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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-26 · Heft 30 (26.7.1901) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 30 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
Seite 356 (sequence 10)
Language
German
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356 Reise von Paris nach Hamburg schildert. Dort heißt es im Kapitel 19>): Zu Bnckeburg stieg ich ab in der Stadt, Um dort zn betrachten die Stammburg,-) Wo mein Großvater geboren ward; Die Großmutter war ans Hamburg. In eurem wahrscheinlich zu gleicher Zeit geschriebenen Brief an seine Gattin Mathilde vom 10. Dezember 1843 aus Bückeburg sagt er: „Ich bin überzeugt, daß Du nicht weißt, wo Bückeburg, eine sehr berühmte Stadt irr den Annalen unserer Familie, liegt, aber das thut nichts." Zum dritten Male gedenkt Heitre seiner Großeltern in den Memoiren, als am Abend seines Lebens. Er vertheidigt sich dort gegerr den Vorwurf seiner Feinde, daß er bei biographischen Mittheilungen sehr viel von seiner mütterlichen Familie, aber gar nichts von seinen väterlichen Sippen und Magen gesprochen habe. Diese Gegner — ich weiß nicht, wer dieselben waren — bezeichnten solches als ein absichtliches Hervorheben und Verschweigen und beschuldigten ihn derselben eitlen Hintergedanken, die man auch „seinem seligen Kollegen" Wolfgang Goethe vorgeworfen habe. Heine vertheidigt sich dann später und erklärt, es sei nicht seine Schuld, wenn er in seinen Schriften von einem väterlichen Großvater nie gesprochen habe. Er erzählt hieraus: „Die Ursache ist ganz einfach; ich habe nie viel von ihm zn sagen gewußt. Mein seliger Vater war als fremder Mann nach meiner Geburtsstadt Düsseldorf gekommen und besaß hier keine Anverwandten,") keine jener alten Muhmen und Basen, welche die weiblichen Barden sind, die der jungen Brut tagtäglich die alten Familienlegenden mit epischer Monotonie Vorsingen, 3 I. e. II, 230, wo nunmehr auch die Anmerkung zu berichtigen ist. Das Stammhaus der Familie steht noch. Es ist das jetzige Gasthaus „Zur Falle" in der Langenstraße. Vergl. mein Heinrich Heine 1. c. S. 13. Ein Seitenzweig der Familie, dessen Verbindung mit dem Hauptzweig ich noch nicht habe auffinden können, hat in diesem Hause bis in die 60 er Jahre unseres Jahrhunderts ein ansehnliches Geschäft betrieben, lieber diesen Seitenzweig ist folgendes zu bemerken. In einem Verzeichniß der sämmtlichen inländischen Schntzjuden aus dem Jahre 1787, das sich im fürstlichen Privatarchive zu Bückeburg befindet, werden genannt: „Die Wittwe Levi Heine und ihr Sohn Daniel Heine." Dieselbe Akte enthält Verhandlungen über Verleihung des landesherrlichen Schutzes an Joseph Heine in Bückeburg, Bruder des vorerwähnten Daniel Heine. Aus dem Grabstein der Genannten entnehme ich. daß Jehuda Loeb Heine, der vielleicht ein Bruder von Chajjim Bückeburg gewesen ist. zwei Söhne hatte, Daniel und Josef Heine. Josef Heine hatte sechs Söhne und zwei Töchter: Levi, Lazarus. Daniel, Isidor, Salomon, Simon. Betty und Nahel. Von den Söhnen sind drei erwähnenswerth. Levi und Lazarus Heine begründeten ein allsehnliches Bankgeschäft in Bückeburg. Lazarus wurde sogar der Hofbankier des Fürsten. Anfang der 60 er Jahre kam es zum Bruch zwischen ihm und dem Fürsten von Bückeburg, und er floh bei Nacht und Nebel aus dem Fürstenthum. Erstarb 1853 in Australien. Levi Heine war lange Zeit Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Bückeburg und hat sich in den 40er Jahren und auch später noch mannigfache Verdienste um die Gemeinde erworben. Am 19. März 1842 hat er eine Eingabe an die Regierung betreffend die Verbesserung der Eidesleistung der Juden gerichtet. Vergl. Allgemeine Zeitung des Judenthums 1842, S. 314. Der Jüngste, Simon Heine, war Mediziner, Hosrath des Fürsten, lebte in Bückeburg und starb auf eitler Neise in Italien. Er liegt in Florenz begraben. Man findet den Namen Heine noch auf den 25-Thalerloosen von Bückeburg verzeichnet. 3) Heine wußte also nichts von der Verwandschaft seines Vaters und seiner Mutter, während es doch ziemlich selbstverständlich ist, daß gerade diese Verwandtschaft Samson Heine das van Gelderusche Haus erschlossen hat. während sie die bei den schottischen Äarden obligate Dudelsackbegleitung durch das Schnarren ihrer Nasen ersetzten. Nur über die großen Kämpen des mütterlichen Clans konnte von dieser Seite mein junges Gemüth frühe Eindrücke empfangen, und ich horchte mit Andacht, wenn die alte Braunle oder Brnnhildis erzählte. Mein Vater selbst war sehr einsilbiger Natur, sprach nicht gern, und als ein kleines Bübchen, zur Zeit, wo ich die Werkeltage in der öden Franziskanerklosterschule, jedoch die Sonntage zu Hause zubrachte, nahm ich hier eine Gelegenheit wahr, meinen Vater zu befragen, wer mein Großvater gewesen sei. Auf diese Frage antwortete er halb lächelnd, halb unwirsch: „Dein Großvater war ein kleiner Jude und hatte einen großen Bart." Heine erzählt dann noch, welche Prügel er vom Lehrer empfangen, als er Tags darauf unter seinen kleinen Kameraden in der Schule durch die Mittheilung, daß sein Großvater ein kleiner Jude gewesen, welcher einen großen Bart gehabt, eine förmliche Revolution erregt habe. „Gesottene Katze scheut den kochenden Kessel," sagt das Sprichwort, und die Erinnerung an jene erster: Prügel hat Heine nie verlassen. Er empfand deshalb auch später keine große Neigung, „nähere Auskunft über jenen bedenklichen Großvater und seinen Stammbaum zu erhalten, oder gar dem großen Publikum, wie einst dem kleinen, dahinbezügliche Mittheilungen zu machen", i) Das ist Alles, was wir von Heine selbst über seinen Großvater Hehmann Heine erfahren. Hütte Heine den Stammbaum seiner väterlichen Familie näher gekannt, so würde es ihm wahrscheinlich ein Vergnügen gewährt haben, darüber in seinen Memoiren mehr zu sagen. Ueber seine Großmutter schreibt er viel freundlicher:^ „Sie war eine außerordentlich schöne Frau und einzige Tochter eines Bankiers in Hamburg, der wegen seines Neichthums weit und breit berühmt war. Diese Umstände lassen mich vermuthem daß der kleine Jnde, der die schöne Person ans dem Hause ihrer hochbegüterten Eltern nach seinem Wohnort Hannover heimführte, noch außer seinem großen Barte sehr rühmliche Eigenschaften besessen und sehr respektabel gewesen sein muß." Heine beschreibt auch ein Porträt der Großmutter, das er im Schlafzimmer seines Oheims gesehen, das aber leider verloren gegangen ist. Der zweite Sohn Ehajjim Bückeburgs, Samson Heine (geb. 19. August 1764, gestorben 2. Dezember 1828) ist also wahrscheinlich nicht ans Hannover, sondern aus Ham barg, wo er die erste kaufmännische Ausbildung erlangte, nach Düsseldorf in: Sommer 1796 gekommen. Schwer zu vereinigen mit diesen Thatsachen sind die Mittheilungen des Dichters in seinen Memoiren, die sein Bruder Maximilian und seine Nichte die Fürstin della Rocca, auch bestätigen, daß Samson Heine sich in seiner Jugend „in hannoverschem Dienstverhältnisse befunden" und in: Gefolge des Prinzen Ernst von Cumberland den Feldzug von Flandern und Brabant in der Eigenschaft eines Proviantmeisters mitgemacht habe.'") In jeden: Falle aber hat Samson Heine eine bewegte Jugend verlebt. Er war bereits 32 Jahre alt, als er zürn ') l. e. VH. 397 ff. 2) l. e. VII. 399. ') 1. v. VII. S. 402. Dagegen ist es richtig, daß Heines Vater bei der Bürgermiliz in Düsseldorf als Offizier angestellt war, und zwar als Unterleutnant bei der 3. Füsilierkompagnie in: Jahre 1806. Vgl. die Mittheilungen von I. Asbach in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung 1900 Nr. 112. S. 117 ff.

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