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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-05 · Heft 27 (5.7.1901) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
Seite 322 (sequence 12)
Language
German
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322 sefardischen Eltern jener Tage vorschwebte. Die Erwerbung ausgebreiteten rabbinischen Wissens, die Meisterschaft im Gebrauche, ja im Mißbrauche der hebräischen Sprache war das Ziel, das den Eifer und den Fleiß des Knaben beflügelte?) Voll Kindesbeinen den Unterricht R. Josef Almosninos genießend, wuchs der junge Jbn Danon zum Freunde und vertrauten Sekretär des weithin berühmten Rabbiners von Belgrad heran. 2) Das Talmudstudium hatte durch gefeierte Schuloberhäupter laugst eine Heimstätte in der Gemeinde. Zuletzt hatte noch der trotz seiner Jugend durch seine Persönlichkeit wie durch ein anerkannt klassisches Werk hochberühmte R. Simcha bell Ephraim Hacohen dem Rabbinate von Belgrad Glanz und Würde verliehen. Im Jahre 1661 hatte ihn die Gemeinde von Ofen an die Spitze ihres Rabbiuates berufen. Aber nach kaum zweimonatlicher Amtswirksamkeit sehen wir R. Simcha nach Belgrad zurückkehren?) Er war durch seine Ehe mit einem Theile der Gemeinde Ofen verschwägert gewesen, in der wellige Jahre vor seinem Amtsantritt die Bestimmung getroffen worden war, daß ein Rabbiner, der im Orte Verwandte hätte, nicht gewählt werden solle. Aber auch in Belgrad scheint dem trefflichen Gelehrten nur noch eine kurze Dauer beschieden gewesen zu sein. Im Alter von 44 Jahren dürfte er 1664 aus dem Leben geschieden sein?) Wenigstens sehen wir in diesem Jahre seinen Schüler und Schwiegersohn Josef, den Sohn Jsak Almosninos ans Jerusalem, den Gatten seiner Tochter Lea, den Neffen des Vorgängers N. Simchas, Juda Sermas, als Nachfolger in sein Amt an die Spitze des Rabbinates von Belgrad eintreten. Josef stand im jugendlichen Alter von 22 Jahren, als er das ehrenvolle Amt annahm. ^) Vielleicht war es die Jugend, in der er in so beneideter Stellung sich erhob, was ihm Feindschaft und Verfolgung eintrug. Denn auf solche sind wir aus der Thatsache zu folgern berechtigt, daß man den Anlaß einer seiner Predigten dazu benutzte, um über ihn öffentlich herzufallen und ihn mit dem Banne zu bedrohen. Es scheint ein gelehrter Mann gewesen zu sein, von dem dieser Ueberfall ausging. Almosnino muß den überraschenden und oft selbst unnatürlich gewaltsamen Auslegungen der heiligen Schrift gehuldigt und manchmal zu unerhörten Kühnheiten sich verstiegen haben. Als er aber einmal in dem Verse 2 Vergl. r^lTs'' 7^2 Nr. 18 nennt Jsak Jbu Danon. Ein Josel b. Mose Ilm Danon ans Coimbra, Schäler Jsak Aboabs, schrieb nach der Vertreibung der Juden aus Portugal in Tezseme eine ialmudische Methodologie, s. eock. Oxford 850 : 1567 löst der rabbinische Gerichtshof in Ferrara die Ehe der Beiua. Tochter eines daselbst aus Portugal eiugewanderten Marrauen Jsak Jbn Danon, mit einem nach Portugal für 2 bis 3 Jahre zurückgekehrten, aber dort verbliebenen Marrauen; s. M. Mortara. Xolirie oi alenme collerioni <1i cousiilti mauoscrilt: s. 33 u. 24. Hanno, der am 8. Jzar 1623 wohl in Venedig verstorbenen Gattin Josef Jbu Dauons, hat Leo di Modena die Grabschrift gedichtet, s. Jsr. Letterbode III, 106. Josef b. Jakob Jbn Danon aus den Jahren 1625, 1624, s. Steinschneider Cat. Bodl. i). 2950. -) Nach der im Anhänge mitgetheilten Vorrede ans der von Herrn Asher I. Meyer mir frenndlichst geliehenen Handschrift derx-sU^^ 0 Vergl. Nr. 67 s., 43 b. ') Das; N. Simcha 1620 geboren wurde, ergiebt sich, wie Dr. Alexander Buchler mir gezeigt hat, aus Daniel Estrosas 2,"7^28 Nr. 73. David Consorte ^1^7 ecl. D. Cassel t. 51b. Wir verdanken Jbn Danon die Nachricht, dah Almosnino 24 Jahre dem Nabbinate von Belgrad Vorstand. Josef berichtet in Resp. 54 f. III a. daß er als Kind bereits N. Simchas Schüler war. Mose 3,12 den Gottesuamen hinwegzudeuten suchte und statt der Anbetung Gottes den Dienst des goldenen Kalbes am Sinai als von Gott vorhergesagtes Zeichen der Sendung Moses hinstellte, da hielt es seinen frommen Gegner nicht länger, der durch einen öffentlichen Allsbruch seiner Empörung den Frevel sühnen zu müssen meinte und den Schiedsspruch R. Ephraim Cohens, des Rabbiners von Ofen, gegen den ketzerischen Prediger anrief. Wohl verdammte auch dieser die unglückselige Deutung, die er Almosnino von der Kanzel herab öffentlich zurückzunehmen empfahl, aber die mit der spruchbefugtesten Gelehrsamkeit gepaarte Weisheit und Milde des angerufenen Richters, an den mittlerweile Almosnino auch selber sich gewendet hattet) verhinderte jeden weiteren Streit. Von nah und fern um seine Entscheidung angegangen, in der Gemeinde von seinem Amte bis zur Erschöpfung in Anspruch genommen, unerschöpflich in der Vorbereitung für seinen Predigerberuf, sah Josef Almosnino bald seinen Namen und Ruf sich ausbreiteu und seiner Jugend vorauseilen. Josef Jbn Danon war aus seinem Schüler fein treuer unermüdlicher Beistand, die Cisterne geworden, die es sich zur Aufgabe gestellt hatte, keinen Tropfen von der Belehrung, die von seinem Meister ausging, verloren gehen zu lassen. Die Zahl von 400 hatten die Hefte erreicht, in der er die Predigten und Gelegenheitsreden, vor allem die Trauerreden auf Gelehrte, in denen Almosnino hervorragte, einzuschreiben Pflegte. Die reiche rabbinische Korrespondenz, die im Hause Josef Almosninos wie in einem Brennpunkt zusammenlief, besorgte Jbn Danon; er war der Schreiber des Rabbinates, durch dessen Hand alle Antworten und Gutachten gingen, die von auswärts eingeholt wurden. Diese Rechtsgutachten Almosninos hatten einen solchen Namen erlangt, daß drei Mäcene Konstantiuopels, Abraham Joab, Jsak Meschullam und Jacob Cordovo, sich um die Ehre bewarben, eine Sammlung der Responsen des gefeierten Rabbiners von Belgrad herausgeben zu dürfend) Almosnino hatte bereits eine Centurie solcher Gutachten für den Druck vorbereitet und die Approbationen der ihm befreundeten Rabbiner von Konstantinopel, Salonichi und der in seinem Hause in Belgrad oft verkehrenden Sendboten aus dem heiligen Lande eingeholt, ^) damit der Band ein „Zeugniß für Joses" werde, als das Schicksal über seine Stadt hereinbrach. Man zählte den 14. des Unglücksmonats ab des Jahres 5448, das im Sonnenwie im Mondeyclus das 14. bildete, d. i. den 10. August 1688, als das Belagerungsheer der Kaiserlichen um Belgrad sich zusammenzog. Am 6. September darauf war die Stadt in den Händen der durch die Opfer der Erstürmung erbitterten feindlichen Krieger. Die Gemeinde Belgrad hatte aufgehört zu bestehen?) Schaarenweise wurden ihre Mitglieder ergriffen und als Beute von den Truppen fortgeschleppt, die sic auf allen Märkten wie Sklaven zur Auslösung durch begüterte Glaubensgenossen feilboten. Durch das von Juden fast entblößte und verarmte Ungarn zog das Heer der Gefangenen ') 2'"7LK Nesv. 54—5. Dieser Name ist zu den von Z u n z Ges. Schriften III. 162—17'. und Steinschneider Hebr. Bibl. Bl. XI. 103 aufgezählten hinzuzn fügen. 0 S. Joses Almosninos Vorrede zn I71NV Ende. -) Nach Joses Jbn Danons Mittheilnng. dast die Sammlung nach dem Jahre 1686 angelegt wurde, sehen wir ans der von diesem Jahre datirten Zustimmung Salomo Abnlafias, des Sendboten von Hebr on zur Entscheidung Almosninos Nr. 51. 0 I. v. Hammer, Geschichte des osmanischen Reiches III2, 817 ss

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