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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-16 · Heft 33 (16.8.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 33 (16.8.1901)
Date
1901-08-16
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 durch das Schächten eingeschränkt werden sollte. Indessen waren die Mitglieder des Bürgervorsteherkollegs anderer Ansicht und lehnten das Statut mit 7 gegen 2 Stimmen ab. Es bleibt also vor der Hand aus dem hiesigen Schlachthose bei der freien Wahl der Schlachtarr. Nicht einmal der Oberbürgermeister Struckmann war, wie aus der Verhandlung hervorging, ganz frei von Vorurtheilen gegen das Schächten. Von den andern Herren, die als Gegner auftraten, wiederholten die Meisten die längst entkräfteten Argumente der Beringer und Genossen. Die ganze Verhandlung bot gerade kein erfreuliches Bild; um so erfreulicher ist allerdings das Resultat. f. Leipzig, 13. August. Heute wird Professor Salomon Jadassohn, der als Musikpädagoge wie Theoretiker gleich bedeutende Lehrer der Komposition an unserem Konservatorium 70 Jahre alt. Uns interessirt dieses Ereigniß besonders durch die Verdienste, die sich Jadassohn als Dirigent des „Psalterion" um unseren Leipziger Shnagogenchor erworben hat. Ein geborener Breslauer, hat Jadassohn von Anfang der 1850 Jahre in Leipzig seine künstlerische Heimath gefunden, der denn auch offizielle und sonstige Alwrkennung in reichem Maaße nicht gefehlt hat. So ist Jadassohn n. a. zum Dr. Phil, seitens der Universität Leipzig gewählt worden, er erhielt den Professortitel u. s. w. Unter den mehr als 100 Werken, die der fleißigen Feder des Künstlers entsprossen sind, fehlen auch solche nicht, welche das Gebiet der shnagogalen Musik berühren. Jadassohns theoretische Werke, seine „Harmonielehre", „Kontrapunkt", „Kanon und Fuge". „Formenlehre", „Jnstrumentutionslehre", sind in mehrere Sprachen übersetzt und namentlich in England beliebt. Möge es Herrn Professor Jadassohn noch lange beschieden sein, zu wirken und zu schaffen. n. Dresden, 29. Juli. Der Verwaltungsbericht und die Jahresrechnung unserer Gemeinde auf das Jahr 1900 ist soeben erschienen. Die Israelitische Neligionsgemeinde Dresden hatte Ende 1900 508 (502) stimmberechtigte Mitglieder. Ausgenommen wurden 1900 31 (41) Mitglieder. Ausgeschieden sind 1900 25 (24). Die Neligionsschule besuchten 1900 331 (299) Schüler, 176 (155) Knaben lind 155 .144) Mädchen. Kindergottesdienste wurden, mit Ausnahme der Ferien, an allen Sonnabendnachmittagen abgehalten. Die Neligionsschnle hat sechs Knaben- und sechs Mädchenklassen mit je zweijährigem Kursus für die unterste und die oberste Klasse. An ihr unterrichten Herr Nabbiner Dr. Winter als Direktor, die Herren Auerbach, Wolfsohn, Levi und Frau Wolfsohn. Die Unterrichtszeit ist Sonntags 8 bis 12, Mittwoch und Sonnabend 2 bis 7 Uhr. Das Schulgeld beträgt 2 M. monatlich, bei gleichzeitigem Schulbesuch von Geschwistern sür das zweite Kind 1 M. Für die unterste Klasse ist kein Schulgeld zu entrichten. Freiunterricht genossen Ende 1900 100 (79) Kinder. Nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 3. Dezember 1895 befanden sich von überhaupt 9902 Juden in Sachsen: 2547 in Dresden, 4872 in Leipzig, 995 in Chemnitz, 147 in Zittau, 146 in Plauen, 90 in Annaberg. Das Ergebniß der letzten Volkszählung liegt noch nicht vor. Der Gemeinderath besteht seit dem 1. Januar 1901 ans den Herren: Vorstehern: Adolph Salzburg, Gustav Meher. Dr. Felix Bondi; Depulirten: Max Arnhold, Max Elb, Carl Samuel Glückmann, Julius Hnttentag. Oscar Lesser, Eduard Richard Mattersdorff. Friedrich trister, Heinrich Schlesinger, Gustav Tuchler. Das abgelaufene Verwaltungsjahr ist durch das am 10. Januar begangene Jubiläum unserer 6raukenverpflegnugsgesellschaft und Beerdigungsbrüderschast ausgezeichnet. Mit Ende des Jahres 1899 vollendeten beide Wohlthätigkeitsvereine die erste Hälfte des zweiten Jahrhunderts ihrer segensreichen Thätigkeit. Wie vor 50 Jahren zur Hundertjahrfeier, am 13. Januar 1850, unter Leitung des ausgezeichneten Oberrabbiners Dr. Zacharias Frankel und des benso würdigen als gelehrten Dr. Bernhard Beer, — wie vor -5 Jahren zum Gedächtniß des 125 jährigen Bestehens, am 13. Februar l875, unter Leitung des den meisten Mitgliedern unserer Gemeinde noch wohl erinnerlichen Oberrabbiners Dr. Wolf Landau und Emil Lehmanns, fand auch, nachdem abermals ein Vierteljahrhundert erwrießlicher Liebesthätigkeit beider Vereinigungen verflossen war, an: l0. Januar 1900 zur Begehung des bedeutungsvollen Jubiläums eine zahlreich besuchte Festversamttllung und zwar im Saale des königlichen Belvedere statt, in der Rabbiner Dr. Jacob Winter die gehaltvolle Festrede hielt, die von ihm übrigens auf Ersuchen des Gemeinderathes nachträglich schriftlich fixirt und den Gemeindeakten zum Gedächtnis; 'inverleibt worden ist. Durch den Tod zweier bewährter Mitglieder wurde die Gemeinde und bereit Vertretung im verflossenen Jahre schwer betroffen. Die beiden Männer, die das Shnagogenvorsteheramt mit Gewissenhaftigkeit und Liebe verwalteten, wurden — nur zu früh — aus unserer Mitte gerissen. Am 21. Juni 1900 verstarb Herr Edmund Salomon, zugleich Vorstandsmitglied der Israelitischen Krankenverpslegnngsgesellschast, geboren zu Dresden am 28. September 1839. Ihm folgte in den Tod nach längerem, mit Geduld ertragenem Leiden am 10. August 1900 Herr Moritz Zobel, zugleich Vorsteher der Beerdigungsbrüderschaft, geboren zn Krotoschin am 27. November 1837. Beide haben sich um die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten, insbesondere durch Fürsorge sür den Gottesdienst. Herr Zobel vornehmlich auch während eines längeren Zeitraumes durch die persönliche Leitung des BeerdignngsWesens, hohe Verdienste um unser Gemeindewesen erworben und ihr Andenken wird von uns in Ehren gehalten werden und auf lange hinaus unvergessen sein. Der Bestenernngskornnnssion wurde nach dem Haushaltplan für 1901 die Beschaffung von 36000 M. aufgegeben. An Wohlthätigkeitsvereinen besitzt die Gemeinde folgende: Krankenverpflegungsgesellschaft (Llelcur Omulnu), Beerdigungs-Brüderschaft (Oemilns (7lm880(1nu), Krankennnterstützungsiustitnt (Niselleuess Iluelwulim), Israelitischer Frauenverein (Ivupas nosetürn), Mendelssohn-Verein, Israelitischer Armen- und Fremdenunterstützungsvereili, Verein für Bekleidung der Armen, Verein zur Aussteuer armer Bräute (Haellnossas Kalo), Veerstistung. Kasse für verschämte Arme, Herminenstiftung. Die Einnahmen der Gemeinde betrugen M. 83 498.54, die Ausgaben 89 887 M. 8. Ans dem Regierungsbezirk Osnabrück, 9 August. In Ergänzung unseres jüngsten Artikels unter gleichem Stichwort wollen wir heute noch hinzusügen, daß die Aufhebung der israelitischen Volks sch ille zu Lin gen irgend welche materielle Nachtheile für den derzeitigen Stelleninhaber nicht im Gefolge hat. In einem analogen Fall hat der Kultusminister auf ein eingehendes Referat der königlichen Negierung zn Hannover durch Erlaß vom 18. Oktober v.J. — 17. III. I). 4060.!L. III. 17. — verfügt, daß vor der Auflösung der betreffenden Schule für eine anderweitige Verwendung des definitiv bestellten Lehrers Sorge zu tragen sei; bemerkt sei noch, daß der hierdurch stellenlos gewordene Lehrer sich in Gemäßheit des 8 22 des Lehrerbesoldungsgesetzes vom 3. März 1^97 eine Versetzung nach einergeringer dotirten Stelle nicht gefalle», zu lassen hat. Hoffentlich gelingt es dem Landrabbiner Dr. Lob in Emden in seiner Eigenschaft als Kreisschulinspektor, die in Lingen erschütterten Verhältnisse wieder zu ordnen und die Schule der Gemeinde zu erhalten. Einen materieller: Erfolg darf sich die Gemeinde von der Auflösung ihrer staatlichen Schule nicht versprechen, denn auch die Unterhaltung einer Neligionsschule und der anderen Gemeindeinstitutionen ist mit erheblichen Kosten verknüpft; dazu kommt, daß die Negierung auch Neligionslehrer anstellt, und daß ein Entlassen desselben seitens der Gemeinde die Genehmigung der Negierung finden muß. Es finden sich hoffentlich Mittel und Wege, den Fortbestand der Volksschule in Lingen zn sichern. Orsterrrich-Unlznru. Wien, 12. August. Wie man ans Ischl meldet, ist dort der bekannte Baron Moses v. Waldberg an den Folgen einer Lungenentzündung im Atter von 69 Jahren gestorben. Er war ein gebürtiger Oesterreicher und hatte in Niunänien ein bedentendes Vermögen erworben. Der Heimgegangene, ein Bruder des Rabbiners in Jaroslau, war ein bedeutender Talmndist, Verfasser eines interessanten Werkes über den Talmud, welches Zengniß bietet sowohl von seinem hohen Scharfsinn, als auch von seinen tiefen und umfassenden Kenntnissen. Baron Waldberg hiuterläßt drei Söhne, von denen einer der rühm liehst bekannte Litteratnr-Historiker Professor der Litteraturgeschichte in Heidelberg, ein zweiter Librettist und der dritte mit der Tochter des Großindustriellen Kubinsly, des Miteigenthümers des Theaters an der Wien, verheirathet ist. — In Jungbnnzlan ist Dr. M. Hoch, in Karl stadt Dr. Jacob Swobinskh. bisher in Salzburg, znm Rabbiner gewählt worden. — Wie man ans Budapest meldet, beginnt die Auswanderung der rumänischen Inden scholl wieder. Eine ungefähr 200 Köpfe starke Gesellschaft ist am 8. d. M. in Kronstadt eingetroffen, um nach Hamburg weiterzureisen. Die Nachrichten, die aus Rumänien kommen, lauten sehr trübe. Neuerdings haben wieder in verschiedenen Städten und Dörfern Jlldeilhetzen stattgesinlden, denen gegenüber die Negierung ihre bekannte „wohlwollende Neutralität" bewahrt hat. — Auch in Ungarn macht die

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