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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-02 · Heft 31 (2.8.1901) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
Seite 371 (sequence 13)
Language
German
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371 — Dr. Münz: Handbuch der Ernährung für Gesunde und Magenkranke. Mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Speisegesetze. — Mainz 1901. Verlag der Joh. Wirlh'schen Hofbuchdruckerei A.-G. Es ist bekannt, das; Mageuleiden bei den Inden so häufig Vorkommen, daß oberflächliche Beurtheiler leicht geneigt scheinen, den jüdischen Magen für Krankheiten ganz besonders disponirt zu halten. Mit diesem Vorurtheil und mit einer ganz ansehnlichen Reihe anderer räumt das vorliegende Buch gründlich auf. Der Verfasser bekundet dabei eine Virtuosität in der Handhabung der medizinischen Wissenschaft und eine Vertrautheit mit sämmtlichen einschlägigen jüdischen Speisegesehen, deren harmonische Verbindung unwillkürlich all die jüdischen Aerzte alten Schlages erinnert. Von seinem wissenschaftlichen Werthe abgesehen, hat das Buch eine spezielle Bedeutung durch den Nachweis, daß die Gesundheit, weit entfernt durch die Speisegesetze beeinträchtigt zu werden, sogar eine Förderung dadurch erfährt. Es behandelt nicht nur Speise und Trank, sondern auch das Fasten sowie die Mazzoskost an Pessach, und weist Schritt für Schritt den heilsamen Einfluß nach, den eine gewissenhafte Beobachtung der jüdischen Speisegesetze für Erhaltung des gesunden und für Heilung des kranken Magens hat. — Es ist unmöglich, aus der reichen Fülle von Beobachtungen und Erfahrungen, voll diätetischen Nathschlägen und Lebensregeln hier eine Auswahl herauszngreiseu; wir müssen dafür auf das interessante Buch selber verweisen. Sprechfunk. Geehrte Redaktion! O uf die o. - Correspoudenz aus Norderney vom 16. d. M. in Nr. 30 dieses geschätzten Blattes erwiedere ich hiermit, daß zwischen Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann in Hannover und mir das beste Einvernehmen besteht. In Bezug auf meine die Fleisch- und Wurstwaaren des Herrn Louis Wolf betreffende Erklärung haben vorher Verhandlungen zwischen uns stattgefnnden, und ist der Wortlaut derselben: „daß ich es Herrn Landrabbiner D r. Gronemann in Hannover überlassen habe, ob und inwieweit er die Veranwortung für deren Kaschrus tragen will" von diesem selbst vorgeschlageu worden. Ich will hier aus die Gründe, die zu der Erklärung Veranlassung gegeben, nicht näher eingehen, und bemerke nur noch, daß jeder mit den Verhältnissen vertraute, rechtlich denkende Mensch in meinem Vorgehen keinen Mangel an „Toleranz" erblicken wird. Bad Ems. inl Juli. D r. Lob, Landrabbiner zu Emden. r Geehrte Redaktion! (ZAezugnehmend auf den Artikel in Nr. 26 „Jüdische Bauern" gestatten Sie mir noch, einen Erfahrnngsbeweis gegen jene echt „agrarische" Beschuldigung zu führen. Meine Heimath ist das Schwabendorf Willingshausen (Kreis Ziegeuhain, Bezirk Kassel). Die jüdischen Bewohner dieses Ortes sind in ihrem Hauptberufe zwar Geschäftsleute, doch findet sich nicht eine einzige Familie, die nicht den Acker baute und pflegte, lieber den Werth ihrer Arbeit aber herrscht bei den christlichen Mitbürgern nur eine Ansicht: das jüdische Besitzthum ist von den Besitzern zum ertragreichsten nmgewandelt worden. Aehuliches finden wir im Kreise Homberg bestätigt. Ueberhaupt ist der Regierungsbezirk Kassel das Land, wo die Juden noch pflügen, ernten und säen. Ob das nun mit „körperlicher Anstrengung" und ernster, physischer Arbeit verbunden ist weiß ich nicht zu „begründen". Aber die Agrarier scheinen es zu wissen! Wie bekannt, ist der größte Theil der hessischen Juden auf dem flachen Lande ansässig, und darin wurzelt auch der Grund, daß die dortigen Inden den Boden bebauen. Zum Theil erklärt es auch ihr Beruf (Vieh- und Pferdehandel). Nichtsdestoweniger aber ist unser schönes Hesseuland der Herd des Antisemitismus. Sind doch die Führer dieser Fraktion — Liebermann v. Sonuenbnrg und Böckel — hessische Reichstagsabgeorduete! Besonders wahrnehmbar ist jene traurige Erscheinung an den Wahltagen, wo der Antisemitismus in seinen gröbsten Auswüchsen sich zeigt. — Aber seien wir hier ehrlich! Auch die hessische» Inden sind an dieser „zeitgemäßen" Erscheinung mitschuldig. Leider ergreift der größte Theil der jungen Leute den Beruf des Vaters, der nur zu häufig in dem sogenannten „Wanderviehhandel" besteht. Auch befleißigt sich noch ein Theil der hessischen Judenschaft des häßlichen Jargons. Diesem doppelten Uebel kräftig entgegenzusteuern, ist das Ziel und die Ausgabe des neugegründeten Schüler- und Lehrlingsheims zn Marburg. Möge diese Anstalt diese wahrhafte Kulturaufgabe zum Segen des Hesseulandes getreulich erfüllen! Ergebenst Rybnik. 14. Juli. I. Plaut, Lehrer. Geehrter Herr Redakteur! <Mn der letzten Nummer Ihres Blattes vom 12. d. M. wünschen Sie Näheres über Betheiligung der Juden all der Landwirthschast. Was nnsern Kreis nun anlangt, so giebt es hier eine stattliche Anzahl von Juden, die theilweise oder im Ganzell ihren Berus in der Landwirthschast haben und ausübeu. Ganz besonders wären da die Brüder Siegfried und Salo Hepuer zn neunen, von denen der eine — Pächter von Schloß Gnttentag des Königs von Sachsen ist. Lubliuitz im Juli. Hochachteud Rabbiner Dr. Friedmann. 4 Sehr verehrter Herr Doktor! u dem Kapitel „Jüdische Bauern" darf ich mir Wohl gestatten. (Al das Wort einmal zu nehmen. In meinem Geburtsorte, einem hessischen Dorfe (Sterbfritz), betrieben in meiner Kindheit — es wird dort auch heute noch so sein — sämmtliche jüdischen Bewohner, ca. 35 Familien, Landwirthschast, und zwar führten sie Sense und Pflug mit eigener Hand. Auch wir Kinder wurden — gellau so wie die christlichen Kinder — zu allen landwirthschaftlichen Arbeiten herangeholt, zu denen man Kinder verwenden kann. Ich selbst habe mit wahrer Lust auch als erwachsener Schüler noch, wenn ich die Ferien zu Hause verbrachte, in Garten. Wiese, Hof und Feld mitgearbeitet, und darf wohl behaupten, es giebt kaum eine landwirthschaftliche Arbeit, die mir fremd wäre, oder die ich nicht gar durch persönliche Hebung kennen gelernt hätte. In der Paderborner Gegend, in der ich bis vor einem Jahre lebte, habe ich sehr viele — und darunter sehr routinirte — jüdische Landwirthe augetroffen, die oft die besteil Ernten erzielten. Ihre Produkte verwerthen sie in Molkereien, Zuckerfabriken und ähnlichen Einrichtungen. Dabei betreiben die Einen Pferdezucht — und ich kenne jüdische Landwirthe (die Herren Gebrüder Heineberg-Brakel), denen bisher fast aus jedem landwirthschaftlichen Fest das sie beschickten, ein Preis oder eine Auszeichnung auf diesem Gebiete znerkannt wurde — die Anderen betreiben Vieh- oder Schas-, auch Geflügelzucht, ja selbst au der Schweinemast betheiligten sich unsere Glaubensgenossen, wie sie sich denn überhaupt als Landwirthe fühlen und sich als solche an jeder berechtigten Bewegung, die die Verbesserung ihrer Lage bezweckt, betheiligen. Wenn ich nicht falsch unterrichtet bin. so war sogar ein jüdischer Oekonom (der vor einigen Jahren in Minden verstorbene Herr Lilienthal aus Steinheim) der Mitbegründer des jetzt noch existirendeu landwirthschaftlichen Kreisvereins Höxter, dessen Vorstand derselbe Jahrzehnte lang allgehörte. Des weiteren sei noch erwähnt, daß das Nauschoff'sche Gut in Peckelsheim weit und breit als eine Musterwirtschaft bekannt ist. In dem genannten westfälischen Städtchen besitzt noch ein anderer Glaubensgenosse (Herr Max Weinberg), ein sehr schönes Bauerngut, und vom frühen Morgen bis zum späten Abend kann mall den fleißigen Landwirth selbsttätig bei seinen Arbeitern im Felde treffen. Zwei andere Glaubensgenossen daselbst (die Herren Gebrüder A. und I. Heineberg) haben ein größeres, mehrere hundert Morgen umfassendes Stück wüsten Landes vor Jahren von der Kommune Peckelsheim gepachtet und den sterilen Boden im Schweiße ihres Angesichts unter Aufwendung ungeheurer Mühe und Opferurbar gemacht. Das Areal, dessen Werth sich durch die Kultur mehr wie verdoppelt hat, wird demnächst nach Ablauf der Pachtzeit wieder in den Besitz der Stadt zurückgehen. Ob wohl die Agrarierzeitung von solchen Thalsachen auch Notiz nehmen wird? Dortmund, 14. Juli. Em. Gold schm i dt.

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