Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1901)
- Date
- 1901-08-09
- Page
- Seite 379 (sequence 9)
- Language
- German
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379 ns eintreteri lg der königstellter Lehrer chentlich vier lgsschulen zu zwierigkeiten. l Bezirke, wie n. schlossen. werden fort- )enen hervorist. Steinhardtt. durch den gt den Vorzwecks Versordnung die isschusses, beildesheim sich lden an den den verweist, Ortsausschusses biner, dahinsich auf die l Vereinsvornes ständigen sich ausge mmission be Herren Land Wurf rc. zur den Herren »rduung. eingebrachte nerl Vortrag ntrag, besseri, Bachen- Der Antrag lleilgetretelien ilds Vortrag finden. Da-! von Herrn das Protokoll Lerbandsvorzuläßt und e Fragen be ithgedrungen rugnißbücher, Versammlung nmengetreten »eim, referirt zirknlirell in geäußert, daß are Resultate g der Herren chrprobe des letzter Stunde Bei der Vorführung des Marxschell Leseapparats durch Kollegen Meyer-Hannover, kam man zu dem Resultat, daß der Apparat in seinerjetzigen Konstruktion weder neu noch zweckentsprechend sei. Nach der Rechnungsablage und Prüfung der Kasse durch die Revisoren wird dem Rechnungsführer Entlastung ertheilt. Zum diesjährigen Verbandstage in Hamburg werden auf Vorschlag die Kollegen Stern-Hildesheim und Levysohn-Hannover zu Delegirten gewühlt. Die nächste Konferenz soll am zweiten und dritten Pfingsttage in Hannover stattfinden. Referate bezw. Lehrprobe übernehmen : Bachen- Heimer-Geestemünde. Speier-Duderstadt und Cohen-Barsinghausen. Nunmehr wurde zum letzten Gegenstand der Tagesordnung, „den freien Besprechungen", übergegangen. Die Kollegen hatten für diesen Punkt so vielerlei auf dem Herzen, daß noch ein Theil der Tischzeit demselben gewidmet wurde. Manche wichtige und interessante Frage aus dem Lehrer- und Schulleben wurde angeregt und besprochen. Unter anderem wurde auf Antrag des Vorsitzenden beschlossen, die Vereinssatzungen einer Durchsicht zu unterziehen und eine neue Auflage zu bewirken. Die hierfür gewählte Kommission setzt sich aus dem Vereinsvorstande, dem Kollegen Levy-Hannover und Kollegen Rothschild-Achim zusammen. Beim gemeinsamen Mittagsmahle herrschte eine überaus gemüthliche Stimmung, die gar nicht den Gedanken auskommen ließ, daß vorher die Geister so heftig allseinander geplatzt waren. Namens der ganzen Konferenz widmete Kollege Levysohn dem Vorstande, insbesondere dem Vorsitzenden, für seine umsichtige Leitung und große Mühewaltung kernige Worte des Dankes, die in ein Hoch ausklangeil. Mit dem allseitigen Wunsche frohen Wiedersehens im nächsten Jahre wurde gegen 4 Uhr die Konferenz vom Vorsitzenden geschlossen. Die Schriftführer: Iwan Meyer-Hannover. Moritz Waller-Moringell. Brief aus Oesterreich. Ende Juli 1901. »iner meiner Bekannten Pflegt, ich weiß nicht, in welcher Absicht dies geschieht, bei Erwähnung von Personen, insbesondere wenn diese sich irgendwie oder irgendwo hervorgethan haben, zu fragen: „Sind dies Juden?" Er möchte eben jede bedeutende That mit Juden in Zusammenhang bringen. Ich gestehe, mir ist nicht ganz ersichtlich, wie sich die Liebe zum Judenthum dabei offenbaren soll. Muß denn jede große That von Juden ausgehend Ist es nicht auf der anderen Seite ebenso ärgerlich, wenn gewisse Leute jede Lumperei mit dem Judenthum in Zusammenhang bringen? Und so weiß ich nicht, ob ich dem zustimmen soll oder nicht, was ich dieser Tage von jenem Bekannten hörte. Er meinte, die sogenannte „tobte Saison", in der wir jetzt leben, sei eigentlich eine uralte jüdische Einrichtung; das seien die drei Wochen zwischen dem 17. Thammus und 9. Ab, zwischen jenen Tagen, welche an die Eroberung und die Verbrennung des alten Heiligthums erinnern, eine stille Zeit in der That, in welcher mit Vorliebe unsere geistlichen und weltlichen Vertreter, d. i. unsere Rabbiner und Vorsteher, die Bäder aufsuchen, um sich für die Arbeit des Jahres frische Kräfte und frohen Muth zu holen. Um diese Zeit wird es in den Städten, in welchen sich ja auch die größten Judengemeinden befinden, wirklich „fad", wie man bei uns in Oesterreich so sinnig zu sagen Pflegt. Auch der kleinste Landtag beeilt sich, mit seinen Arbeiten, politischer und sozialer Art, fertig zu werden. Die Hitze brachte es sogar zu Stande, daß man nicht einmal auf die saftigen Schimpfereien der Herren Schneider und Gregorig im niederösterreichischen Landtage aushorchte: die Leute sehnen sich wirklich aus all' dem Schmutz, bildlich und nicht bildlich genommen, hinaus in die reineren Lüfte, die noch nicht durchseucht sind von dem unsauberen Getriebe der Menschen, kurz von dem, was man so gern Kultur und Civilisation nennen möchte, und das ja doch nichts anderes ist als unsere Eitelkeit, Verschrobenheit, Gehässigkeit und gegenseitige Feindseligkeit. Draußen die Berge und die Seen, die Wiesen und Matten, die Felder und Fluren wissen noch nichts von menschlicher Schlechtigkeit und lassen den unruhigen Geist zum Frieden und zur Ruhe gelangen. Während also die uralte Klage um die Zerstörung des Tempels, des Nationalheiligthums in den Synagogen ertönt, die spärlich genug besucht sind, kann man, in manchen Bädern insbesondere, ganze Kolonien von Rabbinern versammelt sehen, Rabbiner in allen Abstufungen, säst hätten wir gesagt, in allen Farben, wenn nicht dieses Wort gar so verdächtig an das talmudische „die Gefärbten" mahnte. In allen Abstufungen: von der radikalsten Reform angefangeu, bis zum starrsten Konservativismus. Die Konservativen scheinen übrigens die Leidenderen zu sein, denn nach unserer Erfahrung haben wir in Bädern und Sommerfrischen mehr „Fromme" als „Fortschrittliche" getroffen. Macht die fromme Kost die Magen so wenig widerstandsfähig? Oder wird man durch die moderne Frömmigkeit so nervös? Wird durch das Studium eine Kaltwasserkur gar so nothwendig? Oder bewirkt das allzu intensive Beten, daß man sich nach dem Wellenschläge sehnt? Wir überlassen die Beantwortung dieser Fragen Denkern, welche sich mit dem Studium gewisser Tageserscheinnngen tiefer und eingehender beschäftigen, und die auch herausbekommen werden, wie die Religion und ihre Beobachtung auf Nerven und Nieren, aus Herzen und Hirne wirkt. Wir gönnen zwar unseren Rabbinern, Lamdonim, Predigern und Geistlichen die mehr oder weniger schwer erkämpfte Ruhezeit, möchten aber doch eine Bitte an sie richten: wenn sie so traulich beieinander sitzen, sei es nun in den Wäldern oder au den Seen, wenn sie so über die drückenden Amtspflichten weniger nachzudenken haben, und die Herren Vorsteher recht weit vom Schüsse sind, denn diese Herren gehen ja gewöhnlich wieder in andere Bäder als die Herren Rabbiner, vielleicht beschäftigten sie sich gelegentlich mit der Frage: Wie hilft man dem Judenthum? Vielleicht treten sie dieser Frage ernstlich näher. Ich höre, wie es mir von vielen Seiten entgegentönt, entgegenschallt, entgegendonnert: Dem Judenthum ist nicht anders zu Helsen, als indem man es in seinen alten Formen beläßt, streng auf die Erfüllung aller, auch der kleinsten rabbiuischeu Bestimmungen sieht; nur aus diesem uralten, schon von unseren Vätern gedüngten Boden kann auch für die Zukunst uns Heil nnd Hilfe und Segen und wahres Leben erblühen. Die Herren Rabbiner haben gesprochen, sie inhaliren weiter, lassen sich frottiren, nehmen Halb-und Ganzbäder und kuriren den Magen mit Karlsbader und anderen Gewässern. Knrirt euch, gewiß, ihr seid krank, aber ebenso krank ist das Jndenthum, und mit euren Traktütlein nnd mit euren unfehlbaren Diktis werdet ihr ihm nicht helfen. Bleiben wir bei einer Sache, die uns besonders angeht. Warum sind unsere Synagogen so leer, warum ist kein Mittel und kein Mittelchen im Stande, sie zu füllen? Opernhafter Gesang, schauspielerisch geschulte und dramatisch vorgetragcne Predigt, unverstandene Nachahmung fremder Bräuche, Orgelklang und Damenchor, und doch, und doch, man lockt das Volk nicht in die Tempel,