtskonfession" e zur Berichte», uni rd „wegen e jüdischen ziehen und irniß, das; zen gegen inisterielles künftighin len. Nun le Ziel ist ubsch und sein Recht ichdrücklich protestirt. bis er sich Gehör verschafft. Die verhängnitzvollen Folgen dieser Schwäche machen sich immer mehr fühlbar: Viele verlassen eine Jache, die von den nächst Betheiligten selbst aufgegeben wird. Früher haben Centrum und Nationalliberale die Gleichberechtigung der Juden vertheidigt. Jetzt aber haben Abgeordnete des Centrurns nnd der uationalliberalen Partei, die von den wegen ihres Bekenntnisses benachtheiligten jüdischen Richtern um Hilfe angegangen wurden, dies rundweg abgelehnt. Ein kleiner Trost ist, daß auch die gewissenlose Tauferei nichts mehr verschlägt. In den Personalakten der dichter muß unter der Rubrik „Religion" auch die etwaige Thatsache ines Religionswechsels sowie das Datum eines solchen angegeben »erden; offenbar, um die Herren, die nä bve übertreten, zugleich mit chren bisherigen Glaubensgenossen in gebührender Entfernung zu halten." r. In der genügend charakterifirten Enquete, die die Antisemiten über den sogenannten Blutmord veranstaltet, schreibt der famose Dr. Boeckel: „Ich halte die Blntmorde für Thaten abergläubischer jüdischer Iekten, die in der vaxinaluciireornm, dem polnischen Osteuropa, ihren Jitz haben. Eine Erforschung dieser polnisch-jüdischen Kultnrwildniß väre eine große That. — Da das polnische Jndenthum nach dem Westen abwandert, ist die deutsche Kultur ernstlich bedroht. Alle Antijemiten müssen Zusammenhalten!" Die Erkenntnis; von der ernstlichen Bedrohung deutscher Kultur hat aber den biederen Kulturträger doch nicht abzehalten, noch in jüngster Zeit mit einem „aus dem Osten nach dem Westen abgewanderten Juden" ein journalistisches Handelsgeschäft zu unterhalten. r- Der seit wenigen Monaten in Rußland stärker wehende antisemitische Wind beginnt sich den russischen Juden bereits -ehr empfindlich fühlbar zu machen. Wie die „Nowosti" melden, >st die Zahl der auf den technischen Hochschulen auszuuehmenden Juden ans 2 Proz. festgesetzt worden. Die „St. Peterburgskija Wjedomosti" wissen zu melden, daß die Zahl der jüdischen Abiturienten, welche zum Universiiätsstudium zugelassen werden soll, fortan nicht mehr 10 Proz. in Odessa und Kiew, 5 Proz. auf den anderen und 3 Proz. auf den Universitäten von Peters- >nrg und Moskau, sondern überall gleichmäßig 3 Proz. betragen soll. Endlich erfahren die zuverlässigen, in Moskau erscheinenden „Rußkija Wjedomosti", daß auch die Zahl der auf den Mittelschulen zuzulassenden jüdischen Gymnasiasten von 10 auf l Proz. herabgesetzt werden soll. Allen diesen Nachrichten widersprechen entschieden die an dieser Stelle wiedergegebenen ministeriellen judenfeindlichen Erlasse, welche, obwohl sie von Judenhaß strotzen, dennoch überall von den bekannten 10 Proz. prechen. Obwohl es also zweifellos feststeht, daß die neuen Karrieren, welche den Juden auf dem Wege zur Bildung, zum Wissen und zum Lichte errichtet werden sollen, zur Zeit noch nicht bestehen, so ist es doch ebenso gewiß, daß diese Schranken vielleicht zum nächsten Schuljahre schon errichtet werden dürfen. Der beste Barometer für die Stimmung der maßgebenden Negierungskreise ist der mittlere und untere russische Beamtenstand in der Provinz. Das kleine Tschinownikthum fängt aber schon jetzt, bevor noch etwas offiziell bekannt wurde und ohne erst eine Anweisung ans Petersburg abzuwarten, an, die Zulassung jüdischer Studirenden weit über die jetzt bestehende Norm zu beschränken. So hat das Polytechnikum in Riga die Zahl der jüdischen Studirenden für dieses Jahr, vermuthlich aus eigener Machtvollkommenheit, auf nur 2 Proz. beschränkt, während die technische Hochschule zu Petersburg jüdische Studenten in diesem Jahre überhaupt nicht aufnimmt. Solche Schritte würden aber die untergeordneten Behörden, welche für den in den hohen und höchsten Regionen wehenden Wind eine sehr feine Witterung haben, nicht wagen, wenn sie nicht sicher wären, daß ihr willkürliches und völlig ungesetzliches Treiben bei ihren Brodgebern eine günstige Aufnahme finden werde. Trotzdem ist und bleibt dieses Treiben ungesetzlich, und es wäre sehr rathsam, wenn sich einige jüdischen Abiturienten finden würden, welche die kleinen Tschinowniks in Riga und Petersburg beim Senat verklagen wollten. Eine entsprechende Verfügung des Ministers ist noch nicht erlassen worden, und selbst wenn sie auch bereits erlassen worden wäre, ist sie gesetzlich null und nichtig, da kein Minister solche in das Leben von vielen Millionen russischer Unterthanen tief einschneidenden Aenderungen so ohne weiteres und mit einem einzigen Federstrich anordnen darf. Die Herabsetzung der Zahl der jüdischen Studirenden von 3 resp. 5 auf 2 Proz. ist eine so radikale Aenderung, daß dazu mindestens ein Beschluß des Gesammtininisteriums erforderlich ist. Beginnen doch bereits einige russischen Blätter unter Führung der „Rußkija Wjedomosti" die ganze seit 1887 bestehende Beschränkung der Zulassung der Inden zum Studium in den Hoch- und Mittelschulen als ungesetzlich zu erklären, da dieselbe auf einem Ukase des damaligen Kultusministers, des Grafen Deljanow beruht, und in Widerspruch zu den bestehenden Gesetzen steht. Auf Grund dieser Auseinandersetzung in der russischen Presse haben einige jüdischen Abiturienten die Universitätsbehörden wegen verweigerter Zulassung zum Studimubereits beim Senat verklagt. lieber die Ursache der in den maßgebenden russischen Kreisen so plötzlich erwachten neuen Abneigung gegen die Juden bestehen in gut unterrichteten Kreisen zwei verschiedene Lesarten. Die eine erblickt dieselbe in der starken Betheiligung der jüdischen Studenten au den großen Studeutenunrnhen, welche eben durch diese Theilnahme der hochintelligenten Juden zu einem so siegreichen Ende geführt werden konnten. Der Zar hat freilich diese Studentenbewegnug legalisirt, indem er den überaus energischen General Wannowski als Reformminister einsetzte und ihm befahl, die von den Studenten geforderten Reformen in ihren wesentlichen Punkten durchzuführen. Allein in Rußland herrscht bekanntlich nicht der Zar, sondern das große und kleine Tschinownikthum. Eine zweite Version erblickt in den neuen Maßregeln gegen die studirende jüdische Jugend ein Kompromiß, getroffen zwischen dem liberalen, einer Schulreform freundlichen Theil der maßgebenden russischen Negierungskreise und der kleinen, aber mächtigen, unter Führung Pobedonoszews und der verwittweten Zarin kämpfenden reaktionären Partei. Es soll nun zwischen den beiden Parteien die ausdrückliche oder stillschweigende Uebereiukunft getroffen worden sein, wonach letztere sich einer radikalen Schulreform nicht wiedersetzen werde, wofür erstere sich gegen eine Ausdehnung der judenseindlichen Gesetzgebung nicht länger zu sträuben habe. Die Juden werden, gleichviel welche der beiden Versionen die zutreffende ist, den Sündenbock abgeben müssen. Sie werden wiederum schwer und viel leiden müssen, damit das russische Volk eine wirklich liberale Schulreform bekommt.