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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-02 · Heft 31 (2.8.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Fleischer seien, könne er nicht anerkennen. Wenn die Juden sich dem Schächtverbot nicht fügen wollen, dann mögen sie doch auswandern. (Beifall und Heiterkeit.) Er ersuche, dein Anträge zuzustimmen. Der Antrag des sächsischen Bezirksvereins wurde hierauf mit fast dreiviertel Mehrheit abgelehnt, der Antrag Falk zurückgezogen. Mit diesem Resultat können wir zufrieden sein. o. Leipzig 29. Juli. Es ist ein alter Ersahrungssatz, daß unsere Glaubensgenossen das stärkste Kontingent zu den Versicherungsgesellschaften stellen. Es hängt dies eben mit ihrer ganzen Lebensführung und mit der selbst von Gegnern rühmend anerkannten Fürsorge für ihre Familien zusammen. So darf denn wohl auch an dieser Stelle auf die Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit errichtet 1830 (alte Leipziger), hiugewiesen werden, deren Bericht uns vorlicgt. In der ersten Hälfte des Jahres 1901 sind 3602 Anträge über 27 659 700 Mark Versicherungssumme (2 230 200 Mark mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) eingegangen und 3075 Versicherungen über 22 869 900 Mark (1 472 600 Mark mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) abgeschlossen worden. Es hat sich damit der Versicherungsbestand auf 611 Millionen Mark gehoben, während das Vermögen auf 204 Millionen Mark angewachsen ist. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseitigkeitsanstalt ist, fließen alle Ueberschüsse in Gestalt von Dividenden den Versicherten wieder zu, die auf diese Weise bis jetzt 71 Millionen Mark erhalten haben. Im laufenden Jahre beträgt die Dividende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dividendenplan wie seit mehr als einem Jahrzehnt, 42 Prozent der ordentlichen Jahresbeiträge, bei abgekürzten Versicherungen außerdem noch 1,5.Prozent der Summe der gezahlten Zusatzprämien; beim Dividendenplan 6 gelten steigende, nach der Dauer der Versicherung abgestuste Dividendensätze, die die Leipziger Gesellschaft in der von Anfang an in Aussicht gestellten Höhe fortgewährt. gk) Dttren, 28. Juli. Herr Moritz Friedlaender, Lehrer der hiesigen israelitischen Schule, verläßt Ende dieses Monats nach siebenjähriger Wirksamkeit unsere Stadt, um mit dein 1. August in Danzig die Stellung eines Chordirigenten und Religiouslehrers bei der dortigen israelitischen Gemeinde anzutreten. Die Thätigkeit des Herrn Friedlaender in Schule und Gemeinde war anerkanntermaßen so ersprießlich und erfolggekrönt, auch hat er es verstanden, durch ein ebenso ungesucht würdiges wie anspruchsloses Auftreten sich die volle Achtung aller seiner Herren Kollegen in einem Maße zn erringen und zu erhalten, daß man sein Weggehen von hier nur beklagen kann. Es ehrt deshalb die Betheiligten in gleicher Weise, daß die hiesigen Herren Volksschnllehrer ihrem scheidenden Kollegen am 17. d. M. im Saale des Drei Kaiser-Hotels eine dem Wunsche und Sinne des Herrn Friedlaender entsprechende bescheidene Abschiedsseier veranstalteten. Zn dem einträchtigen Verhältnis das die hiesige Lehrerschaft verbindet, und das gestern wieder einmal in die äußere Erscheinung trat, hat auch Herr Friedlaender, seinem Namen Ehre machend, das seinige beigetragen, und deswegen begleiten ihn in den neuen Wirkungskreis die besten Wünsche seiner Herren Kollegen. t. Coblenz, 29. Juli. Am 22. d. M. fand hier auf dem israelitischen Friedhofe zum Jahresgedächtniß eine Trauerfeier für nnsern in der Blüthe der Jahre hingerafften Rabbiner Dr. Singer statt. — Herr Rabbiner Dr. Plaut in Frankfurt a. M.. der sich diese Feierlichkeit zu Ehren eines Heimgegangenen Kollegen sehr angelegen sein ließ, hatte auch die Güte, die unter den obwaltenden Umständen gewiß nicht leichte Gedächtnißrede zu übernehmen. Daß er sich der übernommenen Aufgabe in meisterhafter Weise entledigte, braucht bei diesem Redner nicht erst gesagt zu werden. Er knüpfte an an den Vers in den Klageliedern: „Gefallen ist die Krone von unserem Haupte!", mit welchem er dem Verlust im Namen der Gemeinde und der Familie ergreifenden Ausdruck gab. Aber wie auch für den zerstörten Tempel der große R. Jochanan b. Saccai einen Ersatz erblickte in dem „Altar der Liebe", so sei es auch hier die Liebe, deren Opfer und Hingebung mit diesem von der Zeit zn früh verlangten- Opfer auszusöhnen die Macht haben. — Nicht nur der Vorstand unserer Gemeinde und viele Freunde des Heimgegangenen waren anwesend, sondern auch aus der Ferne sahen wir Freunde der so schwergeprüften Familie, namentlich hatte es sich der hochherzige Gönner der verwaisten Kinder, Herr Hugo Schlesinger aus Frankfurt a. M., nicht nehmen lassen, an dieser Trauerfeierlichkeit theilzunehmen. Sowohl der Gemeindevorstand wie alle Anwesenden dankten es den» Herrn Dr. Plant, daß er dem wahrhaft traurigen Jahre einen so würdigen, versöhnenden Abschluß gegeben. Hoppstätten, 26. Juli. Mit Beginn des Monats Juli hat der neuernannte Landrabbiner Dr. Julius Lewit aus Berlin sein Amt im Fürstenthum Birkenfeld angetreten. Am 5. d. M. fand auf der grobherzoglichen Negierung zu Birkenfeld seine Vereidigung durch den Herrn Regierungspräsidenten Ahlhorn statt. Hierauf war beim Freitag-Abendgottesdienst seine feierliche Einführung in der mit Guirlandeu und Blumen festlich geschmückten Synagoge zu Hoppstätten. Begleitet von dem Landesgemeinderathe. dessen Mitglieder auch von den auswärtigen Gemeinden des Fürstenthums sich eingefunden hatten, begrüßte der Synagogenchor den ins Gotteshaus eintretenden Landrabbiner mit den hebräischen Worten des Psalmisten: „Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!" Sodann richtete Herr Synagogenvorsteher Elias Weil herzliche Worte der Begrüßung und der Segenswünsche an Herrn Dr. Lewit, indem er in längerer, wohlgeformter Rede der Hoffnung Ausdruck gab, daß es unter Gottes Beistand Herrn Dr. Lewit gelingen möge, in seiner staatlichen Stellung als Landrabbiner. Regierungsmitglied, Schulinspektor und Lehrer der Jugend allezeit segensreich zu wirken. In der Antrittspredigt des Herrn Landrabbiners, die als Thema „das Wesen der Religion" behandelte, war als höchstes Gebot unser rechtschaffenes Verhalten gegen die Nebenmenschen hingestellt nach den Worten des Propheten Micha: „Es ist dir gesagt worden, o Mensch, was gut ist, und was der Herr voll dir fordert: Recht thun, Liebe üben und in Demuth wandeln vor Gott!" Am Schlüsse der Predigt flehte der Herr Landrabbiner um den Segen für den Landesherrn, für die Wohlfahrt und den Frieden des Vaterlandes sowie selbst um den Beistand Gottes, um jederzeit den Pflichten seines heiligen, verantwortungsvollen Amtes gerecht zu werden. Am Abend fand sodann im Hause des Herrn Vorstehers L. Stern ein Festessen statt, bei dem mancherlei Toaste, besonders auch auf den Herrn Landrabbiner sowie auf seine Frau Mutter und Geschwister, die in seiner Heimath weilen, gehalten wurden. Am nächsten Sabbath hielt Dr. Lewit seine erste Predigt in der Syttagogengemeinde zu Hoppstätten und am 13. Juli in Oberstein. Auch in den übrigen Hauptgemeinden des Fürstenthums Birkenfeld, Sötern und Bosen, wird Dr. Lewit im Laufe des Monats Juli und August seine ersten Predigten halten. Möge es Dr. Lewit beschieden sein, eine segensreiche Thätigkeit in unseren Gemeinden zu entfalten, und möge es auch ihm selbst in unserer Mitte recht wohl ergehen! Kissirrgerr, 29. Juli. Der modernen Zeit mit ihrem aus das Praktische gerichteten Wohlthätigkeitssinn ist es Vorbehalten geblieben, auch innerhalb des Judenthums eine Reihe voll neuen Wohlfahrtseinrichtungen zu schaffen, welche gemeinnützigen Zwecken dienen. Zu den segensreichsten Schöpfungen dieser Art gehören unstreitig die israelitischen Kinderheilstätten, welche siechen Kindern — den Armen unter ihnen unentgeltlich, den bemittelten gegen Bezahlung — ihre Pforten öffnen. Wiewohl erst jungen Datums haben die bisher bestehenden jüdischen Kinderheilstätten unendliche Wohlthaten, unendlichen Segen verbreitet; sie haben vielen Hunderten von Kindern, welche ohne die Wohlthaten solcher Anstalten elend und hilflos ill der ersten Blüthe des Lebens gleich den Blumen des Feldes dahinwelken würden, Heilung und Genesung, Frohsinn und Lebensfrische verschafft. Da mit den erschwerten Erwerbsverhältnissen und den verschlechterten Lebensbedingungen die Zahl dieser hilfsbedürftigen Kinder stetig zunimmt, ist es mit doppelter Freude zu begrüßen, wenn diesem Bedürfnisse Rechnung getragen wird und die vorhandenen Institute durch die Begründung eines neuen entlastet werden. Eine solche neue Anstalt wird auf Auregung des Herrn Dr. med. Münz- Nürnberg in dem durch seine schöne Lage und seine heilkräftigen Quellen gleich ausgezeichneten Bade Kissingen ins Leben gerufen. Zur Ausnahme von kranken, schwächlichen oder sonst in der Entwickelung zurückgebliebenen Kindern beiderlei Geschlechts im Alter von 4 bis 16 Jahren bestimmt, wird die Heilstätte geleitet werden, daß sie, auf jüdisch-religiöser Grundlage fußend, Kindern aus Familien aller religiösen Parteischattiruugen und aller Landestheile einen gleich behaglichen und heimischen Aufenthalt bieten wird. Das edle, humanitäre Werk rückt, dank dem einmüthigen Zusammenwirken aller Kreise, seiner Vollendung näher. Es sind bereits größere einmalige Beiträge, darunter allein die hochherzige Spende von 10 000 Mark seitens eines edlen Wohlthäters in Fürth, dem Unternehmen zngewandt worden. Ein Bauplatz in geeigneter Lage Kissingens ist für die

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