Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1901)
- Date
- 1901-07-19
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 — sie rüstet sich zur Feier dieses in unserer wechselreichen Zeit doppelt freudigen Ereignisses. Von den Tausenden von Schülern, die von ihr aus ihren Weg meist erfolgreich im Leben gemacht haben, werden sich sicher Viele in treuer Dankbarkeit zur Stätte ihrerJugendbildnug begeben und freudig theiluehmen an den Ehrungen, die der edlen Stiftung bevorstehen, der augehört zu haben ihnen selber eine Ehre ist und bleibt. — Hannover, 12. Juli. Ein ehernaliger Antiseniitensnhrer hatte sich wegen Betruges und Bankerotts vor der hiesigen Strafkammer zn verantworten, der Nedakteur der „konservativen" „Hannoverschen Tagesnachrichten", Erich Nosenthal. Derselbe war neben dem früheren antisemitischen Neichstagsabgeordneten Leich, der bekanntlich wegen Meineids zu mehrjähriger Zuchthausstrafe vernrtheilt wurde, bis vor einigen Jahren der journalistische Wortführer der hannoverschen Antisemiten in der eingegangenen „Hannoverschell Post". Nosenthal gründete darauf eine eigene Druckerei, welche nach kurzer Zeit unter großen Verlusten zahlreicher Gläubiger verkrachte. Anklage wegen Betrugs wurde erhoben, weil Nosenthal Maschinen, Schriftmaterial rc. dieser Druckerei, ohne es bezahlt zn haben, sofort weiterverkauste und sich auch noch durch andere zweifelhafte Manipulationen Geld verschaffte. Er wurde indessen hiervon sreigesprochen und nur wegen einfachen Bankerotts (fehlende Anfangsbilanz und unordentliche Bnchsührung) unter Annahme mildernder Umstände zu 50 Mark Geldstrafe vernrtheilt. Seit ca. einem halbeil Jahr war Nosenthal Fenilletonredaktenr der „Tagesnachrichten". 8t. Dortmund, 6. Juli. Am 3. Juli tagte im Gemein desitznngssaale die Generalversammlung der hiesigen Chewrah. Der Verein befaßt sich mit der Wartung und Pflege schwer Erkrankter und sorgt bei eiutreteuden Sterbefälleu für die Erledigung aller rituellen Allgelegenheiten ohne Anspruch auf irgend welche Entschädigung; Armen wie Neichen wird diese oft erhebliche materielle Unterstützung in gleicher Weise gewährt. Der Vorsitzende I. N. Wolfs eröffnete die Sitzung. Seinem Jahresberichte entnehmen wir die erfreuliche Thatsache, daß die Mitgliederzahl im Lause des Jahres von 227 auf 244 gestiegen ist, ein Zeichen, daß die segensreiche Thätigkeit des Vereins in.immer weiteren Kreisen der Gemeinde volle Anerkennung findet. Bei 15 Sterbefällen ist der Verein in Thätigkeit getreten, darunter auch bei Nichtmitgliedern gegen statutenmäßige Entschädigung, vorallsgesetzt, daß Vermögen vorhanden ist, sonst geschehen auch in solchen Fällen alle Besorgungen ohne Weiteres auf Kosten der Vereinskasse. In einem außergewöhnlichen Falle, es handelte sich um die Beerdigung eines durch die Bahn Verunglückten, erhielt die Kasse die Auslagen vom Bahnfiskus zurück. Auch bei zahlreichen Krankheitsfällen ist die Vereinskaffe zur wesentlichen Unterstützung in Allspruch genommen worden. Die Jahreseinnahme stellt sich wie folgt: Mitgliederbeiträge 1215.50 Mark, Geschenke, Spendenbnchse rc. 387.52 Mark, in Summa 1603.02 Mark. Ausgaben 1557.49 Mark, Bestand 45.53 Mark. Dazu kommen die Sparkasseneinlagen 3251.68 Mark und ein Anßenstand von 40 Mark, mithin gesammtes Vereinsvermögen 3337.21 Mark. Dem Vorstände wurde Dank und Anerkennung für seine Mühewaltung ausgesprochen und seine Wiederwahl für das folgende Geschäftsjahr einstimmig bethätigt. Aus den weiteren Verhandlungen ist noch hervorznheben, daß die Versammlung den Vorstand ermächtigte, einem erkrankten Mitgliede ans Kosten der Vereinskasse die Wohlthat einer nothweudigen Badekur zu gewähren. An weiteren Wohlthätigkeitsvereinen wirken in hiesiger Gemeinde in ebenso segensreicher Weise der Franc uv er ein und der Arm e n n n t er st ü tz n n g s ve r ei n; ersterer erhebt, wie die Chewrah, laufende Beiträge letzterer erhält seit einigen Jahren die nöthigen Mittel aus der Gemeindekasse. Gieseitkircheri, 11. Juli. Wie die Gemeinde Giesenkirchen ihre Chinakrieger ehrt, konnte man gestern all dem herzlichen Empfang beobachten, welcher einem jungen Manne von dort, der mit einem der letzten Transportschiffe aus China eingetroffen war, zu Theil wurde. Der junge Mann, mit Namen Levi, war gestern auf dem hiesigen Bahnhof angekommen und von stiller Mutter empfangen worden. An der Grenze der Gemeinde Giesenkirchen stand ein festlich bekränzter Wagen für ihn bereit. Vorher aber wurde er noch vom Bürgermeister des Ortes begrüßt und zu seiner Heimkehr beglückwünscht. In Giesenkirchen haiteil viele Häuser Flaggen- und Gnirlandeilschmuck angelegt und „Alles war auf den Beinen", um den jungen Soldaten zn bewillkommnen, dev unter VoranLritt einer Musikkapelle und gefolgt von einem Zuge seiner Freunde durch d Hauptstraße fuhr. In dem Saale eitles Giesenkirchner Gasthofs wurde dann seine Heimkehr noch besonders gefeiert. Einige Giesenkirchener Wirthe versicherten, die „beste Kirmes;" brächte häufig nicht einen so großen Wirthshansbesuch wie der gestrige Empfang des jungen jüdischen Chinakriegers. VVt/. Mderfcld, 12. Juli. Kantor Zivi hier hat zu der am 28. und 29. d. Al. in Wien stattfindenden österreich-ungarischen Kantorenkonserenz eine Einladung erhalten und wird derselben Folge leisten. Die Kosten hierfür sind Herrn Zivi — wie seiner Zeit auch uilserm Rabbiner Dr. Allerbach znm Besuch der letzten drei Nabbinerkonferenzen — bereitwilligst von der Gemeinde zur Verfügung gestellt worden. Wie sehr die hiesige Gemeinde alle das Iudenthnm interessirenden Bestrebungen unterstützt, und wie nobel sie den Beamten der Gemeinde entgegenkonnnt, erhellt auch schon daraus, daß sie für hre beiden Lehrer den Betrag der Kosten zum Bestich der alljährlich drei- bis viermal stattfindenden Lehrer-resp. Bezirkskonferenzen scholl seit mehreren Jahren im Etat der Gemeinde vorgesehen hat, ein Entgegenkommen, welches den Herreil Vertretern unserer Gellleinde zur Ehre gereicht, und welches allen irgendwie leistungsfähigen Gemeinden zur Nachahmung empfohlen werden kann. a. M., 9. Juli. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung kam die Angelegenheit der jüdischen Lehrerinnen vor. Sanitätsrath Dr. Marens interpellirte den Magistrat. Stadtrath Grimm erklärt sich auch ohne Vorbereitung zur Beantwortung der Frage bereit. Ich bin erstaunt gewesen, erklärt Redner, daß überhaupt das Gerücht von einer Uebergehnng der jüdischen Lehrerinnen bei der Anstellung entstehen konnte. Anscheinend beruht die Sache auf einem Mißverständnis indem zwei Bewerberinnen gesprächsweise mitgetheilt wurde, daß unter den augenblicklichen Verhältnissen sür katholische Volksschullehrerinnen die Aussichten ans Anstellung am günstigsten liegen, weniger gut für die evangelischen und ganz verschieden für die israelitischen, da die Zahl der jüdischen Kinder in den hiesigen Volksschulen sehr gering ist, und eben ans die Vertheilnng der Schülerzahl der Konfession nach Rücksicht genommen werden muß. Irgendwelche sonstigen Erwägungen spielen in der Frage nicht mit. Das beweist schon die Thatsache. daß an den Mittelschulen und höheren Mädchenschulen fortgesetzt israelitische Lehrerinnen Anstellung finden. Hierauf bemerkte Stadtverordneter Sänger: Wir können die Sache durchaus stillschweigend begraben. Bei einer Besprechung im Schnlausstlmß hat sich herallsgestellt, daß die jetzige Verwahrung des Magistrats insofern nicht ganz richtig ist, als mitgetheilt wurde, man habe erklärt, die israelitischen Bewerberinnen hätten überhaupt keine Aussicht ans Anstellung, und sie erstaunt gefragt, ob das ihnen nicht von Anfang all gesagt worden sei. Nach der gegenwärtig in Preußen herrschenden Strömung muß bedauerlicherweise ans die Verhältnißzahlen der Konfessionen der Schulkinder Nücksicht genommen werden, so wellig das auch mit dem Ideal einer Simnltanschnle stimmt. Ich richte daher all den Magistrat die Frage: Wieviel jüdische Lehrerinnen haben sich gemeldet, wieviele sind eingestellt, und aus welchen Gründen sind die anderen znrnckgewiesen worden? Zum Schluß sagte Stadtrath Grimm: Um jeder Beunruhigung vorznbeugeu. kann ich nur auf das Bestimmteste versichern, daß die Gerüchte voll einer grundsätzlichen Ausschließung jüdischer Lehrerinnen an den Frankfurter Volksschulen völlig unbegründet sind. Der Stadtschnlrath hat scholl am 9. April in einem Schreiben ausdrücklich erklärt, die Negierung lehne die Anstellung voll Israelitinnen nur in dem Falle ab, daß keine oder nur wenige jüdische Schülerinnen vorhanden sind. Das trifft in den hiesigen Volksschulen zn. Wir werden auch künftig an dem Grundsatz festhallen, daß Niemandem seine Konfession bei der Berücksichtigung znm Vortheil oder Nachlheil gereichen darf. Bruchsal, im Juli. Der 13. Jahresbericht des badischen Landesve re ins znrErzi e h nng israetiti sch erWaise u ist ansgegeben worden. Die sechste ordentliche Generalversammlung des Vereins fand am 26. August v. I. in Offenbnrg statt; geleitet wurde sie von Bezirksrabbiner Dr. Nawiez. Bei Beginn der Verhandlungen gedachte der Vorsitzende der großen Verdienste des Gründers und langjährigen Vorsitzenden des Vereins, des nach Berlin berufenen Rabbiners Dr. Eschelbacher und stellte den Antrag, demselben den Dank der Generalversammlung sür seilte langjährige uneigennützige, verdienstnnd mühevolle Arbeit sür den Verein in einem Telegramm ansznsprechen; dieser Antrag wurde mit allgemeinem Beifall einstimmig