Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1901)
- Date
- 1901-08-02
- Page
- Seite 370 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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370 der Familie der Verlobten und frngen sehr ausführlich über die Beschaffenheit ihres Samstaggerichtes, ob sie wohl Rauchfleisch hinuntertrage, oder eine Kugel bereitet habe, oder gar einen Ritschert mit einem Gänsekaren. Und so oft sie die Magerkeit ihres Samstaggerichtes besprochen hatte, tröstete man sie auf die nächste Hochzeit, bei der man gewiß sehr viel Geld einwerfen werde. Sie schüttelte stets das Haupt und nieinte mit einem tiefen Seufzer: „Leider wird mein Mann nix mehr spielen." (Schlich folgt.» Litterarische Mittheilnngen. — Johannes Nikel: Die Wiederherstellung des jüdischen Gemeinwesens nach dem babylonischen Exil. Freiburg i. B. 1900- Herder. Das Buch bildet einen Theil der biblischen Studien, die Professor Bardenhewer mit einigen anderen katholischen Gelehrten herausgiebt. Es schildert eine der wichtigsten und dunkelsten Perioden der jüdischen Geschichte. Dem Verfasser ist es hauptsächlich darum zu thnu. drei Probleme zu lösen. Erstens das litterargeschichtliche, die Echtheit der im Brühe Esra enthaltenen aramäischen Urkunden und älteren Quellen betreffend, zweitens das chronologische der Namen Darius, Xerxes und Artaxerxes, drittens das kulturgeschichtliche, das sich um die Frage dreht, ob und in wie weit das Gesetzbuch, welches Esra seiner Reform zu Grunde legte, neue Bestimmungen enthielt und welchen Antheil Esra selbst an der Abfassung dieses Gesetzbuches hatte. Die Behandlung der einzelnen Probleme hat Nikel in eine fortlaufende Darstellung des ersten Jahrhunderts der nachexilischeu Geschichte geschickt eingefügt. Der innere Zusammenhang der Thatsachen ist dadurch klarer hervorgetreten. Den historischen Werth der Bücher Esra und Nehemia, der in letzter Zeit wiederholt herabgesetzt odergar in Frage gestellt wurde, führt Nikel in besonnener Weise aus das richtige Maß zurück. Die Hypothesen der neuesten Bibelkritik lehnt er ab. aber auch er hält Esra für einen „der von der Providenz erweckten Männer, welche dem nachexilischen Judenthum eine bestimmte Richtung geben". Nikels Buch ist ein werthvoller Beitrag zur Geschichte seiner Zeit. Hugo Willrich: Judaica. Forschungen zur hellenistisch-jüdischen Geschichte und Litteratur. Göttingen 1900. Vandenhoeck Ruprecht. Seiner trefflichen Schrift über das Verhältnis von Juden und Griechen vor der makkabaischen Erhebung läßt der Verfasser nunmehr eine Fortsetzung folgen. Seine Art philologisch-historische Kritik all der hellenistlsch-jüdischen Litteratur zu üben, ist im Ganzen eine glückliche, auch selbst wenn man nicht allen Hypothesen willig folgt, durch die Willrich manche dunklen Punkte in jener Geschichte aufhellen möchte. So wird z. B. seine Hypothese über den historischen Hintergrund des Buches Esther und die Bedeutung des Purimfestes außerhalb des Wellhausenschen Kreises wenige Anhänger finden. Viel ansprechender ist die zweite Hypothese über die Entstehung des Buches Judith, das er in die Zeit des Demetrius I. von Syrien verlegt und als dessen Verfasser ihm „der erste uns bekannte Pharisäer" erscheint. Zur Aufhellung der hellenistisch-jüdischen Literaturgeschichte dürften namentlich Kapitel II und III des Buches beitragen, die durch die Verwerthung der neuesten Forschungen auf dem Gebiete der ägyptischen Geschichte für die Betrachtung und Beurtheilung jener Litteratur eitlen weiten Gesichtskreis eröffnen. — M. Fried mann: Teller LILrüui rat)Im und Teller INialiu xuiu (lannu ll'ke Llirrbu). Nach einem vatikanischen Manuskripte edirt, kritisch bearbeitet und kommentirt. Wien 1900, 8" x und 217 Seiten. VII. Jahresbericht der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien für das Schuljahr 1899/1900. Wiederum hat Lektor M. Friedmann mit Edition und Kommentirung dieses Werkes, einen anerkennenswerthen Beitrag aus dem Gebiete der Aggada geliefert. Diese Schrift ist im Talmud nur bekannt, weil der Prophet Eliahn N. Annan, Schüler des Abba arikha, aus ihr kabbalistische Studien ertheilt hätte, (Keth. 106II). Nach Friedman« erscheint das Werk als ein Quellenbuch für Talmud und Midrasch und ist als ein wichtiges Dokument anzusehen <S. IV). Dr. Znnz, dem nur korrupte Editionen Vorlagen, spricht auch (Gottesdienstl. Vortr. e. 7 p. 119) eingehend davon, indem er sagt: „Der Seder rabba, aus 31 Kapiteln bestehend, verbreitet sich irr einem fließenden, wortreichen Stile über die mannigfaltigsten Gegenstände; bald werden Gesetzesvorschriften erläutert, bald ganze biblische Abschnitte ausgelegt und mit Anwendungen bereichert; Schilderungen des schönen Looses der Tugendhaften und Treuen wechseln mit Gebeten. Klagen und Tröstungen ab." — Nach einem aus den, Jahre 1186 Vorgefundenen Manuskripte wurde die erste Ausgabe in Venedig 1598 veranstaltet. Gegenwärtige Edition (Codex Nr. 31) ist also um 113 Jahre älter, und man wird dem gelehrten Autor für seinen Entschluß, dieses Werk der Lesewelt zugänglich gemacht zu haben, nur Dank zollen. Ueber Sprache und besonderen Werth dieses Buches, welches der Verfasser mit Fußnoten versehen, wollen wir mit Friedman« (S. V) sagen: „An stilistischer Schönheit, an ethischer Tiefe und Reichhaltigkeit, an Anregung zur Liebe der Thora wie des Volkes Israel kommt ihm kein Buch in der aggadischen Litteratur gleich." Hermann Kahan. ----„Von Herzen zu Herzen", fünf Predigten von Max Ellguther, Rabbiner in Neisse, ausgewählt und herausgegeben von Dr. John Heskel-Berliu. 1901. Unter diesem Titel liegt uns eine kleine Predigtsammlung vor, deren Herausgeber allzu bescheiden ist, wenn er in ihrer Kürze die hauptsächlichste Empfehlung des Schriftchens sieht. Die vorliegenden „Stichproben" zeigen und zeugen von innigster Treue der Ueberzengung des Verfassers, beweisen einen klaren Stil und dokumentiren die unwiderlegliche Werbekraft ihres Motto: „Von Herzen zu Herzen." Zu beziehen sind die Predigten zum Preise von 30 Pfennig (in Briefmarken) von Wilhelm Wohlthat, Verlagsbuchhaudlung, Friedenau-Berlin. — Treu, A.: Selke. Ein Mortara des 16. Jahrhunderts. Zweite Auflage. Brilon 1901. M. Friedländer. Nicht selten wird, besonders seit dem Wiederaufleben lebhafteren Interesses für jüdischkonfessionelle Jugend- und Volkslitteratur, Klage geführt über einen Mangel an — wohl weniger der Zahl, als vielmehr dem inneren Werthe nach — einer ausreichenden Anzahl litterarisch werthvoller Erzeugnisse auf beregtem Gebiete. Ist diesem Vorwürfe auch nicht jede Berechtigung abzusprechen, so muß anderseits doch auch betont werden, daß wir immerhin eine Zahl Schriften besitzen, Produkte berufener Geister, die den Anforderungen voll entsprechen, die man sowohl vom künstlerischen wie erziehlichen Standpunkte aus an derartige Lektüre stellen muß. Zu diesen in jeder Hinsicht algelungen zu bezeichnenden Erzeugnissen ist obengenanntes Merkchen unbedingt zu zähle»,. Der als pädagogischer wie als Jugend- und Volksschriftsteller rühmlichst bekannte Autor hat sich das Lesepublikum, besonders das jüdische, zu wirklichem, wohlverdiente»« Danke verpflichtet, daß er endlich, dem dringenden Wunsche weiter Kreise nachgebend — darunter charakteristischerwei!e viele Väter und Mütter, denen aus ihrer Jugend her das Buch lieb und Werth geblieben — den gänzlich vergriffen gewesenen „Selke" in zweiter Auflage hat erscheinen lassen. Beweist diese seltene Treue der jüdischen Lesewelt schon den hohen inneren Werth des Buches, den nachhaltigen, tiefen Eindruck, den die fesselnde, erhebende Erzählung wie die geschickte, lebensvolle Darstellung zu erzeugen vermag, so wird anderseits auch durch sie die Richtigkeit des Urtheils erhärtet, mit welchem das Buch auf seinem ersten Gange von der Presse empfangen worden ist. Damals — vor einer Reihe von Jahren — in vielen Blättern warm empfohlen und sehr günstig rezensirt, wurden als besondere Vorzüge hervorgehoben: „die Gesühlswärme, die erhebenden Schilderungen der geistigen und leiblichen Bewegung, welche die Nähe des Passahfestes und die bevorstehende Barmizwahfeier des ältester» Sohnes in einer jüdischen Familie Hervorrufen, ferner die anmuthigen Naturschilderungen, die edle Sprache, das treffliche Verbinden der verschiedenen Fäden der Geschichte, die gelungenen Stellen und Sentenzen, der Hauch religiöser Wärme und Begeisterung, der das ganze Büchlein durchweht." — Ganz besonders fügen wir hinzu, eignet sich das Buch zu einem Geschenke für Konfirmanden. Das erste Kapitel — Sabbath Hagodol — ist der Barrnizwahtag unseres Helden, welch' letzteren der Autor auf seinen» herzergreifenden Leidens-und Erlösungsgange so glaubhaft und lebendig vor uns hinzustellen vermag, daß »vir sein wunderbares Schicksal leiblich wie seelisch gewissermaßen selbst durchkosten, und das letzte Kapitel, wieder Sabbath Hagodol, ruft lebhaft und rührend jenen Barmizwahtag ins Gedächtniß. Wir sind fest davon überzeugt, daß die zweite Auflage den Kreis der zahlreichen und warmen Verehrer des „Selke" bedeutend vergrößern wird. L. Baum.