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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-09 · Heft 32 (9.8.1901) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 32 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
Seite 378 (sequence 8)
Language
German
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378 Resolution. Nach dieser erscheint das Verbandsthema in seinem ersten Theile, seiner zu weitgehenden und unbestimmten Fassung wegen, für eine eingehende Besprechung im Nahmen der Konferenz als nicht geeignet. und man empfiehlt darum Aussetzung der Debatte über beide Referate. Demgegenüber.tritt Stern-Hildesheim für die Besprechung der Borträge und für Verwertung der Resolution ein. Er führt aus. daß selbst, wenn das Thema zu weit gefaßt sei. man über die von den Referenten geäußerten Altsichten in eine Debatte eintreten müßte, um das Votum der Konferenz zum Ausdruck zu bringen. Levh- Hannover stellt den Antrag: Falls die beantragte Resolution nicht Annahme findet, dieselbe in ihrem Wortlaute zu protokolliren. Auch dieser Antrag wurde seitens der Versarnmlung abgelehnt. Zum Anträge Spanier ergriffen noch das Wort: Le v h s ohn- Hannover, die Herren Landrabbiner, beide Neserenten und der Vorsitzende. Eine darauf erfolgte Abstimmung ergab die Verwerfung des Antrages in vorgelegter Fassung. Ans Antrag des Herrn Dr. Lewinskh wird beschlossen, durch eine Kommission, bestehend aus Stern-Hildesheim, Spanier-Stolzenau. Rothschild-Achim und Levh-Hannover. die abgelebnte Resolution einer Umarbeitung zu unterziehen und am nächsten Tage der Versammlung zur Beschlußfassung vorznlegen. Nunmehr erhält Herr Konsul Simon das Wort, welcher in längeren Ausführungen für seine Bestrebungen im Gartenbau und Handfertigkeitsunterricht eintritt und die Teilnehmer der Konferenz nochmals freundlichst zum Besuche der Ahlemer Anstalt einladet. Es folgt Punkt 4 der Tagesordnung. Spanier-Stolzenau erstattet namens der Kommission über „die Anstellungsverhältnisse der jüdischen Lehrer in der Provinz Hannover" Bericht. Die Kommission hat folgende Vorschläge formulirt: 1. Die Herren Landrabbiner fordern unter Hinweis auf 8 55 der Schulordnung die ihnen unterstellten Gemeinden auf. bei eintretender Vakanz einer Schulstelle ihnen von derselben sofort Mittheilung zu macheu. 2. Die Herren Landrabbiner stellen an die Negierung das Ersuchen, bei Neubesetzung von Schulstellen in erster Reihe nur Bewerber aus der Provinz zu berücksichtigen und dabei thunlichst das Prinzip der Anciennetät obwalten zu lassen. 3. Um lebensfähige öffentliche Schulstellen zu vermehren, ist es zu erstreben, daß die größeren Gemeinden der Provinz neue Volksschulen gründen. 4. Um die gemeinsamen Interessen für Synagoge und Schule zu heben, sind die Herren Landrabbiner zu bitten, die Bildung eines Verbandes der Synagogengemeinden der Provinz Hannover anzustreben. 5. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die in kleinen Orten bestehenden Rektorschnlen. des fremdsprachlichen Unterrichts wegen, den Fortbestand der jüdischen Schulen gefährden. Deshalb ist es wünschenswerth. daß die Leiter der jüdischen Lehrerbildungsanstalten ihren Zöglingen die Erlernung fremder Sprachen — wenn auch vorerst auf privaten; Wege — eindringlich empfehlen und sie dabei unterstützen und fördern Die Verhandlungen mit den Herren Landrabbinern werden der Konferenz mitgetheilt. Erstere geben weitere Aufschlüsse und Ergänzungen, ans denen hervorgeht, daß sie mit warmem Interesse den Bestrebungen der Lehrer in allen Punkten der Kommissiousvorschläge ihre Unterstützung angedeihen lassen wollen. Von allen Seiten wird besonders die Nothwendigkeit eines Verbandes der Synagogengemeinden unserer Provinz befürwortet, und das Bestreben, neue Volksschulen zu errichten, als berechtigt anerkannt. Die Herren Landrabbiner stehen der Begründung eines Gemeinde- Verbandes sympathisch gegenüber, glauben aber, daß bei den in der Provinz Hannover vorhandenen geordneten Verhältnissen der Verband sich eventuell in erster Linie mit der Wohlthätigkeitspflege zu beschästigeil haben werde, rvie Fürsorgeerziehung, Waisenhauserrichtung, Armenverbände n. s. w. Hierzu führt Herr Dr. Löb aus, daß das demnächst in Emden zu erbauende jüdische Waisenhaus eventuell durch den Gemeindeverband zu einem provinziellen erweitert werden könne. Herr Dr. Lewinskh giebt bezüglich der Anstellungsverhältnisse sehr wichtige Aufschlüsse über das Verhalten der Negierung beim Auflösen einer jüdischen Schulstelle. Aus den Mittheilungen, die auf einem an die Negierung All Hildesheim ergangenen ministeriellen Erlaß beruhen. geht hervor, daß vor Auflösung einer Schulstelle der definitiv angestellte Inhaber anderweitig untergebracht werden muß, ohne daß dadurch eine Schmälerung seines bisherigen Einkommens eintreten dürfe. Ferner giebt Redner Kenntniß von einer Verfügung der königlichen Negierung zu Hildesheim, wonach ein definitiv angestellter Lehrer auf Verlangen gegen entsprechende Entschädigung bis wöchentlich vier Stunden an den im Schulbezirke vorhandenen Fortbildungsschulen zu unterrichten habe. Herr Dr. Gronemann verbreitet sich noch über die Schwierigkeiten, welche sich bei der Errichtung von Volksschulen in seinem Bezirke, wie in Geestemünde. Aumund-Vegesack u. s. w., entgegenstellen. Hierauf wird kurz vor 9 Uhr Abends die Sitzung geschlossen. Zweite Sitzung. Dienstag, den 29. Mai, Vormittags 8Y2 Uhr. Die Besprechungen über die Anstellungsverhältnisse werden fortgesetzt. Es kommen verschiedene Fälle zur Sprache, aus denen hervorgeht, daß eine baldige allgemeine Regelung erforderlich ist. Bach rach wünscht die Broschüre des Kollegen Steinhardt- Magdeburg, welche sehr anregend und aufklärend wirkt, durch den Verein verbreitet zu sehen. Die Versammlung beauftragt den Vorsitzenden zum Ankauf von 100 Exemplare»; der Broschüre zwecks Verbreitung innerhalb unserer Provinz. Fernre beantragt Bachrach zürn Punkt 4 der Tagesordnung die Gründung eitles ständigen Nechtsbürcaus oder Nechtsausschusses, bestehend ans Mitgliedern des Vereins. Während S ter»»-Hildesheim sich gegen die Gründung ansspricht und die Auskunstsuchenden an den zuständigen Landrabbiner oder an den Vereinsvorfitzenden verweist, sucht Seminarlehrer Levy die Nothwendigkeit eines Rechtsausschusses nachzuweisen. Spanier richtet eine Bitte an die Herren Landrabbiner, dahingehend, die etwa eingehenden Verfügungen, soweit sie sich auf die Anstellttngsverhältnisse beziehe»», sobald als möglich dem Vereinsvorsitzenden zur Kenntniß zu bringen. Nachdem auch der Vorsitzende gegen die Errichtung eines ständigen Büreans — »veil eine Nothwendigkeit nicht vorliege — sich ausge I sprochen. zieht Bachrach seinen Antrag zurück. Schließlich wird dahin Beschluß gefaßt, daß die Kommission be stehen bleibe»» und das Weitere ir» Verbindung mit den Herren Land rabbiuern veranlassen soll. Zunächst wird die Kommission beauftragt, einen Entwurf rc. zur Gründung des Gemeindeverbandes auszuarbeiten und den Herren Landrabbinern zu unterbreiten. Damit schließt die Debatte über Punkt 4 der Tagesordnung. Nunmehr kommt der vorn Referenten Rothschild eingebrachte Antrag — die Tags zuvor abgelehnte Debatte über seiner» Vortrag heute aufzunehmen — zur Erörterung. Gegen diesen Antrag, dessen Zulässigkeit augezweifelt wird, sprechen Herr Dr. Löb, Bachenheime r-Geestemünde, Levh-Hannover und Waller. Der Antrag fällt bei der Abstimmung. Seitens der inzwischen zusammengetreteuett Komrnission wird eine veränderte Resolution zu Rothschilds Vortrag der Versannnlnng vorgelegt, ohne jedoch Annahme zu finden. Dagegen beschließt die Konferenz fast einstimmig, folgende vor» Herrn Seminardirektor Dr. Kr»oll er empfohlene Resolution in das Protokoll aufzunehmen: „Die Versammlnng ist der Ansicht, daß das vom Verbandsvorstand gestellte Thema eine erschöpfende Behandlung nicht zuläßt und nimmt, da der Referent in allzu eingehender und zu viele Fragen be rührender Weise das Thema zu behandeln versucht hat, nothgedrungen von einer Diskussion über das Referat Abstand." Ueber Punkt 5 der Tagesordnung: „Bericht der Kommission für Umarbeitung der Zeugnißbücher, Unterrichtsprotokolle rc." konnte der fällige Bericht der Versarnmlung nicht unterbreitet werden, weil die Kommission nicht znsammengetreten war. Der Vorsitzende der Kommission, Stern-Hildesheirn, referirt deshalb nur ir» seinem Namen. (Die Musterformulare zirkuliren in mrnlung.) Seitens der Konferenz wird wiederholt der Wunsch geäußert, daß ein Zusammenarbeiten der Kommission recht bald greifbare Resultate zeitiger» möge, damit die Angelegenheit mit Zustimmung der Herren Landrabbiner baldigst erledigt werden könne. Die als Punkt 6 der Tagesordnung angesetzte Lehrprobe des Kollegen Katz-Dransfeld mußte ausfallen, weil derselbe in letzter Stunde verhindert wurde, zur Konferenz zu kommen.

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