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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-06-14 · Heft 24 (14.6.1901) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 24 (14.6.1901)
Date
1901-06-14
Page
Seite 282 (sequence 8)
Language
German
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man füglich nicht anders, als die hebräischen Gebetstücke möglichst einschränken. Wer einen jungen Baum pflanzt, beläßt ihm nur die nothwendigsten Zweige,weil nur so der Stamm aus reichend Wurzel fassen und inner« Kraft gewinnen kann. Die Wiedereinfügung eines verhältnißmäßig so umfangreichen und für Ungeübte schwer verständlichen, zum Theil mit aramäischem Idiom durchsetzten Gebetstücks wie des llu'o ierjion in die Agende würde bestenfalls zur Förderung eines verständnißlosen Ableseus dienen.-) Für den Jugendgottesdienst in der Heidereutergasse oder in der Kaiserstraße kommen nicht blos die Schüler der von dem neuen Rabbiner geleiteten Neligionsschule, sondern auch andere Kinder in Betracht, die nicht in dieser Schule unterrichtet werden. Durch die Einführung einer zweiten Agende würde bei denjenigen Kindern, welche bisher die geltende Gebetordnung benutzt haben, Verwirrung angerichtet, es würde auch ohne sachlichen Grund die in diesem Punkte gewonnene Einheitlichkeit in der Gemeinde wieder zerstört werden. Die Rabbiner der verschiedenen Richtungen, welche die geltende Agende in den Jahren 1881 und 1888 festgestellt haben, ließen sich dabei nicht von Reformideen leiten; sie haben die hebräischen Gebete nur eingeschränkt, weil die Kinder wenig hebräisch verstehen. Hierin hat sich auch im Osten und im Centrum der Berliner Gemeinde bisher nichts geändert, darum belasse man es überall bei der bestehenden Gebetordnung. Centrulausschuß des Deutschen Rabbinerverbandes. Berlin, 6. Juni. ie wir bereits gemeldet, hat die diesjährige Sitzung des Centrala nsschusses des deutschen Rabbiner- Verbandes am 4. d. M. im Sitzungssaals der Repräsentantenversammlung stattgefunden. Die Tagesordnung war folgende: 1. Bericht des geschästssührenden Vorstandes. 2. Feststellung der Tagesordnung für die nächste Generalversammlung. 3. Die Stellung des N. V. i. D. zu der beabsichtigten Begründung eines Verbandes der Israeliten Deutschlands. 4. Eventuelle Anträge. Anwesend waren die Herren Dr. Frank-Köln, Grouemanu-Hannover, Horovitz-Frankjnrt a. M., Kopfstein-Beuthen, Maybaum-Berlin, Munk- Marburg, Plaut-Frankfurt a. M., Rahmer-Magdebnrg. Rosenberg- Thor», Werner-München, Winter-Dresden. Ihr Ausbleiben entschuldigt hatten die Herren Dr. Auerbach-Halberstadt, Cohn°Kattorvitz> Guttmann-Breslau und Salseld-Mainz. Als Gäste waren anwesend die Herren Dr. Blumenthal, Eschelbacher, Rosenzweig und Ungerleider- Berlin. Der Vorsitzende des geschästssührenden Vorstandes, Dr. Mahbanm, begrüßte die Erschienenen und theilte die Tagesordnung mit. Er referirte sodann über die bisherigen Ergebnisse der Saimillungbn für die Pensions- und Neliktenkasse, welche sich auf 157 250 Mark belaufen, davon aus Berlin 126 939 Mark. Zn Punkt 1 führte die Ju diesen! Gebetstück ist (vrgl. Zunz. Gottesdienstliche Vorträge, II. Aust.. S. 388) eine Einschaltung der Keduscha und deren chaldäische Uebersetzung enthalten — „vermnthlich wegen der SPätkommen d'en oder infolge von Verboten gegen die Tesilla". —- Von den! letzteren Gründe für die Einschaltung kann heute nicht mehr die Rede sein, dFr erstere ist bei dem Minchahgebet hinfällig, da hier das I7wo lerijon nicht wie beim Frühgebet nach, sondern vor der TefiÜä gesagt wird. Ü ebki g ensbietet dasGeb e t st ü ck eine N i n te r es sa nteN Beweis dafür, daß man iw Judentyum schon vor 2000 Hahren bestrebt wä r. wichtige Gebete in der Verkehrssprache beten zu la s s en. '' Frage der Wahl der Kommissionen zur Prüfung.von Kandidaten, die keines der bestehenden. Rabbinersernmare besucht Haben, zu längeren Auseinandersetzungen. Die Generalversamnllung von 1898 hätte den geschästssührenden Ausschuß beauftragt, der nächsten Generalversammlung Vorschläge für diese Kommissionen zrir B^chlützfässung zu unterbreiten. Von konservativer Seite wurden jedoch BedenMt^WrtsteE zn deren Beseitigung in der vorjährigen Ausschnßsitzm!g-xin Antrag Annahme fand, daß es den Konservativen gestattet sein solle, bei der Wahl der liberalen Kommission sich der Abstimmung zu enthalten, und daß diese Wahlenthaltung im Protokoll ausdrücklich vermerkt werden dürfte. Dieser Ausweg erschien jedoch gleichfalls nicht zweck» mäßig, weshalb der Vorstand beantragt, die Wahl der Prüfungskommissionen von der Tagesordnung der nächsten Generalversammlung abzusetzen, dagegen der letzteren zu empfehlen, daß die beiden Verbände der Liberalen und Orthodoxen ersucht werden sollen, ihrerseits selbständig Prüfungskommissionen zu ernennen. In der Debatte beantragt Dr. Gronemann, der Generalversammlung die Einsetzung eines Ausschusses zur nochmaligen Prüfung der Frage anheimzugeben Dr. Frank wünschte überhaupt keine Prüfungskommission eingesetzt zu sehen. Nach zweistündiger Berathung wird mit allen gegen 3 Stimmen der Antrag des Vorstandes angenommen unter Hinznfügung des Amendements Gronemann: die Generalversammlung darauf hinzuweisen, daß das Breslauer Seminar sich bereit erklärt habe, unter gewissen Kauteleu Prüfungen vorzuuehmen, wodurch die Wahl einer dritten („mittelparteilichen") Kommission überflüssig werde. Punkt 2 der Tagesordnung der Generalversammlung („Organisationsentwurf der Pensions- und Neliktenkasse") wird nach einer Debatte über die wirksamste Art der Sammlungen gntgeheißen. Fernere Berathungsgegenstäude der Generalversammlung sollen Referate über die Themata bilden: a) Was ist für die religiös-sittliche Erziehung der Jugend zu thuu? b) Ethik des Judenthums, e) die Betheilignng des Rabbiners an der Lösung sozialer Ausgaben innerhalb der Gemeinden. Zu n. bemängelt Dr. Frank, daß nur die religiös-sittliche Erziehung der Jugend, welche durch Jünglings- und Jungfrauenvereine gefördert werden soll, nicht aber auch die der Kinder berücksichtigt werde, daß überhaupt die Fragen des Religionsunterrichts in den Verbandsversammlungen völlig nnerörtert bleiben. Dr. Horovitz erwidert, daß diese Fragen, soweit die divergirenden prinzipiellen Anschauungen es zulassen, wiederholt eingehend besprochen worden seien, und regt sodann an. daß auf die Tagesordnung der nächsten Generalversamnllung ein Referat über das Verhältniß zwischen Rabbiner und Lehrer gestellt werden möge. Es könne leider nicht bezweifelt werden, daß sich in Lehrerkreisen eine fast rabbiuerfeindliche Stimmung bemerkbar mache, welche dadurch genährt werden müßte, wenn es sich bewahrheiten sollte, daß auf dem Verbandstage der oberschlestscheu Gemeinden erklärt worden sei, daß kein Rabbiner eine Kanzel betreten werde, die auch ein Lehrer betrete. Dr. Kopfstein bestreitet auf das Nachdrücklichste, daß diese oder überhaupt eine für die Lehrer verletzende Aeußerung gefallen sei; vielmehr habe er (Redner) als Referent des oberschlesischen Rabbinerverbandes erklärt, daß die Rabbiner zur Schulinspektion und zn Wanderpredigten — natürlich ohne Anspruch ans eine materielle Gegenleistung — bereit seien, aber im Vollbewußtsein ihrer Verantwortung nur unter der Bedingung, daß sie es allein thun. Hierauf wurde eiu Antrag Werner, daß in der nächsten Generalversammlung ^ein Vortrag über „Die Stellung . der Rabbiner zu den Lehrern" gehalten werden soll und sodann die Tagesordnung en dloe genehmigt Das erste Thema soll lauten: „Was ist für die religiös-sittliche Erziehung der Jugend zn thuu?" Nach halbstündiger Pause wurde die Berathung des zweiten Punktes begonnen: die Stellung des Rabbinerverbandes in Deutschland zu der beabsichtigten Begründung eines „Verbandes der Israeliten Deutschlands." Dr. .Horovitz sprach von seinem Standpunkte ans gegen den Anschluß. Dr. Werner meinte, daß der Anschluß der bayerischen Gemeinden gesetzlich unzulässig sei: er bemängelte es zugleich, daß der Statutenentwurs des geplante! Verbandes unter Lusgesamrnt 150 Mitgliedern des Verbandsausschusses nur zwei Rabbiner zuläßt. Nachdem auch Dr. Rahmer und Dr. Vogelstein sich gegen den Ausschuß ausgesprochen, wird nachstehender Antrag angenommen: Der Centralausschuß lehnt es ab, ans Grund des vorgelegten Stätutenentwurfs den Beitritt des Rabbinerverbandes -zu dem „Verband der Israeliten Deutschlands" seine Zustimmung zu -ertheilen. Hierauf verlas der Vorsitzende die Eingabe, welche in Angelegenheit des Schächtens dutch tzine Deputation den zuständigen

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