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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-26 · Heft 30 (26.7.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 30 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 vollen Akte schloß sich ein Gabelfrühstück an, das die Gemeinde in schöner Harmonie und bester Weinlanne vereinigte. Architekt Pabel toastete auf den Synagogenvorstand, Rabbiner Kamerase ansdieBankommission, Bankier Löwenstein ans den Prediger; Herr Neyersbach weihte sein Glas dem guten Einvernehmen der hiesigen Bürgerschaft, Fabrikant Oskar Stern dem Baumeister Pabel. Mit dem Wunsche, sich bei der Einweihung wieder in ungestörter Freude zu vereinigen, trennten sieb die Festtheilnehmer. (N Magdeburg, 8. Juli. Der Synagoge »gemeinde- Verband der Provinz Sachsen sendet uns den Verwaltungsbericht für das Geschäftsjahr 1900/1901. Im zweiten Jahre seines Bestehens hat der Verband sich weiter günstig entwickelt. Die Zahl der Verbandsgemeiuden hat sich um drei (Bitterseld, Eisleben und Zeitz) vermehrt, nach Ablauf des Geschäftsjahres hat noch eine vierte Ge« meinde — Bleiche: vde — ihrer: Beitritt angemeldet, so daß bei Fertigstellung dieses Berichts 19 Gemeinden der Provinz Sachsen den: Verbände angehöreu. Auch die Zahl der außerordentlichen Mitglieder ist wesentlich gestiegen. Dem Vermögen des Verbandes sind durch die größere Anzahl der außerordentlicher: Mitglieder nicht unerhebliche Mittel zugeführt worden. Diesen: äußeren Wachst!)»»: des Verbandes entsprach auch seine erhöhte Thätigkeit im Innern. Dieselbe war nach wie vor in erster Reihe darauf gerichtet, in den Gemeinden der Provinz — gleichgiltig ob sie dem Verbände angehöreu oder nicht — einen geordneten Religionsunterricht einzuführen und zu erhalten. Waren es im ersten Verbandsjahre drei Gemeinden, in welchen ein solcher Unterricht von Verbandswegen eingerichtet wurde, so sind es jetzt deren schon sechs mit einer Gesammtzahl von 33 Kindern. Der Unterricht wird zum Theil in von der Stadtverwaltung überlassenen Räumen von vier Lehrern in zwei Stunden wöchentlich ertheilt. Auch Inspektionen des Unterrichts wurden in Bitterfeld und Zeitz durch Herrn Rabbiner Dr. Feßler (Halle) vorgenommen. — Ar: die Prüfungen — über welche eingehend ans besonders festgestellten Formularen berichtet wird — schloß sich ein Mincha-Gottesdienst mit Predigt, an welchen: die Gemeindemitglieder in festlicher Stimmung theilnahmeu. Es ist für die nächste»: Monate eine umfassendeJnspiziruug der einzelnen Gemeinden bereits in die Wege geleitet. In dem verflossenen Jahre ist zun: ersten Male auch der Versuch gemacht worden, in den kleineren Gemeinden den Gottesdienst an den Herbstfeiertagen durch Abhaltung einer Predigt weihevoller zu gestatten. Von dem Anerbieten des Verbandes, die hierfür erforderlichen Kosten ganz oder theilweise zu decken, hatte allerdings nur eine Gemeinde Gebrauch geinacht; die hohe Befriedigung jedoch, welche diese Gemeinde über die neue Einrichtung empfände»», und der sie in beredte»: Worten an den Verband Ausdruck gegeben, läßt erhoffen, daß dieses Beispiel alsbald auch in viele»» anderen Gemeinden Nachahmung finden, und daß auf diese»:: Wege vielen unserer Glaubensgenossen willkommene Gelegenheit geboten werde, weuigstens an den höchsten Festtagen sich an deutschen Predigten zu erbauen. Der Kassenbericht ergiebt an Einnahmen 3291.23 Mark, an Ausgaben 1530.77 Mark. Der Vermögensnachweis ergiebt 1760.46 Mark. Der Verbandsausschuß besteht aus folgenden Herren: Benjamin Hirsch, Halberstadt. S. Blumenthal, Egeln. A. Krojanker, Burg b. M. I. Lamm. Erfurt. Rechtsanwalt Lichtwitz, Magdeburg. Ad. Meyer, Stendal. W. Oppenheimer, Nordhauser». Ad. Sernan, Halle. o. Norderney, 16. Juli. In der hiesigen Synag ogenvorhalle befindet sich eine eigenthümliche Bekanntmachung, welche ich in getreuer Abschrift beifüge, und die wohl niedriger gehängt zn werden verdient. Es liegt wahrlich kein Grund vor, daß sich die Rabbiner einer Provinz in solcher Weise desavouiren, und die Bekanntmachung selbst legt kein schönes Zeugniß von Toleranz ab. Es ist »»»»begreiflich, wie man an der Stätte friedlicher Andacht den Ein- und Ausgehenden solches Bild von Zwietracht vorführe»» »nag; darüber waltet nur eine Stimme! Der hiesige Vorsteher scheint seine Autorität nicht zn benutze»», um diese Asfichirung zu entfernen, »vie es sich eigentlich gehörte. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist folgender: Emden, de»» 7. Juli 1901. Bekanntmachung. Es wird hiermit bekannt gemacht, daß ich es in diesen» Jahre nicht übernommen (habe), die von Herr»: Louis Wolf ans Hannover zum Verkanfe in Norderney ausgestellten Fl ei sch - und Wurstw aareu beaufsichtige»: zu lasser», und daß ich es Herrn Landrabbmer Dr. Gronemann in Hannover überlassen habe, ob und inwieweit er die Ver a n tw ortu n g für deren Koscheres tragen will. gez. Dr. Löb, Landrabbiner, Emden. ----- Homburg, 19. Jul». Von hier wird der offiziösen „Straßburger Post" geschrieben, die Mittheilung des „Hamburgischen Korrespondenten", daß Kaiser Wilhelm mit dem Generaldirektor Ball in über dessen Neligionsbekenntniß nicht gesprochen habe, sei in Hambnrg allgemein auf Unglauben gestoßen. Man wisse in der» in Betracht kommenden Kreiser: ganz genau, daß der Kaiser eine ähnliche Aenßerung, wie sie seitens der „Vossischen Zeitung" im letzten Frühjahre gemeldet wurde, habe falle»: gelassen, und ferner, daß Herrn Ballin das Bekauntwerden dieser Aenßerung nicht angenehm gewesen ist. Ans den Zusammenhang, in dem diese Aenßerung gefallen ist. komme es weiter nicht an, es sei gleichgiltig, ob sie mit der beabsichtigte»: Uebertraguug eines Amtes oder mit der beabsichtigter: Adelsverleihung an den Generaldirektor der Harnburg-Amerika-Linie in Verbittdnng gestanden habe. Was die letztere aber betrifft, so sei es bekannt, daß Herr Balliu ausdrücklich gebeten hat, der Kaiser möge vvu einer Nobilitirung Abstand nehmen, und daß er daraus die hohe Ordensanszeichnnng erhalte»» hat. Aber auch wenn das kaiserliche Wort: „Daß Sie Jude sind, macht mir gar nichts," nicht gefallen wäre, so zeige doch das ganze Verhalten des Kaisers, daß er ebenso unbefangen und vorurtheilslos denkt, als »venu er das Wort ansgesprochen hätte, denn der Kaiser habe nicht l»nr ii» seiner Cuxhavener Rede von dem Ge»»eraldirektor in der anerkennendsten Weise gesprochen und ihn» sein Bild mit eigenhändiger Widmung geschenkt, sondern ihn auch in der letzten Zeit in einer Weise ausgezeichnet, »vie es wenigen Privatleuten und wohl noch keinen» Angehörigen des Handelsstandes zu Theil geworden ist. Auch in Kiel sei Herr Ballin wiederholt von» Kaiser zur Tafel heraugezogcn »vorder». Trotzdem glaube man nicht, daß Herrn Ballin einmal ein leitendes Amt in Berlin übertragen wird, und zwar einfach aus den» Grunde, »veil Ballin an der Spitze der größten deutschen Schifffahrtsgesellschaft einen Posten habe, der ihm viel größere Selbständigkeit gewährt, als sie ihr»» je in einen» Amte und sei es eine»»» noch so hohen Amte beschieden sein könnte. Herr Ball»»» trage sich auch noch mit viel weitgehenderen Pläne»», die ein Nachfolger schwerlich ansführen könnte. Deshalb werde er seine Gesellschaft nicht im Stiche lassen. ZA Diirkheim, 14. Juli. Der »»ns vorliegende Jahresbericht der Bär »n auu s ch en N eal s ch ule dahier entwirft ein günstiges Bild von der Weiterentwickelung dieser blühenden Anstalt. Sie war im abgelausenen Schuljahr von 184 Schülern besucht; davon traten in: Laufe des Schuljahres 22 Schüler aus. so daß sich eine Schlußsreqnenz vor: 162 ergiebt. Das Pensionat des Direktors Herrn Heinrich Bär- »uann zählte 93 Pensionäre. Die Anstalt gliedert sich in 6 Jahresknrse; der Lehrstoff stimmt mit jenem der bayerischen Realschulen vollauf überein. Den 7 Schüler» des 6. Kurses wurde durch höchste Entschließung des Kgl. Slaatsministerinms die Zulassung zu de»: diesjährigen Absolutorien an den Realschulen zu Neustadt, Ludwigshafen und Speyer ertheilt. Hiervon erhielten 6 das Neifezenguiß; weitere Schüler der Anstalt haben in: Lause des Schuljahres die einjährigfreiwillige Prüfung in Speyer bestanden. Diese günstigen Resultate sprechen deutlich sür de»: arbeitsfreudigen Geist, der in der Bärmannschen Lehranstalt herrscht. Das neue Schnljahr beginnt am 18. September. n. Karlsruhe, 18. Juli. Die Wahlen zu der in» Herbst d. I. wieder stattfindenden Synode Haber: am 12. d. M. stattgesunden. Es wurden gewählt: die Bezirksältesten Rothschild in Konstanz, Jakob Bernheirrr in Gailingen, I. Weil sen. ii: Lörrach. Dnkas in Freiburg, Epstein in Eichstetten, Lang in Altdorf, L. Wertheimer in Bühl, Rechtsanwalt Dr. Bielefeld, Bernhard Fuchs in Karlsruhe. Vorsteher und Stadtrath Louis Marx in Bruchsal, Rechtsanwalt Dr. Friedberg in Karlsruhe, Bezirksältester Netter in Heidelberg, Vorsteher Halle in Hockenheiin, Julius Ettlinger^Nechtsanivalt Dr. Hache»:- burg, D. Kahn und Joseph Zimmer in Mannheim, die Vorsteher Maier Heinsheimer in Eppingen und M. Rothschild in Mosbach. Rechtsanwalt Elias Spiegel in Tauberbischofsheim. Ebenso wurden in gleicher Wahlhandlung die doppelte Anzahl Ersatzmänner für obige Abgeordnete gewählt. Stuttgart, 20. Juli. Am Knrtheater Berg gastirte kürzlich unter Direktion der Herren A. Steiuert und V. Arnold ei»: Berliner Novitäten-Ensemble und führte nach Wolzogens Vorbild ein „Ueberbretll" auf. bei welchem Herr Dr. Hans Kaufmann als Conferencier wirkte. Zunächst erzielte eine von Herrn Albert Lieban vorgetragene, im Mauschelton gehaltene Dichtung „Die neue Loreley", eine Parodie des deutschen Volksliedes, stürmischen Beifall. Unter der Programm-

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