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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-06-14 · Heft 24 (14.6.1901) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 24 (14.6.1901)
Date
1901-06-14
Page
Seite 280 (sequence 6)
Language
German
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Wie wir seiner Zeit mitgetheilt haben, hat sich in Shanghai eine „Gesellschaft zur Befreiung der eingeborenen Juden" in Ehiungebildet, welche im vorigen Sommer durch Vermittelung eines zuverlässigen eingeborenen Boten mit den Juden vorr Kai-föng-fu in der Provinz Hunan mehrere Briefe gewechselt hat. Im November v. I. hat die Gesellschaft einen „an die Brüder im Glauben" gerichteten hebräisch und chinesisch abgefaßten Brief nach Kai-söng-fu geschickt, in welchem Bildung und Zweck der Gesellschaft mitgetheilt wurden, und in dem es weiter hieß: „Der Vorstand unserer Gesellschaft harrt ängstlich auf die Ankunft einiger Männer aus Eurer Mitte, um mit ihnen über Mittel und Wege zu berathen, wie unser Ziel erreicht werden könnte. Um die kostbare Zeit nicht zu verlieren, bitten wir Euch nochmals, mit möglichst wenig Zeitverlust zwei bis drei Euerer Mitglieder nach Shanghai zu entsenden, um mit uns die Schritte zu berathen, welche zu Euerer Befreiung aus der gegenwärtigen Unkenntniß unserer Religion führen sollen." Aus dieses Schreiben kam am 5. April folgende Antwort an: Am 25. Tage des 12. Monats. Geschrieben bei großer Kälte. An die Aeltesteu derselben Rasse. Antwortlich der Briefe, welche durch die Herren Pao und In überbracht wurden, dankten wir Gott für seine große Gnade und beabsichtigten sofort uns auszumacheu, um achtungsvoll Euere Instruktionen entgegen zu nehmen. Aber unwissende Raufbolde, welche sich die im Norden herrschenden Unruhen zu Nutzen machten, ließen das Reisen gefährlich erscheinen, und so dachten wir, es sei besser, einstweilen nicht nach Shanghai zu gehen, sondern täglich ans bessere Zeiten zu warten. Nun aber ist Herr In mit einem zweiter! Schreiben in Pien Leang (Kai-föng-fu) eingetroffen, für welches wir außerordentlich dankbar sind. Das alte Jahr geht zur Neige, und wir haben uns entschieden, mit Beginn des Frühlings zu kommen. In Pien Leang giebt es mehrere Familien, die wie Kao. Li, Chao, Shin, Kin nnd Chong häufig die Angelegenheit gemeinsam berathen und sich entschieden haben, daß es besser sei, gemeinsam nach Shanghai zu gehen. In der Hoffnung, daß Ihr Euch wohl befindet und daß wir demnächst mit einander noch mündlich mehr sprechen werden, verbleibe ich Euer unterthänigster Stammesbruder Li-King-Sheng. Eiil Tag nach Empfang obigen Briefes traf in Shanghai der eingeborene Bote ein und brachte den Briefschreiber Li- King-Sheng und dessen Sohlt mit sich. Mit ihnen kam noch ein eingeborener Christ, der den Juden von Kai-föng-fu gegenüber sich verpflichtet hat, Vater und Sohn nach kurzem Verweilen in Shanghai zurück nach Hause zu geleiten. Sie blieben drei Wochen in Shanghai und nahmen auf der Rückreise folgendes Schreiben mit: An unsere Glaubeusbrüder in Kai-söng-fu! Bezugnehmend auf unfern Brief von vor fünf Monaten empfingen wir vor etwa zwei Wochen Euere Autwort, in welcher mitgetheilt wurde, daß einige von Euch die Absicht hegen, nach Shanghai zu kommen. Diesem Briefe folgte Tags darauf die Ankunft unseres Boten in Begleitung zweier Mitglieder Eurer Gemeinde, nämlich Mr. Li-King-Sheng und seines Sohnes. Sofort nach deren Eintreffen depeschirten wir an Euch, um Euch von der glücklichen Ankunft Euerer Gemeindegenossen iu Kenntniß zu setzen. Dieselben brachten bei uns das Passafest zu und wohnten mehrere Male unserm Gottesdienste bei. Jetzt befinden sie sich bereits auf der Rückreise nach Kai-föng-fn und führen diesen Brief an Euch mit. Die Zeiten sind jetzt in China zu unruhig, um Jemand aus unserer Mitte zu Euch zu senden, damit dieser Euch Unterricht in unserer Religion ertheile. Wir bitten Euch daher, einige Männer aus Eurer Mitte, womöglich junge Leute, zu uns zu senden, welche einige Monate bei uns bleiben sollen, damit sie bei uns die Gesetze kennen lernen, welche Gott Moses gegeben hat. nnd die von unfern Ahnen durch Jahrtausende treu beobachtet wurden. Wir wollen versuchen, es ihnen bei uns bequem zu machen, und im Falle sie ganz bei uns bleiben wollen, werden wir uns bemühen, ihnen hier eine passende Existenz zu gründen. Sollten sie aber zurück nach Hause wollen, um Euch zu lehren, was sie bei uns gelernt haben, so werden wir auch dagegen nichts haben. Denn unser einziger Wunsch ist nur, Euch zu den Gesetzen unserer Ahnen zurückkehren zu sehen, von denen Ihr Euch leider so weit entfernt habt. Der Iiigen-gottesdienst in Berlin. Von Landgerichtsrath Loewe. der Jugendgottesdienft in Berlin verinuthlich in der nächsten Zeit Gegenstand der Erörterung sein wird, so erscheint es angezeigt, die Entstehung der für diesen Gottesdienst jetzt geltenden Gebetordnung sowie deren wesentlichen Inhalt darzulegen und die Gründe auszuführen, welche gegen eine Aenderung dieser Gebetordnung sprechen. 1. In Berlin ist der Jugendgottesdienst, soweit bekannt, eine durchaus neue Einrichtung. Die Anregung hierzu verdanken wir den Rabbinern Dr. Ungerleider, Frankl und Maybaum. welche im Jahre 1881 gemeinschaftlich, unter Ueberreichung des Entwurfs einer Agende, einen Antrag auf Einrichtung eines solchen Gottesdienstes in der alten und in der neuen Synagoge an den Gemeindevorstand richteten. Der Vorstand verhielt sich zunächst ablehnend. Nachdem jedoch im Jahre 1888 die Rabbiner Dr. Ungerleider und Rosenzweig wiederum beantragt hatten, eine solche Einrichtung in „unseren Gemeindesynagogew' zu treffen, wurde in Besprechungen der genannten Herren sowie des Rabbiners Dr. Maybaum mit einem Vorstandsmitgliede eine Agende auf der Grundlage des früheren Entwurfs sestgestellt und am 25. November 1888 von der Repräsentantenversammlung beiAnwesenheit von 20 Repräsentanten ohne Widerspruch angenommen?) Nach dieser Agende wurde der Gottesdienst zunächst in der neuen Synagoge abgehalten. Am 4. November 1889 beantragten die Rabbiner Dr. Ungerleider, Maybanm und Nosenzweig, für die Dauer der Reparatur der neuen Synagoge den Jugendgottesdienst in der alten Synagoge stattfinden zu lassen. Da sich dann ergab, daß dieser Gottesdienst in der alten Synagoge besonders gut besucht war, so beantragte« die Vorstände der neuen und der alten Synagoge sowie der Vorstand der Kaiserstraßen-Synagoge am 4. Dezember 1890 in einer gemeinschaftlichen Eingabe, den Jugendgottesdienst nach der bestehenden Agende auch in den beiden letztgenannten Synagogen abzuhalten. Diesem Anträge wurde von dem Gemeindevorstande stattgegeben. Seitdem findet der Gottesdienst abwechselnd in den drei Synagogen und seit Erbauung der beiden anderen Gemeinde syuagogen auch in diesen statt. Nach dem Inhalt der Akten ist der Gemeindeverwaltung während der elf Jahre von 1890 bis 1900 keine Beschwerde darüber zugegangen, daß die eiugeführten Agende auch in den Synagogen Heidereutergasse und Kaiserstraße angewendet wird. Nachdem jedoch im Jahre 1900 für diese beiden Synagogen ein Rabbiner berufen worden war und erklärt hatte, daß er an einem Gottesdienste mit der bestehenden Agende nicht Mitwirken könne, stellte das Rabbinat den Antrag, für den Jugendy Die Anführung einiger Repräsentanten in der Sitzung vom 21. April IS01, die Agende sei gegen ihren Widerspruch und unter Ablehnung eines Vertaguugsantrages angenommen worden, ist irrthümlich.

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