Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1901)
- Date
- 1901-06-21
- Page
- Seite 293 (sequence 7)
- Language
- German
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293 en, Weißrocknithal-Danzig Herr Rechtsher begrüßte rten. namens des ehmer herzlich verstorbenen der sich stets gt hat. Die den Platzen, m- Graudeuz itglieder ausd eines durch . so daß sich lgelegenheiten v. I. zu Pr. Der Bericht )ung der neu zu folgender, erfassung für l sie e ist, von der Altsübrigen Vernnd dadurch Kassen zu dsvereine dic »urchaus unloch auf dem ündliche Re- Pr.Stargard letl betrugen n wurde Dem einen ge» rügen wiede- »je Versamm chlechten An unserer Pro r eine dies >r v. Goßler r den West Versammlung tiden Antra - nlterbreiten zelgemeinden. rn drei- oder ie Einsetzung r Gemeinde: und Ver auf dem am Zemeindetag von unfern s Verbands dort abe schneidender: rerwiesen. as Wort zr- Sestrebungeii innerhalb der Judenheit, insbesondere für Erweckung des Interesses für Handwerk und Bodenkultur." Der Vortragende besprach zunächst die Forderungen der Sozialpädagogik, nach deren Grundsätzen wir die jüdische Jugend erziehen sollen und faßte das Streben nach Kultur als ein Hmzielen zur sittlichen Veredlung des Menschengeschlechts auf. Redner hob besonders hervor, daß es eine religiöse Pflicht sei, auch die körperliche Arbeit hochznhalten und sie zu Pflegen. Er wies nach, daß die Verfasser des Talmuds einen Gelehrtenkreis voll Handwerkern und Tagearbeitern bildeten, wie sie kein anderes Volk besessen hat. Erst die Beschränkungen des Mittelalters haben die Juden von der gewohnten Arbeit abgebracht. Die Behauptung, daß sich der Jude nicht für Handwerk und Landwirthschaft eignet, widerlegte Referent durch zahlreiche Beweise aus Geschichte und Erfahrung. Die allgemeinen volkswirthschaftlichen Verhältnisse gebieten es. daß die Juden allmälig vom Kausmannsstaude entfernt, und daß eine gleichmäßige Verkeilung der Berussklassen innerhalb der Judenheit hergestellt wird, ähnlich wie im ganzen deutschen Volkskörper. Da aber die jüdischen Knaben von Haus aus an körperlicher Tüchtigkeit nnd Geschicklichkeit weniger mitbekommen als andere, so muß der Handfertigkeitbezw. Gartenbauunterricht als obligatorisches Unterrichtsfach in die jüdischen Volksschulen eingeführt werden. Schließlich wurden noch die Schwierigkeiten besprochen, die der Einführung entgegenstehen nnd gezeigt, wie man diesen begegnen könne. Der Vortrag fand allgemeinen Beifall und gipfelte in nenn vom Referenten ausgestellten Leitsätzen, die eine äußerst anregende Debatte hervorriefen. Die Thesen erhalten folgenden Wortlaut: 1. Der jüdische Lehrer hat die Erziehung der Kinder nach den Lehren der Sozialpädagogik zu leiten. Er nimmt somit Rücksicht auf die soziale Gemeinschaft, flößt den Schülern den Geist der Solidarität — als Juden und deutsche Staatsbürger — ein und sucht etwaige ungünstige soziale Verhältnisse derselben zu mildern. Er muß sie fürs Leben erziehen, damit sie später für sich sorgen und auch zum Wohle der Gesammtheit beitragen können. 2. Zur Verbreitung der Kultur sollen wir in der Gemeinde durch Veranstaltung von Eltern-, Disknssions- und Unterhalt«ngsabenden, durch Gründung und Pflege von Litteraturverkinen. sowie durch Einrichtung von Volksbibliotheken und Lesezimmern beitragen. 3. Im jüdischen Religionsunterricht muß nachdrücklich betont werden, daß es eine religiöse Pflicht sei. auch die körperliche Arbeit hochznhalten und sie zu Pflegen. 4. Der Lehrer soll sich einen Einfluß ans Eltern und Schüler in Bezug auf die Berufswahl zu sichern suchen. 5. Daß der Jude sich nicht für Handwerk nnd Landwirthschaft eignet, ist durch die Geschichte und die Erfahrung widerlegt. 6. Der Handfertigkeitsnnterricht hat allgemein erziehliche Bedeutung, weil er den praktischen Sinn hebt, Entschluß und Willen stärkt und auch dazu geeignet ist, die gesellschaftlichen Gegensätze auszugleichen. 7. Durch Handfertigkeits- und Gartenbaunnterricht lernt der Knabe seine Hand gebrauchen und bereitet sich so für seinen späteren Berns vor. 8. Der Handfertigkeitsunterricht ist in den jüdischen Volksschulen und Erziehungsanstalten obligatorisch einzuführen. 9. Den jüdischen Lehrerbildungsanstalten muß es obliegen, für die Heranbildung geeigneter Lehrkräfte für Handfertigkeit nnd Gartendan zu sorgen. Diese Unterrichtsfächer sind darum in den Lehrplänen ämmtlicher Klassen der Präparandenschulen und Seminarien obligatorisch anfzunehmen. VII. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurden die Herren Geisenberg-Mariemverder zum Vorsitzenden, Mannheim-Grandeuz zum Schriftsührer, Nhnarzewski-Pr. Ltargard zürn Rendanten nnd zu Beisitzern die Herren Napp-Pr. Friedland und Schreiber-Danzig wiedergewählt. VIII. Als Delegirter für den am 30. und 31. Dezember d. I. in Hainburg stattfindenden Verbandstag wurde Herr Mannheim-Granden z einstimmig gewählt. IX. Freie Besprechungen. 1. Der neue Normallehrplan für die Provinz Westprenßeu wurde vom Kollegen Nhnarzewski-Pr. Stargard einer Kritik unterzogen, und das Lehrziel als für Religionsschnlen mit einer Lehrkraft nn- ' rreichbar erklärt. 2. Sodann wurde über die Möglichkeit, bezw. Nützlichkeit der Einführung des hebräischen Unterrichts im Gymnasium gesprochen, wobei hauptsächlich die Herren Rabbiner DDr. Rosenberg-Thorn Loevh-Graudenz und Kellermanu-Konitz ihre Meinungen austauschten?. Herr Man uheim-Graudenz gab darauf einige wichtige Mittheiluugen über die Befugnisse der Polizeibehörden, für regelmäßigen Besuch des jüdischen Religionsunterrichts zu sorgen und über die Ausführungsbestimmungeu des neuen Jnvaliditätsversichernngsgesetzes. 4. Die nächstjährige Versammlung wird am 18. und 19. Mai 1902 in Elbing stattfinden. X. Herr Piski-Elbing stellte den Antrag, den Jahresbeitrag von 1 Mark auf 1.50 Mark zu erhöhen, damit für außerordentliche Zwecke, z. B. Reiseentschadigung für die Delegirten zn den Verbandstagen, eine verfügbare Summe geschaffen wird. Die Versammlung beschließt in diesem Sinne. XI. Mit einer Besprechung über Abänderungsvorschläge znm Verbandsstatut war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende theilte mit. daß der Verbandsvorstaud nur 50 Mark an Reisesubvention bewilligt hat. Wegen der größeren Mitgliederzahl und der erschwerten Verkehrsverhältnisse konnten nur 40 Prozent vertheilt werden. Es wurde dringend gewünscht, daß unser anfblühender Verein in Zukunft diesbezüglich mehr Berücksichtigung finde. Nachdem Herr Piski-Elbing dem Gesammtvorstande sür seine mühevolle Arbeit und speziell dem Vorsitzenden snr seine unparteiische Leitung im Namen der Anwesenden dankte, wurde die Versammlung in gehobener Stimmung geschlossen. Die Shnagogengemeinde Danzig veranstaltete hierauf ein gemeinsames Mittagsmahl, nnd Nachmittags wurden Ausflüge nach Westerplatte und Zappot unternommen. Graudenz, den 5. Juni 1901. D. M. Mannheim, Schriftführer. Brief aus Budapest. Von Böla Töth. Monument scheint ein aus Stein oder Erz gemeißelter ewiger Jude zu sein. Er taucht hier und dort auf. aber seines Bleibens ist an keinem Ort. Er wird überall verfolgt nnd mit der Wucht des Hasses und der Dummheit davon gejagt. Er hatte wohl einmal eine kleine Ruhestätte im Schatten trauriger Palmen auf einem vom stillen Meer umschlungenen Eiland. Hier bot ihm die gramgebeugte fromme Königin der Ungarn einen zierlichen Schlupfwinkel, ihm thränenden Auges zurufend: „Hier ruhe in Frieden, Dn armer, vielgeplagter, großer Dichter, Du Poet meines Herzens!" Wer weiß es, ob er noch dort weilt, oder ob er in eine Rumpelkammer gestellt worden ist? Und wenn er auch dort geduldet worden, ist er nicht mehr Heine, sondern nur behauener Stein, denn die Königin, die ihm wilde Blumen zu Füßen zu legen Pflegte, weilt ja nicht mehr auf Erden. Nur ein solcher Bettelaufputz königlicher Hände gebührt ihm. Nur ein solcher Schmuck ist seiner würdig. Das ist sein Triumph! Die Reaktion wollte nirgends in Europa Heines Monument dulden. Es jagt ihr große Furcht ein, als wenn diese stumme Bronzemasse und nicht die beredten Letterumillivneu für sie eine Gefahr bedeuten würden! Jeder einzelne Buchstabe ist ein kleines Standbild, ein winziges Heine-Monument. Und doch findet das so schmerzlich lächelnde Standbild nirgends auf Gottes Erdboden einen Fleck Landes, nur den dein Ozean der ewigen Wahrheit zneileuden Lauf der Zeiten beobachten zn können. Ist es ein Wunder, daß freisinnige Leute kampfeslustig werden, wenn ihnen daS verhaßte Monument in den Sinn