Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1901)
- Date
- 1901-07-05
- Page
- Seite 315 (sequence 5)
- Language
- German
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315 in, 8. Juli. Negierung I die ultraersprechende 4aul zu ent- >e. angs in der t'e, daß dort wumm ihres all und für?sse au einem igeu der verlterricht alles pfleget!, was so muß die emeiuschaften liedeuer Kondas nicht nur n s s ch u l e u, deru anderer II ll t e r s ch e i - sie in den ücksichtnahme lß außer Acht;in der Schule cht an weiten 's ch i ed eu er h und Pfliä)t beu und das z der Jugend lser Volk auf he Negierung llte, die sorgwird." en liberalen Versöhnung nten finden h sei". r vermal >em preußimitgecheilt Tragung die Synaerhält. Es Petzes vom )en, welche eillng von irdenllichen rband, der Lasten nach inden urnzen in den : Vorschrift rüg imrerinteressant, e, wie sich sprucb der Die Ausländer frage an unseren technischen Hochschulen ist ein Thema, das antisemitische Blätter namentlich im Sommer gern in den.Vordergrund der öffentlichen Erörterung stellen. Und doch hat an der Technischen Hochschule zu Charlottenburg die Zahl der Ausländer nicht unerheblich abgenommen; denn nach dem letzten, aus dem Sommerhalbjahr 1900 stammenden Bericht.'gab es unter 4053 Studirenden im Ganzen nur 277 Ausländer. Trotzdem wendet sich Professor Riedlerauch noch gegen diese Zugabe von Ausländern. In einem Druckheft: „Unsere Hochschulen und die Anforderungen des 20. Jahrhunderts" sagt er von einem Theil dieser Ausländer: „Es ist nicht Aufgabe unserer Hochschulen, die Kulturarbeit bei den Jünglingen aus Halbasien von Grund aus zu beginnen, zu Nutz und Frommen des Auslandes!" Ferner erklärt er, daß diese „östlichen" Elemente ein anderes und unfeineres Empfinden hätten als die deutschen Studenten, und daß sie deshalb gute deutsche Elemente abstoßen mußten. Man erstaunt über diesen Angriff; wenn man zunächst erfährt, daß die Zahl der jüdischen Studirenden an der technischen Hochschule seit Errichtung des Polytechnikums in Warschau erheblich ab genommen hat, ist die Klage absolut gegenstandslos geworden. Aber auch an sich wäre diese nur zum Theil berechtigt. Wenn jene Studirenden nicht das geforderte Maß von Vorbildung befaßen, so brauchte man sie nicht aufzuuehmen. Im Uebrigen haben sie sicher durch Fleiß und Eifer manche andere, weniger angenehme Eigenschaft ersetzt und viele Kommilitonen überflügelt, lieber das andere und unfeinere Empfinden der „östlichen Jünglinge" wollen wir mit Herrn Riedler nicht streiten. Es ließe sich darauf manches antworten. Aber es ist kaum nöthig für die, die der Frage objektiv gegenüberstehen, und sicher unnütz für solche, welche mit dem ganzen Vorurtheil des Jahrhunderts an dieselbe herantreteu. Die Ergebnisse der letzten französischen Volkszählung machen auf alle Patrioten einen tiefen Eindruck. Die Einwohnerzahl ist in allen Departements, mit alleiniger Ausnahme derjenigen, die Großstädte enthalten, zurückgegangen. Die Vermehrung in diesen ist wahrscheinlich nur auf Rechnung der ausländischen Einwanderung zu setzen. Man sieht schon die Zeit Heranrücken, in der Frankreich unter allen europäischen Mächten den tiefsten Rang einnehmen wird. Unter diesen Umständen ist es mehr als erbärmlich, wenn die jüdischen Antisemiten des „Matin" die Einwanderung deutscher Juden vnn Gegenstand ihrer häßlichen Angriffe machen. Nicht einmal vie französischen Antisemiten wagen jetzt noch die starke Judeninwanderung zu beklagen, da die Aussichten Frankreichs so düster sind, und es nicht einzusehen ist, wie es seinem Schicksal mtrinneu soll, das es nun einmal zum Verluste seines 'hemaligen Ranges unter den Mächten verurtheilt. Jenen Antisemiten aber, in Frankreich so gut wie in England und Deutschland, hat der Ministerpräsident Waldeck- Nousseau selbst die beste Antwort gegeben, indem er auf inen diesbezüglichen Antrag in der Kammer sagte: Es sei unmöglich, die Ausländer in Frankreich einer besonderen Behandlung zu unterwerfen. Durch das Gesetz sei sür die Erfordernisse der nationalen Sicherheit Vorsorge getroffen. Feindseligkeit gegen das Element der Ausländer sei ein Gefühl, das inenl anderen Zeitalter angeböre. Der Austausch arbeitsamer Kräfte habe keine Beschränkung, kenne auch keine Landesgrenze. Diese Worte fanden in der Kammer allgemeinen Beifall. * Die .Ievvi'8li LotomLation ^ssoeirckion hat am 16. v. M. iu Paris ihre ordentliche Generalversammlung abgehalten. Der aus diesem Anlaß herausgegebene Jahresbericht liegt uns vor, und wir entnehmen demselben mit aufrichtiger Genugthnung, daß der Wirkungskreis dieser Gesellschaft sich immer mehr erweitert, und daß sie, unbeirrt von allen Tagesströmungen und Angriffen, ihr großes Ziel energisch verfolgt. Der Haupttheil des Berichts beschäftigt sich mit Argentinien, wo ja auch die Kolonien des sel. Baron Hirsch sich befinden. Aber auch auf Palästina erstreckt sich jetzt die Fürsorge der Gesellschaft. Ebenso auf Nordamerika, auf Kanada, Cyperu, auf Kleinasien, Rußland, Rumänien und Galizien. Ueberall konnte die Gesellschaft helfend eintreten, um die Lage unserer Glaubensgenossen in den verschiedenen Ländern der Welt zu verbessern. Wir werden in der nächsten Nummer ein ausführliches Bild dieses großangelegten Hilsswerks geben und begnügen uns für heute nur, den erfreulichen Eindruck zu konstatiren, den die planvolle und ernste Arbeit der 4. 0. auch im abgelaufenen Jahre auf jeden objektiven Betrachter Hervorrufen muß. Der neue Generalgouverneur von Algier, Revoil, hat bei der Einführung in sein Amt natürlich auch die israelitischen Konsistorien des Landes empfangen. Der Sprecher der Deputation gab in seiner Ansprache dem Generalgouverneur die Zusicherung der Vaterlandsliebe der Israeliten und sagte, die Juden rechneten darauf, daß unter Ravoil die Streitigkeiten auf religiösem Gebiet ein Ende nehmen würden. Revoil betonte in seiner Erwiederung, seine Aufgabe werde darin bestehen, für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenfreundlichkeit zu sorgen, er werde die Achtung vor dem Eigenthum und der Ordnung sicherstellen. Diese Versicherung ist unstreitig sehrschön und würdig; aber ungefähr mit denselben Worten haben die früheren Generalgouvernenre, welche nach Algier gekommen waren, dasselbe gesagt. Es ist nur zu wünschen, daß es Herrn Rrwoil besser gelingen möchte, seinen Worten Nachdruck zu verschaffen und dem Lande endlich den Frieden zu geben, den es so heiß ersehnt. Etwas macht sich das neue Regiment allerdings schon fühlbar, denn bei den Generalrathswahlen haben die Antisemiten große Schlappen erlitten. Aer Student und der Antisemitismus. Von Richard Treitel, ernich,jnr. in Sonntag zu schwüler Mittagsstunde lud der Centralverein der Staatsbürger jüdischen Glaubens die Stu» deuten in die Schlaraffia, um sie dort zur Mitarbeit für die Zwecke des Vereins zu erwecken. Hoffentlich hat der Verein nicht die Absicht, die dort geäußerten Meinungen schlechthin als die der Studentenschaft hinzunehmen. Worüber stritt man dort? Ueber das Thema? Weit gefehlt! Sprach man vom Antisemitismus? Auch kaum. Die einzelnen Parteien bewarfen sich mit unschicklichen Redensarten. Nichts weiter. Meiner Meinung nach erwirbt sich die zionistische Ortsgruppe kein sonderlich hoch zu veranschlagendes Verdienst mit ihrer Absicht, die unerfreulichen Debatten in einer neuen Versammlung sich weiter entspinnen zu lassen. Bei der Animosität der einzelnen Gruppen wird eine Einigung nicht zu erzielen sein.