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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-09 · Heft 32 (9.8.1901) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 32 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
Seite 375 (sequence 5)
Language
German
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375?iden zunächst n denen am waren. Der ld, sowie die l/. bis 6 Rubel : Wohnungen Bau weiterer 1899 in State, haben im diesem Jahre >ez begründet dem Namen Kleingewerbe" ischen Juden. Funktion genr 1877 Darliehen haben, end der Rest stswesens hat anislan und er wurde in r 90 Arbeiter die ade Herrschaft llckerbauschule liier auf, und ist aus dem esen umfaßt, interen Theil, -egleitet, daß lderungsfrage lsgebrocheneu n ist". Die reine kopflose schien Herzens ntergange zu löpfende Aus- »entionirt die Handwerkerdchen. Diese die Handelsschule 55Zögnr für Knaben Mädchen mit Bindern, und rlten in Ru- 4451 Knaben Staat ihnen nährt, wurtn Mion Francs roßen Anzahl nd, England gen gewährt, is in London; der Dentschr, mit deren n Ahlem läßt in der Prä- Berlin, 6. August. Kaiserin Friedrich ist gestorben, und mit tiefer Trauer im Herzen stehen auch wir an der Bahre der edlen und hochsinnigen Fürstin, deren Leben von so schweren Schicksalsschlägen heimgesncht war. Unwillkürlich wenden sich die Gedanken rückwärts zu der lichtvollen Gestalt Kaiser Friedrichs, und mit inniger Wehmuth, aber auch mit tiefem Dankgefühl gedenken wir in dieser Trauerstrnide der Humanität, des Edelsinns, der hochherzigen Gesinnung, die das erlauchte Kaiserpaar auch uns und unseren Leiden gegenüber allezeit bewährt hat. Noch ist es nicht an der Zeit, dies im Einzelnen darzustellen. Für den Augenblick überwiegt das herbe Weh um das Hinscheiden der edlen Fürstin, deren Geist und Güte, deren Gerechtigkeitssinn und Wohlwollen vorbildlich bleiben werden in der Geschichte des deutschen Volkes. Das Andenken der Gerechten ist und bleibt ein Segen für alle Zeiten. Das Andenken der Kaiserin Friedrich wird fortleben in unseren Herzen. r Der Tod des früheren Kultusministers Dr. Bosse hat in der Presse vielfache Erörterungen hervorgerufen, die auch für uns von Interesse sind. Dr. Bosse hat sein Ressort sieben Jahre hindurch verwaltet und innerhalb dieses Zeitraums oft Veranlassung gehabt, sich mit jüdischen Angelegenheiten zu befassen. Man kann nicht sagen, daß dies mit irgend welcher Voreingenommenheit geschehen ist. Im Gegentheil, Bosse legte Werth darauf, es notorisch festzustelleu, daß er den Antisemitismus aus religiösem und Humanitären Gründen entschieden verwerfen müsse. Wenn die „Deutsche Zeitung" des Herrn Friedrich Lange aber*trotzdem behauptet, es sei seiner Verwaltung nachzurühmen, daß sie eine bemerkenswerthe Festigkeit gegen die Ansprüche des Judenthums zeigte", so ist das entschieden unrichtig. Der verstorbene Kultusminister hat auch etwa in sein Ressort fallenden jüdischen Bestrebungen ein gewisses Maß von Wohlwollen entgegengebracht. Die einzige ungünstige Maßregel seiner Verwaltung, die der Beschränkung jüdischerLehrerinnen in den Berliner Gemeiudeschuleu, >st wohl kaum auf sein Konto zu schreiben. Dagegen verdanken wir ihm eine Reihe von Verordnungen über den jüdischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten und über die Snbventionirung jüdischer Volksschulen, die in jedem Sinne als dankenswerth bezeichnet werden müssen. Daß er das Ueberläuserthum jüdischer Professoren mißbilligte, hat Minister- Bosse in scharfen Worten wiederholt ausgesprochen. Wenn er trotzdem nur selten jüdische Bewerber auf diesem Gebiete förderte, so lag dies wahrscheinlich nicht in seiner Macht. Erstatte nicht Kraft und Muth genug, um der Zeitströmung zu trotzen. Sein Wille war aber gut und er verdient die Anerkennung, die ihm nach seinem Tode von allen Seiten, selbst von seinen Gegnern, gespendet wird. S> Die Nationalliberalen geben wieder einmal Anlaß zu Vergleichen, die die jetzige und die frühere Haltung der Partei den Juden gegenüber betreffen. Im Wahlkreise Duisburg sollen sie einen Pakt mit den Antisemiten vom Schlage Liebermann v. Sonnenbergs abgeschlossen haben. Das Stöckersche „Volk" schreibt darüber: „Durch die Blätter läuft die Notiz, daß die Nationalliberaleu es ubstreite», deu Deutschsozialen für den diesseitigen Wahlkreis ein Landtagsmandat versprochen zu haben. Und doch ist dein so! Dieses Versprechen haben freilich die Nationalliberalen nicht erst jetzt, sondern bereits gelegentlich der letzten Neichstagswahl gegeben. Bei Beginn der Wahlbewegung für die Reichstagsnachwahl hat aber die »ationalliberale Parteileitung, wie wir aus sicherer Quelle wissen, dieses Versprechen erneuert bezw. bestätigt, um sich die Stimmen der Deutschsozialen zu sichern. Im Wahlkreise Mülheim-Duisburg- Essen sind zum Abgeordnetenhaus drei Vertreter zn wählen; bisher wurden zwei nationalliberale und der konservative Abgeordnete v. Plettenberg-Mehrum gewählt. Dem verstorbenen Dr. König-Witten ist dann s. Z. das Versprechen gegeben worden, an Stelle des Konservativen abwechselnd einen Deutschsozialen zu wählen. Wir bezweifeln allerdings, daß das Versprechen ernst gemeint ist und halten die Deutschsozialen für die Hereingesallenen." Ob die Antisemiten die Hereingesallenen sind oder nicht, kann uns sehr gleichgiltig sein. Das Verhalten der Nationalliberalen aber wird auch jetzt noch, nachdem die Stichwahl zu ihren Gunsten entschieden, Gegenstand der Besprechung bleiben müssen. Denn es muß einmal Klarheit darüber geschaffen werden, welches Programm diese Partei in solchen Fragen aufzustellen beliebt. * Die Siebenbürger Sachsen sind natürlich Judenfeinde. Schon darum, weil sie Sachsen heißen. Dann aber auch, weil sie von den Ungarn angeblich unterdrückt werden. Es ist deshalb nicht zu verwunderu, daß ihr führendes Blatt, die „Kroustädter Zeitung", scharf gegen die Magharisirung verüb ischen Namen polemisirt, und noch weniger ist es zu verjwundern, daß die deutschen Antisemiteublätter diese Polemik eifrig Nachdrucken, obwohl sie sich selbst damit ins Gesicht schlagen. Wir entnehmen dem betreffenden Artikel des siebenbürgischen Blattes eine Reihe von Thatsachen, die — sicher gegen den Willen dieser Leute — für den Patriotismus und die erfolgreiche Assimilirung der ungarischen Juden ein glänzendes Zeugniß oblegen. Die antisemitische Verbrämung dieser Mittheilungennehmen wir dabei um der Sache willen mit in den Kauf. Die Nachricht ging durch die Zeitungen, daß der Oberinspektor der Museen und Bibliotheken in Ungarn, Titularbischos Wilhelm Fraknoi, irgend etwas den Mnnizipie» des Landes mitgetheilt habe. Was er mitgetheilt hat, erweckt diesmal weniger unser Interesse als die bloße Nennung seines Namens. Denn wir erinnern nns eines anderen „Erlasses" desselben Mannes, der vor einigen Jahren in den Zeitungen zu lesen war und wörtlich also lautete: „Nus Andrängen mehrerer hervorragender Mitglieder der ungarischen Akademie der Wissenschaften habe ich, Dr. Wilhelm Frankl. Professor an der Universität in Ofen-Pest, meinen deutschen Nanien in Fraknoi umgewandelt, denn cs wurde gewünscht, daß ans dem Titelblatte eines von mir bearbeitete» großen Werkes ein madjarischer Namen figurire." Diese Verkündigung spricht Bände. Später wurde der ehemalige Jude Frankl als Fraknoi katholischer Domherr und Titularbischos. Und hinter „Faknoi" sehen wir im langen Zuge eine Legion von „madjarischen" Gelehrten und Künstlern einherschreiten, die ihren Patriotismus dadurch bekundeten, daß sie den von den Vätern ererbten Namen auf dem Altäre des Vaterlandes opferten. . . . Ein dentschsprechender Jude begründete unter dem nachträglich angenommenen madjarischen Namen Körösi die ungarische Statistik, die später unter die Leitung des Dresdners Karl Klette kam, der sich bald Keleti Karolh nannte. Wie ihre Namen, so haben sich unter ihrer Hand wohl auch die gefügigen Zahle» leicht verwandelt, so daß man nicht wird leugnen können, daß wir in Ungarn eine höchst „mobile" Statistik haben. Das klassische madjarisch-deutsche Wörterbuch verfaßte Bloch, bei deu späteren Auflagen aber setzte sich der hinterlistige Ballagi ins warme Nest und schuf so in der That eine „verbesserte" Auflage, indem er schon auf dem Titelblatt durch ein Musterbeispiel zeigte, ivie man aus dem Deutschen in das Madjarische

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