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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-06-21 · Heft 25 (21.6.1901) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 25 (21.6.1901)
Date
1901-06-21
Page
Seite 295 (sequence 9)
Language
German
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295 i der Kinder st schon der rktreten des;en, bei den r Sterblichenthümliche werden). — nden Werke hmestellung dersterblich- „Es ist viel geschrieben eien, welche leben, uneuchen ent- :drückungen rnd sich zu hr, daß die stigt, unter n, mit einer anden und len. Zahlmüßten sie wenn ihre wen Rassen verhältnißitrechnung, n hat ein ten als die er Fall ist r Fall war behaupten ne größere Noch Heu in Deutsch ropas, >vo en, und es >hrt haben, lenig miß die Juden en können sie sich heute gewöhn nen. Dae ichkeit, wo ltnisse und Gesundsten >te Unter den 70 er nt ehelicher z Badens von allen jüd. >5,00 pCt. 4.17 „ 9.18 „ ierhältniss- Sie Kinder 2 Prozent, also auf 17,61 Prozent, Ebenda betrug im Durchschnitt dieser Jahre auf je 10 000 Köpfe der Bevölkerung: bei de» Juden bei den Christen die Zahl der Geborenen 299 360 „ „ „ Gestorbenen 194 268 sonnt die nat. Zunahme 105 92 also auch hier wie fast überall trotz geringer Geburtenzahl bei den Juden dennoch die größte natürliche Zunahme. Aus diesen Zahlen schließt Neumann, daß die wirthschastlichen Verhältnisse ganz besonders demjenigen Theil der Bevölkerung zu gute gekommen zu sein scheinen, den man woht als den wirthschaftlichsten bezeichnen darf, und das ist dem jüdischen, der hauptsächlich in dein festeren Familienband, in einer mäßigeren Lebensweise und namentlich in einer größeren, natürlichen Lebenszähigkeit der jüdischen Rasse seine Begründung hat. Dieselbe Statistik, auf erste Stunden, Tage und Wochen nach der Geburt berechnet, ergiebt ebenfalls als Resultat, daß die Sterblichkeit der jüdischen Kinder Badens aus jener Periode stetig hinter der der evangelischen wie katholischen Kinder zurückbleibt. Letztere. Statistik könnte nun leicht dahin zu verwerthen sein, daß man sagt: der Einfluß günstiger Familien- und besserer ivirthschastlicher Verhältnisse könnte sich erst nach Ablauf einer gewissen Zeit nach der Geburt äußern; in den ersten Stunden des Lebens könne hiervon nicht die Rede sein! Wo also schon, wie bei den Juden, innerhalb dieser ersten Stunden das Leben durchschnittlich ein längeres sei als sonst, da sei sicher eine größere natürliche Lebenskraft vorhanden. Indessen, eine solche Deduktion wäre falsch, denn günstige äußere Umstände können in der That auch schon auf die ersten Stunden, ja auf die Lebensfähigkeit des Neugeborenen überhaupt ihren Einfluß erstrecken. — Daß in der That die Kindersterblichkeit größtentheils ein Spiegelbild der sozialen Verhältnisse einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung nnd weniger mit den Eigenthümlichkeiten einer Rasse zu thnn hat, dafür giebt eine Statistik den besten Beweis, die Fischl für Prag veranstaltet. Dort kamen auf 1000 Lebendgeborenen nnterjährig Verstorbene in den Jahren 1880—1885 bei den Katholiken — 208,6, bei den Evangelischen 113 bei den Juden --- 122,1. — Es übertrifft also in Prag die Mortalität der katholischen Kinder die der anderen Konfessionen ganz bedeutend; ihr zunächst steht die Sterblichkeit der jüdischen Säuglinge, und erst in letzter Linie kommen die Protestanten, ein Verhältinß, das dem anderer Städte im Allgemeinen nicht entspricht. Der Grund für diese Abweichung dürfte in Prag darin zu suchen sein, daß die jüdische Bevölkerung an Zahl die protestantische weit überragt, so ziemlich sämmtliche, namentlich auch die niederen Berufsarten und Wohlhabenheitsklassen repräsentirt und daher in ihren Verhältnissen weit mehr der katholischen sich nähert als die numerisch unbedeutende Protestantische Gemeinde. Ueberhaupt finden wir auch ganz naturgemäß, daß sich die Verhältnisse der Juden in Bezug auf die Kindersterblichkeit und demgemäß auf die natürliche Zunahme im Osten Europas viel ungünstiger darstellen als etwa bei uns in Deutschland. Sv hatten die Juden in Oesterreich überhaupt ebenso wie ihre deutschen Glaubensgenossen zwar eine kleine Geburtenzahl, aber ihre Sterblichkeit, und namentlich die der Kinder, war nicht wie bei uns so sehr viel kleiner, daß die natürliche Zunahme dort sich größer gestaltet hätte als bei der sie umgebenden Bevölkerung. So betrug für den Durchschnitt der Jahre 1871—1880 in Oesterreich der natürliche Zuwachs der Christen 0,86 Prozent, der Juden nur 0,66 Prozent. Aehnlich in Rußland, wo im Durchschnitt der Jahre 1868—70 auf je 100 russische Juden 3,2 Geborene und 2,3 Gestorbene entfielen, also der Zuwachs nur 0,9 gegen 1,1 Prozent der übrigen Bevölkerung. Die Gründe dieser abweichenden Gestaltung jüdischer Verhältnisse im Osten und Westen liegen selbstverständlich wieder vorzugsweise in den sozialen Verhältnissen. Es giebt auch in Deutschland viele arme Juden, aber im großen Durchschnitt fehlt ihnen doch das, was man das Proletariat nennt. Dazu kommt, daß das Bildungsniveau des armen deutschen Juden ein weit höheres ist als das seines armen Glaubensgenossen im Osten Europas, ein Faktor, der bei der Frage der Kindersterblichkeit eine außerordentlich große Rolle spielt. Das, was Schimmer, Kohl u. A. vor mehreren Dezennien geschrieben, trifft leider auch heute noch zum großen Theil zu „Welcher menschliche Jammer, welche Krankheit, welcher Hunger und Kummer in den feuchten, angesteckten Wohnungen der jüdischen Armen in Warschau, Krakau, Lemberg w. nisten, wo oft ein halbes Dutzend mit Kindern reich gesegneter Familien in einem einzigen abscheulichen Souterrain, mit Schmutz und KrankheitallerArt behaftet, bei schwächlicherKost zusannnenwohnt..." „Bei derartiger Noth und faktischer Gedrücktheit muß ebenso das Gefühl der Sitte verkommen, wie sich die biotischen Erscheinungen der Israeliten dort im Allgemeinen nnd besonders die Kindersterblichkeit höchst ungünstig darstellen. " Auch Uffelmann leugnet den Einfluß der Nasseneigenthümlichkeit auf die Sterblichkeit der Kinder. Selbst wenn z. B. so scharfe Unterschiede zu Tage treten wie bei einer Statistik in München, so dürfe daraus doch nicht ohne Weiteres auf eine größere Widerstandskraft der israelitischen Rasse geschlossen werden. Er meint: „Die jüdische Bevölkerung lebt zum Mindesten in den Ländern und Orten, aus welchen ihre geringere Kindersterblichkeit gemeldet wird, unter verhältnißmäßig günstigen ökonomischen Verhältnissen; die Frauen stillen häufiger selbst und verwenden unter allen Umstünden auf ihre Kinder ein größeres Maß von Sorgfalt als die übrigen Mütter, im Durchschnitt gerechnet. Dazu kommt, daß die Zahl der unehelichen Kinder, die einen so hohen Prozentsatz der Sterblichkeit haben, bei den Israeliten sehr gering ist, und daß die letzteren in Krankheitsfällen ungleich frühzeitiger nnd häufiger ärztliche Hilfe aufsuchen. Diese Momente sind es, nicht Eigenthümlichkeiten der Rasse, welche die günstigere Sterblichkeit der jüdischen Kinder bedingen." — Sehr eingehende Untersuchen über den Einfluß der Konfession auf die Kindersterblichkeit hat Körösi in Pest veranstaltet. Er beobachtete zuerst, welches Verhältnis; sich zwischen den jährlichen Geburten nnd zwischen den im ersten Lebensjahre Verstorbenen bei den verschiedenen Konfessionen heransftellte, und auch da zeigte sich, daß im Durchschnitt der Jahre 1876—81 auf 10 000 Geburten starben unter ein Jahr bei den Katholiken 3105, bei den Lutheranern 2152, beiden Calvinern 2528, bei den Juden 1799. Also der Unterschied in der Sterblichkeit der einzelnen Konfessionen ist ein so gewaltiger, daß bei den Israeliten fast nur halb so viel einjährige Kinder sterben als bei den Katholiken Körösi räumt nun dem Moment des Rassenunterschiedes einen außerordentlichen Einfluß auf alle vitalen Verhältnisse ein. Mit größerem Zweifel hingegen muß nach ihm jene statistisch wenig behandelte Frage betrachtet werden, ob auch der Konfession ein ähnlicher Einfluß zugeschrieben werden dürfte. priori ist es

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