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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-06-28 · Heft 26 (28.6.1901) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 26 (28.6.1901)
Date
1901-06-28
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Bei der hierauf folgenden Vorstandswahl wurden die Herren Geh. Sanitätsrath Dr. Blnrnenthal. Direktor Dr. M. Holznran, Dr. med. L. Feilchenseld, Dr. Gustav Karpeles, Geh. Rath Hausrnarli:, Stadt. Lehrer Hanfs wiedergewählt. Herr Rechtsanwalt Magnus als Vorstandsmitglied, die Herren Siegfried Sachs und Kirschstein als Stellvertreter nengewählt. Nunmehr begann die Berathnng behufs Revision der Statuten, deren letzte Fassung ans dem Jahre 1876 herrührt. Der 8 1 erhielt nach längerer Berathnng die von Herrn Dr. Holzman vorgeschlagene Fassung: „Der Jüdische Studienbesörderungsverein hat den Zweck, jungen Leuten die allgemeine wissenschaftliche Ausbildung zu ermöglichen, insbesondere sie in den Stand zu setzen, sich zu Rabbinern oder Lehrern auszubilden." Mit dieser Fassung des 8 1 verbleibt der Verein auch ferner aus dem historischen Grunde, auf dem er vor mehr als einem halben Jahrhundert anfgerichtet wurde. Allein scholl deshalb, noch mehr aber seines Bildnngszweckes wegen verdient er die wärmste Unterstützung und Förderung aller Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Berlin. Dieser Verein mutzte nicht bloß hundert, sondern mehr als tausend Mitglieder in einer Gemeinde haben, deren größter Ruhm die allgemeine Intelligenz und das eifrige Bildungsstreben seit mehr als einem Jahrhundert ist. Es ist mit Bestimmtheit zu erhoffen, daß die Propaganda, welche der Vorstand dieses Vereins im Herbst beginnen will, um dem Verein neue Mitglieder und dadurch größere Mittel zuzuführen. voll großem Erfolg begleitet sein werde. Erst dann wird der „Indische Studienbefördernngsvereiu" ans Grundlage des neuen Statuts eine umfassende und wahrhaft gedeihliche Wirksamkeit ausnben können. Die Geschichte des Vereins lehrt uns. das; hervorragende jüdische "Aerzte. Professoren, Rabbiner u. s. w. durch die Unterstützung desselben ihr Studium beginnen und zu Ende sichren konnten. Scholl diese eine Thatsache dürfte ausreichen, um dem „Jüdischer! Studienbesördernngsverein" zu den bewährten eine große Schaar neuer Freunde znznsühren. L2 Berlin, 23. Juni. Das Statistische Jahrbuch des Deutsch-Israelitisch eil G em e ind ebun de s, ein stattlicher Band vor: 250 Seiten, gut und praktisch ausgestattet, ist soeben erschienen und erweist sich bei gellauerer Prüfung als eine eminente Leistung des Büreaus D. I. G. B. Den Hauptbestandtheil bildet das sorgfältig ausgearbeitete Verzeichllitz der Gemeinden mit Seelenzahl, Rabbinern, Vorstehern. Beamten, Vereinen und sonstigen Daten. Dann folgen statistische Tabellen, betreffend die Betheiligung der Inden am höheren Schulwesen Preußens und die Beihilfe aus öffentlichen Fonds zu den Schnlkosten der jüdischen Gemeinden. Der zweite Theil umfaßt die Behörden. Verbände, öffentlichen Schulen mit Religionsunterricht (höhere und niedere), Vereine für Volksbildung, Stipendienstiftungen, Bibliotheken. Litteratncvereine, jüdische höhere Schulen, Seminare, Vereine und Stipendien von und für Beamten, zur Beförderung von Handwerk, Arbeitsnachweis, des weiblichen Geschlechts, für Krankenpflegerinnen Waisen- und Erziehungshäuser, Altersversorgungs-Anstalten und Asyle, Kranken- und Siechenhäuser. Logen. Bettelvereine, Gemeinden mit Jugendgottesdienst, mit Orgel. Zeitungen, Pensionate, Bädersynagvgen. Buchhandlungen. Der dritte Theil enthält wichtige neue Entscheidungen und Verordnungen von Behörden. Für die statistischen Daten sind zum Theil bereits die Ergebnisse der letzten Volkszählung verwerthet worden. Ganz besonders verdienstlich ist die von Herrn Oberlehrer Dr. Schäfer ausgestellte Tabelle über die Betheiligung der Juden am höheren Schulwesen Preußens. Das Jahrbuch ist für Jeden, der sich irgendwie mit jüdischen Angelegenheiten zu befassen hat, ein geradezu unentbehrliches Hilfsnnd Nachschlagebuch. Der Preis von zwei Mark ist bei der Höhe der Herstellungskosten und dem Umfang des Bandes ein sehr geringer. Berlin, 23. Juni. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt ihre letzte Sitzung vor den Ferien am 15. ds. Mts. unter dem Vorsitze des Herrn Auerbach ab. Dr Fiegel hielt einen Vortrag: „Einige Bemerkungen über den Unterricht in der nachbiblischen jüdischen Geschichte" in dem er sich für dieses Mal auf den Nachweis der Nothwendigkeit dieses Unterrichtsgegenstandes beschränkte und davon ausging, daß unter jüdischer Geschichte nach dem allgemeinen Sprachgebrauch die Darstellung aller Thaten und Ereignisse aus allen Gebieten jüdischen Lebens bis in die Gegenwart hinein verstanden werde, woseru sie von jüdischen: Geiste getragen sind. Die Kenntniß dieser Geschichte sei für das erwachsene Geschlecht nothwendig, damit der Jndifferentismus in religiösen Dingen überwunden werde. Der Grund zu dieser Kenntniß müsse aber scholl in der Jugend gelegt Werder:, wenn das Interesse für diesen Gegenstand später wachgehalten werden solle. Aber auch für die Kinder selbst sei der Unterricht nothwendig, damit sie sich des Zusammenhangs mit den früheren Geschlechtern bewußt werden, damit sie schon zeitig mit der Bedeutung der Werke bekannt gemacht werden, die heutzutage den Gegnern als Angriffspunkte dienen, nnd damit sie erkennen, daß Juden auch unter den ungünstigsten Verhältnissen zur Förderung der Kultur beigetragen haben. Ganz besonders sei es der pädagogische Werth der Geschichte, der die Kenntniß derselben als ein nothwendiges Ersorderniß erscheinen lasse. Kein Volk habe eine so lang dauernde Geschichte aufzuweisen wie das jüdische, da es zu einer Zeit, wo die übriger: Kulturvölker noch nicht aus dem Dunkel der Geschichte herausgetreter: seien, so erhabene Gestalten wie die Propheten hervorgebracht, da es unter Verhältnissen, unter denen andere Völker unfehlbar abgestorben wären, eine Lebenskraft nnd Widerstandsfähigkeit gezeigt, die nur dadurch erklärt werden könne, daß Israel eine Idee vertritt, die Idee des Rechts und der Wahrheit. Um diese Idee durch die ganze Menschheit zu Verbreiter:, sei Israel von Gott erhalten worden. Darum biete die Geschichte der Inder: ein wunderbares Beispiel für die göttliche Vorsehung und sei geeignet, das Vertrauen ans Gott nnd den Glauben an die göttliche Vorsehung zu erwecken. So sei die jüdische Geschichte in: Allgemeinen ein würdiger Gegenstand, der die Herzen der Kinder für den Glauben gewinne. Anderseits weise sie in: Besonderu eine Frille von Persönlichkeiten auf, die sich auf den meisten Gebieten des Könnens und Wissens hervorgethan und dadurch das Interesse der Kinder in Anspruch nehmen, zumal ans geistigem Gebiet. Durch die jüdische Geschichte lernten die Kinder die Träger der religiösen Entwickelung kennen, sie kämen zum Bewußtsein, daß die jüdische Religion nichts Starres, sondern etwas Lebendiges sei. Durch diese Erkenntlich werde das religiöse Empfinden gestärkt, das noch erhöht werde, wenn die Kinder die herrlichen Erzeugnisse der religiösen Poesie in sich anfnehmen. Diese Kenntniß der bedeutenden Persönlichkeiten der jüdischer: Geschichte bewirke, daß die Kinder mit Stolz auf ihre Vorfahren blicken nnd sich mit inniger Liebe zu ihnen erfüllen. Die Liebe werde aber noch intensiver, wenn die Kinder erfahren, welches Martyrium die Vorfahren durchgeniacht Haber:, und wie sie freudig in der: Tod gegangen, in der Ueberzengung, daß sie für die Wahrheit litten. Diese Beispiele von Ueberzengnngstrene, von Standhaftigkeit im Glauben und von unvergleichlicher Hingabe an die Idee der Wahrheit sprächen in weit eindringlicherer Weise zu den Herzen der Kinder, als es alle Unterweisungen vermöchten. Indem nun die Kinder Hochachtung vor ihren Ahnen empfinden, würden sie sich bestreben, gleich ihren Vätern in den Augen der Nachwelt geachtet dazustehen, und sie würden so handeln, daß sie sich selbst zu achten vermöchte!:. Selbstachtung und Selbstgefühl thäten uns aber in der heutigen Zeit dringend noth. Aus aller: diesen Gründen müsse er die Nothwendigkeit des Unterrichts in der jüdischen Geschichte entschieden bejahen. — Reicher Beifall folgte den Ausführungen des Vortragenden. — Vor Eintritt in die Diskussion lenkte Kollege Hauff die Aufmerksamkeit der Mitglieder auf die Angriffe, die von Seiten der Unterstützungskasse des Vereins jüdischer Lehrer für Schlesien und Posen und des westpreußische:: Lehrervereius aus die Verbandspeusionskasse gerichtet worden seien und wies Schritt für Schritt die Oberflächlichkeit ihrer Ausführungen und die Haltlosigkeit der erhobenen Vorwürfe nach. Direkt auf Unkeuntuib der Statute:: beruhe die Behauptung, daß Mitglieder der Provinzialkaffen von der Aufnahme in die Verbandskasse ausgeschlossen seien. — Auch diesen Ausführungen stimmte die Versammlung bei. In der Diskussion traten alle Redner dem Vortragenden bei und erklärten ihre Nebereinstittunuug mit den von Diesen: ausgestellten Thesen. Ans Vorschlag des Kollege:: Hauff wurden die Thesen en bloa angenommen, mit der Modifikation, daß der Vortragende zusammen mit den Kolleger: Falkenberg nnd Tichauer Prüfen möge, ob vielleicht an der einen oder anderer: Stelle eine redaktionelle Aenderung einzelner Ausdrücke wünschenswerth erscheine. Potsdam, 24. Juni. Das Verbot des Schächtens, das von unserer Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde, ist von: Magistrat bekanntlich abgelehnt worden. Es heißt in der Begründung: „Wie irn gegebenen Falle die Anregung zu dem Beschlüsse durch deu Thierschutzverein erfolgt ist, so ist auch der Reichstag wiederholentlich in ganz ausgedehnter Weise in: Jahre 1887 auf Grund von Petitionen des Verbandes der deutschen Thierschutzvereine mit der Frage

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