Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1901)
- Date
- 1901-08-16
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 noch außerhalb desselbeu stehen. Die Zahl der persönlichen Mitglieder betrug am Schluß des vorigen Verbandsjahres 220, ansgetreten und zngekommeu sind je 17, so das; die Mitgliederzahl unverändert geblieben ist. Sehr zu wünschen ist eine erhebliche Vermehrung der persönlichen Mitglieder, damit dem Verbände verstärkte Mittel zuflieszen, deren er zur Subvention kleinerer Gemeinden dringend bedarf. Nach dem vorliegenden, allerdings nicht absolut zuverlässigeil Material haben wir in Westprenßeu 53 jüdische Neligionsschnlen mit etwa 2031 Kindern, von denen in Nabbinergemeinden 12 Schulen mit etwa 1012 Kindern, bei welchen von einer Nevision abzusehen ist. Der am 11. Oktober 1899 in Danzig stattgesnndene westprenßische Nabbinertag hat die zu revidirenden 41 Schulen mit etwa 1018 Kindern ans seine Mitglieder vertheilt und beschlossen: 1. Jeder der Herren Rabbiner wird dem Ausschuß eineil Bericht über die Religionsschnle seiner Gemeinde einmal jährlich eiusenden. 2. Die Revisionen sollen, wo nöthig, zweimal im Jahre (einmal in jedem Semester), sonst einmal im Jahre vorgenommen werden, und zwar in der Zeit vom 15. Februar bis 31. März und vom 1. bis 30. September. Wo es angängig ist. solleil mit den Revisionen Predigten verbunden werden. Von den zur Revision vertheilten 41 Schulen mit 1018 Kindern sind 25 mit 533 Kindern revidirt worden, bei 14 mit 432 Kindern ist dieses leider unterblieben, 2 Schulen mit 54 Kindern habeil die Revision abgelehnt, in eitler Schule, mit allerdings nur drei Kindern, konnte die beabsichtigte Revision nicht stattfinden, weil kein Lehrer vorhanden war. Predigteil gelegentlich der Inspektionen wurden gehalten, soweit bekannt, von drei Herren in fünf Gemeinden. Außerdem schlossen mehrere Herren ihre Inspektionen mit Ansprachen an die Schüler und anwesenden Vorsteher. Der Westprenßische Nabbinerverband hat nach wiederholter, eingehender Berathnng einen Normallehrplan für Neligionsschnlen mit einer Lehrkraft ausgestellt und denselben mit dem Ersuchen Überfall dt. seine Drucklegung zu veranlassen. Der Verband hat Rabbiner Dr. Frendeuthal den Lehrplan zur Begutachtung unterbreitet, lllld ist demselben auf seine Befürwortung bcigetreten. Ter letzte Gemeindetag hat für das Jahr 1900,01 12 Gemeinden Subventionen im Gesamnltbetrage von 2800 Mark gewährt und beschlossen, fortall diese Bewilligungen dem Ausschüsse zu übertragen, welcher vorläufig 9 Gemeinden Beihilfen im Gesammtbetrage voll 1550 Mark bewilligt. Der Stiftung des Provinzial-Waisenhanses ist unterm 19. März v. I. die Allerhöchste Genehmigung erth ilt worden. Es wurde dann nach den Bestimmungen des Statuts der Vorstand gebildet. welcher das Vermögen der Stiftung und die Verwaltung übernommen hat. Bevor jedoch das Waisenhaus als solches eingerichtet und eröffnet werden kann, ist es unumgänglich nothwendig, den Kapitalfonds um mindestens 100 000 Mark zu vergrößern, wozu die thatkräftige Mitwirkung unseres Verbandes erbeten werden wird. Auf Ersuchen des Westprenßischen Nabbinerverbandes wurden die Vorstände der Shnagogengemeiuden im Februar d. I. darauf aufmerksam gemacht, daß gerade in unserer Zeit nicht nur die regelmäßige sachverständige Jnspizirnng des Religionsunterrichtes, sondern auch der Schechitah in den einzelnen Gemeinden nothwendig sein dürfte. Die inspizirenden Rabbiner würden daher bei ihrer Anwesenheit in den betreffenden Gem-inden neben den Religionsunterricht auch die Schechitah revidiren. In einzelnen Fällen ist dieses auch bereits geschehen. Die Einnahmen des Verbandes betrugen 2866.52 Mark, die Ausgaben 588.18 Mark. Es folgt noch ein Bericht über die während des Verbandsjahres abgehaltenen Inspektionen, den Rabbiner Dr. Freudenthal-Danzig erstattet, ein Verzeichniß der Mitglieder und ein warmer Nachruf auf Herrn Rabbiner Dr. Nosenstein in Grandenz, der sich stets als ein eifriges Mitglied des Verbandes bethätigt hat. 15 Kolherg, 6. Anglist. Am 27. v. M. fand das 27. Stiftungsfest des hiesigen jü d is ch en K u rh osp i t als statt. In der mit Laub und Gnirlanden geschmackvoll geschmückten Anstaltsshnagoge versammelten sich vor 10 Uhr Vormittags zahlreiche Badegäste, Gönner nnd Freunde dieses segensreichen Instituts, um der erhebenden nnd schönen Fcier beiznwohnen. Viele, die später kamen, mußten wegen Platzmangels in den Korridoren stehen, harrten aber bis zu Ende ans und bekundeten so das Interesse für diese Allstalt. Nach der üblichen Thoravorlesung, bei der viele Gaben gespendet wurden, hielt Herr Nabbiller Dr. Goldschmidt eine gediegene Festrede, die durch ihren warmen Toll, ihre schlichte, aber edle Sprache die Zuhörer erwärmte nnd begeisterte. Ausgehend vom Bibelvers 5 Ai. 8. 2—4 sprach der Redner über die Heimsuchungen nnd Leiden, die Gott über die Menschen verhängt, um sie zu prüfen und zu läutern, ging daun zu der leidenden Menschheit über, die die Bäder und Kurorte aufsucht, um daselbst Heilung zu finden nnd die Lebenskräfte zu restanriren. Der Mensch aber, so fuhr der Redner fort, verdiene nur dann den Ehrennamen „Mensch", wenn er nicht nur für sich lebt, nur an sich und seine Angehörige" denke, für seine Gesundheit blos sorge, sondern auch für den Nächsten ein warm fühlendes Herz besitze und auf das Wohl der Nebenmenjchen bedacht sei. Die Nächstenliebe, dieses erhabene Himmelsgeschenk, das der Allvater in das Menscbenherz gesenkt, sei das bestimmende Erkennungszeichen eines wahren Menschell, das seinen! Leben eine höhere Weihe und einen edleren Gehalt verleihe. Dieser hehren Tugend, die in Israels Mitte von jeher heimisch war, verdankt auch das jüdische Knrhospital seine Entstehung und Entwicklung. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, habe es sich durch die Opserfreudigkeit nnd Mildthätigkelt wahrer Menschenfreunde zu einer imposanten nnd segenbringenden Anstalt entwickelt, die schon jetzt im Laufe der Sommermonate 400 Kurgäste und Heilsnchende beherbergen konnte. Mit 12 Betten habe die Anstalt begonnen, und letzt besitzt sie hundert. Aber trotz dieses günstigen Resultates dürfen die Verwaltungsorgane sowie die Gönner und Wohlthäter der Anstalt in ihrem heiligen Eifer nicht erlahmen, da das Grundvermögen derselben nur ungefähr einen Ertrag von 3000 Mark jährlich bringt, während die Unterhaltungskosten für die vielen Pfleglinge ungefähr auf 24 000 Mark sich belaufen, somit die Anstalt überwiegend auf die laufenden Beiträge und Spenden angewiesen sei. Mit einer Seelenfeier für die verstorbenen Gönner der Anstalt sowie mit der Namhaftmachung der im Laufe des Jahres gestifteten Legate und Zuwendungen schloß die begeisterte und begeisternde Rede. In dem gesanglichen Theile hat sich Herr Kouzertsänger Sobolski ans Berlin seiner nicht leichten Aufgabe rühmeuswerth erledigt. Durch diese schöne Feier angeregt, besichtigte ich hierauf unter der liebenswürdigen Führung des Herrn Rabbiner Dr. Goldschuiidt eingehend die Anstalt: den Speisesaal, die Schlaf- und Baderäume und dergleichen mehr. Wie gern würde ich über all das Schöne und Nützliche in diesem Institute ausführlich berichten, allein ich glaube, daß das viele Schreiben und viele Lesen im Bade nicht sehr kurgemäß ist; auch muß ich befürchten, daß meine Worte viel zu schwach sein würden, um all die herrlichen Eindrücke getreu zu schildern, die ich hier empfangen habe. Ich möchte daher einem jeden Menschenfreunde, der für Werke der Nächstenliebe Interesse und Verständniß hat. empfehlen, diese heilsame Anstalt selbst zu besuchen; er wird sicherlich für seine kleine Mühe reichlich belohnt werden. 1^. Hannover, 8. Anglist. Aus dem Rechenschaftsberichte des W o h l t h ä t i gke i t s v e r e i n s der Sh n ag o ge n ge m ein d e, der jetzt 139 Jahre besteht, und dessen Vorsitzender Herr Landrabbiner Dr. Gronemann ist, entnehmen wir: Die Einnahmen waren 1900 28 530 Mark 78 Pfennig, die Ausgaben 27541 Mark 32 Pfennig. Das feste Vermögen des Vereins beträgt 125 902 Mark 23 Pfennig. Der Verein besitzt den halben Antheil an den Gebäuden auf dem neuen Friedhofe, außerdem fünf Seforim mit den dazu gehörigen silbernen Geräthen, Leichenwagen re. Im Jahre 1900 wurden 62 Personen beerdigt. Der Verein hat dem Komitee für Ferienkolonien, welches seine Fürsorge unterschiedlos den Kindern aller Konfessionen zuwendet, bei den jüdischen Kindern aber außerdem noch durch Vermittelung des Landrabbiners dafür sorgt, daß sie in Familien untergebracht werden, in denen sie rituelle Beköstigung erhallen, 150 Mark überwiesen und spricht dem Komitee den Dank dafür ans, daß es in diesem Jahre 25 Kindern die Wohlthat einer kräftigenden Sommerfrische zu Theil werden ließ. Unterstützt wurden regelmäßig 20 hiesige Kranke und 56 Leidende je nach Bedürfnis Außer den im israelitischen Krankenhanse untergebrachten Kranken haben 6 im städtischen Krankenhanse, 3 in der Entbindungsanstalt, 4 in Heilanstalten für Geisteskranke und 3 in der Kinderheilanstalt Aufnahme gefunden. Hildesheim, 9. August. In die gestrigen Verhandlungen der hiesigen städtischen Kollegien mischte sich ein unverkennbarer Zug von Antisemitismus. Das Schächten hatte nach der Meinung des Magistrats ans dem hiesigen Schlachthof einen Umfang angenommen, der in gar keinem Verhältnis; zu der Statistik der jüdischen Gemeinde steht. Dieses massenhafte Schächten erschien nun dem Magistrat, besonders der Polizeidirektion, unstatthaft in Anbetracht der geringelt Anzahl jüdischer Einwohner — es kommen hier auf rund 43 000 Einwohner rund 500 Inden — nnd er arbeitete ein Ortsstatnt aus, wo-