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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-12 · Heft 28 (12.7.1901) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 28 (12.7.1901)
Date
1901-07-12
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 s. Pinne, 3. Juli. Auch unser sonst friedliches Städtchen ist von dem Ritual mordmärchen nicht verschont geblieben. Eine Arbeiterfrau erfand und verbreitete das Märchen, daß der hiesige Buchbindermeister Gundermann ihr Kind habe schlachten wollen. Nachdem hierauf aus dessen Alltrag die Allklage erhoben worden war, ist die Frau voll dem hiesigen Schöffengericht zu sechs Wochen Gefängniß verurtheilt worden. — In erfreulicher Frische beging am letzten Sonntag Herr Salomon Mosessohn Hierselbst seinen neunzigsten Geburtstag. Wenngleich dieser Ehrentag auf Wunsch des Jubilars in aller Stille begangen wurde, so nahm doch die gesammte Gemeinde herzlichstell Antheil an dem seltenen Feste und vereinigte sich in dem Wunsche, daß Herrn Mosessohn, der durch sein innig frommes und friedliches Leben ein Vorbild der Gemeinde ist, ein sonniger und freudiger Lebensabend beschieden sei. m. Leobschtttz, 1. Juli. Frau Johanna Hayn hat dem hiesigen Brüderverein zur Erinnerung an ihren Heimgegangenen Gatten Joseph Hahn eine Spende von 100 Mark überwiesen.—Herr Fabrikbesitzer Alexander Holländer hat zum Andenken an seine plötzlich in Baden-Baden verstorbene Gattin Bertha geb. Caro dem hiesigen Magistrat 5000 Mark Übergebell mit der Bestimmung, daß die Zinsen dieses Betrages für wohlthätige Zwecke verwendet werden sollen, weitere 5000 Mark zu einer Fabrikstiftung, deren Zinsen den Hinterbliebenen der in der Holländerschell Fabrik Angestellten und Beschäftigten zukommen sollen, ferner 1000 Mark dem Vaterländischen Frauenverein und 1000 Mark dem Israelitischen Frauenverein. - Herrn Karl Färber, einem biederen und allgemein geachteten Mitgliede unserer Gemeinde, wurde zu seinem 80. Geburtstage, den er in bemerkenswerther Frische und Rüstigkeit an der Seite seiner Gattin und umgeben von seinen Kindern und Freunden verleben durfte, vom hiesigen Brüderverein das Diplom der Ehrenmitgliedschaft überreicht. Herr Färber ist das einzige Ehrenmitglied des Vereins. Gommern, 4. Juli. Das hier vom Ehrenbürger unserer Stadt Herrn Moritz Mannheimer gestiftete Hospital, zu dem am 12. August v. I. der Grundstein gelegt wurde, ist am 29. v. M. feierlich eingeweiht worden. Ausgesetzt für den Bau waren 40 000 Mark; zum Betriebe hat Herr Mannheimer 100 000 Mark überwiesen. Das Terrain gab in Größe von etwa 15 Morgen die Stadt; es liegt sehr günstig, fast ganz vorn Walde umgeben und doch wieder nahe der Stadt. Die Anstalt ist mit allen Einrichtungen der Neuzeit, Wasserleitung, elektrischem Licht und anderem, anfs Beste versehen. Am Freitag um 11 Uhr Vormittags trafen der Stifter und seine Gemahlin sowie der Regierungspräsident und andere Gäste hier ein. Die Stadt war festlich geschmückt. Nach der üblichen Schlüsselübergabe fand im Saale des neuen Hauses eine ansprechende Einweihungsfeier statt, bei der Superintendent Nönneke die Festrede hielt, Bürgermeister Henning den Dank der Stadt abstattete und die Schulkinder verschiedene Lieder sangen. Herr Mannheimer dankte für die ihm erwiesenen Ehrungen, insbesondere für den freundlichen Empfang, aufs Herzlichste. Namentlich habe es ihn erfreut, daß zufällig der 28. Juni als Einweihungstag gewählt sei. denn an diesem Tage vor 61 Jahren habe er. 14 jährig, schweren Herzens, aber mit leichter Tasche, Gommern verlassen, um als Lehrling in das Geschäft seines in Berlin wohnenden Onkels zu treten. Das Werthvollste, was er mitgenommen, sei ein festes Gottvertrauen gewesen, welches ihn auch stets begleitet habe. Nicht von ihm komme das Geschenk, sondern vom Vater im Himmel, der ihn nur als sein Werkzeug erwählt habe. Nachdem der Choral „Nun danket Alle Gott" gesungen, folgte die Besichtigung des Hospitals in seinen Einzelheiten. Um 2 Uhr begaben sich sodann die Ehrengäste und Gäste nach dem Schützenhanse, wo sie längere Zeit bei einem Festmahle vereinigt waren. U. Hamburg, 2. Juli. Die hiesige Gemeinde hat den Verlust eines ihrer angesehensten Mitglieder zu beklagen. Der kaiserlich japanische Konsul Martin Burchard ist nach dreitägigem Krankenlager an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Der Verblichene ist 1845 in Mecklenburg geboren; nach erfolgter kaufmännischer Ausbildung begab sich der von kühnstem Wagemuth beseelte Mann nach Japan, wo er fast neun Jahre blieb. Er kehrte dann nach Deutschland zurück, gründete 1883 sein hiesiges Geschäft, das den Export und Import mit Japan betreibt. Der Mikado ernannte den Inhaber des mächtig aufblühenden Geschäfts bald zu seinem hiesigen Konsul. Als solcher hatte der Dahingeschiedene thätigen Antheil an dem Abschluß der Handelsverträge zwischen Deutschland und Japan gehabt. Trotz seines ansgebreiteten Geschäfts bezeugte Herr Burchard für die Institutionen der Gemeinde das höchste Interesse; seit vielen Jahren war er in der Verwaltung der israelitischen Töchterschule thätig, deren Entwickelung viel seiner Initiative zu danken hat. Die Beerdigung fand gestern Nachmittag unter Betheiligung weiterer Kreise statt. Im Sterbehause in der Klosteralle hatte sich eine zahlreiche Trauergemeinde eingefunden, außer den Verwandten und Freunden des Verblichenen waren die hervorragendsten Vertreter unserer Handels- und Finanzwelt anwesend. Die zur Zeit in Hamburg anwesenden Konsuln und Sekretäre sowie sonstige Beamte der Konsulate waren fast vollzählig erschienen, auch Mitglieder der japanischen Gesandtschaft in Berlin waren zur Trauerfeier nach hier gekommen. Eingeleitet wurde die Feier durch den stimmungsvollen Choral „Seele was betrübst du dich", der vom Tempelchor unter Leitung des Oberkantors M. Henle wirkungsvoll vorgetragen wurde. Die Trauerrede hielt Prediger Dr. C. Seligmann, der in ergreifender Weise der Trauer Ausdruck gab über den so plötzlichen Verlust eines Mannes, der während seines arbeitsamen Lebens sich große Verdienste um sein Vaterland, seine Mitbrüder und um seine Familie erworben. In beredten Worten schilderte der Redner den Lebensweg des Verblichenen, der es wohl verstanden habe, weit über die Grenzen unserer Stadt sich einen angesehenen Namen in der Handelswelt zu verschaffen. Mit Trostesworten all die Hinterbliebene Gattin und den einzigen Sohn schloß die wirkungsvolle Rede. Unter den Klängen des Liedes „Es ist bestimmt in Gottes Rath" wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben, gleich nach dem Sarge wurden die vielen Orden des Dahillgeschiedenen getragen, ein endloser Leichenkondukt bewegte sich nach dem israelitischen Friedhof in Ohlsdorf. In der Friedhofskapelle widmete Prediger Dr. Leimdörfer dem Dahingeschiedenen im Namen des Schulvorstandes einen tief empfundenen Nachruf! o. Hamm, 1. Juli. Von seiner Gemeinde verabschiedete sich am Sonnabend nach 34 jähriger treuer Wirksamkeit der Prediger und Lehrer Müudheim. Derselbe tritt jetzt in den wohlverdienten Ruhestand. Nach vorher in der Synagoge erfolgtem weihevollen Gottesdienst fand im Hause des Herrn Mündheim eine Abschiedsfeier statt. Direktor Dr. Bruns überreichte im Namen des Lehrerkollegiums der höheren Mädchenschule mit herzlichen Worten der Anerkennung ein kostbares Bild. Die Repräsentanten der israelitischen Gemeinde widmeten als Geschenk der Gemeinde eine kostbare Standuhr, indem sie dankbar auf die langjährige Wirksamkeit des Herrn Mündheim hinwiesen. Ergreifend war es. als die früheren Schülerinnen ihren treuen Lehrer begrüßten. Nach einer wirksamen Ansprache der Frau I. Dannebaum trat Fräulein Else Schönenberg vor, überreichte zwei werthvolle Silberkandelaber im Namen der früheren Schülerinnen und sprach beseelt ein warm empfundenes jvon Herrn S. Schulmann verfaßtes) Gedicht. Groß war auch die Zahl der Blumengaben. Wir wünschen Herrn Mündheim noch einen langen, segensreichen Ruhestand. I.. Steele, 3. Juli. Am 20. Juli verschied nach längerer Krankheit der Rentner Herr Simon N.iudskopf, welcher nahezu 40 Jahre an der Spitze der jüdischen Gemeinde hier gestanden hat. Selbstlosigkeit, Herzellsgüte, Lauterkeit der Gesinnung sowie eine staunenerregende Arbeitskraft waren ihm in hohem Grade eigen und ermöglichten es ihm trotz seiner großen und vielseitigen geschäftlichen Thätigkeit die Interessen der Gemeinde auf das Wirksamste zu fördern. Seiner Thatkraft verdankt dieselbe in erster Linie die Oeffentlichkeitserklärung ihrer Schule im Jahre 1861 und ihre Entwickelung zu einem selbständigen korporirten Gemeinwesen. Allen Institutionen des Gemeindelebens brachte er das lebhafteste Interesse entgegen, insbesondere ließ er sich stets die materielle wie soziale Hebung der Lehrer angelegen sein. Mit gleicher Hingebung und mit gleichem Erfolge war der Verstorbene in städtischen Diensten thätig. Er gehörte fast 30 Jahre ununterbrochen der städtischen Verwaltung an und hat sogar als erster Beigeordneter fast zwei Jahre interimistisch das Amt des Bürgermeisters verwaltet. Welch hoher Werthschätzung sich der Dahingeschiedene in allen Kreisen der Bürgerschaft zn erfreuen hatte, davon legte das Begräbniß, über welches fast alle Zeitungen der Nachbarstadt Essen eingehend berichteten, beredtes Zeugniß ab. Auf dem Friedhofe entwarf der Prediger der Shnagogengemeinde, Herr Lilienfeld, in großen Zügen ein Lebensbild des Entschlafenen, seiue Verdienste auf den verschiedenen Gebieten seiner Wirksamkeit und besonders auch

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