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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-05 · Heft 27 (5.7.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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greifenden Worten dem Wunsche Ausdruck, daß dem 75 jährigen Manne seine Rüstigkeit noch lange bewahrt bleiben und ihm ein schöner Lebensabend beschieden sein möge. Oesterreich - Ungarn. o Wien, 1. Juli. Der in der gelehrten Welt rühmlichst bekannte Lektor M. Fried mann, der am Bet Hamidrasch und an der israelitisch - theologischen Lehranstalt eine gedeihliche Wirksamkeit entfaltet, feierte am 21. d. M. unter allgemeiner Theiluahrne weiter Kreise seinen 70. Geburtstag. Möge es dem verdienten Gelehrten noch lange beschieden sein, zu schaffen und zu lehren. — Der Vorstand der hiesigen Kultnsgemeinde hat nach den Anträgen des Kuratoriums der Dr. Moriz Nappap ort - Sti ftnng für Preisausschreibnngen einhellig beschlossen, zwei Preisthemen mit dem Termine bis 31. Dezember 1903 ansschreiben und zwar: 1. „Apologetik des Judenthums", mit dem Preise von 4000 Kronen. 2. „Zur Geschichte des jüdischen Volksschulwesens in Oesterreich", mit dem Preise von 1200Kronen. — Die..Hulo criloli'cu" ist eine Versicherungsgesellschaft, welche nach ihren Statuten jüdische Versicherungsnehmer zurückweist, aber jüdische Agenten angenommen hat, um jüdische Versicherungsnehmer tatsächlich zu acquiriren. Sie kassirte von den letzteren die Prämien ein, verweigerte aber die Auszahlung von Versicherungsgelderu mit dem Hinweis ans den oben erwähnten Punkt der Statuten!.' In einem Prozeß gegen den Agenten Thnmen, der Gelder der Gesellschaft unterschlagen hat. ist das festgesteüt worden. — Dem Polizeioberkommissär kaiserlichen Nath Moriz Stukart wurde von Sr. Majestät dem Kaiser das Ritterkreuz des Franz Josefordens verliehen. Stukart hatte in der letzten Zeit Gelegenheit, sich vielfach auszuzeichnen. — In einer der letzten Sitzungen des Gemeinderaths stellte Gemeinderath Sturm wiedtzr einmal den Antrag, es möge in den städtischen Schlachthäusern d§s Schächten der Thiere verboten werden. — Leopold Hilsnör weilt nunmehr, wie bereits gemeldet wurde, in der Strafanstalt §u Pankratz, um seine lebenslängliche schwere Kerkerhaft abzubüßen. Vorläufig ist Hilsner — wie die „Politik" berichtet — in einer separates Zelle inhaftirt. bis man einen oder mehrere „passende" Zellengenosse^ zu ihm gefunden haben wird. Es hat sich nämlich aus den im Wseker Kreisgerichtsgefängnisse gemachten Erfahrungen die Nothwendig. keit erwiesen, Hilsner von christlichen Häftlingen thunlichst zu separireG. da er voll Seite derselben zahlreichen Anrempelungen ausgesetzt wcw. — lieber die Allwesenheit deS Ka isers in Pr a g sei noch berichtet, daß der Kaiser beim Besuche der Kadettenschule in besonders in huldvoller Weise die mit dem Schuloffizierkorps vor der Front des neuezr Gebäudes zu seinem Empfange erschienenen geistlichen Professoren P. Schuster, Superintendenten Molnar und Feldrabbiner Dr. Kisch anredete. Letzteren, der bekanntlich wiederholt ausgezeichnet wurde, erkannte der Kaiser sofort und sprach ihn auch in diesem Sinne an. Cs i dürfte interessiren, daß im Lehrpersonal drei Offiziere jüdischen Bekenntnisses erschienen und auch der Platzmajor Töpfer von Willesfeld, der den Kaiser einsührte, ein Israelit ist. — Anläßlich der Kaiserreise ill Böhmen wurden auch mehrere hervorragende Israeliten durch Ordensverleihungen ausgezeichnet: es erhielten das Ritterkreuz des Leopoldordens der Universitätsprofessor Hofrath Pribram, das Offizierskrenz des Franz Iosefordens Sanitätsrath Dr. Altschul und Direktor Brandeis, das Ritterkreuz des Franz Josefordens die Herren Emannel Grab. Dr. Fleischmann und Dr. Emannel Beutel, den Elisabethorden zweiter Klasse Flau Sofie Bamberger in Prag n. A. m. Dem Kaufmann Nathan Groag in Olmütz wurde der Titel eines kaiserlichen Nathes verliehen. Großbritannien. — London. 1. Zuli. Charles Kensiiizton Salaman, der bekannte englische Komponist, ist in dem hohen Alter von 87 Jahren hier am 23. v. M. gestorben. Salaman war am 3. März 1814 geboren. Er begann seine musikalische Laufbahn als 14jahriger Knabe; er stndirte unter Charles Neate und erschien zuerst öffentlich in einem Konzert im Sommer 1828, in dem auch sein erstes Lied zu Gehör gebracht wurde. In demselben Jahr ging er nach Paris, um bei Henri Herz zu stndiren. 1830 wurde eine von ihm kompornrte Ode zum Shakespeare-Jnbiläumsfest aufgeführt. Im nächsten Jahre begann er seine Laufbahn als Lehrer und gab Konzerte. Später gründete er eine Gesellschaft für Kammerkonzerte, dann hielt er Vorlesungen über musikalische Themata und war 1874 einer der Mitbegründer der „Musical Association". Salaman war mit den meisten großen Musikern seiner Zeit. Mendelssohn. Schumann, Hummel, Chopin, Moscheles, Meyerbeer, Spohr, Verdi und Gounod befreundet. Er hat viele Lieder komponirt, darunter das bekannte „I rrriso trom llroams ok Idee" nach dem Text von Shelley, ferner Oden von Horaz, Catull und Anakreon. auch einige Psalmen, viele hebräische Chorwerke für den Gottesdienst in der Synagoge und einige Orchesterstücke, darunter einen Trauermarsch zu Ehrerl Victor Hugos. S. war ein begeisterter Anhänger des Judenthums. Als hier die Reformsynagoge begründet wurde war er eines ihrer ersten Mitglieder. Er hat auch ein Buch über jüdische Kunst geschrieben, das er dem Andenken Moses Mendelssohns widmete. Ehre seinem Andenken! Von Kah und Fern. — Der Kaufmann Max Gottschalk ist vom Kaiser zum Ehrenmitglied des Nationaldanks für Veteranen ernannt worden. — Von dem Schöffengericht I wurde der Redakteur der „Staatsbürgerzeitung". Dr. Bötticher, wegen Beleidigung des Holzhändlers L ev y und des Kaufmanns Doch «er in Schönlanke zu 50 Mark Geldstrafe verurtheilt. — Der Orden Bne Berith hat in letzter Zeit vier neue Logen in Düsseldorf. Gotha, Erfurt und Darmstadt begründet. Die letztere ist die 50. ans deutschem Boden. — In der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität hat sich am 27. v. M. Dr. Edmund Landau, der Sohn des bekannten Gynäkologen Professor Dr. L. Landau, als Privatdozent eingeführt. Seine Antrittsrede handelte über die Geschichte der analytischen Zahlentheorie. — Als antisemitische Sommerfrisch eil bezeichnet die „Antis. Korxesp." noch folgende: Fürstenblick bei Tonlbach (Thüringen), Richters Pension in Pyrmont, Ferienheim Mühlenthal bei Wernigerode und Logirhans Renner in Bad Kissingen. Es kommt dazu Bad Leba in Pommern. — Das Fest der diamantenen Hochzeit feierte an: 1. d. M. der Privatier Moritz Sa losch irr und Frau in Bromberg. Herr S. ist der älteste Bürger der Stadt Bromberg. Anläßlich der goldenen Hochzeit, die das Jubelpaar am 1. Juli 1891 beging, wurde ihm voll dem Kaiser die silberne Ehejnbiläumsmedaille verliehen. — In Stettill ist am 24. d. M. der Amtsgerichtsrath Jacob Hamm er stein nach kurzem Leiden gestorben. Derselbe war Oberleutnant a. D. beim Füsilier-Regiment Prinz Heinrich von Preußen und Ritter des Eisernen Kreuzes. — Der Bankier M. A. Strauß in Karlsruhe hat den Kronenorden III. Klasse erhalten. — lieber die Beschäftigung der Gefangenen ill den Strafanstalten hat das hessische Ministerium der Justiz eine Verfügung erlassen, der zu entnehmen, daß Gefangene jüdischer Religion an Sabbath und den folgenden Feiertagen: Purim, Passah, Wochenfest. Nenjahrssest, Bersöhnnngsfest und Laubhüttenfest nicht wider ihren Willen zur Arbeit angehalten werden sollen. — In Paris ist an, 22. v. M. Joseph Hirsch, eine der wissenschaftlichen und philantropischen Notabilitäten der jüdischen Gemeinde, im 65. Lebensjahre plötzlich gestorben. — III Nancy ist der ehemalige Unterprafekt Edmond Lovyli gestorben. — Der Ackerbauminister Dnpuys sagte beim Empfange des isralitischen ConsistoriumS in Ep in a l: „Die Negierung, welche ich hier vertrete, ist entschieden entschlossen, die ab' solnte Freiheit der Konfessionen zu respektiren, in der Ueberzengrmg. daß alle französischen Bürger das Recht auf die gleiche Achtung ihres Glaubens und auf die gleiche Freiheit besitzen". — Das Appellgericht irr Algier hat die beiden Städte Algier und Mustapha wegen der antisemitischen Unruhen voll 1898 zu einer halben Million Francs Schadenersatz verurtheilt. — Zn der Allgelegenheit der russischen Grenzrepressalien ist vom Warschauer General-Gouverneur in Sosnovice der Befehl eingegangen, daß auch dort den Juden ohne Weiteres Halbpässe auszufertigen sind. — Der junge russische Bildhauer Heinrich Glitzenstein dessen „Betende Juden im Eisenbahnwagen" vor einigen Jahren in Berlin allsgestellt waren, hat für eine Kolossalgruppe „Kain und Abel", die zur Zeit in Paris ansgestellt ist, die goldene Medaille erhalten. — Der Vertreter der Hamburg - Amerika - Linie in New York, Herr E. Boas, hat den Rotheu Adlerorden III. Klasse erhalten. — Die Ooloniration Association beabsichtigt in Argentinien und Brasilien neue Kolonien zu begründen. Druck und Verlag von Ruvols Mvsse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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