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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-19 · Heft 29 (19.7.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 29 (19.7.1901)
Date
1901-07-19
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 angenommen. Der hieraus erstattete Rechenschaftsbericht wurde gutgeheißen und die seitherigen Mitglieder des Vorstandes auf vier Jahre, diejenigen der Prüfungskommission satznugsgemäß auf zwei Jahre wiedergewählt, und zum Ort der nächsten Generalversammlung Bruchsal bestimmt. Es wurde beschlossen, der nächsten Generalversammlung vorznschlagen, folgende Bestimmung unseren Satzungen anzusngen: „K 3n. Mitglieder, welche sich besondere Verdienste um den Verein erworben haben, können zu Ehrenmitgliedern durch den Vorstand ernannt werden;" dem Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher soll diese Ehre zuerst zn Theil werden. Die Anstalt zählte am 1. Januar d. I. 91 Pfleglinge. Von den 18 entlassenen Kindern wanderten 7 nach Amerika ans, 4 haben ihre Lehrzeit fl Knabe als Sattler, 1 Knabe als Bäcker und 2 Mädchen als Näherinnen) vollendet, 3 Knaben widmeten sich dem kaufmännischen Berufe, und 3 üben eine gewerbliche Thätigkeit bei ihren Allgehörigen aus. — Von den insgesammt zur Zeit in Fürsorge sich befindlichen Kindern sind 11 in Pflege bei dafür geeigneten Familien untergebracht, 4 Knaben werden zu Handwerkern (je einer hiervon mit Unterstützung des Vereins zur Förderung des Handwerks ill Freiburg bezw. Karlsruhe) ansgebildet, 1 Knabe ist in einer Anstalt für Cretinen untergebracht, 1 Knabe ist Kanfmannslehrling, und die übrigen befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbeiträgen bei Verwandten. Die Mitgliederbeiträge sind gegenüber den Vorjahren zurückgegangen. doch haben sehr viele Mitglieder den Verein allster mit ihren Jahresbeiträgen auch noch mit reichlichen Spenden bedacht, so daß. wie der Rechenschaftsbericht ausweist, die Jahreseinnahmen an Mitgliederbeiträgen und Spenden zusammen immerhin noch etwas größer sind als die Aufwendungen für die Pfleglinge. Auch fünf Stiftungen wurden dem Verein im vergangenen Rechnungsjahre zngewendet. Die Einnahmen betrugen im abgelausenen Jahre Mark 15 249.20, die Ausgaben Mark 14823.60. Das Vermögen beläuft sich gegenwärtig aus Mark 167 908.52. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Stadtrath und Vorsteher Louis Marx, Vorsitzender, Bezirksältester Moritz Marx, Stellvertreter des Vorsitzenden, Synagogenrath Alex Dreifuß, Schriftführer, Synagogenrath Emil Marx, Rechner, Rabbiner Dr. M. Doctor, Vorstand der Handelsgenossenschaft L. Groß". Stadtrath und Synagogenrath N. Katz, Synagogenrath Dr. I. Kusel, Rabbiner Dr. M. Appel ill Karlsruhe, Bezirksältester B. Herzberger in Breiten, Rabbiner Dr. A. Lewin ill Freibnrg, Rabbiner Dr. L. Löwenstein ill Mosbach, Rabbiner Dr. B. Mayer ill Bühl, Bezirksältester I. Nordmann ill Lörrach, Rabbiner Dr. M. Nawicz in Offenburg, Rabbiner Dr. I. Spitz in Gailingen. Oesterreich Ungarn. m Wien, 14. Juli. Null geht es wieder einmal recht — parlamentarisch-tnmultnös zu im ni ederösterrei chis ch e n Landta g, bei dessen Verhandlungen die Schneider und Vastmanns das große Wort sichren, soweit das Wort oder die parlamentarische Rede ans endlosem Geschimpfe zusammengesetzt ist; mit feiner Ironie und beißendem Spott kommt ihnen der neugewählte Abgeordnete der Sozialdemokraten Dr. Adler entgegen — ihre Kampfesweise gipfelt in dem „Hoch Hilsuer"-- Nufe, allerdings sehr geistvoll! — Mit einstimmiger Majorität haben die Richter aus dem Volke den hiesigen Bankier Albert Vogl sreigesprochen, der durch Angebereien beschuldigt war, den im April d. I. hier verstorbenen reichen russischen Sonderling Namens Herz Täubin durch unredliche Maßnahme" dazu gebracht zu haben, ihm sein ganzes sehr beträchtliches Vermögen zn testiren. Dell antisemitischen Blättern paßt die Freisprechung natürlich nicht, die erheben ja ein Triumphgeheul. wenn etwas derartiges einmal einem Andersgläubigen zur Last gelegt wird und vergessen dabei, wie reich besetzt die Kriminalchronik von ihren Parteigängern stets ist. Taubin soll übrigens mit seinem Vermögen die merkwürdigstell Absichten gehabt haben; so habe er es einmal den russischen Juden zu Händen des Barons Günzburg, dann der zionistischen Bewegung zu Händen des Dr. Herzl und schließlich Rothschild vermachen wollen. Alle diese Projekte hätten sich jedoch zerschlagen. Bei der Zeugenvernehmung gab Dr. Theodor Herzl an, daß ihm Täubin eine Spende von 200000 Gulden für zionistische Zwecke angeboten habe, welche Spende der Zeuge jedoch ablehnte, als er die Persönlichkeit und die Lebensweise Taubins, der beim ersten Besuche allerdings den Eindruck eines intelligenten und gebildeten Menschen gemacht hatte, näher kennen lernte. Aus der verlesenen Aussage des Zeugen Johann Eisler ging hervor, daß Täubin dem „Verein für verkrüppelte jüdische Kinder" 10 000 Gulden schenken wollte. Der Verein ging ans das Anerbieten nicht ein. worüber Vogl der Vereinsleit nng öfters Vorwürfe machte. — Der Kaiser hat dem Direktor der Kreditanstalt B. Steinhaus in Jaslo den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. — Am 3. d. M. starb hier eines plötzlichen Todes der bekannte akademische Maler Eduard Kräutler, em Studiengenosse Matejkos, im 66. Lebensjahre. Aus Krakau gebürtig, lebte er in Wien seit 40 Jahren. Kräuter war ein charaktervoller Mensch, der selbstlos und unermüdet seine Kunst ausübte und nur durch seine große Bescheidenheit trotz künstlerischer Leistungen sich nie hervorthat. Unter den zahlreichen Porträts bekannter Persönlichkeiten, welche er malte, befindet sich auch im historischen Museum das ans Bestellung des seligen Baron Moriz Königswarter vortrefflich gelungene Bild des berühmten Bankier Samuel Oppenheimer n. A. m. Der Tod traf ihn in voller Arbeit an seiner Staffelei, durch einen Gehirnschlag. — Jüngst ging durch die Presse die Nachricht, daß Landesrabbiuer Dr. Placzek in Brünn demnächst in den Ruhestand treten werde. Diese Meldung ist eilte irrthümliche, und die diesbezügliche Information ans den Umstand zurückzusühren, daß Herr Dr. P. sich vorläufig theilweise von den Predigten und von den Kasualfnnktionen zurückznziehen beabsichtigt. Von Nah und Fern. ----- Der Magistratsassessor Dr. Salomon Brasch, welcher seit Jahren beim Magistrat fnngirt, ist vou dem letzteren auf Lebenszeit gewählt worden.—Der Zahnarzt Engel hat den Persischen Sonnen- und Löwenorden erhalten. — Am 9. d. M. starb ill Frieden all Professor D. Christiall Plath, der an der Universität die „Wissenschaft" der Missionskunde lehrte. Derselbe hat auch zu Beginn der antisemitischen Bewegung eilte Broschüre über die Judensrage: „Was machen wir Christen mit unseren Juden?" verfaßt. — In La ne rill nrg ist der Renter W. N.Ba um gestorben, der viele Jahre daselbst das Amt eitles Gemeindevorstehers bekleidet hat. — In Beu th e n O.-S. ist am 9. d. M. der königliche Lotterieeinnehmer Stadtrath Ignatz Lomnitz im Alter von 60 Jahren nach schweren Leiden gestorben.— Wie Hallt bürg er Blätter melden, steht eine Verschmelzung der beiden in der hochdeutschen Jsraeliteugemeinde befindlichen sogenannten Ktausillstitnte bevor. Zum Klausrabbiner der Samuel'schen Stiftung wurde Rabbiner S. Kib berufen. - Das N oth schi ld'sche Bank- Halls ill Frankfurt a. M. hat seinen säuniltlichen Angestellten, sofern sie nicht von der Diskontogesellschaft für ihre dort zu errichtende Filiale übernommen werden, Pellsionen bewilligt. Mehrere Beamte, die über 40 Jahre in Diensten des Hauses Rothschild sind, werden mit vollem Gehalt pensionirt. Dem Einflüsse des Baron Edmund v. Rothschild ill Paris ist es zn danken, daß die mitübernommenen Allgestellten des Hauses an Sabbath und jüdischen Feiertagen vom Geschäfte befreit find. — Hieronymus Lorm, der bekannte Dichter und Philosoph, feiert am 9. August seinen 80. Geburtstag. Derselbe lebt jetzt in Brünn bei seinem Sohne. — Der römisch-katholische Priester und Seminardirektor ill Veßprim (Ungarn) Dr. Kolomann Kozma, der auch als Redakteur des antisemitischen Hetzblattes „Veßpr^mi Hirado" schon seit Jahren wüthete, ist am 15. v. M. verschwunden und hat sich mit Reisespesen in der Höhe von 2000 Kronen aus der von ihm verwalteten Kasse des katholischen Gesellenvereins versehen. — Wie der „Hamelitz" aus London berichtet, hat dort eine christliche Dame 60 000 Pfund für die zionistische Kolonialbank gezeichnet. (??) — Das Blatt „Kaukas" veröffentlicht interessante Zahlen über das Sektenwesen im Kaukasus, ans den zu ersehen ist, welchen großen Einfluß das Judenthnm auf die Bildung des Sekteuwesens in Rußland überhaupt und im Kaukasus insbesondere gehabt hat. Namentlich ist die sabbathfeiernde Sekte im Kaukasus zahlreich vertreten, da die russische Negierung in früheren Jahren diese „Subotniki" nach dem Kaukasus zn verbannen pflegte. Im Ganzen zählt das Gouvernement Tiflis unter 12 027 Sektanten 169 judaisireilde, das Gebiet von Kars unter 11336: 450, davon 192 Javisten. Ill Erivan bilden die judaisirendeu Sekten mit 1342 Seelen den vierten Theil aller Sektanten. Im Gouvernement Baku befinden sich unter 19 300 Sektanten 3845 judaisirende und Subotniki. Endlich weist das Gouvernement Elisabetpol unter 7179 Sektanten 384 Subotniki aus. Im Ganzen zählt Transkaukasien 6002 judaisirende und sabbathfeiernde Sektanten sowie 205 Javisten auf. — In Philadelphia fand vom 2.-6. d. M. die zwölfte Jahresversammlung der amerikanischen Nabbinerkonferenz statt. Bericht folgt. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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