Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1901)
- Date
- 1901-08-16
- Page
- Seite 389 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228419-3228453--57827-3294234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
389 t, die ganze er Generaldes „War- Urheber soht so ganz lltwurf des an in Rußten variirt. usministers Gymnasien n russischen , „Rußkija nche andere ilntisemitisuf die Unsren, welche durch das mgen sind, lasten einer rwosti" vernrehmigung s der neuen bemerkung: e gewidmet sie herzliche -en Schüler, nasium zu-;derum vor ruf die verjon auf unhen Schüler .nt schon in mges giebt, sites Antlitz die anderen!N ein altes usgegraben, nngesetz en jüdischen »flicht auf Dieses Geyrnnasiasten her Willkür^ : appelliren uden wenig er russischen Kampf des bei dem das Verlage erd gesteigert, nand haben, en Sündern oxen Partei t diese sich >a sind die malträtiren Zuden Rußlands werden froh sein, wenn die Studentenunruhen, welche Rußland eine sehr gute Schulreform gebracht haben, ihnen statt einer Erweiterung keine Verkürzung ihrer Rechte eintragen werden. 4 Mancherlei Interessantes enthält eine Korrespondenz der „V. Z." aus Konstantinopel über die zionistische Bewegung in der Türkei. Wir entnehmen dem Artikel folgende Mittheilungen von allgemeinem Interesse: Der Großrabbiner der Türkei ist ein Gegner des Zionismus, da er instinktiv fühlt, daß der Sultan auch nicht die geringste Verwirklichung der zionistischen Pläne gestatten wird. Als Beweis der Gegnerschaft des Großrabbiners dienen mir seine mündlichen Aussprüche und die Mahnungen, die er schriftlich vor etwa IV2 Jahren an verschiedene ausländische jüdische Blätter richtete, nicht für den Zionismus zu wirken, so z. B. an die „Hazefira" in Warschau. Das jüdisch-spauiolische Blatt „La Alvorada" (Anrore) in Sarajevo war bisher zionistisch gesinnt, vor etwa zwei bis drei Monaten veröffentlichte es aber eine Notiz, worin es für den Brief des Großrabbiners und für seinen Rath, den Zionismus nicht mehr zu erwähuen, seinen Dank aussprach; seit dieser Zeit ist das Blatt in zionistischen Dingen stumm. Die hiesigen spaniolischen Notabel«, von welchen einige in türkischen Diensten stehen, sind aus den gleichen Gründen wie der Großrabbiner Gegner des Zionismus. Die junge jüdische Intelligenz schwärmt natürlich für die Bewegung, die Masse der spaniolischen Bevölkerung ist theils vollkommen gleichgiltig, theils gegen den Zionismus eingenommen, und zwar letzteres deshalb, weil von türkischer Seite in diesen Kreisen die Warnung verbreitet wurde, daß ihnen dasselbe Schicksal bevorstehe wie den Armeniern, wenn sie ein selbständiges Königreich allstreben würden. Es ist schwer, sich ziffermäßig über die öffentliche Meinung, den Geist einer Bevölkerung zu äußern, zumal wenn die europäischen Barometer und Thermometer, die Presse, die Vereine rc. gänzlich fehlen. Dennoch glaube ich, daß meine Informationen mir den Schluß gestatten, daß, so lange die Türkei unter der Regierung Abdul Hamids steht, die jndisch-spaniolische Bevölkerung der Türkei in keiner Weise an den Zionismus theilnehmen darf und kann. Die Propaganda für den Zionismus versucht hier hauptsächlich das nach der Audienz des Dr. Herzl beim Sultan in Philipopel (Bulgarien) gegründete Blatt „Aschovar" (Trompete) zu machen. Die hiesigen Blätter „El Telegraph" und „El Tiempo" dürfen nichts über den Zionismus schreiben. Erst kürzlich wurde dem letztgenannten Blatt sogar verboten, auf Angriffe des „Aschovar" zu antworten. Trotzdem arbeitet der Zionismus im Geheimen unermüdlich unter den Spaniolen. So werden hier seit einigen Wochen tansende Exemplare einer kleinen Flugschrift verbreitet. Das zwanzig Seiten starke Büchlein trägt den Titel: „Die Klagemauern in Jerusalem", es enthält einen Plan von Jerusalem und ein Kärtchen von Palästina und ist im Verlage von Wm. E. Blackstone Oak Lark, Cook County, III, U. S. Amerika, erschienen. Da das Schriftchen den Vermerk „Spanish" (d. h. jüdisch-spaniolisch) trägt, so ist anzunehmen, daß auch Ausgaben in jüdisch-deutschem Jargon und in rein hebräischer Sprache existiren. Ich ließ mir eine Uebersetznng machen. Es ist außerordentlich geschickt verfaßt und durchaus geeignet, auf den Leserkreis, für den es berechnet ist, die entsprechende Wirkung zu machen. Vielleicht bietet sich noch einmal Gelegenheit, auf das Schriftchen zurückzukommen. Heute sei nur gesagt, daß es eine kurze Geschichte der heiligen Stadt enthält (mit vielen interessanten Angaben über die jüdischen Bevölkerungsverhältnisse bis zur Gegenwart) lind dann ausführt, daß die türkische Herrschaft in Palästina fraglich geworden und die Wiederherstellung Israels nahe sei. Dies wird durch zahlreiche Bibelcitate und Prophezeiungen der Propheten „erwiesen". So z. B. sei die 1892 eröffnete Bahn Jaffa-Jerusalem der feurige Wagen, welchen der Prophet Nahnm 2, 8 beschrieben und Jesaias 35, 8—10 als Zeichen der Wiederkehr der Israeliten nach Palästina bezeichnet habe. Es wird dann die Bittschrift vieler hundert Notablen Nordamerikas an den Präsidenten der Vereinigten Staaten um Vermittelung bei den Mächten behufs Wiederherstellung Israels erwähnt. (!) Schließlich wird gesagt, daß die Türken selbst sich überzeugen müssen, daß Gott die Wiedergeburt seines Volkes befohlen habe, weshalb sich die Türken mit anderen Nationen vereinigen sollen, unl den göttlichen Willen zu erfüllen. Ich wollte nur einen kleinen Beitrag zur zionistischen Bewegung liefern und einiges über das Verhalten der jüdisch-spaniolischen Bevölkerung der Türkei zu dieser Bewegung mittheilen. Ich kann aber nicht schließen, ohne einem persönlichen Urtheile über den ganzen Plan Ausdruck gegeben zu haben. Seine Verwirklichung erscheint mir ein Ding der Unmöglichkeit, so lange Jerusalem die heilige Stätte der Christenheit und eine der heiligen Stätten des Islams ist. Beide Religionen werden nie gestatten, daß Palästina ein jüdisches Königreich und Jerusalem dessen Hauptstadt werde; sie werden auch den Beginn einer Verwirklichung dieses jüdisch-nationalen Traumes, nämlich eine Kolonisation im großen Stile, nicht znlassen, geschweige denn unterstützen. Sultan Abdul-Hamid ist übrigens der größte Gegner aller fremden Kolonisation, da er die vielen schwach bevölkerten Gebiete seines großen Reiches mit der immer zunehmenden mohammedanischen Einwanderung aus Bulgarien, Bosnien u. s. w. nach der Türkei besiedeln will. Alle etwaigen zionistischfreundlichen Versprechungen des Sultans sind nichts als süße Worte. Gin Gedenkblatt an die Kaiserin Friedrich. die schwüle Luft des romantischen Absolutismus der fünfziger Jahre in Preußen drang erfrischend als hoffnungsfreudiges Zeichen einstiger Befreiung die Nachricht, daß der Kronprinz Friedrich Wilhelm die Prinzeß Royal von Großbritannien und Irland, Viktoria, als Gattin heimführen werde. Wenn man sich vergegenwärtigen will, was das für das Preußen vor den sechziger Jahren bedeutete, braucht man nur einen Band eines führenden Organs jener Tage, der „Preußischen Jahrbücher", in die Hand zu nehmen, und man erstaunt fast über den Enthusiasmus, mit dem alle dem Fortschritt zuneigenden Elemente damals diese Heirath begrüßten. Und wer will trotz der trüben Schatten, die null einmal menschlichen Schicksalen nicht erspart bleiben, behaupten, daß für Preußen und Deutschland nicht in der That jener Ehebund ein herrlich gesegneter gewesen ist. Wenn auch nicht alle Blüthenträume reiften, — au dem edlen Sinn der Kaiserin Friedrich hat es nicht gelegen — und wenn die hohe Dulderin selbst nach einer jetzt wieder viel erzählten Anekdote auf einer Hofgesellschaft aus die Unzahl der voll ihr vergossenen Thränen hingewieseu hat, die ihr die Führer der „kleinen, aber mächtigen Partei" der Dunkelmänner abgepreßt haben, so kann auch ich aus eigener Anschauung über unschuldig vergossene Thränen der Kaiserin Friedrich berichten, und ich will dieses Erlebniß, so unscheinbar es ist, als Stimmungsbild in diesen Tagen nicht verschweigen. Es war in jenen 9V Tagen, der Negierungszeit Kaiser- Friedrichs, die trotz ihrer Kürze eine Fülle von Licht und Segen und nicht zum wenigsten unter Mitwirkung der jetzt verstorbenen Kaiserin Friedrich ausgestrahlt hat, als die antisemitische Partei die Anknnst der Mutter der Kaiserin Friedrich, der Königin Viktoria von England, in Berlin mit Straßenskandaleil zu beantworten drohte. Mit feige» Anspielungen kargte jene Presse ebensowenig wie mit der Verbreitung des damals viel gesnilgenen Gassenhauers „Wir brauchen keine Schwieger — ma — ma — ma" und ähnlicher dem Bildungsstand dieser Leute angemesseneu Zoten. An dem Tage, als die Königin von England mit ihrer Tochter durch das