Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1901)
- Date
- 1901-08-23
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228419-3228454--57858-3294266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 g verworfen lnd haben ihr rerschast wird ge „Konrier", icht hellte sortikel, worin ens" hinfort st wohl, derkum hiermit israelitischen h ihr fleißiges findlichst ins eligmann, -er Gemeinde, l. Der Verchützung; er c Kauslnann - Hamburger >en der Geer inr Jahr! sitzender Ferls stets und ß man sein konserenzsaal lllg und Zn empsullden rger Börse". Institutionen >ten geschäst-- ebensten Ge ein hervor Inmitten lfsichtsrathes stlllrdene Be statt; außer jenen halten r und zahl undeu. De! 1 die Herren tenkollegium zur Trauer die Beamten ammer nur n am Sarg r, der seinen dem lieben Lrauerredlm dem letzte! mhlt: „Nac! lebest und Gott dir der Trauer h in alle; worben. In Verblichenen h Recht und interblieben llede. Unter Leichenwagen nach den; Ue widmett im Namen reu Nachruf l, sprach an eul Segens kt. Tief beigen schieden undheits ch in diesen! nthaltes gewähren. Durch die Zuwendung einer bedeutenden Spende eines nicht genannt sein wollenden Gemeindemitgliedes war die Verwaltung des Vereins in diesem Jahre in der Lage, den schon längst gehegten Plan zu verwirklichen und ein eigenes Ferienheim zu gründen. Auf Anrathen der Aerzte wählte man Cuxhaven, wo vorläufig in einem gemietheten Hause ein den Anforderungen der Hygiene entsprechendes Kinderhospiz eingerichtet wurde. Das schmucke villenartige Haus, in Döse gelegen, entspricht namentlich in der Anlage der hohen, luftigen Schlafräume allen gesundheitlichen Anforderungen. Da das Hospiz jedoch noch nicht für eine so große Anzahl Pfleglinge eingerichtet ist, wurden die erholungsbedürftigen Kleinen in zwei Abteilungen nach Cuxhaven geschickt, und zwar etwa 55 Knaben und Mädchen von Anfang Juni bis Juli und etwa 65 Kinder von Juli bis August. Die Kinder standen unter Aussicht zweier Lehrerinnen, zweier Lehrer und einer geprüften Schwester. Auf nahrhafte, selbstredend streng rituelle Kost wurde ganz besonderer Werth gelegt. Das Resultat des diesjährigen Sommeranfenthaltes war sehr zufriedenstellend. Nach einem Aufenthalt von etwa vier Wochen trafen die Kinder der zweiten Abtheilung am Freitag Nachmittag wieder in Hamburg ein. Die Eltern und Verwandten, welche sich am Bahnhof eingefunden, waren hocherfreut über das gesunde Aussehen der Kleinen, welche die Freuden des diesjährigen Sommeranfenthaltes nicht geling rühmen konnten. Der Verein konnte auch in diesem Jahre den gestellten Anforderungen nicht ganz entsprechen, es mußte eine größere Anzahl Kinder, denen die Erholung eines Ferienaufenthaltes sehr zu statten gekommen wäre zurückgewiesen werden, weil eben die vorhandenen Mittel nicht ans- > eichten. Für die Opferwilligkeit bleibt hier noch ein weites Feld offen. — Frankfurt a. M., 15. August. Nach langer Pause hat die Frankurter Zionisten gruppe wieder einmal eine Versammlung abgelalteu. Der Redner des Abends war einer der Führer der englischen Zionisten, Sir Francis Montesiore, ein Neffe von Moses Nontefiore. Er sprach deutsch, d. h. er las vom Blatt ab. und manches Wort ging infolge des fremdländischen Accents des Redners auch dem aufmerksamen Ohr verloren. Er rühmte die Fortschritte, die der Zionismus in der letzten Zeit gemacht habe überall und insdesonders in England. Das sei kein Wunder, denn im Zionismus müsse man die Förderung von Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit erblicken. Dann sprach er ausführlich von Palästina, dessen Zustand nicht so schlecht sei, wie er „von unseren Gegnern" dargestellt werde; im Gegentheil, Palästina sei ein Land mit reichen Naturschätzen und biete in seinen Hinterländern der Industrie ein großes 'tbsatzgebiet. Dann Plaidirte der Redner warm für die Beiheiligung ur der jüdischen Kolonialbank und schloß, unter stürmischem Beifall Ser Versammlung, mit den Worten, daß der Zionismus eine der größten und erhabensten Bewegungen sei, welche die Welt je gesehen gäbe. Die Diskussion, die dem Vortrag folgte, währte fast bis Mitternacht und bewegte sich in den bekannten zionistischen Anschauungen. Man polemisirte in der schärfsten Weise -- und es kam gier selbst zu einen! Ornungsrnf — gegen die antizionistische Nesoluion des deutschen Nabbinerverbands und meinte rühmend vom Zionismus, daß er „dem Assimilationswerk, das ein Unding sei, in >en Arm fiel". Ein Redner, der sich gegen den Zionismus wandte, chn als Utopie hinstellte und die Frage.aufwarf, wo denn die Zioniten waren, als es sich darum handelte, den rumänischen Juden stilfe zu bringen, konnte sich kaum Gehör verschaffen. Die Unduldamkeit gegen Alle, die nicht unbedingt der zionistischen Fahne folgen, ne schon seit den Anfängen des sogenannten Zionismus besteht, trat uch gestern Abend in die Erscheinung, obgleich Sir FranciS Monteure an alle wahren Zionisten die inständige Bitte gerichtet hatte, Böses (?) mit Gutem zu vergelten und nicht dem schlimmen (?) Beiviel der Gegner zu folgen". ---- München, 18. August. In einem soeben erschienenen Buche über das Zahl verhält» iß der Religionsbekenntnisse in Vayern und Baden" theiltDr.Wilh. Held die betreffenden Ziffern wm Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Jahre 1895 mit. Dieselben ergeben, daß während dieses Zeitraums der Prozentsatz der Protestanten m beiden Ländern gewachsen, der Prozentsatz der Inden wie der der Katholiken gesunken ist. In Bayern kamen im Jahre 1818 auf hundert Einwohner 72.10 Katholiken, 25,78 Protestanten und 1,45 Juden; im Jahre 1895 aber 70.68 Katholiken, 28,19 Protestanten und 0.92 Juden. In Baden zählte man im Jahre 1852 auf hundert Einwohner 66,27 Katholiken, 31,83 Protestanten und 1,75 Juden; im Jahre 1895 dagegen 61,28 Katholiken, 36,95 Protestanten und 1,50 Juden. — Es wird sicher alle Ihre Leser interessiren zu erfahren, daß der allgemein verehrte Geh. Hofrath und Jnstizrath Josephthal in Nürnberg, dessen Verdienste um unsere Sache wohl nicht erst ausführlich geschildert zu werden brauchen, am 8. September d. I. seinen siebzigsten Geburtstag feiern wird. Oesterreich - Ungarn. I^j Wien, 19. August. Von großem Interesse sind die Zahlen der Militärstatistik in Bezug aus unsere Glaubensgenossen. Am 31. Dezember v. I. dienten in der österreichischen Armee 181249 Römischkatholische. 24301 Griechischkatholische, 7571 Inden und 7683 Protestanten. — Unser Stadt rath geht auf seinem Wege der Humanität weiter. Er beschränkt und beschimpft die jüdischen Bürger, wo er nur kann. Znnl Glück giebt es noch höhere Instanzen. In einer der letzten Sitzungen kam der Erlaß der Statthalterei zur Sprache, demzufolge entgegen dem seinerzeit erstatteten Gutachten der Gemeinde Wien der Schlachtviehmarkt mit Rücksicht auf das israelitische Versöhuungsfest vonl 23. auf den 24. September l. I. verlegt wurde. Es wurde beschlossen, den Erlaß „mit Bedauern" zur Kenntniß zu nehmen, und der Hoffnung Ausdruck gegeben, „daß in Hinkunft seitens der Statthalterei mehr den Bedürfnissen und Wünschen der christlichen Bevölkerung Rechnung getragen werde!" — Ebenso hat derselbe Stadtrath gegen die Erlaubniß zum Tempelbau in einer unserer Vorstädte nochmals Rekurs eingelegt. — Hoffentlich ohne Erfolg! — Von dem kürzlich verstorbenen Baron Waldberg erzählen die hiesigen Blätter manche hübsche Anekdote. Er gehörte zu den sogenannten witzigen Millionären. Auch in Bukarest, woselbst er Ende der achtziger Jahre ein bedeutendes Escompte- und Hypothekargeschäft etablirte, war Waldberg eine sehr bekannte Persönlichkeit. Seine außerordentliche Geschäftstüchtigkeit, seine gründliche Kenntniß der ökonomischen Fragen, sowie nicht minder sein kaustischer, stets schlagfertiger Witz machte ihn zum gern gesehenen Gast nicht nur der finanziellen, sondern auch der einflußreichen politischen Persönlichkeiten. Selbst der König empfing ihn sehr oft und unterhielt sich mit ihm gern über finanzielle Fragen zu denen er dann die ihm eigenen witzigen Vergleiche und Anekdoten vorzubringen pflegte. Der schneelose Winter von 1899 hatte eine totale Mißernte und im Anschluß daran den Ausbruch der allgemeinen Krisis herbeigeführt, und die rumänische Regierung war genöthigt gewesen, die 175-Millioneuanleihe in Berlin aufzunehmen. Der Winter des nächsten Jahres war aber ein schneereicher und stellte für den Sommer eine glänzende Ernte in Aussicht. In diesem Winter nun wurde Waldberg vom König Karol empfangen, der, auf die weiße Schneedecke hinweisend, sagte, daß man mit Gottes Hilfe wohl aus der Krisis herauskomlnen werde. „Nun ja," erwiderte der Baron, „die aus Berlin schicken uns das Geld, und der liebe Gott," hier deutete er au den in dichten Flocken fallenden Schnee, „sorgt für die Deckung." — In Kronstadt ist wieder das Ritualmordmärchen aufgetaucht. Eine Frau, die im Versicherungsakt einen Antrag machte, ihr Kind zu versichern. behauptete, es wären ihr für dasselbe 1000 Kronen geboten, da die Inden zum Bau des neuen Tempels Blut brauchten. Man sieht daß die Dummen nie alle werden! — o. Prag, 15. August. Der langjährige Kamps um die möglichst unveränderte Erhaltung des alten jüdischen Friedhofes,— ein Kampf, den die israelitische" Beerdigungsbrüderschast gegen die Prager Stadtgemeinde. beziehungsweise gegen die seither von allen Instanzen genehmigte Regulirungslinie führte, ist gestern endgiltig zu Ungunsten der unveränderten Erhaltung des Friedhofes entschieden worden. Das Stadtverordnetenkollegimn beschloß mit allen gegen sieben Stimmen, dem Friedhofe rund 2000 Quadratmeter der Assanirung zuliebe wegzuuehmen. Der Stadtrath hatte wiederholt diesen Beschluß gefaßt, und die schweren Opfer, zu denen sich die Beerdigungsbrüderschaft entschlossen hatte, waren vergeblich angeboten. Sie bot die Abtretung einer Fläche von 450 Quadratmeter, die Zahlung einer Summe von 60000 Kr. und die Tragung aller mit der Aenderung des Lagerplanes verbundenen Kosten an, sie legte mehrere Pläne vor, wie die Regulirungslinie ohne Beeinträchtigung des Gesammtplanes abgeändert werden könnte. Nichts nutzten die Eingaben, die alle tschechischen Künstler- und Schriftstellervereinigungen Prags an die Kommune richteten, um den alten jüdischen Friedhof, eine der größten Sehenswürdigkeiten der Lalldeshauptstadt, intakt zu erhalten. Da entschloß sich die Beerdigungsbrüderschaft, direkt all die Stadtverordneten