Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1901)
- Date
- 1901-07-26
- Page
- Seite 354 (sequence 8)
- Language
- German
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354 Interesse des JudenthuriiZ für förderlich erachten, wenn so manche berufene Vertreter desselben eine geringschätzige Haltung bezüglich der Bedeutung des jüdischen Lehrerstandes einnehmen." Was ein jüdischer Lehrer selbst noch in hohem Alter zu leisten vermag, zeigte Herr Lehrer a. D. Löb-Köln in seinem die PLutim behandelnden Vortrage. Leider konnte derselbe in Anbetracht des bei verschon vorgerückten Zeit noch rückständigen Verbandsthemas nicht zu Ende geführt werden. Doch bot das zu Gehör Gebrachte des Interessanten und Fesselnden schon so viel, daß es wüuschenswerth erschiene, die Abhandlung durch Drucklegung weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Herr Löb erntete dann auch wohlverdienten Beifall nnd Dank der Versammlung. Punkt 5: „Bericht der ans der letzten Hauptversammlung eingesetzten litterarischen Kommission" mußte von der Tagesordnung abgesetzt werden, weil der Berichterstatter, Herr Kollege Meyer-Lünen durch einen Sterbefall in seiner Familie am Erscheinen verhindert war. Es folgte deshalb der Vortrag des Herrn Kollegen Schömann- Eschweiler über das Verbandsthema: „Die Thätigkeit des Lehrers fürkulturelle Bestrebungen innerhalb der Judenheil. insbesondere für Erweckung des Interesses für Handwerk und Bodenkultur." Der mit großem Fleiß und viel sachlichem Verständniß behandelte Vortrag fand großen Beifall und wurzelte in folgenden Leitsätzen: 1. Aus allgemeinen und besonderen Gründen muß der jüdische Lehrer die Kulturbestrebungen (Gartenbau-, Handfertigkeits- und Hanshaltnngsttnterricht u. s. w.) fördern. Das Feld seiner Thätigkeit liegt bei ihm selbst, in seiner Gemeinde und in der Schule. 2. Zur Selbstthätigkeit dient eine gründliche theoretische nnd praktische Vorbildung im Seminar, die namentlich die Bodenkultur im Auge behalten muß. 3. Aufgabe des Lehrers ist es, in seiner Gemeinde Interesse für Knlturbestrebungeii, insbesondere für Knust, Wissenschaft und Bodenkultur zu erregen. 4. In der Schule muß sein Bestreben darauf gerichtet sein, den Kindern Liebe zur Handarbeit beizubringen sowie zur Handfertigkeit zu erziehen. Gelegenheit bieten fast alle Unterrichtsgegenstände. Einzelne dieser Thesen führten zu einer lebhaften Diskussion, an der sich betheiligteu die Herren Goldschmidt-Köln, Levi-Neuß, Heß- Saarwellingen, Seminardirektor Dr. Spanier, Nansenberg-Neuwied und Dr. med. Arthur Kahn. Zu Referenten für die nächstjährige in Dortmund tagende Konferenz wurden ernannt: t. Kollege Block-Oberhausen: Welches sind die geeignetsten Lehrmittel für den biblischen Geschichtsunterricht in der jüdischen Volks- und Religionsschule? 2. Kollege I. Goldschmidt-Köln. Ueber die jüdische Fortbildungsschule. (Korreferent Kollege Stamm, Dierdorf). Nach einen; Schlußworte des Vorsitzenden, Herrn Hauptlehrer Graf, worin er seinen Dank ansspricht allen Denen, die sich um den so anregenden Verlauf der heutigen Versammlung verdient gemacht, sonne der Gemeinde Bonn und ihren: Lehrer Herrn Baum, der sich den mühevollen vorbereitenden Schritten zur Abhaltung derselben unterzog, den Vortragenden, den erschienenen Gästen, ergreift Herr Rabbiner Dr. Frank-Köln noch einmal das Wort, uni mit hinreißender Beredsamkeit den versammelten Lehrern ein trostreiches Zukunftsbild zu zeichnen und ihren Blick hinzulenken ans unser erhabenes Herrscherhaus, in dem Gerechtigkeit-und Friedensliebe wohnen. Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch ans Kaiser und Reich. Also ans frohes Wiedersehen in Dortmund. Max Mayer-Arnsberg. I. Baum-Bonn. Me Sirachfunde der letzten Jahre. Von Dr. L. A. Ros ent Hai, Rabbiner zu Prenßisch-Stargardt. eit dem Jahre 189«) werden die Vertreter der Bibel- Wissenschaft durch die auf eigenartige Weise eutdeckten Bruchstücke eines hebräisch abgefaßten Sirachbuches in zwei Lager getheilt. Zwei englische Gelehrte, Lewis und Gibson, reisten 1896 nach Palästina. Im Süden des Landes kauften sie alte Handschriften auf, welche aus der Geniza einer Synagoge zu Kairo stammen sollten. Es wurden nun aus dieser Geniza noch weitere Erwerbungen gemacht, die in England der Verwerthnng harrten. Die Geniza der Sefardim ist der Behälter, wo alte und schadhafte Handschriften, die außer Gebrauch gekommen, aufbewahrt und vor Entweihung geschützt werden. Der Begriff entspricht etwa dem Schemvtkasten in etwas edlerer Form. Es war ein kostbarer Kauf, als man im ersten Augenblicke hätte denken können. Man hat noch immer mit der Enträthselung jener Handschriften zu thun. So sind vor Kurzem ein neues Testament. Theile der Aquilaübersetznng der Bibel, der Polyglotte des Origines, Stücke von Kirchenvätern darin gefunden worden. Aber dies alles reicht an Wichtigkeit nicht an einen Fund, der sich durch weitere Entzifferungen bis zuletzt stark vermehrt hat! Man glaubt hier den ursprünglichen Sirachtext, die hebräische Urschrift gefunden zu haben, ans welcher der Enkel des Verfassers erst die noch vorhandene griechische Uebersetzung im Jahre 180 vor unserer Zeitrechnung angefertigt hat. Welch beispielloses Wunder! Die Urschrift der ältesten nachbiblischen, vielleicht in die biblische Zeit hineinragenden Buches (wenn man die Neuesten befragen, ihnen glaubell will) liegt da vor den Angen der Nachgeborenen! Der alte Weisheitslehrer, der um 130 geblüht, wird in überraschender Weise aus dem Grabe geweckt und in die Mitte der Erörterungen gerückt! Und wie ging man ans Werk! Cowley und Neubauer veröffentlichten in Oxford ein Bruchstück, worin zehn Kapitel') (39—49) den erstaunten Gelehrtenkreisen entgegentraten; die Septuaginta und Peschitto daneben mit der englischen Uebersetzung. N. Smend in Göttingen ging von dem hier gebotenen Texte zu den ursprünglichen Tafeln zurück, soweit dieselben in ungebürstetem Zustande zu behandeln waren und zeigte,?) daß nicht die beiden Engländer, sondern er den richtigen Sirachtext herzustellen im Stande gewesen. Bald erschienen zwei Cambridger Professoren, S. Schechter nnd C. Taylor, auf dem Kampfplatze. Sie vermehrten das bisherige Gut um größere Theile aus dem Allfange und der Mitte, wie sie auch die Schlußabschnitte anfügten. Wie die siebzig Männer von Alexandria arbeiteten sie getrennt. Schechter, dem der Löwencintheil an den bisher herausgegebenen Sirachstücken zufällt, gab bis ins Einzelne die Eigenthümlichkeiten der aufgefundeiien Tafeln an, welche Hemmnisse und Förderungen sie dem Entzifferer bieten; in seinen Bemerkungen (er ist Lektor der talmudischen Wissenschaft in Cambridge) trat der Kenner des rabbinischen Schriftthums hervor. Taylor machte dieselbe Arbeit für sich, und auch seine wissenschaftlichen Darlegungen bot er ganz unabhängig von Schechter dar. (S. Schechter und C. Taylor, Um vvisäom ol Yen Lira, portions ok tim I>ook ol bmolksi-mtiellch. In merkwürdiger Uebereinstimmung hatten sich außer den hier bezeichneten Gelehrten viele Andere dafür erklärt, daß man wirklich den echten Sirachtext vor sich habe. Wir brauchen nur Nöldeke zu nennen, nm weiteres für entbehrlich zu halten. (S. Zeitschrift für alttestamentliche Wissenschaft 1900, S. 86.) Aber der Mißton blieb nicht ans. D. S. Margoliouth in Oxford") suchte im Jahre 1899 den Nachweis zu führen, daß der y Um original Ilobrovv ol a Portion ol üeelesiastieus. y Die hebräischen Fragmente der Weisheit des Jesns Sirach. Göttingen. ) Iber Oigiu ol ..Original Uebrolv" ol Leelosisstieus.