Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1901)
- Date
- 1901-07-12
- Page
- Seite 332 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Zerstörung entronnen.') Es war jetzt seine Ausgabe, das Hilsswerk sür seine zersprengte Gemeinde zu organisiren und allerorten die Mildthätigkeit der Glaubensbrüder für diekriegsgefangenen Mitglieder der einst so angesehenen Belgrader Gemeinde zu erwecke». -) Da sank er, sicherlich erschöpft von den Erschütterungen an Leib und Seele, an der Schwelle seiner so heiß ergriffenen neuen Aufgabe, kaum 46 Jahre alt ein Hundertjähriger, wie die bedeutungstiesen hebräischen Buchstaben besagen (NdtQ 46) in seinem Exile in Nikolsbnrg, dein opferbereiten Vororte aller mährischen Gemeinden, ins Grab^). Nacht legte sich von neuem um die Augen der Vertriebenen, wohin die Schreckenskunde drang. Josef Jbn Danon hatte die Nachricht zu Kremsier, der nach Nikolsbnrg sür die Gefangenen von Belgrad am meisten thätigen mährischen Gemeinde, ereilt, wo er mit seiner Gattin und seinem einzigen Kinde Mose von den Schrecken und namenlosen Plagen des Transportes zuerst ausrnhen zu können hoffte. Mit dem bloßen Leben nur hatten sie aus dem Zusammenbruch ihrer Vaterstadt sich retten können, ans die Straße geworfene Bettler, dem Hungertods Preisgegeben, wenn nicht die Barmherzigkeit ihrer Glaubensgenossen sich ihrer annahm. Es war noch ein Trost zu denken, daß Josef Almosnino, von den Seinen umgeben, seine Seele aushauchte und ein Ehrengrab in einer großen jüdischen Gemeinde gefunden hatte, wenn man der Opfer sich erinnerte, die am Wege niedersanken und umkamen, vergessen und namenlos.') Jbn Danon litt es in Mähren nicht länger. Der Sprache des Landes nicht mächtig, durch den Tod des Meisters und Freundes von neuem um alle Hoffnung gebracht, zog er vvn Ortzu Ort, bis er Ende 1688 in Prag, der in der ganzen Jndenheit gefeierten Gemeinde, wieder ansruhte. Aber sein Ziel war auch hier nicht erreicht. Wie ein rettender Gedanke war der Name Amsterdam in seine Seele gefallen, die große Sehnsucht aller Sefardim, der alte Freihafen aller unglücklichen Vertriebenen, die große Gemeinde mit den unerschöpflichen, von der geschäftigen Phantasie des hilfesuchenden Unglücks ins Ungemesiene vergrößerten Neichthümern und ihrer durch ganz Israel sprichwörtlichen Hilfsbereitschaft. Von Gemeinde ging er zu Gemeinde; so arm und klein war keine, als daß sie nicht wenigstens dafür gesorgt hätte, die unglücklichen Flüchtlinge zu Wagen nach dein nächsten Ziele ihrer Wanderung, nach der Nachbargemeinde zu bringen. Hier in Amsterdam, dem endlich glücklich erreichten Ziele seiner Sehnsucht, fand Jbn Danon in dem gastlichen Hause Josef ben Nathanael Zarphati's schützende Unterkunst. Zarphati, der Schwager des Amsterdamer Druckherrn Nathanael Foa, war als ein Hort der Vertriebenen und Gönner der jüdischen Litteratur berühmt'). Sein Haus, ein Sammelpunkt der Gelehrten, öffnete seine Pforten allen Unglücklichen, die schutzsuchend darin anpochten. Aus seinen Mitteln jüdische Autoren zur Herausgabe ihrer Werke zu verhelfen"), hielt Zarphati sür eine Ehrenpflicht. Den aus Belgrad nach dem Norden versprengten gelehrten Flüchtling unter seine Fittiche zu nehmen, h Nach Zbn Danons Vorrede. -) S. Jsak Alnwsnino's Vorwort zu »IOIN'3 ) Vgl. Kaufmann, die letzte Vertreibung der Inden ans Wien. 170, u. 3. h Nach den Worten Jbn Danons in seiner Vorrede. ') Foa selber preist ihn nach den Approbationen zn Conqnes 3'ILD s138 >"it den Worten: L'13)2) 3"'32^ MllS 1f!'3 So war er im Verein mit Mose ben Jnspa Emden der Mäcen Jacob Schors bei der Herausgabe von (Amsterdam 1693). war für Josef Zarphati ein selbstverständlicher Entschluß. Erfühlte sich reich belohnt, wenn aus dem Munde des Exulanten ihm die geistvollen Deutungen und Schriftauslegungen Josef Almosnino's in unerschöpflicher Fülle zuströmten. Die Nachricht von der glücklicheil Unterkunft, die Joses Jbn Danon in Amsterdam gefunden hatte, war in der zersprengteil Gemeinde der Belgrader Exilirten nicht unbeachtet geblieben. Noch schmachtete ein anderer Belgrader Vertriebener, Mose Cohen, der Sohn des nach seinem gleichnamigen Werke More Zedek genannten Michael ben Mose Cohen aus Salonichi,') in der Gefangenschaft von Esseg, Ivo ein Theil der Gemeinde Belgrad von dem österreichischen Heere zurückgehalten wurde, als ill dem Schicksale Josef Jbn Danons auch ihm ein Hoffllnngsschimmer aufzuleuchten schien. Sein Sohn Jakob war von seiner Seite gerissen worden und mit Josef Almosnino ill das Ghetto von Nikolsburg verschlagen worden, wo er ein Jahr laug erhalten wurdet). Unterdessen kürzte sein durch ungewöhnliche Gewandtheit im Gebrauche der hebräischeil Sprache ausgezeichneter Vater sich seine Tage in der Verbannung zu Esseg durch die Ausarbeitung eines hebräischen Briefstellers. Wie zum Danke sür die Hilfsbereitschaft, die Josef Zarphati in Amsterdam und sein Sekretär Josef Jbn Danon in freundlichen Antworten auf seine Briefe ihm zu Theil werden ließen, nahm Mose Cohen diesen Briefwechsel mit Amsterdam in sein Büchlein a»f°). Josef Zarphati hatte ihm freilich nicht rathell können, auch nach Amsterdam zu kommen. Wohl ließ man dort Niemanden verhungern, der schuhsuchend in die Stadt gekommen war, aber die Hilfsmittel der Gemeinden waren durch die Anforderungen, die man von allen Seiteil an sie gestellt hatte, erschöpft, auch die Mildthätigkeit der Einzelnen bereits über die Maßen in Anspruch genommen. Mose Cohen scheint denn auch ans Esseg sich anderswohin gewendet zu haben. Vielleicht hat auch er wie Joseph Jbn Danon eine Zeit lang im Ghetto von Kremsier Zuflucht gesucht. Wenigstens finden wir, daß ihn nachmals innige Freundschaft mit dem im Jahre 1701 nach dem heiligen Lande ausgewanderten Rabbiner von Kremsier, Josef Jssachar Bär, dem Sohne des einem Gottesmanne gleich oerehrten Wiener Kabbalisten R. Elchanair, verknüpfte'). Ja, wir sehen sogar, daß die Bande der Verschwägerung beide Familien umschlangen. Michael, der Sohn Mose Cohens, hatte nämlich Abichail, der Tochter Jssachar Bärs und seiner Gattin Taube, zum Bunde fürs Leben die Hand gereicht°). Während aber Jssachar Bär nach dem heiligen Lande sich begab, um dort seine Tage zu beschließen, sehen wir Mose ben Michael Cohen in Venedig verh Juda ben Josef Perez nennt in der Vorrede zu NIL t 831 8NLO NV3 81N WPIN 8NSV 3^3'N V3NN ^83'!2 N"NN133 11N3 3VN1L31 *71N)N 3NN s3 ff- Sota f. 13 b, 'sl'2^83 8'N N31N F N'1'V ^"s1121sN3N- CH. J.D.Asulcn, 2^1*127! Benjacob, I. 39 c! Nr. 110 meint daher unseren Mose ben Michael, wenn er sagt: 27121V '"2 2"1221,22 12V 1718 8222 817l1V 7N12 p P2N 7W2 ^""!N2 Vgl. ib II, 78, Nr. 75. 2) Kaufmann a. a. 0. S. -,212 2V (Nirth 1691). >) Kaufmann, a. a. 0. 82 n. 2. ) S. NIV^IV R. Jssachar Bärs Ende. Mose bell Michael Cohen ist auch der Urheber des Judex zu diesem Werke. Vgl. Frankel- Grün's Abhandlung über das Landrabbinat in Kremsier ill der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" Jahrg. 1899, S. 369.