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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-23 · Heft 34 (23.8.1901) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 34 (23.8.1901)
Date
1901-08-23
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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s Oestro wo, den Bestand von Legatgeldern in Hohe von 21 000 Mark als Baugelder für Gerneindebauten zu verwenden, mit der Maßgabe bestätigt, daß die Gemeinde hierfür einen Hypothekenbrief auf die Grundstücke in gleicher Summe bei der Negierung hinterlegt. — Das Wolf Manassesche Ehepaar in Mo sch in feierte neulich das Fest der goldenen Hochzeit. — Kantor Neinard aus Obornik ist als Schächter der Hauptgeineinde zu Posen berufen worden. — Der Köllig hat die Annahme des von dem verstorbenen Neutier Abraham Cohn in Ostrowo der dortigen Shnagogeugemeinde hinterlassenen Legats in Höhe voll 5500 Mark genehmigt. ) Hildesheim, 15. August. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat in der in vor. Nummer erwähnten Schächtangelegenheit an das Bnrgervorsteherkolleginm eine Eingabe gerichtet, die in würdigerund treffender Weise alle Einwürse zurückweist, die gegen die jüdische Schächtmethode in öffentlicher Sitzung erhoben wurden. Zunächst wendet sich die Eingabe gegen die falsche Behauptung, die Vorbereitungen zum Schächten seien ebenfalls Thierquälerei. Es heißt dann weiter: Schon am 28. Oktober 1900 schrieben wir an die wohllöbliche Polizeidirektion, daß wir, wie wir die bei Einrichtung des Schlachthoses gerügten Mängel sogleich in umfassender Weise abgestellt haben, auch in Zukunft allen nach dieser Richtung hin berechtigten Wünschen gern entgegenkommen würden. Es sind aber keinerlei diesbezügliche Wünsche all uns herangetreten. Wenn Herr Senator Dr. Gerland ferner behauptet, daß ihm das Schächten vom deutsch-nationalen Standpunkte aus nicht gefalle, so vermag der ergebenst Unterzeichnete Vorstand, der sich bewußt ist, daß er sich ebensowohl wie die ganze jüdische Gemeinde im deutschen Natioualgefühl von Niemandem übertreffen läßt, nicht einzusehen, was eine rein religiöse Vorschrift mit dem Natioualgefühl zu thun hat. Hat doch auch die königlich preußische Armeeverwaltung für die königlichen Konservenfabriken in Spandau und Mainz, in welchen der Bedarf an Fleischkonserven für die Armee hergestellt wird, ausdrücklich Tödten mittelst Schächtschnitts vorgeschrieben. Wenn Herr Senator Dr. Gerland ferner behauptet, daß nach den neueren Forschungen das durch das Schächten bewirkte stärkere Ausbluten nicht zur besseren Verdaulichkeit des Fleisches beitrage, so haben wir zu erwidern, daß dieses auch unseres Wissens überhaupt noch nie behauptet ist. Wir behaupten nur, daß durch das stärkere Ausbluten eine größere Haltbarkeit des Fleisches erzielt wird, und diese Behauptung wird wohl von keiner Seite bestritten. Das ist auch der Grund, warum für die oben erwähnten königlichen Anstalten die Schächtmethode vorgeschrieben ist. Das ist, was der Vorstand dein Bürgervorsteherkolleginm über das Schächten im Allgemeinen mitzntheilen hätte. Hieran fügt er aber noch eine Auseinandersetzung über die Verhältnisse aus dem hiesigen Schlachthofe und über die der Syuagogengemeinde genlachten Vorwürfe. Es ist behauptet worden, daß auf hiesigem Schlachthofe; oder gar 80 Prozent der Thiere nach jüdischem Ritus geschlachtet werden. Diese Behauptung ist unrichtig, wie ziffernmäßig dargelegt wird. Es ist ferner unrichtig, daß der Gemeindevorstand ausgefordert sei, die Zahl der geschachteten Thiere anzugebeu, er ist vielmehr aufgefordert, die Zahl der zur Befriedigung des Hausbedarfs der hiesigen Israeliten nöthigen Thiere anzugebeu. Dieses Allsinnen hat der Vorstand abgelehnt und ablehnen müssen, weil das vollständig unerheblich ist und jeder Modus zur Berechnung einer derartigen Zahl fehlt. Nach all diesem, kann es der Vorstand getrost dem Urtheil der Bürgervorsteher überlassen, zu entscheiden, ob die ihm gemachten Vorwürfe gerechtfertigt sind oder nicht. Zum Schluß heißt es: „Auf das Sorgfältigste werden wir darüber wachen, daß das Schächten so weit wie irgend möglich eingeschränkt wird, aber niemals können wir unsere Hand dazu bieten, daß das Schächten, eine religiöse Einrichtung des Judeuthums, unter die Jurisdiktion der städtischen Polizeidirektion kommt." Im Uebrigen scheint sich die SchÜchtfrage immer mehr zu einer antisemitischen Aktion auswachsen Zll wollen. Nach den Berichten über die betreffende Debatte in den städtischen Kollegien konnte mall den Eindruck gewinnen, als ob die Synagogeugemeiude der Polizeidirektion gegenüber aus Beibehaltung der Schächtuug im weitesteil Maßstabe gedrungen habe. Das ist aber keineswegs der Fall gewesen. Die Shnagogeugemeinde hat sich vielmehr in entgegen kommender Weise bereit erklärt, die Schächtungen einzuschränken, soweit es mit den Kultusanfordernngen der Gemeinde nur irgendwie zu vereinigen sei. Es hat also an dem guten Willen der israelitischen Mitbürger keineswegs gefehlt. Die Bürgervorsteher, welche das Ansinnen der Polizeidirektion auf Einschränkung beziehungsweise Abschaffung der Schächtuug verworfen haben, gehören sämmtlich der christlichen Konfession an und haben ihr Votum aus rein sachlichen Gründen gefällt. In der Bürgerschaft wird natürlich trotzdem gegen sie weidlich gehetzt. Der hiesige „Kourier", ein kollservativ-agrarisch-antisemitisches Organ, veröffentlicht hellte sogar einen vom nacktesten Antisemitismus strotzenden Artikel, worill der Vorschlag gemacht wird, das „Nürnberg des Nordens" Hillfort „Hildesheim, das koschere" Zu nennen. Es genügt wohl, derartige antisemitische Hetzereien vor einem gröberen Publikum hiermit gebührend niedriger zu hängen und den Hildesheimer israelitischen Geschäftsleuten darüber die Augen zu öffnen, daß sie durch ihr fleißiges Jnseriren in dem genannten Organ sich selbst direkt empfindlichst ins eigene Fleisch schneiden. in. Hamburg, 19. August. Herr Ferdinand Seligmann, langjähriges Mitglied des Nepräsentautenkollegiums unserer Gemeinde, ist am Donnerstag plötzlich im 67. Lebensjahre gestorben. Der Ver blichene erfreute sich in weiteren Kreisen hoher Werthschützung; er zählte zu den angesehensten Mitgliedern der Hamburger Kaufmann schaft, seit dem Jahre 1868 gehörte er dem Vorstände der Hamburger Getreidebörse an und wurde schließlich zum Vorsitzenden der Ge treidebörse gewählt. Als der Verein der Getreidehändler im Jahn 1893 sein 25 jähriges Bestehen feierte, wurde sein Vorsitzender Ferdinand Seligmanu wegen der im Interesse des Vereins stets und unermüdlich entwickelten Thätigkeit dadurch geehrt, daß man sein Bildniß von Künstler-Hand in Oel ausführen und im Konferenzsaal in der Börse aufhäugen ließ, als Beweis der Hochachtung und Zu Neigung, die allerseits für den Präsidenten des Vereins empfunden wurde. Im „Verein der Spiritusinteressenteu der Hamburger Börse", in der „Brauerei Germania" und noch vielen anderen Institutionen gehörte er dem Aussichtsrathe au. Trotz seiner ausgebreiteten geschäftlichen Thätigkeit gehörte er der Verwaltung der verschiedensten Ge meiudeiustitutionen an, seit vielen Jahren war er ein hervor ragendes Vorstandsmitglied des Tempelverbandes. Inmitten seiner geschäftlichen Thätigkeit. als er einer Sitzung des Aufsichtsrathes präsidirte, wurde er vom Tode ereilt. Die gestern stattgefuudene Be erdigung fand unter großer Betheiliguug weiterer Kreise statt; außer den Verwandten und zahlreichen Freunden des Verblichenen halten sich im Trauerhause viele Mitglieder der Handelskammer und zahl reiche Vertreter des Handels und der Finauzwelt eiugefunden. De? Vorstand der Deutsch-israelitischen Gemeinde war durch die Herren Jos. Schöufeld und Alfred Levh vertreten, das Nepräsentantenkollegium und die übrigen Gemeindeinstitutionen hatten Delegirte zur Trauer seier entsandt, der Vorstand der Tempelgemeinde und die Beamten waren vollzählig erschienen. Deputationen der Handelskammer nick der übrigen Vereinigungen legten kostbare Blumeuspeuden am Sarg nieder. Die Trauerrede hielt Herr Prediger Dr. Leimdörfer, der seinen Ferienaufenthalt in Norderney unterbrochen hatte, um dem lieben Freund und Gönner die letzte Ehre zu erweisen. Der Trauerredne? hatte sich zum Textwort die nachstehenden Worte aus dem letzter Wochenabschnitt Deuteronominum Kapitel 16 Vers 20 gewählt: „Nack Recht und Gerechtigkeit sollst du streben, auf daß du lebest und in Besitz nehmest das Land, das der Ewige dein Gott dir giebt." In ergreifender Weise gab der Prediger der Trauer Ausdruck über den Verlust eines Mannes, der sich in aller Kreisen unserer Stadt große unvergängliche Verdienste erworben. Ir? beredten Worten schilderte der Redner den Lebensweg des Verblichenen dessen Leitspruch bei allen seinen Handlungen war, nach Recht und Gerechtigkeit zu streben. Mit Trostesworteu an die hinterblieben Gattin und den einzigen Sohn schloß die wirkungsvolle Rede. Unte den Klängen eines Chorals wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben, der großartige Leichenkondukt bewegte sich nach den; israelitischen Friedhof Ohlsdorf. In der Friedhofskapelle widmete Herr Prediger Dr. C. Seligmaun dem Dahingeschiedenen im Namen des Vorstandes des Tempelverbauves einen tief empfundenen Nachruf der Vorsitzende der Loge Emauuel, Herr Will). Welzieu, sprach au offener Gruft noch ein herzliches Abschiedswort. Nach dem Segens spruch des Geistlichen wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. Tief bewegt und unter allseitigen herzlichen Theiluahmsbezeuguugen schieden die Leidtragenden vom Grabe. AI. Hamburg, 14. August. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israel itisch er Kind er konnte auch in diesem Jahre etwa 130 Kindern die Erholung eines Ferienaufenthaltes ge-

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