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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-06-14 · Heft 24 (14.6.1901) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 24 (14.6.1901)
Date
1901-06-14
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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öd. r»hr,a»g. Nr. 24, Berlin, 14. Juni 1901 Weikage zur „Allgemeinen Zeitung -es IuöentHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 9. Juni. Der uns borliegende fünfte Verwaltungsbericht des Vereins „Lehrliugsheim Pankow" giebt einen erfreulichen Beweis der gedeihlichen sozial - resormatorischen Wirksamkeit des Vereins. Bedauerlicherweise gestatteten es die mangelnden Mittel nicht, die Aufnahmegesuche der Bewerber in der eingegaugenen Zahl zu bewilligen; von 39 Gesuchen konnten nur 16 berücksichtigt werden, und der Prozentsatz der Zurückgewieseuen ist gegen das Vorjahr von 50 auf 60 gestiegen. Die dringende Bitte des Vereins, daß ein Jeder, der an der Heranbildung eines tüchtigen Handwerkerstandes Interesse hat, dieses durch Stärkung der finanziellen Kräfte des Vereins bethätigen möge, kann deshalb nicht lebhaft und warm genug befürwortet werden. Bedurfte es überhaupt der Anerkennung der Lhätigkeit eines derartigen Vereins, so hat diese im vergangenen Jahre das preußische Handelsministerium gegeben, welches dem in den Großstädten wohnhaften Handwerkerstände die Begründung von privaten Anstalten empfahl, in welchen die Handwerkslehrlinge dauernd in Pflege und Beaufsichtigung genommen werden können und welche besser als jedwede Staatshilfe geeignet seien, einen tüchtigen Handwerkerstand heranznbilden. Gemeinsam mit den Lehrmeistern der Anstalt^ sucht das Lehrlingsheim Pankow, um dem Handwerkerstand die geachtete Stellung, die er sich in vergangenen Zeiten erworben, und die ihm zukommende Bedeutung zu wahren, die Lehrlinge in ihrem Berufe sowohl, als auch in Bezug auf sittliche und die in den Fortbildungsschulen geförderte Erziehung zu Fleiß und ernstem Streben anzuspornen. Im Berichtsjahre haben sechs Zöglinge nach beendeter Lehrzeit das Heim verlassen; die in früheren Jahren entlassenen Zöglinge haben sich aufs Beste in den von ihnen gewählten Berufen bewährt; unter Anderen ist ein in London thätiger Maler für seine Leistungen mit einer Medaille und einer öffentlicher: Belobigung ausgezeichnet worden und hat eine Freistelle in einer Malschule für vier Semester erhalten. Die löbliche Institution des Vereins, für seine Zöglinge Sparkassenbücher anzulegeu, hat thatkräftige Unterstützung erfahren, so daß das Gesammtguthaben nunmehr 1542 Mark beträgt. Die Behörden haben dem Verein ihr bisheriges Wohlwollen erhalten, so die Gemeindebehörde zu Pankow, der Magistrat zu Berlin, der der: Zöglingen außer in der ersten Handwerker- und dritten städtischen Fortbildungsschule nunmehr auch an der zweiten städtischen Fortbildungsschule Freistellen gewährt, und die Verwaltung des jüdischen Krankenhauses, welche kranken Zöglingen Aufnahme und ärztliche Behandlung bewilligte. Der Rechnungsabschluß schließt in Einnahme und Ausgabe mit ca. 52917 M. ab. der Voranschlag des Etats für 1901/1902 ist bei einem Bestände von 40- 45 Zöglingen aus rund 25000 M.berechnet. Ein erfreuliches Wachsthum zeigt die Zahl der Mitglieder des Vereins, der im Gründungsjahre 1896 nur 327 Mitglieder zählte und in den fünf Jahren seines Bestehens um mechr als das Doppelte, bis auf 735 Mitglieder, gewachsen ist. — Die Generalversammlung, welche heute Vormittag stattfand, nahm unter Leitung des Kommerzienraths Loewe einen schnellen Verlauf. Das Kuratorium wurde in feiner bisherigen Zusammensetzung durch Zuruf wiedergewählt, ebenso die Revisoren. Der Voranschlag wurde nach nur kurzer Diskussion ebenfalls genehmigt. 8. Berlin, 10. Juni. Heute Abend hat die erste Sitzung des vor Kurzem begründeten „Hilfsvereins der deutschen Juden" im Saale der Gesellschaft der Freunde stattgesunden. Der Vorsitzende, Herr- Ja m es Simon, gab in kurzen Worten die Vorgeschichte des Vereins, berichtete von der begeisterten Zustimmung, welche die Schaffung der Organisation gesunden.^von >er sympathischen Ausnahme des Planes seitens der Presse von der äußersten Linken bis in die konservativen Blätter hinein und bezeichuete es als selbstverständliche Voraussetzung, daß der junge deutsche Verein das Bestreben haben werde und müsse, mit den bewährten Institutionen der ^Hianee iZraelits umvsrsells in Paris und der «kewisk ^ZLoeiation in London irr jeder Weise Zusammenwirken. Zwischen der französischen und der deutschen Vereinigung ist insofern schon ein Band gewirkt worden, als hervorragend deutsche Vertreter der Alliance — so der in der heutigen Sitzung anwesende Herr Charles L. Hallgarten aus Frankfurt a. M. — dem hiesigen Centralausschuß bereits beigetreten find. Alsdann referirte in klarer nnd übersichtlicher Weise Justizrath Cassel über die Aufgaben und Ziele des Vereins. Der Verein wird sich hiernach allen politischen Tagesfragen fern halten, schon aus dem Grunde, um in das Vereiusregister eingetragen zu werden, sich nur im Nothfalle au den Hilfswerken für die im Vaterlande uothleidenden Juden gemeinsam mit anderen zu diesem Zwecke bereits bestehenden Vereinen betheiligeu, dagegen sein Hauptbestreben darauf richten, die Juden außerhalb des Vaterlandes, speziell die Juden Osteuropas und der orientalischen Länder, aus geistiger und leiblicher Noth zu befreien. Dem Elend dieser Glaubensbrüder will der Verein nach zwei Richtungen Hill abhelfen: zunächst sollen ihm die Sammelstelle gebildet werden, um bei Plötzlich eintretenden Katastrophen die eingegangenen Beträge in wirksamer und zweckentsprechender Weise auf Grund der vom Verein eingeholten Informationen zur Verkeilung zu bringen, dann aber wird der Verein als unverrückbares Ziel im Auge haben die dauernde Abstellung der Leiden der osteuropäischen Juden durch Errichtung von deutschen Elementarschulen, soweit möglich von Mittelschulen und ferner von Ackerbau-, landwirtschaftlichen und gewerblicher! Schulen, um so die dort lebenden Glaubensgenossen auf ein höheres Kullnruiveau zu bringen. Gelegenheit zur Betätigung ist zumal im Orient für die Juden reichlich vorhanden, speziell können sie im türkischen Reich ill jeder Beamtenkategorie Unterkunft finden, wenn sie nur die erforderlichen Kenntnisse mitbringen. Die Sorge des Vereins soll nur Denen gelten, für welche nach Angabe der Kenner der Verhältnisse der Uebergang zur deutschen Kultur als der leichtere und geeignetere zu ihrer wirtschaftlichen, geistigen und sittlichen Hebung erscheint. Selbstverständlich wird ein deutscher Verein nach dieser Richtung hin mehr wirken können als zum Beispiel die Alliance, deren Ausbreitung in Deutschland nicht eine sehr starke ist. Die Juden in Rußland, Galizien, Bulgarien, Rumänien und dem Orient sprechen zum überwiegenden Theile noch den deutschen Jargon in ihrer Muttersprache, und die wirtschaftliche Versorgung der dortigen Juden wird speziell in den palästinensischen Ländern eine um so bessere werden, wenn sie aus Grund der ihnen beigebrachten Kenntnisse an der Ausbreitung des deutschen Handels, der in den letzten Decennien eine erfreulich starke Ausbreitung erfahren hat, theilnehmerr und im Lande ihre Existenz und eine wirklich befriedigende äußere und innere Konstitution finden können. Selbstverständlich soll in keiner Weise die religiöse Entwickelung der dort lebenden Glaubensgenossen tangirt werden, jener Juden, die ja in ihrer Religion bereits eine so feste Stütze gesunden haben, daß sie einer Stärkung in ihrem Glauben nicht bedürfen. In der sich an das Referat anschließenden Diskussion begrüßte in herzlichen Worten Herr Hall gar te n unter lebhaftem Beifall der Anwesenden die neue Institution, welche vollständig ihre Selbständigkeit erlangen wird und kann, ohne die Wege der bereits bestehenden Vereinigungen zu kreuzen, und bezweifelt nicht, daß die Alliance sich freuen werde, bei dem großen Hilsswerke solche Bundesgenossen gefunden zu haben. Der Vorsitzende konnte mit Genugthuung feststellen, daß sich in der Diskussion, au der sich noch die Herren Dr. Hildesheimer, Dr. Nathan, Dr. Mittwoch, Dr. Loewe, Dr. Schäfer u. A. m. betheiligten, ein Widerspruch gegen die Ziele des Vereins nicht erhoben hat, und schloß mit der Bitte, den Verein thatkräftig zu unterstützen und den Gedanken der Organisation in weite Kreise hinauszutragen. 2/Z Berlin, 10. Juni. Die von der Kommission zur Beschränkung der Wauderbettelei auf den 9. d. M. nach dem Logenhause Wilhelm-

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