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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-02 · Heft 31 (2.8.1901) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
Seite 369 (sequence 11)
Language
German
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369 hen Honoine Hände- Rabbiuers n vertheilt, schrie und as Zeichen n Essen, lksnarren", sie nahmen : die Hocher üblichen Sippe der des Gebers Schließlich uktion, die!llles blickte; Violinen n Figuren den Be>ve-;mühungen es quittirt, ^vang, die >er ließ sich d sang mit wie sie sich tü tü tü tü" Diese Paar zwei Baß- : Klarinette eine meloatte einige les nichts en Leuten, rr und die sie laut im?r, bis daß die zarte, t war. erschauend, den Bogen .eiten Gurt : Schulter > Mendele' sing seines ruppen, sie meschugge als ruß linkt, aber isik studirt weil inan besser sein es Pflicht Siege zu erste war nphiren, o iß Mendele e die Leute Wenn man etwas recht Lächerliches, Absurdes, Verrücktes, bezeichnen wollte, so hatte man ein neues Wort dafür geprägt bekommen, „Lohengrin". Auch der Sprachschatz des Ghetto für einen Verrückten hatte eine Bereicherung erfahren. Man sagte jetzt statt meschuggener Mensch „Wagner". Mendele Klesmer hatte von diesem Tage an für alle Zeiten seinen Beinamen „Mendele Lohengrin" oder „meschugge Wagner". Es kamen böse Tage für ihn. Die Zeiten waren schlecht in Martinsdorf und Umgebung, die Bauern wurden immer schlauer. Sie verlangten für ein Hasenfell jetzt so viel, als es in Wien galt. Die Verdienste wurden immer karger. Um seines eigenen Interesses willen rieth ihm seine Frau, sein Bassettel wieder hervvrzuholen, aber auch des allgemeinen Wohles wegen; er sollte seine Freunde in ihrem Erwerbe nicht stören und die Menschheit nicht in ihrer Erquickung. Er aber blieb hartnäckig; er rührte keine Saite an. Er ging still und in sich gekehrt durch die Straßen; nur wenn er ins Freie kam, dann dehnte er sein dünnes Stimmchen in jenen Melodien aus, die er von der Oper des großen Zukunftsmusikers noch im Ohre behalten hatte. Der Winter war in der Judengasse von Martinsdorf musiklos vorübergegangen. Kein Purimball wurde abgehalten. (Denn die Zigeunermusik war zu theuer, abgesehen davon, daß es fraglich gewesen wäre, ob sie in der Jndengasse gespielt hätte.) Das Fest des guten Königs Mordechai und der schönen Esther war ohne Sang und Klaug vorübergegangen. Das Passah fest rückte immer näher. Um diese Zeit kamen die Söhne der jüdischen Familien, die in Wien lebten, um die Kaufmannschaft zu erlernen oder um zu studiren, auf einige Tage zu ihren Eltern. Ein junger Student, der auch ein wenig Musik trieb, der Sohn von Reb M ordche Freund, hatte von Mendeles fixer Idee gehört. Er beschloß, ihn zu heilen. Am ersten Passahtage drängte Jeder „nach Schul" an die Studenten, wie auch an alle anderen aus der Fremde Gekommenen, um ihnen das Scholem alechem zu bieten. Auch Mendele reichte den jungen Leuten die Hand, was der Student benützte, um ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen. Aber Mendele war verstockt, er wollte das Geheimniß seiner Seele nicht mehr preisgeben, er fürchtete, verlacht zu werden. Da rückte denn der junge Student im Sturme vor; er setzte dem alten Manne seine Waffe brüsk an die Brust. „Sagen Sie, Reb Mendele, Sie interessiren sich so für Wagner und wollen ihn mit aller Gewalt in Martinsdorf bekannt machen! Wissen sie auch, daß derselbe Wagner ein großer Judenfeind ist?" Mendele blieb in starrem Schreck stehen, runzelte die Stirn, zog die dünnen, Hellen Augenbrauen zusammen, mißtrauisch zu dem Sprecher hinüberblickend. „Sie haben gehört, daß ich meschugge geworden bin?" Der junge Mann schüttelte verneinend sein Haupt. „Ich weiß, man heißt mich meschugge. Aber so meschugge bin ich doch nicht, daß ich Ihnen solche Schmonzes glaube. Wie heißt, Wagner is e Judenfeind? Was hat die Musik mit die Juden zu lhun oder mit die Christen? Machen ihm die Juden Konkurrenz? Was haßt Jud, was haßt Christ bei Musik? Is Musik koscher? Is eine Melodie trefe? Muß man denn Noten einsalzen und auswaschen? Muß man eine Fidel schachten? Wie heißt also, Wagner is e Judenfeind? Fragt man in der Oper, wenn Einer fünf Gulden bezahlt hat, ob er e Jud is oder e Goj?" „Aber Wagner ist doch ein Judenfeind." „Erzählen Sie mir nix, Wer e solche Musik macht, der steht zunächst zu Schemis borach, zu Gott selber, und wer so hineingreifen kann in e Menschenherz" . , . Der Student zuckte mit den Schultern. „Sie werden sagen, ich bin meschugge. Aber ich war doch in Wien, in der kaiserlichen Oper, und mir hat ein junger Herr gesagt, was de Musik studirt, vom Konservatorium, und e feines, großes blondes Fräulein, was e große Klavierkünstlerin werden will, daß Wagner eilt Prophet is in der Musik. Nu, seit wann sein Propheten Judenfeinde?" „Das ist ja richtig," bestätigte der Student, „er ist ein berühmter Meister, ein großer Komponist, aber er hat seine Judenseindschaft selbst bekannt, er hat sie in einer Schrift niedergelegt. Sie heißt: „Das Judenthum in der Musik." Das schien ernst. Mendele trat dicht an den jungen Mann heran. „Sie, Herr Freund, ich Hab' noch Ihren Großvater gekannt, das war ein ehrlicher Jüd, in Genedim soll er ruhen, und auch Ihr Vater is e koscherer Jüd, halten Se mich nicht zum Narren, thun Se mir nix weh, wenn es nix wahr is." „Es ist aber wahr." Mendele stand eine Weile still und schaute zähneknirschend zu Boden. „Wie heißt das Buch?" „Das Judenthum in der Musik." „Ich danke Ihnen." Er wollte gehen, drehte sich aber wieder zurück. „Und kriegt ma das wo zu borgen oder zu kaufen?" „Es ist im fünften Band der gesammelten Schriften von Wagner erschienen." „So, so, im fünften Band in Wagners Schriften, so, so." Damit ging er, Chaim Freunds Sohn schien seinen Zweck erreicht zu haben. Mendele ging zwar noch immer träumerisch umher, er mied seine Orchesterkollegen, hier und da aber drängte er sich lvieder unter die Leute, er witzelte, er sang zeitweilig eine alte Melodie vor sich hin, er war dann sogar lustiger als früher. Die Stimmung Mendeles war für die Gemeinde um diese Zeit nicht ohne Wichtigkeit, denn am Lag Beomer, am 33. Tag der Omerzählung, sollte eine Hochzeit stattfinden. Omer, das sind die 49 Tage, die vom Passahabend bis zum Schewuausfeste vergehen, dem Tage der Offenbarung, der Uebergabe der zehn Gebote an Moses. In dieser Epoche darf nur an einem Tage, an diesem 33. Tage der Zählung geheirathet werden Und dieser Tag vergeht selten in einer Judengemeinde, ohne durch eine Hochzeit gefeiert zu werden. Da war es denn wichtig, zu erfahren, ob Mendele noch immer halsstarrig seine Mitwirkung bei diesem feierlichen Akte verweigere. An den kleinen Musikanten selbst wagte sich Niemand heran, man wollte sich nicht beleidigen lassen. Es wurde versucht, durch die Frau Mendeles zu erfahren, wie er über die nächste Hochzeit denke. Chaile Klesmertin war mit einem Male eine wichtige Persönlichkeit geworden. Beim Schabbes-Gottesdienst beeilten sich die reichsten Frauen, sie von der hintersten Bank an die Glaswand vorzuschieben, von der inan in die Männerschul hinabsehen konnte, und die Frauen der größten Gottesgelehrten schlugen ihr am Pessach den Machser auf. Wenn :sie am Freitag den Schalettopf zu Schimele Beck trug, dann gesellten sich die Frauen zu ihr, namentlich die Frauen aus

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