Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1901)
- Date
- 1901-06-21
- Page
- Seite 297 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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297 ne Straßengerade um : kein Buch mnte, ohne icken meiner - in London buchstäblich ler habe sich llheim, der Triest ver- > ein schönon mehrere lius Rodeubande, „Die unvergessen auch später, nswürdigen n und Roandte seiner war es im Jubiläums öpfer dieser em Festtage alter geistig :n Interesse, ie Straßenseine Prächnitende und n, poetischen warmherzige ren Freund n sei»!/' der u erworben und Liebe u des Challendet am jugendlicher an uuwillsie zil dem h, nach den empfangen, die sie von -r jüdischer nberg am Hauslehrern lannsstande kalisch verlternhauses erschule zu lg mit der t, die dort st Heinrich :r und Gelter Freund nehmigung des Landesherrn später auch seinen Familiennamen mit dem, unter welchem er sich in der deutschen Litteratur einen ehrenvollen Platz errungen hat. Um sich auf die wissenschaftlichen Studien vorzubereiten, besuchte er von 1846 an das Ghmnasinm zu Rinteln, ließ schon als Primaner seine Sonette: „Für Schleswig-Holstein" erscheinen und widmete sich seit 1851 in Heidelberg, Güttingen und Berlin den juristischen Studien. Er konnte es als eine Gunst des Schicksals Preisen, daß es ihm vergönnt war, viele bedeutende Persönlichkeiten auf seinem Lebenswege kenneil zu lernen, viele Länder zu durchwandern und somit seinen Bildungskreis zu erweitern. Zu den Brüdern Grimm stand ihm als Landsmann die Pforte offen; im Barnhagenschen Kreise lernte er das alte Berlin noch ans eigener Anschauung kennen; und dort trat er mit später bekannt und berühmt gewordenen Männern der Wissenschaft, Litteratur und Politik in Berührung. Auf den verschiedenen Hochschulen hatte er Stahl, Gneist, Schlosser, Häußler und Weitz, Zeller und Lohe gehört. In Berlin fand er hauptsächlich Zeit, seineil Neigungen zu leben, Wissenschaft, Kunst und Musik, die er gleich leidenschaftlich liebte, zu pflegen. Seine Muse zeitigte anmuthige Dichtungen, er trat mit Otto Rvquette, Dingelstedt, Paul Heyse und Hermann Grimm in Beziehungen, die für das Leben dauern sollten, und schon 1854 that er die Aeiißernng: „Und es mag kommen wie es will, Berlin soll immer mein Ziel bleiben, hätt' ich nur so die Zeit dazu, ich wollte das vortrefflichste Buch über Berlin schreiben!" Sein Wunsch hat sich erfüllt; Berlin sollte wenige Jahre später seine eigentliche, seine geistige Heimath werden, in Berlin sollte er einen einflußreichen Wirkungskreis, Ehre nnd Anerkennung finden, es sollte ihm dereinst vergönnt sein, Bücher über Berlin zu schreiben, die zu dem Besten zählen, was auf diesem Gebiete geschaffen worden ist. Damals, als Nodenberg diese Aenßerung that, stand er noch in seiner Sturm- und Drangperiode. Ohne noch seine Studien äußerlich zum Abschluß gebracht zu haben, zog es ihn mächtig in die Ferne; andere Länder, Völker, Sitten und Gebräuche zu kennen trieb cs ihn unwiderstehlich. Schon 1855 begannen seine Wanderjahre, die anch seine Lehrjahre wurden. Er begab sich nach Paris und lieferte von dort die interessantesten Berichte an eine große deutsche Zeitung. Nachdem er 1856 in Marburg zum Doktor beider Rechte promovirt hatte, zwang ihn sein gütiger, einsichtsvoller Vater nicht, in den Staatsdienst zu treten, sondern gestattete ihm eine Reise nach London. Sein Ansenthalt in der englischen Metropole dehnte sich auf mehrere Monate aus; er trat mit den deutschen Landsleuten in Verbindung, die in jenen Jahren dort freiwillig oder in der Verbannung lebten, Gottfried und Johanna Kinkel, Ferdinand Freiligrath, Fräulein Malwida von Meysenbug, die vielgenannte Verfasserin der „Memoiren einer Jdealistin", der Historiker Bergenroth, der Publizist Max Schlesinger, und verkehrte viel mit denselben. Der größte Gewinn für Nodenberg war das Freundschastsband, das sich zwischen ihm und dein bedeutend älteren, am britischen Museum angestellten Landsmann Emauuel Deutsch knüpfte. Dieser hochbegabte, aus einer Familie von Talmudisten und Rabbinern stammende Gelehrte übte auf Alle, die in seine Nähe kamen, den Zauber aus, den nur eine wahrhaft edle Natur um sich verbreiten kann. George Elliot hat ihn in der Gestalt des Titelhelden in dem Roman „Daniel Deronda" verewigt. Als Nodenberg ihn kennen lernte, lebte er einsam in dürftigen Verhältnissen, und dem jüngeren Freunde gebührt das Verdienst, lange Zeit der Einzige gewesen zu sein, der diesen genialen Mann nach seinem vollen Werth zu schätzen wußte; erst später hat sich der geniale Sprachforscher Bahn gebrochen, und durch seine vortrefflichen, Schriften vor allem durch den Essah über den Talmud, die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Weitaus sich gelenkt. Im zweiten Bande seiner „Jngenderinneruugen" hat Rodenberg dem unvergeßlichen Freunde ein rührend liebe- und pietätvolles Denkmal errichtet. Wiederholt hat Rodenberg in den folgenden Jahren mit Vorliebe in England, Schottland nnd Irland geweilt und lernte dort das englische Leben in seinen Höhen und Tiefen kennen. In jener Zeit legte er die gewonnenen Eindrücke nicht nur in zahlreichen trefflichen Reiseschildernngen nieder, jener oben erwähnte Roman „Die Straßensängerin von London", „Das Jdhll", „Die Myrthe von Killarney", „DieHarse von Erin" entstanden damals ebenfalls. Streifzüge durch Belgien, Holland, Friesland nnd Dänemark unterbrachen den Aufenthalt ans den britischen Inseln. Ueberall hat er auch die Judengassen nnd die alten Friedhöfe nnd Synagogen besucht und oft sehr schön geschildert. Ende 1861 unternahm er eine größere Reise durch Italien, nnd bei einem längeren Aufenthalte in Triest erblühte ihm dort die zarte Blume der Liebe. Nach seiner Rückkehr wählte er Berlin zu seinem dauernden Wohnsitze. Er redigirte hier zuerst belletristische Zeitschriften, nnd vereinigte sich 1867 mit Ernst Dohm zur Redaktion des in Leipzig erscheinenden „Salon für Litteratur, Kunst und Gesellschaft". 1874 begründete er die „Deutsche Rundschau", die unter seiner umsichtigen Leitung eine ehrenvolle Stelle in der Litteratur der Gegenwart einnimmt. Eine groß angelegte Natur, die fremdes Verdienst uneingeschränkt anerkennt, sich anderer Erfolge neidlos erfreut, war Julius Rodenberg wie selten einer befähigt und bernfen, die Großen imReiche des Geistes zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen, um den Gebildeten der deutschen Nation nicht nur, sondern weit über die Grenzen des deutschen Vaterlandes mit der von ihm ins Leben gerufenen vornehmen Zeitschrift eine Quelle von Anregung, Belehrung und Erhebung zu erschließen. Viele von den ersten Mitarbeitern der „Deutschen Nnndschan" sind schon in die Ewigkeit hinübergegangen; aber neben Berthold Auerbach, Gottfried Keller, Theodor Storni, Conrad Ferdinand Meyer, Paul Heyse, Louise von Francois, Marie von Ebner-Eschenbach. neben Hermann Grimm, Wilhelm Scherer, Helncholtz, Du Bois-Reynwud, fanden hier jüngere emporblühende Talente wohlverdiente Beachtung. Anläßlich des 25jährigen Jubiläums der „Deutschen Rundschau" wurde der verdienstvolle Leiter zum Professor ernannt und empfing von allen Seiten schmeichelhafte Beweise von Anerkennung. Aber anch sein Jugendtraum hat sich erfüllt. Das Emporblühen Berlins zur Reichshauptstadt, zur Metropole des geistigen Lebens hat eine vielseitige Lokallitteratur gezeitigt, eine neue Schriftstellergeneration hervorgebracht und auf die älteren Berliner Schriftsteller einen großen Einfluß ausgeübt. Julius Rodenberg wurzelt mit allen Fasern seines Herzens in Berlin; mit inniger Liebe hängt er an seiner zweiten Heimath, iu der sein Name gekannt und geliebt ist. Mit liebevoller Hingebung hat er sich in das Studium des Berliner Lebens vertieft; seine Bilder ans demselben repräsentiren ein Stück Geschichte ans Berlins Vergangenheit nnd Gegenwart. Wir vermeinen sie vor