Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1901)
- Date
- 1901-08-23
- Page
- Seite 404 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Metalle, namentlich Messing, reichliche Verwendung. Wie bei dem Leuchter im Tempel, sind Blätter und Blüthen, die an den halbkreisförmig ansteigenden Röhren sitzen, Hauptmotive der Verzierungen. Reizende Muster finden sich auch unter den vor der heiligen Lade hängenden sogenannten ewigen Lampen. Pokale und Becher, Riechdosen, Schalen, Kannen und Becken, sämmtlich aus Silber, gehören zum stehenden Inventar der Synagogen; Gebetbücher mit oft entzückend gemalten Initialen, prächtigen Einbänden und Schlössen! fehlen selbstverständlich nicht, und Tischler und Tapezirer finden nicht nur im Gestühl, sondern auch in zu bestimmten rituellen Zwecken verwendeten Stühlen und Kissen Gelegenheit, höhere Kunstfertigkeit zu zeigen. Sehen wir aber, dasz das Kunstgewerbe in gar mancher Weise in den Synagogen gepflegt wird, so ist dies nur eine Folge der Liebe, mit welcher auch in den einzelnen Familien die religiösen Gebräuche in möglichst schöner Weise ausgeführt werden. Jeder siebente Ruhetag und jedes Fest giebt erwünschte Veranlassung, die angewendeten Gegenstände zu verzieren oder möglichst hübsch anfertigen zu lassen, und ein Schatzgräber würde, ebenso wie in den Synagogen, eine Fülle künstlerisch schöner und charakteristischer Gegenstände auch in den jüdischen Privathäusern finden. Lon.rLi-014 Der türkische Diplomat und die rassische Jüdin?) Eine Episode aus dem Leben Po» Robert Jljisch. I. In einem Rünstleratelier. /(Aps war in der ersten Hälfte der achtziger Jahre, im Februar, an einem dieser wundervollen herrlichen Sonnentage, mit welchen die gewöhnlich sehr spröde und nicht sonderlich generöse Natur manchmal, gleichsam in einem plötzlichen Anfalle überwallender Großmuth, die nordische Palmyre beglückt. Am wolkenlosen, lasurblauen Himmelsdome leuchtete eine fast südliche Sonne, und ihre goldenen Strahlen küssten die blöde blinzelnden Augen der zwei gigantischen ägyptischen Granitsphinxe, welche auf ihren Marmorpiedestalen an dem Gestade des stolzen Newastromes zu Füßen des von der Kolossalstatue der Minerva gekrönten monumentalen Gebäudes der Akademie der Künste in beschaulicher Majestät ruhen, gleichsam diesen der hehren Kunst geweihten Tempel bewachend. Der Anblick dieser ans dein Lande der Pharaonen exportirten mysteriösen Thiere, Denkmäler einer längst entschwundenen Vergangenheit, die vielleicht stumme Zeugeil des y Diese hoch interessante Erzählung erschien vor Kurzem in der unlängst »en begründeten russisch-jüdischen Wochenschrift „Bnduschtschnost" (Die Zukunft) und erregte in den höchsten Kreisen der russischen Metropole großes Aufsehen, da der Verfasser die ritterliche Gestalt des berühmten türkischen Feldherr» und Diplomaten von einer ganz neuen sympathischen Seite darstellt und den heldenmüthigen Vertheidiger des Schipkapasses (während des russisch-türkischen Krieges von 1877—78) als Humanisten und Philosemiten zeichnete. Exodus unserer Vorfahren aus Mizraim waren, bringt ans mich stets eineil gar seltsamen Eindruck empor. Vor meinem geistigen Auge entstehen nicht selten beim längeren Betrachten dieser altersgrauen Granitgestalten mit den schier menschlichen, tränmerisch-räthselhaften Augen gar phantastische Bilder. In nebelhafter Ferne der Wüste erheben sich gigantische Pyramiden, Denkmäler menschlicher, über das Grab reichender Eitelkeit, welche von riesigen Sphinxen mit den Spuren tiefer Schwermuth und unendlich Geheunnißvollem auf dem regelmäßig schönen, leidenschaftslosen menschlichen Antlitz behütet waren. Ringsum lagern sagenhafte, ungeheuerliche Thiergestalten. Schlangenförmig windet sich das flimmernde, im Sonnenbrand goldig aufleuchtende Band des Nils, auf dessen krystallener Oberfläche von Zeit zu Zeit sich der entsetzliche Kopf eines Krokodils emporhebt, das mit seinen dem Weinen eines Kindes gleichen, langgedehnten Tönen Opfer heranzulocken sucht. Und die wunderbaren, blüthenweißen, transparenten Blätter der Lotosblume erbeben, die Blätter der Fächerpalme flüstern geheimnißvoll, scheinen mit einander ein gar interessantes Zwiegespräch zu führen, und in der Ferne läßt der beutegierige Schakal seine entsetzlichen, klagenden Töne erschallen . . . Nicht wahr, ein gar seltsames Traumgebild mitten im Herzen von Petersburg, mit einem Blick auf das säulengetragene Dach des Merkurtempels, alias Börse, die goldschimmernde Kuppel der Thomaskirche und das schier endlos dünkende Häusermeer der Residenz, das sich am ferne» Horizont verliert. * L * In einem der großen Ateliers der Akademie mit der Aussicht auf die glitzernde Eisfläche der Newa und die dräuenden, dunklen Schießscharten in den Granitwällen der Peterpaulsfestnng hatte sich eine zahlreiche Gesellschaft versammelt. Im selben Atelier schuf unser berühmter Glaubensgenosse Professor Markus Antokolski seine Meisterwerke: Iwan den Grausamen und Spinoza. In demselben Atelier arbeitet gegenwärtig ein zweiter hochbegabter jüdischer Bildhauer, Jlja Günzburg, der trotz seiner Jugend sich bereits eines großen, wohlverdienten Rufes erfreut, und dessen geistvolle Produktionen gegenwärtig auf der Weltausstellung in Paris sich einer so großen und wohlverdienten Beliebtheit erfreuen. In diesem derartig historisch gewordenen Atelier hatte sich wie gesagt, dazumal vor etwa 18 Jahren eine recht zahlreiche Gesellschaft versammelt, welche der Einladung des damaligen Inhabers dieses künstlerischen Heims, Prosessor Julius Klemer, Folge geleistet hatte, um seine neueste Produktion, ein Kolossalgemälde, dem die Goethesche Ballade „Der Erlkönig" als Vorwurf diente, in Augenschein zu nehmen. Die in den weiten hohen Räumen versammelte Gesellschaft hatte einen ebenso ausgeprägten international-exotischen Charakter als das große excentrisch, doch mit erlesenem, echt künstlerischem Geschmack dekorirte Gemach, Da, wo jetzt der jugendliche jüdische Bildhauer Günzburg eine rein puritanische Einfachheit und Schmucklosigkeit ein geführt (dem Vorbilde seines großen Vorgängers und Lehrers Antokolski folgend), wo Sie wirklich ernste Arbeit sehen, wo der talentvolle Bildhauer großen Haufen schmutziggrauen Lehms Leben verleiht und aus ihnen reizende Gestalten schafft, bald voll köstlichen Humors, bald vom Hauch edler Poesie umwebt, bald in hochdramatischen, oft sogar tragischen Formen sich präsentirend — herrschte dazumal ein lebensfrendigerarischer Maler,