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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-12 · Heft 28 (12.7.1901) · p. Seite 327

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 28 (12.7.1901)
Date
1901-07-12
Page
Seite 327 (sequence 5)
Language
German
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Für die Lu der Weberei beschäftigten Arbeiter und Meister werden Wohnungen errichtet, welche durch allmälige Abzahlung in den Besitz der Miether übergehen sollen. Endlich hat 0. all 15 Familien in Jerusalem gegen regelmäßige Rathenzahlungen, welche bereits pünktlich geleistet werden. Strickmaschinen geliefert, mit deren Hilfe diese Familien 1 Vs bis 2Vs Francs täglich verdienen. Sehr bedeutungsvoll dürfte die Thätigkeit der 0. für die bis vor einem Jahre von Baron Edmund Rothschild in Palästina subveutionirten Kolonien werden. Dieselben bedürfen einer gründlichen Reorganisation, wenn sie in einer nahen Zukunft sich selbständig erhalten sollen. In erster Reihe kam es darauf an, die geradezu enormen Verwaltungskosten, welche in gar keinem Verhältniß zu der Zahl der Kolonisten - standen, sehr wesentlich -u rednziren. Ferner sollten alle unproduktiven! Ausgaben vermieden und dafür neue, gewinnbringende Produktions'! zweige eingeführt und gefördert werden. In dritter Reihe sollen für die Erzeugnisse der Kolonisten neue Märkte gesucht und die alten erweitert werden. Endlich soll die in vielen jüdischen Kolonien wirklich herrschende Landknappheit durch Zukauf von Land gründlich beseitigt werden. Von den einzelnen Kolonien theilt der Bericht mit, daß Ni schon Lezion infolge einer überaus gesegneten Traubenernte im Berichtsjahre 51400 Centner Trauben geliefert hat. Auch der Obstbau gewinnt von Jahr zn Jahr zunehmende Bedeutung. Nichtsdestoweniger kann Ekron mit seinen zahlreichen Obst- und Olivenbäumen ohne wesentlichen Zukauf von Land nicht existiren. In Pessach- Tikwah sind nur 28 Familien noch zu unterstützen. Dieselben besitzen 141 Hektar Weinland, außerdem hat die Gesellschaft ihnen 118 Hektar Getreideboden abgetreten, den sie gemeinsam zu bewirthschaften haben. Die Gesellschaft besitzt in der Kolonie eigene Orangerien, die in der Folge sehr ertragreich zu werden versprechen. Unhaltbar sind dieZnftände in Sichron-I aeo b, das von der vorigen Administration in Grund und Boden gewirthschast worden ist, und von dessen Bevölkerung der Bericht bezeichnenderweise als von den „sogenannten" Kolonisten spricht. In der Kolonie leben 194 Familien, für die es keinen anderen Ausweg gibt, als sie zum Theil anderswo in Palästina auzusiedeln. damit das zur Verfügung stehende Land für den Rest ausreichend wird. Ebenso verfahren sind die Zustände in den eng benachbarten Kolonien Rosch-Pinah und Je ssod-Ha m aal o h. Dieselben verfügen über weit mehr Land als Sichron-Jacob. dennoch kann nur ein Theil der Kolonisten als selbständig angesehen werden. Zwar haben beide Kolonien 600 Zentner Trauben geliefert, aus denen 750 Hektoliter Wein hergestellt werden konnte, allein der Transport dieses Weines bis zum nächsten Hafen stellt sich viel zu theuer, und auch der Versuch, die Trauben in Rosinen zu verwandeln, mußte aufgegeben werden, weil die theuern Herstellungskosten das Produkt von dem Wettbewerb auf dem Weltmarkt völlig ausschließeu. Dagegen sind die mit dem Tabaksbau in der jüngsten Zeit gemachten Versuche sehr ermuthigend. Der in geringer Menge erzeugte Tabak läßt sowohl an Quantität wie an Qualität nichts zu wünschen übrig, und ist der Tabaksban für die jüdischen Kolonien in Galiläa um so mehr zu empfehlen, als er die Verwerthung von ganz kleinen Parzellen fruchtbaren Bodens gestattet. Ferner wird der Versuch gemacht werden, die in den beiden Kolonien zahlreich vorkommenden steinigen Partien durch Anpflanzung des anspruchslosen Kaktus zu verwertheu, der ein vortreffliches Viehfutter abgiebt. Die Seidenweberei in Rosch- Pinah, welche 1873 Pfund Seide geliefert hat, beschäftigt 100 Personen. Im nächsten Jahre werden noch eine Färberei und eine Spinnerei hinzukommen. die weiteren 33 Arbeitern Beschäftigung geben werden. Endlich wird beabsichtigt, unter den Kolonisten Webstühle zu vertheilen, wodurch ihre Angehörigen sich einen hübschen Nebenverdienst verschaffen können. Die Kolonisten voll Met hule, welche vielversprechende Versuche mit dem Tabaksbau gemacht haben, leiden an Landknappheit. Die Ländereien im Hau ran und in Betima waren Gegenstand eines Zwistes, der jetzt beigelegt ist, ebenso konnte der nahe bei Sichron-Jacob liegende Boden von Atlit in einem Umsang von 900 Hektar wegen einer Kontroverse mit den Arabern bis jetzt nicht besiedelt werden. Der Streit ist jetzt beigelegt, und Atlit wurde vorerst mit 10 Familien aus Sichron-Jacob besiedelt. Atlit ist also eine neue Kol onie. das zweite jüdische Dorf, das von der ch l',. in Palästina begründet wurde. Zum Schluffe muß noch die 2800 Hektar umfassende Kolonie Chederah, die umfangreichste jüdische Kolonie in Palästina, erwähnt werden, die ihres fieberschwangeren Klimas wegen bi-her nicht dauernd besiedelt werden konnte. Die 49 Kolonisten dieser Kolonie haben nun, um das Fieber zu bekämpfen, in Chedera einen wahren Wald von ca. 300 000 Encalyptnsbäumen gepflanzt, und sollen diese Anpflanzungen im nächsten Jahre beendet werden. Die Gesellschaft hat den Kolonisten Häuser und Ställe gebaut, so daß die Kolonie im Jahre 1901 dauernd besiedelt sein wird. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika tritt die3.O./V. nicht als selbständige Unternehmerin auf, sondern wirkt im Verein mit anderen jüdischen Institutionen. Im Vereitle mit dem Baron Hirsch-Fonds hat sie die Kolonien in New-Jersey und New-England unterstützt. In den Kolonien von New-Jersey, welche zusammen einen Umfang von 5053 Acres haben, leben 161 Farmer mit 949 Personen. Die Farmer haben 3144 Acres Land angebaut und besitzen überdies 15 000 Fruchtbäume. JhrErlös ans dem Verkaufe ihrer landwirthschastlichen Produkte belief sich im Berichtsjahre auf 47 795 Dollars. Der Mangel an Märkte für die Produkte der Farmer steht einer Vergrößerung der Kolonien im Wege. Es soll der Versuch gemacht werden, die Angehörigen der Farmer in der Bekleidungsindustrie dadurch zu beschäftigen, daß ihnen mit Hilfe der Zwischenmeister Arbeit aus der Stadt verschafft werden soll. Die Einführung der Industrie in den Kolonien selbst resp. die Errichtung von Schneiderwerkstätten daselbst hat sich als verlustreich erwiesen und wird aufgegeben. Günstiger ist die Lage der Farmer in New-England, wo das Land besser und geeigneter Absatz in der Nähe ist. Die von vielen Seiten empfohlene Evacnirung der großen Ghettos von New-Iork und Philadelphia hat sich als sehr schwer durchführbar erwiesen. Die Gesellschaft hat im Berichtsjahre 171 Familien und 72 alleinstehende Personen, im Ganzen 836 Seelen, in New-Jerseh, North- Jersey. New-England und Pennsylvanien uutergebracht. Davon sind aber 207 Personen bereits in das Ghetto von New-Iork Zurückgekehrt, da die in North-Jersey errichtete Schneiderwerkstätte einen Fehlbetrag gebracht hat. Endlich hat die O die Schule in Woodbine unterstützt, die im Berichtsjahre wesentlich vergrößert wurde. Die Zahl der Zöglinge in der Abtheilung sür Ackerbau belief sich ans 101, davon 84 Knaben und 17 Mädchen. Die Hirsch kolo nie in Kanada zählt jetzt 22 Familien, die 1000 Acres bebaut haben. Trotz dem anerkennenswerthen Fleiß der Kolonisten konnten sie infolge einer Mißernte nicht selbständig bestehen. Die Thätigkeit der F. Q in Klei nasien ist noch einstweilen in den Kinderschuhen. Die daselbst ohne Zuthun von maßgebender Seite entstandenen vier jüdischen Kolonien waren im Berichtsjahre in der Auflösung begriffen, wozu die Gesellschaft, durch übertrieben pessimistische Berichte irregeführt, durch Repatriirung der Kolonisten das Ihrige beigetragen hat. Nur die Kolonie Or Jehudah, welche 2587 Hektar umfaßt, hat eine Fortentwickelung erfahren. Dieselbe beherbergt bereits 13 Kolonisten und eine größere Anzahl jüdischer Pächter, die vor 15 Jahren aus Rußland nach Smhrna ausgewandert sind und nach vielfachen, mißglückten Versuchen sich eine Existenz zu gründen, schließlich in Or Jehudah gelandet sind, wo sie sich als fleißige und tüchtige Landarbeiter entpuppt haben. Daneben besteht in Or Jehudah eine Ackerbanschule, die sür 200 Zöglinge eingerichtet ist, in der jedoch vorerst nur 30 untergebracht wurden. Die Kolonie Margo Tiflik in CYpern steht verwaist da. Die Kolonisten haben dieselbe, da auch die zweite Ernte eine schlechte war, verlassen, wodurch die Bevölkerung von 83 auf 36 Seelen gesunken ist. Gegenwärtig wohnen irr Margo Tiflik 3 Arbeiter und 9 Kolonisten, meist aus Palästina. Da die ihnen sehr viel Land zugekaust hat, sind Aussichten vorhanden, daß sie sich in Cypern werden behaupten können. Ueber die Thätigkeit der .1. in Rußland, Galizien und Rumänien werden wir in einem zweiten Artikel berichten; denn auch dort hat diese Gesellschaft für das Hilfswerk nicht Unwesentliches im abgelaufenen Jahre geleistet.

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