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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-06-21 · Heft 25 (21.6.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 25 (21.6.1901)
Date
1901-06-21
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 in die kühle Erde gebettet worden uud an seinem Grabe eine gänzlich unversorgte Wittwe mit zwei Kindern jammerte. Als für diesen Zweck geeignetste Kassen wurden die in Berlin und die in Breslau angeführt. Letztere habe den Vorzug, eine Nechtskasse zu sein. — Kollege Becker- Wollstein hatte die Bearbeitung des Vereinsthemas übernommen. Wie wir's von ihm nicht anders gewohnt sind, fand er reichen Beifall. Zn bedauern ist nur. daß der Antrag, die Thesen zu besprechen, die erforderliche Mehrheit der Versammlung nicht fand. — Der Bericht über das vom hannoverschen Lehrerverein bearbeitete Lesebuch für jüdische Schulen zeitigte in der Besprechung, obwohl der Referent Kollege Behle-Lissa. das Buch warm empfahl, den Beschluß, der Vorstand möge sich mit dem Verleger des Hirth'schen Lesebuchs in Verbindnug setzen, um von diesem eine geeignete Aptirung des Buches sür jüdische Schulen zu erlangen. -- Der geschichtliche Vortrag des Kollegen Herzberg-Bromberg war schon auf der Tagesordnung der vorjährigen Tagung; er hatte aber ausfalten müssen, weil Referent irr letzter Stunde all dem Besuche der Versammlung in Lissa behindert war. Dem Vorsitzenden schien es aber nützlich, einerseits um dem verdienten Schriftsteller Gelegenheit zu geben, seine mühevolle Arbeit vorzutragen. anderseits der Versammlung Gelegenheit zu bieten, die interessanten Ausführungell anzuhöreu, den Vortrag diesmal wieder ans die Tagesordnung zu setzen. Der Erfolg gab ihm Recht. Die Arbeit gefiel so außerordentlich, daß Referent gebeten wurde, diesem Vortrage ans der nächsten Versammlung eine Fortsetzung folgen zu lassen.—Der null folgende Gegenstand: „Unser nächster Verbandstag" gab Anlaß zu langen Debatten, welche damit endeten, daß die Versammlung es vertrauensvoll dem Vorsitzenden überläßt, die Angelegenheit in der ihm passend erscheinenden Weise zu ordnen. Auch in der Angelegenheit, betreffend Aenderung des K 3 der Verbandssatzungeu, brachte die Versammlung ihrem Leiter ein selten vorkommendes Vertrauen entgegen, indem sie die beantragten Aenderungen nach wenigen Worten der Begründung durch den Antragsteller und der Erklärung durch den Vorsitzenden einstimmig annahm. — Die nächste Versammlung soll in Bromberg abgehalten werden. -- Die Gemeinde Güssen hat sich selbst geehrt, indem sie die Lehrerversammlung so entgegenkommend behandelte und ihr noch einen angenehmen Abend feiern half. K-rngs-orff-Jastrzemb, 17. Juni. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Kiuderhei lstätte hat die in unmittelbarer Nähe des Kurparks anmuthsvoll gelegene Villa Bremen käuflich erworben und beabsichtigt, dieselbe den Ansprüchen der modernen Gesundheitspflege entsprechend anszugestalten und zur Erweiterung der Kinder- Heilstätte zu verwenden. Der Vorsitzende der Anstalt, Herr Dr. Münz aus Gleiwitz, hat bereits zu diesem Zwecke mit anderen Herren des Vorstandes die Baulichkeiten persönlich in Augenschein genommen, um die Neueinrichtung und die sonstigen Veränderungen in die rechten Wege zu leiten. N. Hamburg, 11. Juni. Der Vandalismus ans dem Friedhof d er Israel itischen Gemeinde in Wandsbek hat jetzt seine gerichtliche Sühne gesunden. Der Bürstenfabrikant Ehrich war angektagt, am 26. November v. I. vorsätzlich 21 Grabsteine aus dem Friedhof theils zerbrochen, theils nmgeworfen zu haben. Die Haushälterin Schulte entlastete in der Voruntersuchung den Angeklagten und beeidigte ihre Aussage; später machte die Schulte ein Geständniß, daß Ehrich der Thäter sei. sie habe fälschlich zu Gunstell des Ehrich allsgesagt, weil sie sich vor demselben gefürchtet habe. Die Schulte erhielt wegen wissentlichen Meineides 1^ Jahre Zuchthaus. Bei der gestrigen Vernehmung bestritt Ehrich wieder jegliche Schuld. Die aus dem Zuchthaus vorgesührte Zeugin bekundet jedoch, daß der Angeklagte nach Hanse gekommen sei und gesagt habe: „Den Inden Hobe ich es aber ordentlich cm gestrichen." Nach geschlossener Beweisaufnahme war der Staatsanwalt von der Schuld des Angeklagten vollständig überzeugt, er bezeichnet^ seine Handlungsweise als eine überaus niedrige und gesinnungslose, durch die feige und rohe That seien unsere jüdischen Mitbürger in ihren heiligstell Empfindungen gekränkt worden. Das Verbrechen verlange eine schwere Sühne, er beantrage ein Jahr Gefängniß und sofortige Verhaftung des Angeklagten. Nach kurzer Berathung erkannte der Gerichtshof nach dem Antrag des Staatsanwalts; in der Begründung des Urtheils wurde hervorgehoben, daß durch das Leugnen des Allgeklagten die Haushälterin in das Zuchthaus gekommen sei. Mit Rücksicht aus die Höhe der Strafe, und da Fluchtverdacht vorliegt, wurde der Verurtheilte sofort in Haft abgeführt. ck 4» Hamburg, 3. Juni. Am 7. v. M. hat die zweite Generalversammlung des Vereins zur F örderung ritueller Speisehäuser. Sitz in Hamburg, stattgesunden. Die Tagesordnung bestand ans folgendeil Punkten: 1. Berichterstattung, 2. Wahl sür die statutenmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder, 3. Kassabericht, 4. Wahl der Revisoren. Aus Vorlesung des gedruckt vorliegenden Jahresberichts wurde allseitig verzichtet; per Akklamation wurden die ansscheidenden Mitglieder und Revisoren wiedergewählt, das Kassagebahren von den Revisoren als richtig anerkannt. Ans dem Jahresbericht ersehen wir, daß der Verein ans ansehnliche Erfolge zurückblicken kann. Unter dem Protektorate desselben stehen 24 große Hotels in Städten und Bädern, und die anderen werden hoffentlich bald Nachfolgen. Die Einnahmen betrugen im Vorjahre Mark 3395.26, die Ausgaben Mark 1450.62. Wir wünschen dem Verein auch ferner die besten Erfolge. BochMN, 10. Juni. Anläßlich des 25jährigen Bestehens des S h na g og e nch o re s feierte die hiesige israelitische Gemeinde am 1. d. M. eill großes Fest. Vormittags fand in der schon geschmückten Synagoge ein Festgottesdienst statt, in welchen! der seil mehr als 20 Jahren unter der bewährten Leitung des Herrn Menzel bestehende Chor bedeutende Tonschöpfungell zu Gehör brachte. Herr Rabbiner Dr. David hielt eine nach Form und Inhalt gleich vorzügliche Fest- Predigt. Nachmittags versammelten sich zahlreiche Gemeindeglieder zu einem Festessen im Stadttheater, wobei Herr Dr. David den Kaisertoast ausbrachte. Am Abend fand in den Sälen desselben Lokals eine Festlichkeit statt, an der sich die ganze Gemeinde betheiligte. Der Chor erfreute die Anwesenden durch wohlgelungene musikalische und theatralische Aufführungen. Ein glänzender Ball bildete den Schluß. t. Foorlkfur't a. M , 17. Juni. Die an Zahl und Werken überaus reiche Hebraica- und I ud a ic a-Sa m m ln n g der Frankfurter S t adtbi bl i o th e k hat. wie uns der Direktor der letzteren, Herr Professor Dr. Ebrard, mittheilt, soeben durch die Liberalität der Wittwe des verstorbenen Barons Wilhelm Carl v. Rothschild. Frau Freifrau Mathilde v. Rothschild, eine neue höchst werthvotte Bereicherung erhalten. Es wurde dem Institut gestattet, ans der vom Verstorbenen mit Sachkenntniß gesammelten Bibliothek alle Werke auszuwählen, deren Besitz ihm wünschenswerth erschien. Unter den etwa 800 Werken, welche die Stadtbibliothek auf diese Weise erhielt, befindet sich eine größere Anzahl von hebräischen Inkunabeln, worunter mehrere aus Pergament; überhaupt zählt man im Ganzen 16 Pergamentdrucke. Eine große Bereicherung findet insbesondere der schon durch die Schenkung der Bibliothek Berliner bedeutende Bestand an Ritualien, von denen einzelne Unika sind, andere sich außerdem nur noch im Britischen Museum in London befinden. Die Bibliothek ist im trefflichen Erhaltungszustand: eine Reihe kunstvoller Einbände wird eine Zierde der Stadtbibliothek bilden. Die Schenkung, mit welcher sich die Stiftern» ein großes Verdienst um die Wissenschaft und um unsere Stadt erworben hat. ist von der Stadtbibliothek bereits übernommen und wird daselbst als „Freiherrlich Wilhelm Carl von Rothschild'sche Stiftung" zur Aufstellung gelangen. Oesterreich - Ungar«. LI Wien, 17. Juni. Der Kaiser hat auf seiner Reise in Böhmen überall jüdische Deputationen, Rabbiner und Kultusvorstände, hnldvollst empfangen. Vor dem Empfange der Repräsentanz der israelitischen Kultusgemeinde Prags wurde auf Anfrage des Präsidenten Dr. Rosenbacher von dem Hoskommissär erklärt, daß der Oberrabbiner mit den beiden Vertretern Dr. Rosenbacher und Dc. Bendiner unbedeckten Hauptes einzutreten haben, aber dann sofort ohne Anfrage das Haupt bedecken. Der Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, der imOrnat erschien, sprach den hebräischen Segenswunsch und fügte in deutscher Sprache hinzu: „Des Himmels reichster Segen ströme auf das geweihte Haupt Seiner Majestät! Amen." Der Kaiser verneigte sich huldvollst und dankte, worauf er sich an Dr. Rosenbacher mit der Frage wendete: „Sie sind der Vorsteher der Gemeinde? — Dr. Rosenbacher: Zn Befehl, Majestät, seit 12 Jahren. Ich hatte schon vor zehn Jahren vor Eurer Majestät die Huldigung unserer Gemeinde zu nberbringeu. — Kaiser: Ja, ich weiß. Es ist sehr verdienstvoll, daß Sie das Amt so lange führen- Die Gemeinde hat sich sehr vergrößert? — Dr. Nosenbacher: Nach der letzten Volkszählung zählte Prag 19 000, die Vororte 8000 Juden, sämmtlich treue Unterthanen Eurer Majestät. — Der Kaiser erwiderte huldvollst: „Das weiß ich, ich weiß, daß ich mich aus sie ver-

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