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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-19 · Heft 29 (19.7.1901) · p. Seite 338

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 29 (19.7.1901)
Date
1901-07-19
Page
Seite 338 (sequence 4)
Language
German
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838 und der anderen Regierungen machten der fluchtartigen Auswanderung ein Ende. Seitdem hat die Alliance als Mandatarin der zahlreichen Hilfskomitees für die rumänischen Inden in ganz West- und Mitteleuropa in Rumänien selbst mehr als 500 000 Francs für Volksküchen, Bekleidung, Miethsunterstützung rc. ausgegeben und so der schlimmsten Noth ein wenig gesteuert. Diejenigen Auswanderer, die noch glücklich genug gewesen waren, die Grenzen zu überschreiten, bevor die Nachbarregierungen sie schlosse», empfingen ebenfalls auf ihren Leidenswegen thatkräftige Hilfe von den Vertretern der Allianz. Man kann nicht behaupten, daß die Noth durch die Aktion der Alliance beseitigt wurde, sie wurde nur ein wenig gemildert; aber wenn dies der Fall war. wie wir leider konstatiren müssen, so trifft die Schuld die Alliance israelite universelle nur zuin Theil, vielleicht nur zum kleinsten Theil; die Hauptschuld tragen die wohlhabenden Inden Westeuropas, besonders in Norddeutschland, Holland und vor allem in England, die die Alliance im Stich ließen und ihr nicht die nöthigen Summen zu durchgreifenden Hilfsaktionen zur Verfügung stellen wollten. Auch der Bericht der Israelitischen Allianz in Wien beschäftigt sich vorzugsweise mit der Hilfsaktion für die rumänischen Juden. Wir haben über diese Thätigkeit schon in früheren Nummern berichtet und können uns daher daraus beschränken, die wichtigsten Zahlen des Jahresberichts wiederzugeben. Die Einnahmen setzen sich zusammen aus: Jahresbeiträge, Spenden, Zinse». 39 214,86 Kronen Saininlung für rumänische Emigranten .... 222 848,01 „ „ „ die Bergarbeiter in Boryslaw . 32 252,38 „ „ „ die durch die Exzesse in Mühieu geschädigten Juden. 2 000,— „ „ „ die Kolonien in Palästina . . . 31 891,50 „ 328 206,65 Kronen Die Ausgaben betragen dagegen: Subventionen für Schale».12 174,16 Kronen Russische Aktion. 1 131,65 „ Rumänische Aktion. 243 743,74 „ Boryslaw Aktion. 18 745,96 Mährische Aktion. 830,— „ Palästinensische Aktion. 20 260,— „ Diverse Hilsszwecke. 2 999,26 „ Verwaltungskostcn. 9 994,54 „ Saldo. 18 326,34 328 206,65 Kronen Die Israelitische Allianz hat also für das rumänische Hilfswerk mehr ausgegeben, als sie durch die Sammlungen vereinnahmte, während vori den Sammlungen für Boryslaw und für die Kolonien in Palästina noch Fonds in den Kassen der Allianz übrig sind. Auch die JmZIo .lervisli Association hat ihren Jahresbericht publizirt. Dieser Verein führt seine Arbeit im intimen Verhältniß mit der Alliance israelite universelle und subventionirt viele ihrer Schulen. Jedoch hat die ^»z-lo ^ecvislr Association auch eigene Schulen mit englischer Unterrichtssprache in Marokko, Bassorah, Bombay und die Evelina de Rothschild-Mädchenschule in Jerusalem, in der ebenfalls die Unterrichtssprache englisch ist. Auch die ^nglo 8ewisli Association mußte sich mit dem rumänischeil Hilfswerk beschäftigen, sie beschränkte sich aber auf die Sammlung von Geldern. Bekannt ist ja die nnfreundliche Haltung der offiziellen englischen Jndenheit gegen die rumänischen Glaubensgenossen. Die Sammlungen ergeben das für die englischen Inden beschämend geringfügige Resultat von 54 900 Mark, wovon allein tue Juden in Südafrika ca. 18 000 Mark beigetragen haben, obwohl ihre Leistungsfähigkeit durch den Krieg arg geschwächt war. Auch die anderen englischen Kolonien haben für die e Sammlung beigesteuert, was bleibt denn da als Leistung von London? Die HuKlo ^evvisli Association hat 18 Zweigvereine in Großbritannien, 14 in den Kolonien, 1 in Indien nnd 1 i» Japan. In den von ihr subventionirten Schulen werden 5231 Knaben und 3231 Mädchen unterrichtet, in den Kinde - gärten 887 kleine Kinder. Die Einnahmen der Tlnglo ^ervish J.ssoeiatioii betrugen im Berichtsjahr: Bon Beiträgen i» London.16160 Mo k „ „ der Zweigvereine.11140 „ Geschenke. 6 420 „ Saunnlnng bei einen: Festessen. 12 640 „ Von Lord Rothschild für die Jerusalemer Mädchenschule 18 000 „ Legate. 11000 „ Diverse. 4540 „ Sammlung für die rninänischen Juden. 54000 „ Sttmnia 134 800 Mo l Wenn mau die drei Berichte, die wir besprochen habe mit einander vergleicht, so muß man zngestehen, daß Ne Zweige, die sich von dem großen Baume der Jlliunce israel » universelle getrennt haben, bei weitem nicht so viel leisten u e diese selbst. Aber auch das steht fest, daß weder in Englcu ö »roch in Frankreich die Alliance israelite universelle auch u: r die Beitrüge hätte erhalten können, die die ^»glo lecvi Association ans England, die Israelitische Allianz aus Oesterrei l> ziehen. Aus Deutschland flössen bisher der Lllianee isracli universelle Beiträge zu, die im Laufe eines Jahrzehntes v u 75 000 Mark auf 44 000 Mark heruntergegangen sind; hvsf>:> wir, daß diese Beitragssumme konstant bleibt, daß aber d r neubegründete „Hilfsverein der deutschen Juden" durch unglei i größere Beiträge unserer deutschen Glaubensgenossen in de i Stand gesetzt wird, neben und mit der Jlliance israelite u, verseile segenbringend für unsere uothleidenden Glauben! s genossen im Osten zu wirken. Berlin, 17. Iw (Z^^ie „Korrespondenz des Bundes der Landwirthe" hat bekanntlich jüngst den Juden vorgeworfen, sie scheute: jede Arbeit, die mit körperlichen Anstrengungen ver Kunden sei. Darauf belehrte Rabbiner Dr. Münz in Gleiwi die Korrespondenz dahin, daß die körperliche Arbeit sich niel nur in den ethischen Schriften der Hebräer der höchsten Wert! schätzung erfreut, sondern daß auch thatsächlich, zumal in Obe schlesien, vieleJnden in den Han dwerken beschäftigt seie: Dr. Münz appellirte schließlich au den Gerechtigkeitssinn d> Korrespondenz; allein diese griff, wie wir bereits mitgetheil zu einer neuen Beschimpfung der Juden, indem sie höhnte, s ' kenne nur den Kravattenmacher. den Geld- und Sachwucher: als jüdischen Handwerker. Darauf antwortet Dr. Münz jet in dem Gleiwitzer „Oberschl. Wanderer": Die Wahrheit ging ans, um Gerechtigkeit zu finde»; sie verlang! »ach dem Brode der Erkenntniß, nnd da wurde ihr ein Stein gereich Als ich die Bemerkungen las, mit denen die Bundeskorresponde» meine Ausführungen begleitete, da durchzuckte ein tiefes Weh me»

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