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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-26 · Heft 30 (26.7.1901) · p. Seite 353

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 30 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
Seite 353 (sequence 7)
Language
German
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253 Nun erst erfolgt der Eintritt in die Tagesordnung mit einem Referat des Vorsitzenden über die Vermögenslage. Der Bericht ergiebt wiederum einen erfreulichen Aufschwung der Unterstützungskasfe, welcher 112 von den 142 Vereinsmitgliedern angehören. Das Gesammtververmögen beträgt zur Zeit 117 000 Mark. Auf eine Anfrage des Kollegen G old sch mid t-Köln, der auch für die Tagesordnung „Geschäftsbericht" statt „Kassenbericht" vorschlägt, über die Genehmigung der neuen Statuteil giebt der Referent eine Erklärung dahin ab. daß ein im vorigen Jahre von einigen Mitgliedern eingereichter Antrag auf Aenderung der neuen Statuten, die noch nicht einmal vom Ministerium genehmigt waren, und der nichts Geringeres bezweckte, als einen anderen Modus der Verkeilung der Pensionsgelder, aber glücklicherweise wieder zurückgezogen worden ist, die Schuld an der Verzögerung trage. Schon zweimal seien von den Behörden Aufklärungen über einige Punkte gewünscht worden. Sobald die ministerielle Genehmigung der Statuten erfolgt ist, werden sie sofort publizirt werden. Mit einem warmen Appell all die Kollegen, in ihren Gemeinden für das „Lieblingskind" zu wirken, schlieszt der Vorsitzende seinen Geschäftsbericht und erntet durch den Mund des Kollegen Goldsch m id t-Koln den Dank der Versammlung für seine rastlosen Bemühungen um Hebung und Förderung des Vereins und seiner Unterst ützungskasse. Im Anschluß an den Geschäftsbericht führt nun Herr Rabbiner Dr. N o se nthal-Cöln in wohlgewühlten, schönen Worten ans: Mehr als das pekuniäre 7^ --- 117 (auf die derzeitige Gesammtsumme nuferes Vereinsvermögens deutend) gelte unser geistiges Vermögen. Gemeinsame Thätigkeit, Gründling und Mehrung des Wissens eine Rabbiner und Lehrer. Dieseln und seinen! Stande bringe er deshalb hohes Interesse entgegen, das er durch sein Erscheinen zu der heutigen Konferenz habe bekunden wollen. Während Herr Kollege Fr öhli ch-M.-Gtadbach die Ferienkolonie zu Cnxhasen mit ihrer zweckmäßigen Lage, ihrem geringen Kurpreise ir. s. w. dem Interesse der Kollegen empfiehlt, erscheint als hochwillkommener und stets gern gesehener Gast Herr Rabbiner Dr. Frank- Röln. Vorn Vorsitzenden namens des Vereins mit einer herzlichen Begrüßung empfangen, dankte Herr Dr. Frank für dieselbe, sowie bewuders für seine vor kurzen! erfolgte Ernennung zum Ehrenmitgliede des Vereins, und das ihm aus diesen! Anlaß überbrachte Ehrendiplom, selbstredend erscheint Herr Dr. Frank, eingedenk der biblischen Pflicht nicht mit leeren Händen, sondern überreicht dein Vorsitzenden die stattliche Summe von 500 Mark, die dieser schmunzelnd empfängt und — nachzählt, was ihm der edelmnthige Spender jedoch schon darum nicht verargen kann, weil doch zu einer bestimmten Zeit des Jahres täglich dein zählenden Kultnsbeamten von der ganzen Gemeinde nachgezählt wird. Nach diesen Abschweifungen auf das Gebiet des Humors wendet ich die Versammlung einem bedeutsamen Gegenstände, dem Religionsunterrichte zu, und Herr Kollege Na nse n ber g-Nenwied erhält das Wort zu seinem Vortrage: „Soll die systematische Neligionslehre in der Volks- und Religionsschule als besonderer Unterrichtsgegenstand Gehandelt werden?" Der Referent stellt folgende Thesen auf. welche zu einer lebhaften Diskussion fuhren und den einzelnen Bezirkskonferenzen zur Berathung zugewiesen werden sollen. 1. Unter Neligionslehre in der Volksschule ist die Erläuterung, Vertiefung. Zusammenfassung und Einprägung der im gesummten Religionsunterrichte gewonnenen religiösen Wahrheiten zu verstehen. 2. Die systematische Neligionslehre gehört nicht in die Volks-und Religionsschule, weil sie n) die Neligionslehre von ihrer Grundlage, der biblischen Geschichte, loslöst, ll) statt der religiösen Erziehung häufig nur das Gedächtniß und die Sprachfertigkeit fördert, e) den Kindern die Neligionslehre verleidet, ll) gegen pädagogische Grundsätze verstößt. 3. Dagegen ist es zur Förderung der religiösen Erziehung und zur Kenntniß des Lehrinhalts unserer Religion erforderlich, die Ergebnisse des Religionsunterrichts zusammenzufassen und auch das zu behandeln, was die biblische Geschichte nicht bietet und besondere Gelegenheiten von der Schule fordern. 4. Der Lehrgang folgt im Allgemeinen dem biblischen Geschichtsunterrichte. 5. Es ist kein Lehrbuch für die Schüler erforderlich. Es erklären sich für die Behandlung der systematischen Neligionslehre als besonderen Unterrichtsgegenstand mit Anlehnung an den Unterricht in der biblischen Geschichte die Herren Baum-Rheine, Levi-Neuß. Direktor Dr. Adler-Frankfurt. Rabbiner Dr. Frank-Köln, Stamm-Dierdorf. Rabbiner Dr. Nosenthal-Köln, Michael-Dorstfeld. Aus dem Standpunkte des Referenten stehen die Kollegen Gut-Köln und Kaufmann-Gelsenkirchen, die wohl ein System, aber keine Systematik wünschen. Nach einem Schlußworte des Referenten empfiehlt der Vorsitzende, die Thesen zur Durchberathung einer Kommission zu überweisen. in welch letztere dann gewählt wurden die Herren Nansenberg- Neuwied. Baum-Rheine. Nathan-Mayen, Kaufmann-Gelsenkirchen. Nach einer kurzen Erholungspause referirt Herr Direktor Dr. Adler über die Berechtigung der jüdischen Lehrer zum einjährig-freiwilligen Militärdienst. Referent giebt eine ausführliche mit Reskripten und Daten belegte Darstellung der leider bisher erfolglosen Bemühungen des Verbandsvorstandes, die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst auch für den jüdischen Lehrer zu erwirken. Weder die in wiederholten Petitionen an das Kultusministerium und Abgeordnetenhaus enthaltenen Hinweise aus die doch auch seitens der jüdischen Lehrer erfüllten Vorbedingungen für die einjährig-freiwillige Dienstzeit, noch eine persönliche Vorstellung des Referenten beim Kultusminister führten zu dem gewünschten Resultat. Doch will sich der Verbandsvorstand durch die bisherigen Mißerfolge nicht entmuthigen lassen, und erbittet durch Herrn Dr. Adler die Zustimmung des Vereins zu weiteren Schritten in der Angelegenheit. In dankender Anerkennung der Bemühungen des Verbandsvorstandes, besonders Herrn Dr. Adlers, erheben sich die Versammelten von ihren Plätzen und gaben ihr Einverständniß zu den bisherigen und künftigen Maßnahmen des Verbandsvorstandes in folgender, einstimmig angenommenen Resolution: „Der Verein israelitischer Elementarlehrer von der Nheinprovinz und Westfalen spricht seine Zustimmung zu dem bisherigen Vorgehen des Verbandsvorstandes in Angelegenheit des einjährig-freiwilligen Militärdienstes aus und erwartet, daß der Verbandsvorstand auch fernerhin keinen Schritt unversucht lassen werde, um dieses für den jüdischen Lehrerstand unbedingt ersorderliche Recht zu erwirken. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Frank noch den versammelten Lehrern dringend ans Herz gelegt, in ihren Gemeinden fnr die ^Iliauett nuivm-86ll6 nach Möglichkeit zu wirken, schloß der Vorsitzende die Sitzung. Abends vereinigte ein gemeinsames Mahl die Konferenzbesucher im Hotel Rothschild. Hier brachte der Vorsitzende, Herr Hanptlehrer Graf, zunächst ein Hoch auf den Kaiser aus. Kollege Liepmannsohn- Minden feiert Herrn Direktor Dr. Adler als den selbstlosen Lehrerfreund. Dankend für die Würdigung seiner Verdienste um die Lehrerschaft. versichert Herr Dr. Adler die Kollegen seines ferneren Wohlwollens und läßt seine Worte ausklingen in ein Hoch auf den Nestor der Lehrerschaft und Mitbegründer des Vereins, Herrn Seminarlehrer a. D. Treu, dessen „goldenem Lehrer-A-B-C" er die Anregung zu seiner heute anerkannten Wirksamkeit verdanke. Herr Treu toastet auf den Verein, ans dessen Entstehungsgeschichte er einige interessante persönliche Erinnerungen mittheilt. Mit dem gemeinsam verrichteten Tischgebet endete das Mahl, welches außerdem noch durch gemeinschaftlich abgesungene und erheiternd wirkende Lieder sowie durch vortreffliche KLaviervorträge des Herrn Graf jun., Sohn des Vorsitzenden, gewürzt worden war. Zweiter Sitznngstag. Eröffnung der Sitzung um 8V_> Uhr Morgens. Das Wort erhält zunächst Herr Dr. med. Arthur Kahn, der in längerer Ausführung die Bedeutung des projektirten Judentages für den jüdischen Lehrerstand zu beleuchten sucht. . Herr Kollege Liepmannssohn-Minden macht dann ans einen in Nummer 31 des „Israelit" enthaltenen Artikel aufmerksam, gegen dessen den Lehrerstand herabwürdigenden Inhalt die Versammlung mit folgender Resolution protestirt: „Die in Bonn tagende Jahresversammlung der israelitischen Lehrer von der Nheinprovinz und Westfalen weist die in dem Artikel der Nummer 31 des „Israelit" mit der Ueberschrift „Ein Wort an den jüdischen Lehrer" enthaltene herabwürdigende Charakteristik des jüdischen Lehrerstandes, als den thatsächlichen Verhältnissen absolut nicht entsprechend, mit Entrüstung zurück. Sie kann es ferner keineswegs dem

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