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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-05 · Heft 27 (5.7.1901) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
Seite 317 (sequence 7)
Language
German
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Der Jubilar amtirte au dem Festsabbath in der alten Synagoge in der Glockengasse am blumenbekränzten Betpult und versah seinen Dienst inmitten der Gemeinde in gewohnter Frische und Vortrefflichkeit. Der an jenem Sabbathtage in dem Gotteshause der Glockengasse ebenfalls amtirende Rabbiner Dr. Nosenthal hielt die tiefdurchdachte, nach Form und Inhalt gleich bedeutende Festrede, in welcher er den Jubilar in den verschiedenen Zweigen seiner Wirksamkeit sowie in seinen Geistes- und Herzenseigenschaften, nach Verdienst würdigte und Gottes Segen herabflehe für eine lange, weitere, gleich erfolgreiche Wirksamkeit des Jubilars in seinem heiligen Berufe sowie in Betätigung seiner Pflichten als Mensch und Jude. Rabbiner Dr. Frank hatte es sich nicht nehmen lassen in seiner Schristerklärung in der neuen Synagoge an der Noonstraße des Festtages und der Dienste des Kantors zu gedenken, mit welchem er seit 25 Jahren gemeinsam und stets irr bestem Einvernehmen an heiliger Stätte gewirkt. Innige Segenswünsche des Rabbiners schlossen auch diese Allsprache, welche auf die Zuhörer tiefen Eindruck machte. Vertreter des Vorstandes und der Repräsentanten hatten sich zahlreich zu dem Festgottesdienst eingefunden und erschienen Sonntag Mittag im Hause des Jubilars, um demselben mit einem Geschenk die Glückwünsche der Gemeinde zu überbriugen. Hieraus folgten Abordnungen der Chewra Semichas Dalim, die einen schönen Silberpokal mit Inschrift, der Chewra Gemilloth Chassodim, welche eine Peudule, der rheinischen Kalltoren, deren Sprecher, Kantor Zivi-Elberfeld, einen silbervergoldeten Pokal mit Widmung überreichte. Herr Zivi feierte den Jubilar in herzlicher Ansprache als treubewährten Kollegen, den seine Amtsgenosseil hochschätzen. — Ferner erschien eine Abordnung des Israelitischen Franenvereins und anderer Wohlthütigkeitsallstalten. Die beiden Synagogenchöre ehrten den Jubilar am Vorabend des Festes durch eine Serenade und überbrachten als Geschenke einen prachtvollen Lehnsessel und das künstlerisch ausgeführte Brustbild des Jubilars ill Lebensgröße. Zahlreiche Gemeindemitglieder erschienen entweder persönlich mit Geschenken oder sandten solche. Und so kam unter all diesen Ovationen denn auch der Festabend heran. Das! Komitee, unter dem Ehrenpräsidium des Herrn Nabbiller Dr. Frank und unter Leitung Ihres Korrespondenten hatte keine Mühe und Arbeit gescheut. dem Jubilar ein schönes Fest zu bereiten. Der dicht gefüllte Festsaal der Vergesellschaft mit seinen imposanten Galerien bot im strahlenden Lichterglanze ein entzückendes Bild dar, gehoben durch die farbenfrohen Toiletten der stark vertretenen Damenwelt. Jetzt schmettern Fanfaren der Kapelle des 16. Infanterieregiments, das Festkomitee in eorpors begiebt sich in den Nebensaal zur Ein Holling des Jubilars, und unter den rauschenden Klängen eitles Fanfarenmarsches hält derselbe mit seiner Gemahlin und seinen Kindern, geleitet von den Mitgliedern des Komitees, seinen Einzug. Nach dem >lrn'eti6 festU'rrle vou Gouuod, welcher das Programm eröffuete, begrüßte Herr Hermauu Moses namens des Komitees den Jubilar und die stattliche Festversammlung, es folgte die Jubelouvertüre voll Carl Maria v. Weber und hierall allschließend ein voll der städtischen Lehrerin Frl. Paula Löb verfaßter und wirkungsvoll vorgetragener Prolog. Rabbiner Dr. Frank erhob sich hierauf zum Kaisertoast; athemlos lauschte die Versammlung den zündenden Worten des großen Redners. Dem mächtigen Führer und Schirmherrn Deutschlands, dem Schützer jeder religiösen Ueberzengung galt das Hoch des Rabbiners, in welches die Versammlung begeistert einstimmte und stehend die Nationalhymne sang. Es solgte ein gemeinschaftliches, von dem Verfasser Hermann Moses seinem Freunde, dem Jubilar, gewidmetes Lied „Festgesang" nach Handels feierlicher Melodie ans Juda Makkabäus. Dann hielt Dr. Frank die Festrede, eine jener Reden, die den Meister ill seiner ganzen Bedeutung erkennen lassen. Ausgehend vou dem Verhältniß zwischen der edlen Gesangskullst, überhaupt zwischen der Kunst und der Religion, und würdigend die Bedeutung des Syuagogengesanges für den neuzeitlichen Gottesdienst. Redner schilderte den Zustand des jüdischen Gottesdienstes im 17. und 18.Jahrhundert,wo zu den heiligsten Worten profane, oft mehr als prosaue Melodien gesungen wurden, der ganze Gottesdienst überhaupt unsäglich form- und weihelos gestaltet war. Eine Wendung zum Bessern trat ein, als gottbegeisterte, gottbegnadete Sänger auftraten, jene großen Kalltoren wie Sulzer ill Wien, N a umb onr g in Paris später Lewandowsky in Berlin u. A., die dem Synagogengesang, neue Bahnen wiesen, deren herrliche Gesänge bald Eingang fanden in alle Synagogen, die Herzen veredelten und erhoben und feierliche Weihe dem Gottesdienste verliehen. Unser Jubilar war ein Schüler dieser Männer und wurde bald zu einem gleichwertigen Meister. Auf die Stimme des Rabbiners hat die Gemeinde nicht immer gehört, auf die Stimme des Kantors Blumenthal stets, meinte Redner; auch glaube er. daß wohl Niemand in der Gemeinde oen Jubilar häufiger gehört habe als er. der Rabbiner, während der 25 Jahre gemeinsamen Wirkens. Redner würdigte dann in begeisterten Worten die rein menschlichen Eigenschaften des Jubilars, sein offenes, aufrichtiges Wesen, er zähle zu den Kultusbeamten, die Rückgrat besitzen. Den Seinen der treue Gatte und Vater, seinen Freunden der bewährte Freund, jede gemeinnützige Sache freudig und kräftig unterstützend — so wirkte und schaffte der Jubilar segensreich im engen und weitesten Kreise. Mit Begeisterung stimmte die Versammlung ill das dem Jubilar und den Seinen ausgebrachte Hoch ein. Am Schlüsse seiner Rede überreichte Dr. Frank dem Jubilar ein von Maler S. Cohn, Köln, entworfenes und ansgeführtes Ehrendiplorn mit Widmung. Ein namhaftes Ehrengeschenk, ans Beiträgen zahlreicher Gemcindemitglieder, hatte das Festkomitee dem Jubilar durch Rabbiner Dr. Frank scholl Mittags in dessen Wohnung überreichen lassen. — Herr Isidor Dülken überbrachte die Glückwünsche der Synagogengemeinde und des Vorstandes. Herr Dülken, ein gewandter und erfolgreicher Redner, feierte die Verdienste des Jubilars um die Verherrlichung des Gottesdienstes. Auch dieser Ansprache folgte stürmischer Beifall. Im Namen der zahlreich anwesenden rheinischen Kantoren sprach Kalltor Wetzstein-Elberfeld dem lieben und bewährten Freunde und Kollegen in herzlichen Worten innigen Glückwunsch ans und betonte das stets ungetrübte freundschaftliche Verhältnis; zwischen dem Jubilar und seinen Kollegen. Damit waren die offiziellen Reden beendet. Null begann das Festkonzert, dessen einzelne Nummern, sorgfältig gewählt, auf bedeutenden künstlerischen Werth Anspruch erheben durften. Die Kouzertsängerin Fräulein Frieda Levy eröfsnete die Reihe der Vorträge. Das Publikum spendete der trefflichen Sängerin wohlverdienten, lebhaften Beifall. Der 13 jährige Pianist Felix Hirsch legte neue Beweise seines Talentes und seiner frühzeitigen Reife ab. Der jugendliche Künstler macht seinem Lehrer Herrn S. Herz, Lehrer am hiesigen Konservatorium, große Ehre. Herrn Kantor E. Cohn, dem Kollegeil des Jubilars gelang es, sich mit seinem schönen volltönenden Bariton in alle Herzen hineiuzusingen. Es war eine echt künstlerische Darbietung. Wie herkömmlich bei Festen der Gemeinde, so hatte sich der Kölner Mannergesangverein „Liederhalle", Dirigent Herr S. Herz, wieder ill den Dienst der Sache gestellt. Fräulein Anna Weinberg ans Aachen, deren Bekanntschaft wir nun machten, ist eine Violinvirtnosin voll hervorragender Bedeutung; sie weiß ihre Vorträge mit einem solch künstlerischen Reiz anszustatten. daß die euthusiaslnirten Zuhörer nicht eher ruhten, bis sich die Künstlerin zu einer Zugabe verstanden hatte. Die Künstlerin wird in Köln nach diesem Debüt jederzeit die freundlichste Aufnahme finden. Und wieder gingen die Wogell des Beifalls hoch, als die Tochter des Jubilars, Opernsängerin Fräulein Olga Blumenthal vom Stadttheater in Koblenz, das Podium betrat und mit ihrem schönen, vollen, in allen Lagen gleichmäßig ausgeglichenen Alt die große Arie aus Meyerbeers Oper „Der Prophet" mit dramatischer Leidenschaft oortrug. Herr Opernsänger Hugo Israel brachte mit seinen das heitere Genre mit Glück und Erfolg vertretenden Gesangsvorträgen, Arie ans Lortzings „Waffenschmied" und einem Rhein- und Weinliede von Nies willkommene Abwechselung in das Programm. Nach der Panse sang Fräulein Frieda Levy zwei allerliebste Lieder mit obligater Violinbegleitung, welche Fräulein Weinberg übernommen hatte. Es folgten nun heitere Orchestervorträge, abwechselnd mit gemeinschastlichen Liedern, verfaßt voll Frau Laz, Frohweiu und Hermann Moses, die bald die glücklichste Stimmung hervorbrachteu. Und schließlich bekam die Jugend auch noch das ersehnte Tänzchen, das nun einmal bei den Kölner Festen den selbstverständlichen Abschluß bildet. lieber den wohlgelungenen Verlauf des Festes herrschte nur eine Stimme höchster Befriedigung. Zu einer sehr gemüthlichen Nachfeier folgten die engeren Freunde des Jubilars am Abend des nächsten Tages einer Einladung desselben ill sein Haus, wo bei vortrefflicher Bewirthung, Red eil und Liedern die Stunden gar zu schnell entflohen und noch manches Glas aus das

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