Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1901)
- Date
- 1901-08-23
- Page
- Seite 405 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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405 bringt auf lor meinem > Betrachten nenschlichen, Bilder. In Pyramiden, er Eitelkeit, Zchwermuth ßig schönen, i. Ringsum Schlangenrand goldig c Oberfläche s Krokodils «es gleichen. Und die der Lotoslüstern geintes Zwiebeutegierige n . . . mitten im ms säulendie goldhier endlos am fernen e mit der und die Wällen der Ischaft ver- Glaubensrke: Jivan ier arbeitet Bildhauer, reits eines i geistvolle z in Paris t erfreuen r hatte sich t zahlreiche damaligen ins Klemer in Kolossal- " als Borden weiten ebenso ausdas große Geschmack Günzburg sigkeit ein ind Lehrers «en, wo der uen Lehms chafft, bald ie umwebt, en sich Präger Maler, der feinem Atelier, in dem er Meisterwerke schuf, das Gepräge orientalischen Luxus, gepaart mit westlicher Kultur verlieh. Professor Klemer stand damals auf dem Zenith seines künstlerischen Ruhmes und verwandelte sein Prächtiges Atelier in ein kokettes, phantastisches Boudoir, in welchem sich eine reiche Kollektion alles nur denkbaren Excentrischen und Exotischen befand: türkische und persische Teppiche, indische und malayische Waffen, altgriechische Helme und gothische Sessel, ein abscheulicher kupferner, grinsender Buddah und das Elfenbeinmodell des Salomonischen Tempels; ein mit prächtigen Perlmutteriukrustationen reich verziertes Büreau-Empire und ein großer metallener Schiwa mit allen Attributen dieses indischen Gottes; eine bengalische Pagode und arabische Amul»tte, ein Miniaturatlasschuh der Tänzerin Taglioni und ein reich mit Gold gestickter Gürtel von Adeline Patti; ein bronzener Confucius streckt die Hand einem hölzernen florentinischen Polichinell entgegen; riesige Büsten und Miniatursiatuetten; ei» gigantischer ausgestopfter Adler, dem Anscheine nach frei in der Luft schwebend und seine riesigen Fittiche über das Atelier ausbreitend und ein Ritter in voller Eisenrüstung mit geschlossenem Visir und in der mit eisernen Handschuhen bekleideten Hand eilt mächtiges Schwert haltend, gleichsam als fordere er die gesammte Gesellschaft der Gegenwart der Epoche zum blutigen Streite heraus. Und neben diesem leblosen, drohenden Repräsentanten des Faustrechts — ein riesiger Bür ans den Hinterfüßen stehend, und in seiner mächtigen Kralle galant ein Plateau haltend, auf welchem ein Krystallgesäß mit rvther Limonade steht, die ganz wie frisches Blut aussieht . . . Ueberall indische, persische und türkische Gewebe, Dolche, Jatagans und Gewehre verschiedener Epochen und Phantastischer Formen. Und in diesen: exotischen Wirrwar empfing der Künstler die tine klcmr der Petersburger Gesellschaft, die Vertreter der höchsten gesellschaftlichen Sphäre, Mitglieder des diplomatischen Corps, der Armee und Flotte, der Hierarchie, Kunst, Wissenschaft, der Theater u. s. w. Wie ich bereits erwähnt, war die Gesellschaft eben so international als dies Atelier, in dem sie sich befand. Ich wähle aus der Menge anfs Grathewohl einige Typen hervor. Auf eine türkische Diva neben einer entzückenden Blondine mit dunklen, meerestiesen Augen und einem bezaubernden Lächeln um die stolz gewölbten vollen Purpurlippen folgt der diplomatische Vertreter des geeinigten Italien Graf GrePPi, ein ehrwürdiger General, der sich trotz seines hohen Alters kerzengrade hält, wie um einen Ausdruck von Heine zu gebrauchen, „als hätte er den Stock verschluckt, mit dem man ihn geprügelt", nota Kone, als er noch ein obscurer Soldat gewesen. Graf GrePPi war stets Philosemit gewesen, was sich vielleicht dadurch erklärt, daß der Gegenstand seiner ersten innigsten Liebe eine gluthäugige Zionstochter gewesen, der er vergeblich Hand und Herz angeboten hatte. Dieser Roman, mit dessen spannenden Inhalt mich der italienische Diplomat in einer Stunde voll Offenherzigkeit bekannt machte, begann an: Gestade des blumigen Arno und endete an den Ufern der Weißen Newa. Ich werde nicht ermangeln, diese spannende Episode mitzntheilen, in welcher eine unserer Glaubensgenossinnen eine so ehrenvolle und hervorragende Nolle spielt. Unweit vom Repräsentanten des geeinigten Italiens, der Vertreter Ihrer Katholischen Majestät, der spanische Botschafter Marquis Campo di San Grado, Grand ersten Ranges, legitimer Ehegemahl einer bourbonischen Infantin, Cousin der Exkönigin Jsabella, was jedoch den hiberischen Diplomaten nicht hindert, inehr einen: Mynheer, einem holländischen Schiffskapitän, als einem spanischen Botschafter zu ähneln. Eine Hünengestalt, korpulent, breitschulterig, mit breitem, fleischigen, von einem schütternblvnden Vollbärtchen eingerahmten Gesicht, mit einer großen, fleischigen Nase und mächtiger breiter Brust, ist der edle Marquis sehr sympathisch und disponirt zu seinen Gunsten, dank seiner Herzensgüte und den lieben blauen, treuherzigen Augen und den: gewinnenden Lächeln um die wulstigen Lippen. Trotz seiner Verwandtschaft mit Jsabella und Ferdinand den Katholischen, ans deren drakonische Verordnung vor vierhundert und etlichen Jahren die Inden aus Spanien vertrieben, gefoltert, ans dem ^nlo «ln 1«- n«I mnjornm llei ^lorinm verbrannt oder «gewaltsam convertirt wurden, verhält sich der Maquis Campo di San Grado zu den Inden sehr sympathisch, besonders zu dem ewig Weiblichen des Stammes Israel. Außer diesen beiden Vertretern der Diplomatie waren hier hochgestellte Generale und Admirale, Professoren der Akademie und Universität, Zeitungsredakteurc und Schriftsteller, zahlreiche Künstler, Maler, Bildhauer, Schauspieler und Schauspielerinnen, Sänger und Sängerinnen, Ballerinen, eine berühmte Sängerin der kaiserlichen Oper, hinter deren italienisch klingendem Namen sich eine polnische Jüdin birgt, wie überhaupt das künstlerische Element fast ausschließlich aus Vertretern des semitische«: Stammes bestand, die im Leben Rußlands eine weit größere Rolle spielen, als man überhaupt annimmt. Die ersten Kräfte auf den: Gebiete der Künste (Bildhauerei, Malerei) und des Gesanges, die beste:: Zöglinge der Musikschule sind Inden und Jüdinnen (Flügel, Geige u. s. w.), und nur sagte neulich ein bekannter Professor des Petersburger Konservatoriums: „Wenn wir nicht jüdische Zöglinge hätten, so könnten wir die Bude schließen." Bekanntlich war der Gründer des Konservatoriums, Anton Nubinstein, Semit, sein Nachfolger, der berühmte Cellist Davydow, gleichfalls, und die Majorität der Professoren, dito. Lehrende und Lernende gehören zu der auserwählten Nation, die auch in: Klemer'schen Atelier sehr zahlreich vertreten war. Hierbei muß ich bemerken, daß zwischen allen den Anwesenden jeglicher Unterschied von Rang, Rasse und Konfession aufgehört hatte. Es hatte sich ein förmlicher Nivellirungsprozeß vollzogen; es herrschte vollständige Harmonie, absolute Gleichheit, und nur das Talent war maßgebend. Schade, daß in der russischen Gesellschaft sich nicht eine ähnliche tröstliche Erscheinung wie in den: Künstleratelier bemerkbar «nacht. Doch da bemerke ich zu meinen: unsäglichen Entsetzen, daß ich bei der Schilderung der in dem Künstleratelier versammelten Gesellschaft die Hauptperson meiner Erzählung ganz außer Acht gelassen und seiner nicht einmal mit einen: Worte erwähnt habe. Ich beeile mich, dieses unwillkürliche Versäumniß nachzuholen, und gestatte mir, den: geneigten Leser eine Persönlichkeit vorzustellen, die so bemerkenswerth ist, daß ich ihr ein besonderes Kapitel widmen muß, wobei ich es für meine Pflicht halte, hinzuzufügeu, daß genannter Herr diese Aufmerksamkeit nicht blos durch seine hervorragende soziale Stellung, sondern auch durch seine hohen moralischen Eigenschaften beanspruchen kann, ganz insbesondere jedoch durch seine in hohem Grade bemerkeuswerthen Beziehungen zu der ewigen