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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-06-28 · Heft 26 (28.6.1901) · p. Seite 303

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 26 (28.6.1901)
Date
1901-06-28
Page
Seite 303 (sequence 5)
Language
German
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303 Hierzu bemerkt schließlich das „Berliner Tageblatt": „Dem gegenüber können wir ans ganz authentischer unansechtborer Quelle über die vom Kaiser Herrn Direktor^ Ballin gezollte Anerkennung seiner Leistungen Folgendes mitthellen: Der Kaiser hat Herrn Ballin allerdings niemals ein Neichsamt oder Ministerium zugedacht oder zu ihm von einer derartigen Absicht gesprochen, dagegen hat er ihm den Adel a «geboten. Als Herr Ballin diese Ehrung unter Geltendmachung verschiedener Gründe ablehnte, die aber der Kaiser sännntlich als hinsättig zurückwies, rückte Herr Ballin endlich mit dem Argument heraus, daß er Jude sei. Daraus that dann der Kaiser die Aeußerung, es sei dies kein Hin de r u n gs g run d, nahm indessen von seiner Absicht Abstand und verlieh Herrn Ballin die hohe Ordensauszeichnung. Das ist der wirkliche Hergang der Sache." Damit verlieren auch alle hämischen Bemerkungen, die die antisemitischen Blätter au die Auszeichnung des „neuen Joseph" knüpfen, jede Bedeutung. Unter der Ueberschrift „Jüdische Bauern" schreibt die „Korrespondenz des Bundes der Landwirthe": Wenn es auch heute schon verschiedene reiche Juden giebt, die sich zur Verbesserung ihrer sozialen Stellung den Luxus eines Rittergutes geleistet haben, so giebt es mit nnr ganz vereinzelten Ausnahmen keine Inden als ausübende Landwirthe. Diese Thatsache findet ihre Erklärung darin, daß der Jude jede Arbeit scheut, die erstens mit körperlicher Anstrengung verbunden ist, und die zweitens so wenig lohnend ist wie die landwirthschaflliche. Jüdische Bauern sind nicht so vereinzelte Ausnahmen, wie die Bundeskorrespondenz anninunt. Beispielsweise besteht fast die Hälfte der Bevölkerung des großen Birkenfeldschen Dorfes Hoppstetten aus Juden, und diese stehen ihren katholischen Mitbürgern an Fleiß und Arbeitsamkeit in nichts nach. Auch wird mail von den jüdischen Handwerkern Oberschl^siens nicht sagen dürfen, daß sie Arbeiten scheuen, die mit körperlichen Anstrengungen verbunden sind. Die Statistik, die der Verein für Bodenkultur herauszugeben beabsichtigt, dürfte die Herren eines Bessern belehren. Im Uebrigen ist es doch wahrlich weniger die Schuld der Juden als ihrer agrarischen Gegner, wenn sie keinen höhern Prozentsatz zu der Landwirthschaft liefern. In einer besonders üblen Lage befinden sich die jüdischen Handwerker in Rumänien. Sie werden von allen Seiten bedrängt und zurückgesetzt. Aus Bukarest und aus Jassy kommen darüber höchst merkwürdige Berichte. Selbst die eigenen Glauberisgenossen bevorzugen fremde Arbeiter, und wenn es wahr ist, daß mau den Bau einer Schule der Alliance an einen Italiener vergeben hat, welcher keine jüdischer: Arbeiter anstellen will, so muß vor: maßgebender Seite schleunigst dagegen eingeschritten werden. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß sich die betreffenden Kreise gegen eine Korrespondenz der „Frankfurter Zeitung" mit Entrüstung wenden, in der gesagt wurde, daß die rumänischen Arbeiter ans Faulheit nicht arbeiten wollen und nur deshalb Lärm schlagen, damit man ihnen die Auswanderung ermögliche. Diese Ansicht muß entschieden bekämpft werden. Die jüdischen Arbeiter in Rumänien sind sehr fleißig. Sie arbeiten von Morgens 6 Uhr bis Abends 10 Uhr, eventuell noch länger, d. h. wenn Arbeit vorhanden ist. Der Minister Carp hat selbst den Fleiß der jüdischen Arbeiter in einer Kammerdebatte hervorgehoben und den Rumänen als Muster vorgeführt. Die jüdischen Arbeiter in Rumänien stehen den deutschen ganz und gar nicht nach. Sie liefern zu den schwersten Handwerken ein größeres Kontingent als die deutschen. Es sind dort viele Maurer, Schlosser, Zimmerleute, Tischler, Faßbinder, Klempner, Schneider, Schuster, Gerber u. s. w., und wenn diese jetzt auswandern wollen, so geschieht dies nicht aus Trägheit oder Wanderlust, sondern es ist eine Folge der ökonomischen Zustände im Lande selbst, wo es jetzt keine Bauten oder sonstige Arbeiter: giebt. Hätten sie in Rumänien nur irgend welche ausreichende Beschäftigung, so würden sie ihr Vaterland nicht verlassen. Diejenigen, welche ausgewandert sind, haben in ihren neuen Wohnorten, wo sie Beschäftigung gefunden haben, ihr gutes Auskommen nnd arbeiten dort zur vollen Zufriedenheit ihrer Auftraggeber. Es ist deshalb nothwendig. die falschen Vorstellungen, die durch jene Korrespondenz erregt werden könnten, den Thatsachen entsprechend zu berichtigen. 4 Wie wir bereits in der voriger: Nummer gemeldet, hat am 17. d. M. ii: Pari s eine Konferenz der hervorragendsten israelitischer: Hilfsvereine in Angelegenheit der rumänischer: Judenfrage stattgefnnden. Anwesend waren Vertreter der Alliance und der Jewish Kolonisation ans Paris, sowie verschiedene Herren aus London. Berlin, Köln, Frankfurt a. M., Hannover, Budapest und Wien. Das Bureau war folgendermaßen zusammengesetzt: Narciß Leven, Präsident, Claude Montefiore, Vizepräsident, Rechtsanwalt Plotke, Dr. Wahrmann, B. Deutsch de Hatvan, M. I. Bigart, Schriftführer. Diese Konferenz hat wie man uns von dort schreibt, folgende Resolution gefaßt: Die am 17. Juni 1901 in Paris versammelte Konferenz hatKenntniß genommen von zahlreichen Berichten, welche den großen Nothstand der rumänischen Israeliten unter dem doppelten Einfluß der beschränkenden Gesetze und der das Land bedrückenden ökonomischen Krisis bezeugen. Verschiedene Vorschläge, die darauf Hinzielen, diesem großen Elend zu steuern, wnrden geprüft nnd berathen, namentlich soweit sie sich auf das bereits bestehende Hilfswerk beziehen, auf die Volksküchen, auf die Begründung von Arbeitsstätten, Darlehnskassen u. s. w. Es wurde beschlossen, diese Institutionen, welche große Dienste geleistet haben in einer Krisis, deren Ende noch nicht abzusehen ist, zu erhalten und anszubauen und einen neuen Aufruf an die jüdische Wohllhätigkeit zur Ausführung dieses Hilfswerks zu richten. Wir begrüßen diesen Beschluß mit herzlicher Freude und wollen nur wünsche::, daß der Appell an den Wohlthätigkeitssinn aller Menschenfreunde ein recht erfolgreicher sein möge. ö Auch in Frankreich giebt es jüdische Antisemiten, ja, dort noch mehr als anderswo. Bei Gelegenheit einer Preßpolemik gegen den übelberüchtigten „Matin" haben einige junge Rechtsanwälte es für würdig und angemessen befunden, an dieses Blatt längere Briefe zu richten, um ihren Glauben und ihre Glaubensgenossen darin zu verleugnen. Die Sache hat in Paris Ziemliches Aussehen erregt, und ein unbefangener französischer Schriftsteller wie Francis de Pressenso schreibt darüber in der „Anrore" folgendermaßen: „Man sieht Juden, die, erschrocken über die Fortschritte des Antisemitismus, nicht daran denken, für die Gleichheit des Rechts und den Sieg der Regierung zu kämpfen, sondern sich an die Drumonts und Gnerins herandrängen und ihre Brüder von der unglücklichen Rasse preisgeben. Wir sprechen nicht etwa von den Verräthern ü Ir: Meyer oder Pollonnais, diesem Answurf beider Parteien, de:: Knechten der Peiniger ihres Stammes. Wir haben die Originalbriefe selbst gelesen

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