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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-23 · Heft 34 (23.8.1901) · p. Seite 403

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 34 (23.8.1901)
Date
1901-08-23
Page
Seite 403 (sequence 9)
Language
German
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403 Arbeit, in jeder Größe, oft mit echten Steinen und mit Emaileinlageu verziert, findet man sie, mehr oder minderschön. in Tausenden von Exemplaren. Gold tritt nur zur Belebung der Zeichnung auf, kleine goldene Glöckchen sind ini Jnnenraum der Krone anfgehängt, die Spitze bilden Löwen, Sterne, Gesetzestafeln, Kugeln, Blumen u. s. iv. Auf einer Krone, die vor reichlich hundert Jahren in Hamburg angefertigt und sich auch im Besitz der dortigen Synagoge Elbstraße befindet, dienen die unteren hohlen Cylinder zur Befestigung aus den Holzspitzen der Thorarolle. Diese eingerechnet, ist die Krone fünfundfünfzig Centimeter hoch. Sie ist ganz aus Silber geschlagen, Kngel und Glocken sind vergoldet. Eine andere Form der Thorabekrönuug ist die der sogenannten Thürme; das sind silberne Aufbauten, die ans einer jeden der beiden Spitzen der Thvrarolle bis zu 70 Centimeter Höhe emporsteigen. Stets paarweise verwendet, sind sie wegen der Bequemlichkeit, mit der sie ans die Spitzen zn stecken sind, beliebt; die Cylinder der Kronen laufen in Schienen, um jede Weite zwischen den Spitzen annchmen zu können. Da die untere Weite der Thürme nur ca. 20 Centimeter im Durchmesser betragen darf, sind die Formen mehr zierlich. Filigran wird daher gern angeweudet. Die zart läutenden Glocken hängen oft außerhalb der Grundform; die sich nach oben verjüngende Spitze trägt oft »och die so beliebte Krone cm niinioture. So ist es auch bei einem Thürmchen, das die seltener gewählte viereckige Grundform zeigt. An jeder Seite hängt eine goldene Glocke in der rundbogig abgeschlossenen Mitte, die Wände und die Krone sind in feinstem Filigran gearbeitet, Säule, Ober- und Unterdeckel aus Silber kunstvoll getrieben. Dieser Thurm, seit 1820 in Hamburger Privatbesitz, soll aus Italien stammen. Doch noch einen anderen größeren Schmuck hat der Wuusch, der Liebe zum Gottesgesetz Ausdruck zu geben, erdacht. Um die Spitzen der Thorarolle wird eine silberne verzierte Tafel, Schild genannt, an Ketten gehängt, so daß er bis zur Mitte des bereits erwähnten farbig seidenen Ueberzuges herabhängt, von welchem er sich wirkungsvoll abhebt. Die zumeist angewendeten Schildmotive sind: Löwe. Krone, Gesetzestafeln und ein Behälter mit Silberplatten, auf welchen der Namen des jeweiligen Festtages eingravirt ist. Der Schild wird auch als Erinnerung an den Brustschild des Hohenpriesters aufgefaßt, so bei einer ganz inodernen Londoner Goldschmiedearbeit, bei welcher die 12 farbigen Edelsteine des Brustschildes, iu vier Reihen übereinandergeordnet, die Mitte und einzige Verzierung bildete. Ans glattpolirter silberner Flüche ruhend, welche nur von einer mattgehaltenen Blätterbordüre umrandet ist, hebt sich die Mitte mit ihren farbig strahlenden Steinen wirkungsvoll ab. Es wäre überhaupt interessant zu sehen, wie die verschiedeneil Synagogenornamente in den verschiedenen Ländern verschieden ausgeführt wurden; trotz aller Uebereinstimmung würde sich manch charakteristisches Unterscheidungsmerkmal finden, über dessen Ursprung interessante Untersuchungen angestellt werden könnten. Die nur für jüdische Kunstfertigkeiten eingerichtete Sammlung in Wien bietet ja manches schöne Beispiel, die Kunstgewerbemuseen in Düsseldorf, Hamburg u. s. w. enthalten manches ausgewühlte Stück; das heute allgemein bekannte Material ist aber doch ein zu geringes, um ein abschließendes Urtheil zu ermöglichen. Noch eines anderen Zierrathes müssen wir Erwühnun g thun, das, auch in der kleinsten Gemeinde in Silber vorhanden' seiner praktischen Verwerthung halber bei jeder Thorarolle zu finden ist. Es ist eine 20 bis 40 am lange, mehr oder minder reich verzierte silberne Stange, Zeiger oder Hand genannt welche zum Aufzeigen beim Vorlesen aus der Thora dient. Fast immer bildet eine Hand die obere Endigung, der vorgestreckte Zeigefinger dient als der eigentliche Hinweiser. Während aber Kronen und Schilder nur in Silber ausgeführt und oft echte Steine an ihnen verwendet werden, sind diese Zeiger bisweilen auch aus Holz, Elfenbein, Schildpatt n. s. w. gefertigt, je nach dem Vermögen des Schenkers. Der Ort der Thoravorlesung ist größtentheils ein im Mittelschiff der Synagoge befindliches, der heiligen Lade gegenüberstehendes breites Lesepult. In der einfachsten Form ist es einem einfachen Schreibpult ähnlich, kommt vielfach aber auch in eleganter Ausführung vor. Es ist dann ein erhöhter, mehrere Quadratmeter umfassender Aufbau mit Pulten und Bänken, Kandelabern, Leuchtern und Decken und reich verziert. Wer es weiß, wie anregend und frohbelebend die Vorlesung aus den fünf Büchern Mosis wirkt, daß ihr Inhalt nicht nur Gesetz-, Geschichtsbuch und Mvrallehre ist, sondern auch eine Quelle reinsten Glückes und edelsten Stolzes, zu eifrigem Forschen treibend und zn opferfreudigen Thateu begeisternd, wer das weiß, der wird auch wohl leicht begreifen, wie groß zu jeder Zeit die Zahl Derjenigen war, die sich zu Spenden für die Ausschmückung der Synagogen angeregt fühlten. Denn sowohl Thorarolle wie Vorhänge, Silberschmuck, Leuchter und fast alle Gebrauchsgegeustände sind Gaben Privater, sei es zur Feier eines frohen Familienfestes geschenkt, sei es zur Erinnerung an eineil geliebten Verstorbenen gewidmet. Oft giebt eine Eingravirung n. s. w. den Grnnd der Schenkung an, wenn die Spender eines Gegenstandes nicht genannt sind, kann man sicher sein, daß sie nur aus Bescheidenheit ihren Namen nicht nennen wollten. Und dabei sind wahrlich nicht nur die Reicheil die Spender, auch der kleine Mann schwingt sich oft zusolcher Widmung auf, gar manche Frau hat die Edelsteine ihres Schmuckes gern hergegeben, um sie in eine Krone u. s. w. einsetzen zu lassen. Der Anschaffungswerth einer mittelgroßen Thvrarolle beträgt mindestens 600 bis 1000 Mark, die kleinste der ca. 2500 deutschen Gemeinden besitzt aber deren drei, während die großen oft über 300 Abschriften ihr eigen nennen. Einen ähnlichen Werth haben bei nur handwerksmäßiger Ausführung die silbernen Kronen und Schilder; für silberne Leuchter, hübsch gestickte Vorhänge und Decken werden gern 500 Mark und mehr ausgegeben, so daß nicht nur in künstlerischer sondern auch in materieller Hinsicht von Synagogenschätzen gesprochen werden darf. Wenn die geschilderte Schmückung der Gesetzesabschrist und ihres Standortes einen großen Theil der Kunstbethätigung in der Synagoge einnimmt, so äußert sie sich doch auch in manch anderer Richtung. So spielt die Beleuchtung bei den oft Abends stattfindenden Gottesdiensten eine große Rolle. Die dabei zur Verwendung gelangenden Kronen, Leuchter und Kandelaber sind oft reich verziert. Eine besonders eigenartige Form bietet der in jeder Synagoge befindliche achtarmige Leuchter, dessen Lichter sämmtlich in einer Reihe stehen, ähnlich dem siebeuarliiigen im Salomonischen Tempel. Bei der Größe des Leuchters (oft ist er l'/s bis 2 Meter hoch) finden die unedlen

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