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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-02 · Heft 31 (2.8.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Anstalt käuflich erworben worden. Es fehlen freilich noch bedeutende Sumnien, um den Ban, ein bleibendes Wahrzeichen jüdischen Wohlthätigkeitssinnes. in Angriff zu nehmen. Das unter dem bewährten Vorsitz der Herren Bergman n-Fürth nnd Adolf Schwarz-Nürnberg stehende Komitee, das sich ans angesehenen Männern aller Landes- . theile znsamuiensetzt, wendet sich an den ost bewährten Wohlthätigkeitssinn edler Menschensrennde niit der Bitte, das hochherzige Werk durch Bewilligung eines Beitrages zu unterstützen und mitbegründen zn helfen. Auf jeder Gabe ruht der Segen Gottes, ruht * der Segen aus Kindermund. Beiträge sind zu richten an die Adresse, des Heran Bankier Wilhelm Ottenso oser-Nürnberg oder an Herrn ' Bankier A. Löwenthal-Kissingen, etwaige Anfragen und Mittheilungen an Herrn D r. med. Münz- Nürnberg. Oesterreich - Ungarn. LH Wie», 28. Juli. Unter jeweiligem Gezeter und wüsten Schirnpsscenen seitens der Antisemiten haben nun auch die Landtags-' sessionen geschlossen; ernst denkende Abgeordnete mögen sich der. Ruhe sreuen, Schneider und Genossen jedoch müssen es hart empfinden, für ihr hirnloses Gefasel kein, wenn auch gezwungenes Auditorium zu haben. — Hosrath Theodor Gomperz, der Professor dev' klassischen Philologie au der Wiener Universität, hat, wie uns von > dort gemeldet wird, mit Rücksicht auf eine gröbere wissenschaftliche^ Arbeit sein Peusioliiruugsgesuch eingereicht, dessen aufrechte Erledigung^ unmittelbar bevorsteht. Den einstimmigen Wunsch des Professorenkollegimns. von seinem Entschlüsse abzustehen, hat Professor Gomperz^ dankend abgelehnt. Gomperz ist wirkliches Mitglied der kaiserlichen? Akademie der Wissenschaften und Besitzer des Ehrenzeichens für Kunst^ und Wissenschaft. — In Ungarn soll sich nun auch eine „christlichsoziale Landespartei" mit stark antisemitischer Tendenz bilden. Bei einer Neichstagsnachwahl in Privitz. wo der Kandidat der klerikalen Volkspartei siegte, hatte mall vorher den Leuten u. a. versprochen, daß es ihnen gestattet sein werde, in Privitz die Wohnungen und Geschäfte der Juden zu plündern. Als aber Militär und Gendarmerie einschritt, zogen die plünderungssüchtigen Leute enttäuscht ab. — Ueber ein grauenhaftes Verbrechen wird aus Gyöngyös in Ungarn berichtet: Die Gemahlin des wohlhabenden Getreidehändlers Max Oesterreicher wurde Samstag Nachmittags in Abwesenheit ihres Mannes von zwei Räubern in ihrer in einer der lebhaftesten Straßen der Stadt gelegenen Wohnung überfallen und auf die gräßlichste Weise ermordet. Aus die Hilferufe der Frau eilten Passanten herbei, denen es gelang, einen der Thäter dingfest zn machen. Gegen Abend wurde auch der zweite Mörder ermittelt und verhaftet. Beide Verbrecher waren erst kürzlich aus der Strafanstalt in Jllava, wo sie wegen eines begangenen Mordes Freiheitsstrafen abgebüßt halten, entlassen worden. — Am 21. d. M. ist in Nachod Herr Isaak Mautner, Inhaber der Textilfirma Isaak Mautner und Sohn, im 78. Lebensjahre verstorben. Der Verblichene war einer der hervorragendsten Industriellen der Textilbranche und langjähriger Vorsteher der Gemeinde. — Wegen Verführung der durch Selbstmord gestorbenen Lehrerin Srkulj wurde in Agram der antisemitische Redakteur der „Hrvatska", Dr. Tresic, zu zwei Monaten strengen Arrests verurtheilt. In den Urtheilsgründen heißt es, daß Tresic von seiner Geliebten namhafte Geldgeschenke annahm. Das Urtheil gegen Tresic, der überdies voll der Polizei bereits die Weisung erhielt, Agram zu verlassen, wurde vom Publikum mit Genugthuung ausgenommen. Eine schöne Blüthe am Baume des Antisemitismus! 61. Budapest, 28. Juli. Der israelitische Landes-Lehrerverein hielt vor Kurzem seine Hauptversammlung ab, der der Bericht über die Thätigkeit des Vereins vorgelegt wurde. Aus diesem geht hervor, daß der Verein über ein Vermögen von 150 000 Kronen verfügt und jährlich 40000 Kronen verausgabt. Die Zahl der Mitglieder beträgt 550 (mehr als 400 jüdische Lehrer gehören dem Vereine nicht an). Jln Anschlüsse all die Versammlung hielt Direktor Jakob Erdös einen bemerkensnnd beherzigenswerthen Vortrag über „die ungarische jüdische Schule im Dienste der Konfession und der Nation". Der Vortragende bezeichnet die aus religiös-ethischer Basis ruhende nationale Schule als das Ideal, nach welchem die ungarischen Lehrer jüdischer Konfession streben. Er lenkte die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer aus den bedauerlichen Umstand, daß das Judenthum trotz seiner sprichwörtlich gewordenen Wohlthätigkeit seine Schulen nicht gehörig unterstützt und betoute, daß es die Pflicht der konfessionellen Schule sei. H einerseits die Kultur zu verbreiten, anderseits aber die Religion zu pflegen und ermunterte zum Schlüsse die Kollegen, mit gutem Beispiele voranzugehen. — Ein Vizegespan eines oberungarischen Komitates hat den traurigen Muth gehabt, an die Regierung die patriotische Bitte zn richten, sie möge die Einwanderung aus Galizien hintan» halten nnd die Au streiku ng der seit 1888 Eingewanderten anordnen. Die Herren vom Egan'schen Schlage begnügen sich also nicht mehr damit, den Juden den Brodkorb höher zu hängen! — Der Rechtsanwalt Dr. Rudolf Pajor ist zum Rechtsanwalt des Bndapester Corpskommandos ernannt worden. Pajor ist der einzige Jude, der im Dienste der Militärverwaltung steht. Von Nah und Fern. — Der „Germania" zufolge wurde der verantwortliche Redakteur der „Germania", Hans Contzen, der wegen Beleidigung der Justizbehörde durch die Presse anläßlich des Kouitzer Mordes zu einem Monat Gefängniß verurtheilt war. zu 14 Tagen Festung begnadigt. — Zum Legationsrath der liberischeu Gesandtschaft am kaiserlich russischen Hofe wurde der Chefredakteur Dr. Max Bejach ernannt. —- Zum 60. Geburtstage des Geheimen Medizinalraths Professor Dr. Jasfä in Königsberg ist ein großes medizinisches Sammelwerk seiner Schüler und Freunde erschienen. — Der Kreisphysikus und Sauitätsrath Dr. Wolfs in Löbau ist zum Geheimen Sauitätsrath ernannt worden. — Unter dem Verdacht, die Synagoge in Könitz am 13. Juni v. I. in Brand gesetzt zu haben, wurde noch der Arbeiter Daenert aus Könitz verhaftet. Wie verlautet, ist die Behörde auch den Anstiftern zu diesem Verbrechen auf der Spur. — In Kolmar i. P. wurde ein israelitischer Geselligkeitsvereiu gegründet. Neben geselligen Zusammenkünften soll durch literarische, wissenschaftliche Vorträge den Mitgliedern auch geistige Anregung geboten werden. — Der Privatdozeut in der juristischen Fakultät Breslau, Gerichtsassessor Dr. Freudeuthal, hat einen Ruf all die im Oktober d. I. zu eröffnende Akademie für Sozial- und Harldelswissenschasten in Frankfurt a. M. erhalten und angenommen. Dr. Frendenthal liest über Staats-, Völker- und Verwaltungsrecht. — Der Kreis Oels in Schlesien ist durch den Tod der Frau Oelsner in Berlin in den Besitz einer Schenkung von ca. einer halben Million Mark gelangt. Der Sohn der Verstorbenen, der Rentier Alexander Oelsner, der in Breslau ansässig war, vermachte diese Summe dem Kreise Oels zu Gunsten der Arbeiter jeglichen Standes. Die Mutter hatte bis zu ihrem Tode die Nutznießung des Kapitals, das jetzt seinem Zwecke zugeführt wird. Oelsner. welcher sich viel mit nationalökonomischeu Studien beschäftigte, war ein eifriger.Anhänger des Schultze-Delitzschfchen Genossenschaftswesens und früherer Direktor des großen Breslauer Konsumvereins. — Am 28. d. M. feierte Bezirksrabbiner Dr. Rawicz in Offen bürg (Baden) sein 25 jähriges Amtsjubilänm. Bericht folgt. —In M o rawitza (Ungarn) starb jüngst eine allgemein beliebte Frau, an deren Sarge nach dem Rabbiner auch der reformirte Seelsorger sprach. Während des ganzen Begräbnisses läuteten die Kirchenglocken. — Der Ingenieur Selig mann - Lui inParisist zum Generalinspektor der Posten und Telegraphen ernannt worden. — Der Präparator des bakteriologischen Instituts in Tunis, Panet, verwundete einen jungen Israeliten mit sieben Dolchstichen und feuerte dann auf den Direktor dieses Instituts vier Revolverschüsse ab, die sämmtlich trafen. Die Verwundungen des Direktors sind jedoch nur leichter Art. Panet, der am Verfolgungswahn leidet, wiirde festgenommen. — Der 18jährige Elbez in Oran ist wegen Thätlichkeiten, verübt gegen Max Regis, vom Schwurgericht zu einem Monat Gefängniß verurtheilt worden. Fünfzehn aridere Israeliten erhielten aus gleichem Anlaß drei bis acht Tage Gefängniß oder entsprechende Geldstrafen. — In Rußland spricht man wieder von der Errichtung eines Rabbinerseminars. Das offizielle Journal des Ministeriums der Volksaufklärnng brachte jungst einen Artikel, der sich entschieden für die Errichtung eines solchen Instituts anssprach.- Die Herren MarxAbramowitsch Warscha wsky nnd Rechtsanwalt Michael I. Kulischer sind vom russischen Minister des Inneren als Mitglieder des Centralkomitees derF. 6.^. in Petersburg bestätigt worden. — Dr. L. de Blowitz, der bekannte Zeitnngskorrespondeut, hat mit dem Präsidenten der Republik Mexiko wegen Ansiedelung von Juden daselbst unterhandelt und bei diesem großes Entgegenkommen gefunden. Druck und Verlag von R u d o L f M o s se in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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