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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-06-14 · Heft 24 (14.6.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 24 (14.6.1901)
Date
1901-06-14
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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der Händler Hermann Stndinski mit der Konitzer Mordsache, beziehungsweise der Verschleppung von Winterschen Kleidungsstücken (der Hose nach dem Logengarten) in Verbindung gebracht worden. Das tatsächlich darauf gegen Stndinski eingeleitete Verfahren ist nach dem. dem Beschuldigten zngeftellien Beschlüsse aus Mangel cm Beweisen eingestellt worden. — In der Strafsache gegen den Privatdetektiv Gustav Schiller sollte die Verhandlung vor dem königlichen Landgericht heute stattfinden. Schiller soll, wie mitgetheilt. versucht haben, die ans dem Prozeß gegen den Fleischergesellen Moritz Lewy bekannte Zeugin Frl. Helene Pel1euat und den Klenipnergesellen Nickeleit zu einem wissentlichen Meineide zu verleiten. Nickeleit sollte aussagen, daß der Klempnergeselle Schlichter sich dahin geäußert hätte, Moritz Lewy müsse meineidig gemacht werden. Der Prozeß ist vorläufig vertagt worden, weil einer der wichtigsten Zeugen (Nickeleit) nicht aufzufiuden ist. Die Verhandlungen im Prozeß Schiller werden übrigens, wie die früheren im Prozeß Masloff und Lewy, von zwei Berliner Kammerstenographen ausgenommen werden und schließlich im Druck erscheinen. Auch wird demnächst, wie die in Könitz erscheinende „Ostdeutsche Tageszeitung" mitzutheilen weiß, eine Schrift über die Konitzer Vorgänge und Prozesse erscheinen, welche einen der bedeutendsten Professoren der Berliner juristischen Fakultät zum Verfasser hat. Der berühmte Nechtslehrer bespricht die gauzeu Vorgänge, welche sich ans Anlaß des Todes von Ernst Winter in Könitz abgespielt haben, sowie das Vorgehen der Gerichtsbehörden, Staatsanwälte und Vertheidiger in den vielen sich daran knüpfenden Prozessen und unterwirft es eingehender Erörterung und wissenschaftlicher Kritik. Die Schrift wird in einigen Wochen erscheinen, da der Verfasser noch das Stenogramm des Schillerschen Prozesses abwartet, weil auch dieser Prozeß in die Erörterung hineingezogen werden soll. Dieses Buch ist zwar in erster Linie für Juristen bestimmt, es dürfte jedoch auch sür weitere Kreise von großem Interesse sein. i. Breslau, 8.Juni. Der 20. Bericht über die Unterstützungs- Kasse des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen enthält zunächst ein Vorwort über die Stellung des Vereins ur Gründung einer Ceutralkasse. das von allgemeinem Interesse sein dürste. Der Verein fühlt sich nämlich von dem Verband der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche in seiner Existenz bedroht. Wir haben keine Veranlassung, uns in diesen internen Streit zu mischen, hegen jedoch die feste Zuversicht, daß bei beiderseitigem guten Willen, an dern zu zweifeln Niemand ein Recht hat. auch die Beilegung dieses Streites wird herbeigesührt werden können. Die schlesische Unterstützungskasse erfreute sich auch im abgeloufenen Jahre vielfacher Teilnahme. Gleichwohl erscheint der Wunsch, daß das Hilfswerk in den Kreisen der Nichtlehrer mehr Würdigung finden möchte, wohl gerechtfertigt. Der Kassenabschluß ergiebt 3347.95 Mark an Einnahmen, 2052.75 Mark an Ausgaben, 45 307.75 Mark an Vermögen. Der Vorstand der Uuterstützungskasse besteht aus den Herrn Professor Badt, Vorsitzender; Dr. M. Brann; Simon Pfeffer. Schatzmeister; Louis Hamburger, Schriftführer; Blumenfeld. Schweidnitz; Herbst. Lissa; Steiner, Gr.-Strelitz; Tintner, Bunzlau. H Nauheim, 8. Juni. Die Israelitisch e Kinderh eilstätte hier macht erfreuliche Fortschritte. Die Zahl der verpflegte« Kiuder und junger, im Berufe erkrankter Mädchen ist von insgesamrnt 153 im Vorjahre auf 201 in diesem Jahre gestiegen. Durch die Erfüllung dieser ausgedehnteren Ausgabe ist jedoch das finanzielle Bild ein minder erfreuliches, und. die Einnahmen konnten mit den Allsgaben nicht gleichen Schritt halten. Es kamen zur Behandlung 109 Mädchen und 93 Knaben, und zwar hauptsächlich: Anämie (Blutarmut und schwächliche Kölperentwicklung) 86 Fälle, Skrophulose 51 Fälle, Herzleiden Klappenfehler, Herznervofität) 23 Fälle, Bleichsucht 15 Falle. Erwähnenswerth ist, daß die Zahl der herzleidenden Kinder sich gegen früher sehr vermehrt hat. Die Erfolge der meist vierwöchentlichen Kur waren bei diesen Leiden sehr befriedigend. Der Heimath nach waren die Kinder größtentheilaus Frankfurt a. M., ferner aus Köln, Straßburg, Karlsruhe, Berlin, Hamburg. Ems, Kassel und noch ans 45 verschiedenen Orten. Der Vorstand der Israelitischen Kinderheilstätte, Bad Nauheim, besteht aus den Herren : Joseph Bender, I. Dreyfus, Sally Goldschmidt. Herrmann Maier, Michael Moses Mainz, Solomon Niedermayer. Adols Stern, sämmtlich in Frankfurt a. M. — Metz, 2.Junü DerWohlthätigkeitsv erein derJsraelitischen Jugend zu Metz veröffentlicht den Bericht über das 63. Jahr seines Bestehens. I. Vorsitzender des Vereins ist Herr Apotheker S. Levy, II. Vorsitzender Bankdirektor M. Hannaux. Schriftführer B. Lazard und M. Spiegelstein, Schatzmeister G. Francsort. Inspektoren A. Lazard, B. Salomon und Tb. Goldschmidt. Das Rechnungsjahr 1899^1900 hat für den Verein, mit einem Defizit von 229.51 Mark abgeschlossen. Es erging daher ein Aufruf an die Gemeinde, der dem Vereine neue Mitglieder gewinnen sollte. Ihm wurde von vielen Seiten ans entsprochen, so daß sich die Zahl der Mitglieder auf 137 erhöht hat. Den Einnahmen vom vorigen Jahre in der Höhe von 2171,31 Mark steht diesmal eine Summe von 2931.88 Mark gegenüber. Dennoch aber hat sich wiederum ein erhebliches Defizit ergeben, das in diesem Jahre sogar bis 701,53 Mark gestiegen. Es dürfte dies zunächst mit dem strengen Winter Zusammenhängen, ganz besonders aber auch aus den ausgeprägten Wohlthätigkeitssinn. der den Verein auszeichuet, zurückzuführen sein. Die Fürsorge für junge Lehrlinge nimmt von Jahr zu Jahr einen größeren Umfang an. wovon die ziemlich beträchtliche Summe der außerordentlichen Ausgaben zeugt. Die Darlehnskaffe leistet vortreffliche Dienste. Nur eine seiner Wohlthätigkeitseinrichtungen, das Bekleidungshaus, bewährt sich aufs Beste, ohne dem Vereine, dank der hochherzigen Gaben einzelner Vereinsmitglieder. irgend welche Opfer aufznerlegen. o. Sarburg i. L.. 1. Juni. Am 26. v. M. ist hier im 57. Lebensjahre der Justizrath Jules Levy nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Dreißig Jahre hindurch hat derselbe hier als Notar amtirt und im ganzen Kreise das größte Ansehen genossen. Er war ein Biedermann im vollsten Sinne des Wortes. Wiederholt in den Gemeinderath gewählt und auch als Bürgermeister sowie als Bezirkstagsmitglied leistete der Heimgegangene, dem der Kaiser für seine verdienstvolle Thätigkeit auch den Rothen Adlerorden 4. Klasse verliehen hatte, die ersprießlichsten Dienste. Ehre dem Andenken des vortrefflichen Mannes! Grstrrreich - Ungarn. LI Wien, 10. Juni. Die historische Kommission ist null doch zu Stande gekommen! In der letzten Vorstandssitzuug resumirte der verdienstvolle Dr. Maximilian Steiner noch einmal die in der Sitzung vom 21. v. M. gestellten Anträge. Nach kurzer Debatte wurden mit Majorität folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Es ist eine historische Kommission zu begründen, welche die Durchforschung der österreichischen Archive bezweckt, um für eine Geschichte der österreichischen Judenschaft das erforderliche Material zu sammeln und zu bearbeiten. 2. Um dies vorzubereiten, ist eine Vorkommission zu bestellen, mit der Aufgabe, ein Aktionsprogramm für die zu begründende historische-Kommission zu entwerfen und dem Kultusvorstande zu unterbreiten. 3. Der II. Sektion wird zur Deckung der Allslagen der Vorkommisston ein Betrag von 3000 Kr. zur Verfügung gestellt- 4. Als Mitglieder der vorbereitenden Kommission werden nominirt (außer Vorstaudsmitgliedern) die Herren: Oberrabbiner Dr. Güdemann. Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl, Rektor Dr. Schwarz, Prof. Dr. A. Büchler, Prof. Dr. Alfred Przibram, Dr. I. S. Bloch, Dr. S. Frankfurter. Dr. Arthur Goldmanu, Dr. Michael Holzmann, Dr. Heinrich Müller. — Im Wiener Landesgericht in Strafsachen, im sogenannten Kriminal, hat der Zählungsbogen der am 31. Dezember 1900 daselbstbefindlichen Jnhaftirten das Resultat ergeben, daß 1150 Häftlinge anwesend waren. Nach der Konfession 991 Katholiken. 108 Protestanten und 23 Inden. Die Juden betragen demnach ganz genau 2 Prozent der Häftlinge, während der Prozentsatz der Juden in Wien über 9 Prozent und der Juden in Oesterreich nahezu 6 Prozent, beträgt, daher den Juden mit Rücksicht auf Wien 80 und mit Rücksicht auf ganz Oesterreich 46 Ziffern zugute kommen. — Wie jetzt aus zionistischen Kreisen gemeldet wird, hat Dr. Theodor Herzl mit seiner Audienz beim Sultan vornehmlich zu erwirken yersucht. die Erlaubniß zu erhalten, in der Türkei eine Filiale der zionistischen Bank errichten zu dürfen. Auch der Großherzog von Baden hat Herrn Dr. Herzl am 30. v. M. in Audienz empfangen. — Eine entsetzliche Blutthat wurde in der galizischen Grenzstadt Chrzanow verübt. Der Fleischevgeselle Palka, der früh geäußert hatte, Heute müsse er einen Inden tvdt machen, stieß dem Fleischernleister Babisch und dessen Frau ein Messer ins Herz. Beide waren sofort todt. Palka ist verhaftet. Das sind die Früchte des Polnischen AntisemitismnS-'. -- Das Abgeordnetenhaus hat die Gew er den svelle: Einschränkung

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