Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1901)
- Date
- 1901-06-21
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 In den nahegelegenen russischen Grenzbezirkeu sind angemessene und ausreichende Anstalten sür Krankenpflege nirgends vorhanden, die ärzliche Behandlung daselbst ist sehr theuer und für den Armen völlig unerschwiugbar. auch nicht an jedem Orte zn erlangen. So haben sich naturgemäß seit vielen Jahrzehnten die Unglücklichen daran gewöhnt, in Krankheitsfällen bei hiesigen Aerzten Math und Hilse zu suchen. Das neue, 1896 eröffnete Krankenhaus erhebt sich aus einen! Theile der früheren Festungswälle nahe dein Centrum der Stadt in gesunder. ruhiger, isolirter Lage und gewährt durch Anlegung entsprechender Baumpflanzungen einen überaus gefälligen und freundlichen Eindruck. In hygienischer Beziehung konnte man eine günstigere Baustelle nicht finden. Aber dasselbe genügt allen Anforderungen noch lange nicht, zumal da das Kuratorium bei unentgeltlicher Thätigkeit des Anstaltsarztes und großer Sparsamkeit mit einer jährlichen Ansgabesurnme von ca. 12 000 Mark zu 'rechnen hat. der nur ca. 2700 Mark Hypothekeuzinsen und etwa 1900 Mark feste Beiträge aus Memel als Einnahmen gegenüberstehen. Von der Erhebung von Wegegeldern muß sür die Zukunft Abstand genommen werden, weil die Kranken — die Aermften der Armen — zn jeder Zahlung außer Stande sind. So hängt denn die Existenz des Krankenhauses davon ab, daß die für dieses Jahr von auswärts zugegangenen Beiträge derAnstalt dauernd zufließen, denn das schon vorhandene Defizit, mit dem das Kuratorium die Verwaltung 1896 übernahm, ist von Jahr zu Jahr größer geworden, bis es gegen Ende des verflossenen Jahres auf über 5600 Mark gestiegen war. Da das Institut nur für die armen kranken Brüder und Schwestern aus den nahegelegeneu russischen Grenzbezirken bestimmt ist, die zur Unterhaltung des Hanfes erforderliche Summe nur durch die Opferwilligkeit unserer Gemeindeverwaltungen, wohlthätigen Vereinigungen und edelsinniger Männer aus Nah und Fern aufgebracht wurde, und der Fortbestand davon abhängt, daß nicht nur die bisherigen Wohlthäter in ihren! Wohlwollen verharren, sondern auch neue sich ihnen anschließen, so hoffen wir. daß der Appell des Kuratoriums bei uusereu Meuschensreuuden nicht uugehört verhallen wird. Dieses Kuratorium besteht aus den Herren Dr. E. Carlebach. S. Bloch. Max Cohn, Dr. Pindikowski, I. Schapiro, Landgerichtsrath Wechselmauu. Hr Königsberg i. Pr., 7. Juni. Den Bericht über die am 26. Dezember v. I. zu Königsberg stattgefnndeue 17. ordentliche Generalversammlung desVerb a u d e s de r S y n a g og e n g e m e i n d en Ostpreußens hat im Aufträge des Verbandes Waisenhansinspektor A. Peritz-Königsberg erstattet. Wir haben schon seiner Zeit einen längeren Bericht über die Lage des Verbandes gegeben und können uns deshalb heute mit einigen Nachträgen aus der lesenswerten Schrift des Herrn Peritz begnügen. Dem Geschäftsbericht des Verbandsvorsitzenden war zn entnehmen, daß sich der Verband im vorigen Jahre mit der Vorberathung zur Errichtung der so dringlich notwendigen Pensionskasse beschäftigt hatte. Daneben wendet er wie bisher sein Interesse zur Förderung des jüdischen Religionsunterrichts in der Provinz zu. Seit der letzten Versammlung wurden 33 Schulen von Verbandsgemeinden inspizirt. Der Verband unterstützte eine Anzahl armer Gemeinden behufs Anstellung eines Religionslehrers, nahm sich junger Leute an, die sich dem Lehrerstande widmen wollten, und bemühte sich, Kindern, die zerstreut auf dem Lande wohnen, Gelegenheit zum Religionsunterricht zu verschaffen. Der Verband subventionirte ferner noch gemeinnützige Institute in Ostpreußen und im Kreise, die der Judenschast Ostpreußens zu Nutze kommen. Von besonderem Interesse ist das Referat des Rechtsanwalts Schey-Allenstein über die neu begründete ostpreußifche Peusionskasse für jüdische Neligionslehrer und Kultusbeamte. Die Kasse ist von intimen Kennern ostpreußischer Gemeinde- und Beamtenverhältnisse bearbeitet sdie Kommission hatte Vertreter der verschiedensten Gemeinde-und Beamtenkategorien in ihrer Mitte) und speziell für ostpreußische Verhältnisse eingerichtet. Sie vereinigt in ihrer Art die Vortheileder Einzelperson mit denen der genossenschaftlichen Verbindung. So ist sie die erste Provinzialversorgungskasse sür jüdische Lehrer und Kultusbeamte, die eine gesicherte Pension bietet, eine der wenigen in Deutschland, die alle Beamten ohne Unterschied des Alters und des Gesundheitszustandes bei sich zur Versorguug aufuirnmt, die beste unter den Lehrerpensionskassen hinsichtlich der Höhe der Versorgung, die sie von Anfang an in Aussicht stellt. Auch der nächste Gegenstand der Tagesordnung, der Bericht über die Ergebnisse der Schulinspektiou, erstattet von Rabbiner Dr. Ehrlich-Tilsit, erheischt allgemeines Interesse. Der Verbandsausschuß besteht für das Jahr 1901 aus den Herren: I. Eichelbamn-Jnsterburg (Verbandsvorsteher), Stadtrath S. Magnus- Königsberg, Rechtsanwalt Schey-Allenstein, Dr. med. Kamnitzer-Allenstein, Rechtsanwalt Cohn-Tilsit. S. Davidsohn-Lyck, E. Jacoby-Nastenburg, H. Elösser-Jnsterburg. B. Holz-Insterburg, D. M. Jacoby- Barteustein, I. Hertz-Gerdauen, N. Lnblinski-Johannisburg und Julius Lazar-Königsberg. — Im Anschluß an den Verbandstag, am 26. Dezember, fand unter zahlreicher Betheiligung voll Vertretern der Gemeinden und Beamten der Provinz die konstitnirende Generalversammlung der oft preußischen Pensionskasse statt. Rechtsanwalt Schey leitete die Versammlung und erstattete zunächst den Geschäftsbericht. Schon vor der konstituirenden Versammlung sind 20 Gemeinden (fast die Hälfte derer, die als bettragsfähige Gemeinden überhaupt in Betracht kommen) mit ihren Beamten der Peusionskasse beigetreten. Die hierdurch erzielte gesicherte Jahreseinnahme beträgt 3750 Mark. Rechne man die vom Synagogenverbande und der Gemeinde Königsberg in Aussicht gestellten Subventionen (je 300 Mark p. a.) und die Beiträge der freien Wohlthätigkeit hinzu, so sei bereits jetzt ein Etat von ca. 5000 Mark zu erwarten, ein Resultat, das alle Erwartung für den Anfang übersteigt. Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Peusionskasse bald alle Gemeinden und Beamten der Provinz Ostpreußen in sich vereinigen möge. Bei der folgenden Statutenberathung wurden einige unwesentliche Veränderungen der ursprünglichen Statutsbestimmungen beschlossen. Sobald dieselben von der königlichen Negierung genehmigt worden, werden die veränderten Statute!: an die Kassenmitglieder zur Vertheilung kommen. Die Versammlung beschloß, daß die Eröffnung der Kasse am 1. Januar 1901 und der Beginn der Kassenthätigkeit mit Rücksicht auf den neuen Etat in den meisten Gemeinden am 1. April cr. erfolgen soll. In den Vorstand wurden gewählt: Rechtsanwalt Schey- Allenstein, Vorsitzender, I. Eichelbanm-Jnsterburg, Kaufmann L. Jacobi- Osterode, Dr. med. Kamnitzer-Allenstein, Kaufmann Joseph Siliiousohn- Königsberg (Schatzmeister), Kantor Davidsohn-Rastenburg. Waisenhausinspektor Peritz-Königsberg und Prediger Sturmaun - Osterode. Gneserr, 10. Juni. Die am 27. v. M. hier abgehaltene 19. Jahresversammlung desVereins jüdi sch er Lehr.er der Ost Provinzen war von 38 Mitgliedern und 16 Gästen besucht und verlies in jeder Richtung ans die befriedigendste Weise für alle Teilnehmer. Schon aus dem Bahnhof wurden die Ankommenden von den hiesigen Kollegen Katz und Hirschberg nebst einer Anzahl Herren der hiesigen Gemeinde freundlich begrüßt. Von hier wurden sie in die Stadt geleitet und im Hotel de l'Europe festlich bewirlhet. Hier schon wurden Gruß und Gegengruß in angemessener Weise ansgetanscht. Um 2 Uhr Nachmittags begannen im geräumigen Saale des schönen, neuerbauten Gemeindehauses die Berathuugen mit einem gemeinsamen Gelange. Herr Girnkiewicz, der Präses der Gemeinde, war vom D.-J. G.-B. auch beauftragt, ihn auf der Versammlung zu vertreten. Keinen Würdigeren hätte er für diesen Zweck wählen können. Gimkiewicz begrüßte die Versammlung in seiner doppelten Eigenschaft mit zn Herzen gehenden Worten, welche in einem Kaiserhoch ausklangen. Nunmehr ergriff unser Vorsitzender, Hauptlehrer Herbst-Lissa, das Wort zur Begrüßung aller Erschienenen, und um seinen herzlichen Dank auszusprechen der Gemeinde Gnesen, welche hier so würdig vertreten sei und in so überaus liebenswürdiger Weise die Versammlung bei sich ausgenommen habe. Er begrüßte noch besonders den anwesenden Rabbiner und Ortsschulinspektor Dr. Jacobsohn, dessen bloßes Erscheinen schon die Versammlung erfreuen und ehren müsse. Redner kam sodann zum Bericht über die Vorkommnisse des abgelaufenen Vereinsjahres. Da galt es zunächst einen Akt der Pietät zu vollziehen und des Heimganges des Mannes zu gedenken, welcher sich um die jüdische Lehrerschaft unsterbliche Verdienste erworben. Es galt dem Andenken unseres ersten und einzigen Ehrenmitgliedes, des Geheime»! Sanitätsraths Dr. Kristeller. Redner schilderte die großen Verdienste des Entschlafenen um unfern Verein und um die ganze jüdische Lehrerschaft. Er glaubte umsomehr dieser Pflicht sich entledigen zu müssen, als seines Wissens dieser Verdienste bisher von keiner Seite Erwähnung geschehen. Die Versammlung widmete dem großen Tobten ein stilles, dankbares Gedenken. Alsdann wurde der drei großen Aufgaben gedacht, welche der Verband im Laufe des vorigen Jahres verfolgt hat. — Wie schon seit einer Reihe von Jahren, forderte der Vorsitzende die Mitglieder auf, sich den bestehenden Lehrerkasseu auzuschließen, und er warnte vor dem Aufschieben diesbezüglicher Entschlüsse, indem er mittheilte, wie am vorhergehenden Tage ein Mitglied im Alter von 27 Jahren