Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1901)
- Date
- 1901-08-02
- Page
- Seite 365 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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New York, im Juli. ie Ihnen bekannt sein wird, regte der bekannte und für alles Jüdische wahrhaft begeisterte Richter Mayer Sulzberger-Philadelphia vor einigen Jahren an, eine Ausstellung von Gegenständen, welche die amerikanischjüdische Geschichte betreffen, zu veranstalten. Kurz nach dieser Anregung fand in London im Jahre 1887 eine englisch-jüdische Ausstellung statt, die so glänzende Erfolge auswies, daß das amerikanische Projekt bald ausgegeben wurde, hauptsächlich aus sein Grunde, weil man seiner Zeit annahm, daß Amerika zu wenig Material zur Ausführung eines solchen Vorhabens neten dürste. Dankden Bemühungen der Amerikanisch-Jüdisch-Historischen Gesellschaft ist späterhin so viel neues Material aufgefunden worden, daß man den Plan einer Ausstellung wiederaufnahm, »dein man von dem Gedanken ausging, daß die Veröffentlichungen über die Funde nicht den Erfolg ausweisen könnten, wie eine Schaustellung der Gegenstände selbst. Eine solche Ausstellung ist nun für den Winter 1901/1902 in Newyork eplant. Dr. Cyrus Adler war es, der im Dezember 1900 auf der Jahresversammlung der Amerikanisch-Jüdisch-Historischen Gesellhaft in einem vorzüglichen Referat die Aufmerksamkeit auf ine derartige Ausstellung lenkte und auf die glänzenden Renltate hinwies, die nicht allein der Gesellschaft durch Aufeigung neuen Materials, sondern der gesammteu Judenheit u gute kommen würde. In derselben Versammlung verlas Herr Joseph Jacobs us London eine interessante Schrift „über das Projekt einer nierikanisch-jüdischen Ausstellung", ein Entwurf, der hohe Zeachtung verdient, nicht nur wegen der nachdrücklichen Beweisührung, sondern auch weil der Autor der Schrift der Anreger >nd Leiter der mit so gutem Erfolge durchgeführten 1887 er iiglisch-jüdischen Ausstellung war. In dieser Schrift werden die Beweggründe zur Veranlaltung einer Ausstellung in Amerika besonders klar dargelegt; w würde nicht allein einen fördernden Einfluß auf die histoische Forschung ausübeu, sondern überhaupt das Studium der amerikanisch-jüdischen Geschichte durch den Anblick eines so eichen historischen Materials anregen. Eine große Menge neuen Materials würde sicherlich durch die Ankündigung einer wichen Ausstellung zu Tage gefördert werden, das sonst einelnen Forschern vorenthalten geblieben wäre. „Eine Ausstellung," führte Herr Jacobs aus, „ giebt Gelegenheit zu einer systematischen Sammlung von historischen Porträts und anderen historischen Reliquien, welche die Veröffentlichungen der Gesellschaft kaum bieten können .... Sie wird auch all die Institutionen, welche sich mit der Geschichte und der Archäologie des Landes befassen, heranziehen." Ein fernerer Gesichtspunkt fällt noch ganz besonders in Betracht, nämlich der, der nichtjüdischen Bevölkerung zu zeigen, daß der Jude auf amerikanischem Boden kein Eindringling ist. Die Ausstellungsgegenstände werden den Beweis liefern, daß die Juden auf das Thätigste mitgearbeitet habe» an der Entwickelung Amerikas vor und während der Revolution und später in allen Versuchs- und Uebergangszeiten. Abgesehen von dem belehrenden Eindruck, den das nichtjüdische Publikum empfängt, wird sie nicht minder instruktiv für die Juden selbst sein, insofern als sie Beiden zeigen wird, wie eng verknüpft die jüdische Geschichte mit der amerikanischen von Anbeginn ist. Es wird die Juden mit Stolz und Vaterlandsliebe erfüllen. Auf Grund dieser Ausführungen wurde, wie schon gemeldet, ein vorberathendes Komitee gewählt, das sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Oscar S. Straus, Richter Mayer Sulzberger, Max I. Köhler, Dr. Cyrus Adler, Dr. Herbert Friedenwald, Jacob H. Schiff, Joseph Jacobs, Arnold, W- Brunner, Rev. Dr. William Rosenau, Rev. Dr. G. Gottheil, Hon. N. Taylor Phillips, William I. Salomon Esq., Leon Hübner Esq., Mendes Cohen, Julius Rosenthal, Rev. Dr. Philipson und Clarence De Sola. Es war dieser Kommission Vorbehalten, eine Reihe von Fragen noch ganz besonders zu prüfen, hauptsächlich die, ob ausreichendes Material vorhanden sein wird, um eine Ausstellung zu rechtfertigen. Der Umstand, daß die Herren Oskar S. Strauß, Richter Mayer Sulzberger und Jacob H. Schiff zu dieser Kommission gehörten, bot hinlängliche Garantie für die sorgfältige Prüfung dieser Frage. Der Bericht darüber wurde der Versammlung am 28. April 1901 von Oscar Straus vorgelegt. Das Komitee nahm darin Bezug auf die erfolgreiche englisch-jüdische Ausstellung und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß das historische Material in reicherer und werthvollerer Auswahl vorhanden sei, als man vorausgesetzt hatte. Die Beschlüsse des Komitees wurden folgendermaßen zusgmmengefaßt: „Das Komitee ist der festen Ueberzeugung, daß die geplante Ausstellung der Sache des Judenthums ganz besonders dienen und dem amerikanischen Volke den Beweis liefern würde, welchen ehrenvollen Antheil die jüdische Bevölkerung an seiner geschichtlichen Entwickelung von Anbeginn genommen; die Ausstellung würde das Studium der amerikanisch-jüdischen Geschichte in hohem Maße anregen und fördern und auch in weiteren Kreisen Interesse an jüdischen Angelegenheiten wecken." Aus verschiedenen Gründen wurde New-Aork als Ausstellungsort empfohlen, ganz besonders deswegen, weil es der Mittelpunkt der größten jüdischen Bevölkerung Amerikas ist. Gemäß dem Vorschlag der vorberathenden Kommission wurde ein aussührender Ausschuß von 15 Herren gewählt mit der Vollmacht, aus den Mitgliedern genannter Gesellschaft und anderer Vereinigungen sich zu kooptiren. Dieser Ausschuß setzte sich aus folgende» Herren zusammen: New-Hork: Hon. Oskar S. Strauß, Max I. Köhler, Joseph Jacobs, Hon. N. Taylor Phillips, Professor Morris Loeb, Professor Richard Gottheil, Leon Hübner, George Hellmann; Philadelphia: Hon. Mayer Sulzberger, Dr. Herbert Friedenwald; Baltimore: Rev. Dr. William Rosenau; Chicago: Rev. Dr. B. Felsenthal; Cincinnati: Rev. Dr. Phillipsott; Galveston: Rev. Henry Cohen; San Francisco: Rev. Jakob Voorsanger. Dr. Cyrus Adler- Washington wurde zum Vorsitzenden dieses Ausschusses ernannt.