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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-23 · Heft 34 (23.8.1901) · p. Seite 401

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 34 (23.8.1901)
Date
1901-08-23
Page
Seite 401 (sequence 7)
Language
German
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401 Wie mir von Hochdemselben mitgetheilt wurde, soll die eigentliche Festfeier eun 22. September stattfinden. Null ist aber der 22. September der Rüsttag zum Versöhuuugsfeste. au welchem sich der gesetzestreue Bekenner des Judeuthums scholl innerlich zu sammeln und möglichst aller weltlichen Gedanken zu entschlagen hat. Dazu kommt, dasz an diesem Tage bereits um 2 Uhr Nachmittags der sogenannte Mincha-Gottesdienst stattfindet. Es wäre demgemäß dem gesetzestreuen israelitischen Laudwehrmaune durchaus unmöglich, sich an dem Landwehrfeste selbst bis zu dessen Ende zu betheiligen. Zudem müßte er aus das gemüthliche gesellige Beisammensein mit seinen Kameraden, das doch sicherlich unmittelbar nach der Festfeier seinen Anfang nimmt, ganz und gar verzichten. Außerdem würden die auswärtigen jüdischen Landlvehrmänner der Provinz Posen voll der Theilnahme an dem Landwehrfeste so gut wie ausgeschlossen sein, da es ihnen, wenn sie sich zu der letzteren Feier einfachen wollten, unmöglich wäre, noch rechtzeitig zur Begehung des Versöhnuugsfestes in ihrem Henuathsorte einzutreffeu. Ans diesen Gründen wage ich es, an den Hochwohllöblichen Vorstand das erneute Gesuch ganz ergebenst zu richten: Hochgeneigtest mit Rücksichtnahme auf die jüdischen Landwehrmänuer Inowrazlaws sowohl wie derjenigen der ganzen Provinz Posen überhaupt das diesjährige Provinziatlandwehrsest aus geeignetere Tage verlegen zu wollen." Auf dieses erneute Gesuch erhielt ich heute — am 3. August folgenden Bescheid: „Den Empfang des gefl. Schreibens vom 29. v. M. bestätigend, bedauern wir lebhaft, Ew. Hochwohlgeboren Wunsch auf Verlegung des Proviuzialverbandsfestes auf einen anderen, für die Kameraden jüdischen Religionsbekenntnisses geeigneteren Termin nicht mehr entsprechen zu können, da die umfangreichen Vorbereitungen für dieses Fest bereits so weit vorgeschritten sind, daß eine Zurücknahme derselben, ohne große Störungen und Kosten zu verursachen, jetzt nicht mehr allgängig ist." So bedauerlich auch der abschlägige Bescheid, der in letzterem Schreiben enthalten, ist, so erkennen nur dennoch die loyale Form, in der er gehalten ist und den Entschuldigungsgrund für denselben als zureichend an. Nichtsdestoweniger aber wäre es sehr wünschenswertst, wenn künftigen Falls die billige Rücksicht auch auf den jüdischen Kalender wohlwollend genommen würde. Gin ungarischer Dichter. rinilMakm, ein talentvoller junger Dichter, der sich in der ungarischen Litteratnr einen Namen erworben, wurde am 6. August in der schönsten Lebensblüthe vom Tode hingerafft. Emil Fischer oder Makai, wie er sich nach seinem Geburtsorte nannte, wurde am 17. November 1871 geboren. Von seinem Vater, dem vor einigen Jahren verstorbenen frommen und gelehrten Rabbiner E. A. Fischer, zum Rabbiner bestimmt, trat der reichbegabte Knabe in das Budapester Landesrabbinerseminar. Noch Schüler der unteren Klasse dieser Anstalt veröffentlichte er einen Band „Religiöse Gedichte" (1888), theils Uebersetzungen von Psalmen und Gebeten, theils Originaldichtungen enthaltend. Bald daraus veröffentlichte er ein biblisches Drama „Absalon", das schon eine gewisse Selbstständigkeit verrietst. Im Seminar lernte er die großen Dichter seines Stammes, den philosophischen Lstriker Salonion Gabirol, den unvergleichlichen Jehuda Halevi und andere Koryphäen des Mittelalters kennen; sie berauschten ihn, und er übersetzte mehrere ihrer Dichtungen ins Ungarische; dieselben erschienen unter dein Titel „Jüdische Dichter" (1891). Man war überrascht von dem Reichthnm und der Eleganz seiner Sprache, und gar mächtig war die Wirkung, welche diese hebräischen Dichtungen auf das große Publikum übte«. Im Jahre 1892 erschien eine farbenglühende Uebertragung des „Hohenliedes". Makai war ein geborener Dichter. Die Liebe zur Poesie hatte ihn so gefesselt, daß er kurz vor der Entlassungsprüfung das Seminar verließ und sich zum großen Schmerze seines orthodoxen Vaters der Litteratnr und der Journalistik zuwendete. Er wurde Mitarbeiter der Zeitung „Pesti Naplo" und lieferte regelmäßig Beiträge für ungarische belletristische Zeitschriften, wie für das von dem bekannten Dichter Joses Kiß, der wie Makai Jude ist, redigirte Wochenblatt „Hot", dessen stellvertretender Redakteur er einige Jahre war, für den „Ungarischen Salon" u. a. m. Der junge Dichter war ungemein produktiv, er arbeitete rastlos und unermüdlich. Er übersetzte Fuldas „Talisman", Sudermanns „Mvrituri", und zahllose Operettentexte wandelten, von ihm zugerichtet, über die ungarischen Bühnen. Eine natürliche Folge der Berührung mit dem Theater war, daß er ernstlich für die Bühne zu schreiben begann. Sein erstes Stück „Das Abenteuer", das im Januar 1897 zum ersten Male über die Bühne ging, wurde oft und immer mit lebhaftein Vergnügeil aufgeführt. Zwei Jahre später schrieb er die „Nobinsone", in dem reizende Verse mit humorvoller Prosa abwechselten, und sür das Lustspieltheater „Der Page der Königin". Sein letztes größeres Bühnenwerk war „Der gelehrte Professor Hatvani", in dem der ungarische Doktor Faust znm Helden gemacht wurde, und das einen dauernden litterarischen Werth hat. Makai, der im Jahre 1898 znm ordentlichen Mitglied der Petöfi-Gesellschaft gewählt wurde, war in den letzten Jahren Schriftführer des Dramenbeurtheilnngskomitees am ungarischen Nationaltheater. Er hatte einen scharfen Geist, ein feines Urtheil, eine gewinnende Schlichtheit und eine liebenswürdige Bescheidenheit. An seiner Bahre wurden von seinen Freunden und Verehrern Reden gehalten. Sein Leichnam wurde seinem letzten Wunsche gemäß nach Mako überführt. Zahlreiche Schriftsteller, Kollegen und Schauspieler gaben ihm zu seiner letzten Ruhestätte das Ehrengeleit. Der ungarische Kultusminister Wlassics, der Intendant des Nationaltheaters Graf Keglevich n. A. richteten an die Fainilie des so jung verstorbenen Dichters Kondvlenztelegramme. iVl. L Gin GedenkblaN zu G. Metzers Geschichte Von Dr. D. Le im darf er in Hamburg. on kulturhistorischem Juteresse ist ein bislang uugedrucktes Blatt vom Jahre 1836, das ein langjähriger Freund Gabriel Rießers diesem zu Ehren verfaßt und bis vor Kurzem sorgfältig anfbewahrt hat, und das mir in voriger Woche — genau 64 Jahre nach dessen Niederschrift — zuging. Es bezieht sich auf die in Hamburg am 27. April 1836 zur Ehrung Rießers vor seiner Uebersiedeluug nach Bockenheim in Kurhessen veranstaltete Abschiedsfeier, von der Rießers Biograph, der altklassische Philologe und Bibliothekar unserer Stadtbibliothek, Dr. M. Jsler, im ersten Bande seiner bekannten Schrift über Rießers Leben Seite 166 berichtet. Dr. Jsler, der mich nach seiner Pensionirnng fast täglich besucht hat

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