Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-19 · Heft 29 (19.7.1901) · p. Seite 343

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 29 (19.7.1901)
Date
1901-07-19
Page
Seite 343 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228419-3228449--57745-3294142
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

343 hig seines blickte, die? ihnen jeter. Bald ein Juden zu laufen, e 7V Jahre rein, und, ße stehen, md kleine usammengetrvffen iiiiehr auf f von ihm n Knaben n starkes ms Angst, ige junge bte dieses 'in Inden nden, sich; Lehre zn traten auf ar; dann; weniger, i glauben ele Juden etroffenen, hnen Hilfe > vor une Namens oner war und hatte ir können, nur wenig 52. Straße de in den i!! Eiuecttiien wie versuchten >de konnte lchte es zn Stock und rügte, nm eu, und er 6all(Fuß- 5 Jahren, Stelle zn (opf, daß r Straßen des Alt inentheib verkaufte, entlang, tzen" ihn leidigend, irzten sie sich auf ihn, und in bewußtlosem Zustande wurde er nach einem Krankenhause gebracht, wo er zwei Wochen später an den erlittenen Verletzungen starb. Dieser Fall ereignete sich vor weniger denn einem Jahre, und immer noch müssen die Luden den Anspruch ans Gleichstellung mit den übrigen amerikanischen Bürgern erheben. Obgleich die obgenannten drei Juden getödtet wurden, waren sie doch noch glücklicher zu nennen als Silvermann, der, heute noch lebend, zeitlebens zuin Krüppel geworden infolge der ihm von Straßenbuben zugefügten Verletzungen. Lm vergangenen Januar lebte Silvermann, ein armer Haustier, mit sechs Kindern in der Barberstraße 108 ein ruhiges Leben. Ls war zwar schwer für ihn, seinen Unterhalt zu verdienen, aber er stand im besten Lebensalter, war hoffnungsvoll und nergisch. Mit jedem Tage wurde sein Leben schwerer, er verlor ein Geld und stand der völligen Verarmung gegenüber, und -chließlich mußte er auch noch sein Pferd, sein einziges Mittel mm Lebensunterhalt, einbüßen. Seine Verwandten, die seinen Werth erkannt hatten, schossen uminehr zusammen und schenkten ihm zum Ankäufe eines neuen liferdes 10 Dollars. In der Center-Avenue, in der Nähe der 20. Straße, war ein Pferd verkäuflich, und Silvermann begab ich eines Sonntags dorthin in Begleitung seines Freundes Cohn. Als sie die Mitte des Platzes erreicht hatten, gewahrten sie inen Hausen von Gassenbuben, und wohl wissend, was ihnen evorstaud, verlangsamten sie auf einen Augenblick ihr Voroürtsgehen. Aber der Kauf des Pferdes war unbedingt uothvendig, und so gingen sie denn, zitternd vor Furcht, weiter. Sie trafen ans den Hausen in der Nähe eines Zuckerwaaren- .eschäftes und waren bald von dem heulenden Mob umringt. Sie beiden Juden zogen sich ans einen Seitenweg zurück und ielten sich dicht an den Laden, in der Hoffnung, auf solche Weise or dem Gesteinigt werden bewahrt zu bleiben. Der Ladeninhaber, er für seine Schaufenster fürchtete, trieb sie jedoch fort, und e wurde» eingepfercht wie eine Ratte in der Falle. Cohn bot ,mnuehr der Menge einen halben Dollar zum Vertrinken n, wenn sie sie nur durchließen und warf ihr das Geld zu. Dies fachte ihre Gier noch mehr an. und der Pöbel verengte mehr Geld! Die Lage war verzweifelt, und Cohn machte inen Fluchtversuch. Verschiedene große Steine trafen ihm der es gelang ihm, zu entkommen, und er sah nach Hilfe aus. Sein Polizist war zu sehen; er war fast verzweifelt, da er seinen Lreund in Gefahr wußte, und er kehrte um, um seinem Freunde u helfen, oder, müßte es sein, mit ihm zu sterben. Bei seiner Rückkehr sah er den Pöbel geflohen und seinen Freund inmitten er Straße bewußtlos liegend, umringt von neugierigen Leuten. Einer aus der Menge eilte zur Polizeistation in der 22. Straße, und Silvermann wurde blutüberströmt und bewußtlos ach Hause gebracht. Als er aus seiner Bewußtlosigkeit erwachte, wurde festgestellt, daß die zehn Dollars ihm gestohlen waren, und er für sein Lebenlang ei» Krüppel sein würde. Mit gebrochenem Rückgrat und verunstalteten Schultern muß der Sann heute beinahe vorwärtskriechen, — fürwahr ein benitleidenswerthes Objekt! Einige Amerikanerinnen, die Augenzeugen der ganzen Affäre waren, setzten es sich zur Aufgabe, die Wohnung Silveruianns ansznforscheu, und boten sich ihm als Zeuginnen bei seinem Kampfe um sein Recht an. Drei von den Rowdies wurden verhaftet — der eine war ein ziemlich bekannter Dieb, und der Ruf der anderen war auch nicht ganz tadellos. Die Untersuchung fand im Gerichte in der Maxwellstraße statt, und die Leute wurden für schuldig erklärt. Sie legten hiergegen Berufung ein, und trotz erdrückender Beweismittel wurden sie freigesprochen mit Hilfe von Geldern, die Gastwirthe ihnen zur Verfügung stellten. Nichts geschah weiter — Silvermann war eben nur ein Jude. Dieses sind die Geschichten über Judenverfolgungen in den letzten zehn Jahren. Damit aber Niemand glaubt, daß heute Steinigungen von armen Juden nicht mehr vorkämen, haben wir einige gesammelt, die sich am Montag und Dienstag vor zwei Wochen zugetrageu haben. Jeder Fall kann bewiesen werden, und berichten wir nur über einen solchen nachstehend: A. Cohen, vom 14. Platz, wurde dreimal (!) am Montage gesteinigt, einmal in der Nähe von Halsted und 35. Straße, darauf zwischen Halsted und 37. Straße und schließlich in der Indiana-Avenue, nahe bei der 47. Straße! Kommentar überflüssig. - Are Kindersterblichkeit bei den Inden. Von Dr. Moses-Lieg»itz.!!l. 4jAxine interessante Betrachtung bieten die Geburts- und Sterbensverhältniffe unserer Glaubensgenossen in der Provinz Posen. Dieselben sind Gegenstand eingehender Untersuchung, namentlich im Vergleich zur evangelischen und katholischen Bevölkerung, in einer ziemlich umfangreichen Schrift von Eugen von Bergmann aus dem Jahre 1883. Danach hatte die Bevölkerung der Provinz Posen in den Jahren 1825—71 eine Zunahme von 51,14 Prozent, geringfügig gegenüber anderen Provinzen, die um 70—95 Prozent wuchsen. Dieser Zuwachs, nach Konfessionen getrennt, ist aber ein überaus verschiedener, so daß, wenn wir die Größe der Bevölkerung von 1825 aus 100 setzen, dieselbe betrug im Jahre 1871 beiden Katholiken 147,76, bei den Evangelischen 175,36, bei den Inden nur 94,33!, also eine erhebliche absolute Abnahme der jüdischen Bevölkerung. Denn während die Einwohnerzahl stieg bei den Katholiken um 47,76 Prozent, bei den Evangelischen 75,36 Prozent, fiel dieselbe sogar bei den Juden, und zwar um 5,67 Prozent. Die Zahl der Eheschließungen der posenschen Juden war, wie überall in Preußen, im Verhältnis; zur christlichen Bevölkerung eine geringe, auf 10000 Köpfe nur 74 gegen 93 christliche (im Rheinland 60:79). Dagegen hatten die dortigen Juden im Gegensatz zu den jetzigen Verhältnissen in Preußen während jener Periode die fruchtbarsten Ehen. Es wurden auf 100 Ehen Kinder geboren bei den Evangelischen 422, Katholischen 447, Inden 476 (in Preußen bei den Evangelischen 448, Katholiken 538, Juden 454). Nichtsdestoweniger war dennoch die Geburtenfrequenz bei den Juden die geringste, nämlich auf 10 000 Köpfe der Bevölkerung gerechnet 353, gegen 419 bei den Evangelischen und 460 bei den Katholiken. Da nun auch die Sterbeverhältnisse für die dortigen Juden die günstigsten waren — ans 10 000 Köpfe jährlich 222 gegen 314 Evangelische und 363 Katholiken — so war der natürliche jährliche Zuwachs der Inden, trotz geringer Geburten- und noch geringerer Ehefrequenz, der stärkste, nämlich 131 gegen 105 Evangelische und 97 Katholiken alljährlich. Zu diesen günstigen Verhältnis« trug nun hauptsächlich die geringe Kindersterblichkeit der Juden bei. So sehen wir, daß z. B. in den Jahren 1819—63 in der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.