Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1901)
- Date
- 1901-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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65. Jahrgang. Nr. 23. Neriin, 7. Juni 1901. Der Gemein-ebote. Weikrge zur „Akkgemeinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondellzen und Nachrichten. Drntschland. 8. Berlin, 2. Juni. Die heutige kurze und nur spärlich besuchte Repräsentant »versammln ng — es waren neun Liberale und sechs Konservative anwesend — hatte sich hauptsächlich mit der Bewilligung von Subventionen au verschiedene Privatgemeinden zu befassen. Die meisten Punkte der Tagesordnung wurden debattelos genehmigt. Eine letztwillige Zuwendung des in Nizza verstorbenen Herrn Jacob Plaut all die Lehrerbildungsanstalt in Höhe voll 30 000 Mark wurde angenommen. Professor Geiger giebt hierbei der Freude Ausdruck, daß die Zuwendung derjenigen Anstalt zu Theil wurde, welche leider nur selten mit Legaten bedacht werde, und regt an, die Summe zur Unterstützung der meist sehr armen Schüler zu verwenden. Die vom Plantschen Familieurath errichtete Jahrzeitstistung beträgt übrigens nich 15000 Mark, wie wir mitgetheilt haben, sondern 50 000 Mark. — Von der Zuwendung der Frau Therese Benjamin au das jüdische Kraukeilhaus in Höhe von 6000 Mark für eine Bettstiftung nimmt die Versammlung Kenntniß. — Der Abschluß des Mietvertrages bezüglich des Konzertsaales der Brauerei Friedrichshain zu gottesdienstlichen Zwecken wird unter den bisherigen Bedingungen gntgeheißen. — Für Reparaturen all den Gerneindegrundstücken in den Jahren 1901/2 und 1902/3 werden 66 388.20 Mark nach nur kurzer Diskussion über eine Aendernng in der Neuen Synagoge bewilligt. Darunter fignrireu u. a. sür das Verwaltungsgebäude 2000 Mark, für das Hospital 3400 Mark, sür die Synagoge Kaiserstraße 13 300 Mark, sür den Friedhof Weißensee 2400 Mark, für die Alterversorgnngsanstalt in der Schönhauser Allee 2500 Mark u. s. w. Der Bericht der Armenkommission verzeichnet eine Ausgabe von ca. 2000 Mark, welche zur Speisung von 175 inhastirten Glaubensgenossen verwendet wurden, sowie von 7686.65 Mark, die zur Beschaffung und Vertheilung voll 342 Ceutner Mazzoth an 7764 Persollen erforderlich waren. — Es folgen daun die Subventionsvorlageu, über die Herr Leonhard Sachs referirt. Erfreulicherweise konnten schon diesmal einzelne Positionen geringer eingestellt werden bei denjenigen Neligionsschuleu, welche in nicht zu weiter Entfernung von den seitens derGemeinde selbst errichteten liegen und dadurch ihre Existenzberechtigung verlieren. Die Revision der snbventionirten Schulen ist jetzt eine häufigere und sorgfältigere geworden, nachdem auch die Mitglieder des Schul- und Talmttd-Torahvorstaudes die Recherchen übernommen haben, bis endlich einmal dieses Amt dem schon lauge ersehnten Schulinspektor übertragen sein wird. Es erhielten die Neligionsgemeinde Charlottenburg 10 000 Mark, der Luisenstädtische Brüderverein 1200 Mark, weil hier durch die Errichtung der VII. Neligionsschule das Bedürfnis finden Unterricht gedeckt ist, der Synagogenverein Ahawath-torah 1000 Mark, der Religiousverein Friedrichsberg 1000 Mark, der Religionsverein Gesundbrunnen 1500 Mark, der Religiousverein Oranienburger Vorstadt 2200 Mark für die Etatsperiode nnd einmalig 300 Mark, der Religiousverein Rixdorf 1000 Mark unter Anrechnung eines bereits früher bewilligten, aber nicht abgehobenen Betrages voll 500 Mark, der Fortbildungsvereiu Montefiore 300 Mark und der Syuagogenverein N'weh scholaum 300 Mark gegen 450 Mark früher, da in der Nähe der Schule dieses Vereins die VI. Neligionsschule errichtet worden ist. Der jüdischen Reformgemeinde ist das Ersuchen, die bisherige jährliche Subvention von 20 000 Mark auf 25 000 Mark zu erhöhen, nicht bewilligt worden. Bei eingehender Prüfung des Etats hat sich herallsgestellt, daß zu einer Erhöhung der Subvention keine Veranlassung vorliege, da der Etat noch einen ganz respektablen Ueberschuß anfweise. In Anbetracht der sehr wesentlichen Allsgaben, welche die Reformgemeinde sür die Hejzungs- und Klosetanlagen anfzuwenden hat, ist jedoch vom Gemeindevorstand ein einmaliger Beitrag voll 10 000 Mark bewilligt worden. Die Subvention von 2000 Mark für 1901/1902 an den Syuagogenverein Moabit wurde erst nach längerer Diskussion bewilligt. Gegenstand lebhafter Klage war die außerordentlich unwürdige Agitation, welche sowohl in Pcivatschulen wie direkt in der Familie von einem Schulleiter des dortigen Bezirks, der zugleich Prediger des Syuagogenvereins ist, sür seine Neligionsschule betrieben wird, eine Agitation, der allerdings der Erfolg recht wenig entspricht, da die Schule nur 24 Schüler ausweist. Der Antrag des Professor Geiger, welcher den Vorstand des Synagogenvereius anweiseu soll, dem Schulleiter die der in der nahen Gerhardstrabe befindlichen Gemeindereligiousschule uachtheiligeu Schritte zu untersagen, konnte deshalb nicht die Majorität der Versammlung auf sich vereinigen, weil der Syuagogenverein gar keinen Einfluß aus die Privatschnle und deren Leiter hat. Aus diesem Grunde sprachen sich die Herren Professor Bla schke, Leonhard Sachs und Lollis Sachs gegen den Alltrag aus. Die Vorlage wurde puro, ohne die in dem Antrag ausgesprochenen Bedingungen angenommen. Es kamen alsdann noch zwei nicht ans der Tagesordnung befindliche Allträge zur Erledigung, deren Dringlichkeit zu Beginn der Sitzung angenommen worden war. Ein Alltrag Vlaschke will dem Lehrliugsheim in Pankow eine jährliche Subvention von 3000 Mark auf drei Jahre bewilligen. Der Antragsteller begründet, gestützt auf die beiden letzten Jahresberichte, in kurzen Worten seinen Antrag sür das Heim, das eine Kulturausgabe sür die Juden zu lösen hat. Herr Mau heim er in seiner liebevollen Fürsorge sür alle Humanitären Anstalten will sogar über diesen Alltrag noch hiuausgeheu lind die Subvention auf 5000 Mark jährlich erhöht wissen. Auch Herr Neufeld tritt in wenigen Worten sür den Alltrag ein. Bei der Abstimmung fällt der Antrag Manheimev gegen drei Stimmen, während der Antrag Blaschke einstimmig angenommen wurde. Der zweite Alltrag rührt von Herrn Leonhard Sachs her, welcher die zu Beginn des nächsten Monats eintretendeu Ferien zur Erlediguug der Frage der anderweitigen Placirung der Berichterstatter benutzen will und eine gemeinsame Berathnng des Bureaus der Repräsentanten mit dem Gemeindevorstand darüber fordert, inwieweit den „berechtigten Wünschen" der Berichterstatter wegen anderweitiger Unterbringung ihrer Plätze im Saale der Nepräsentantenversammlung Rechnung getragen werden kann. Hoffentlich hat nun auch die dankenswerthe Mühe des Alltragstellers in jener Angelegenheit, welche bisher an dem eitler fortschrittlichen Gemeindeverwaltung so überaus schlecht anstehenden Büreankratismus gescheitert ist, endlich Erfolg! Der Antrag wurde mir allen gegen die Stimmen der Herren Fraenkel und Loe wenberg angenommen, die aber wohl nur ans Unachtsamkeit sich nicht an der Abstimmung betheiligt hatten. Eine lebhafte Kontroverse entspann sich noch über die Anberaumung der nächsten Nepräsentantensitznng. die entgegen dem Wunsche des Maurermeisters Fraenkel vom Vorsitzenden aus den nächsten Sonntag 9 Uhr festgesetzt wurde. Nachdem noch Herr Benas Levy an Stelle des Herrn Willibald Loew enthalt, welcher nunmehr in den Ausschuß III eintritt, in den Ausschuß II gewählt worden war, schloß die öffentliche Sitzung, der eine geheime folgte. 22 Berlin, 4. Juni. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebun des versendet eine Einladung, der wir folgende Details entnehmen: „Einer der größten Mißstände, die das heutige Indenthnm verunzieren, ist der Wall d e rb e t tel, den zahlreiche deutsche, österreichische und russische Glaubensgenossen gewerbsmäßig betreiben. Nicht nur werden durch ihn sehr beträchtliche Geldmittel in unzweckmäßiger Weise, zum großen Theil für Beschaffung voll Eisenbahnfahrkartell, verzettelt; noch schlimmer sind die moralischen Schäden, die naturgemäß daraus erwachsen: Heuchelei, Fälschung nnd Sitteulosigkeit sind die nolhwendigen Folgen dieses nnstäten Lebens sür sehr viele der Betheiligten. Ans Veranlassung des D.-J. G.-B. hat sich ans den Vertrauensmännern der bedeutendsten israelitischen Gemeinschaften Deutschlands eine Kommission gebildet, die in wiederholten Berathungen ein System von Abwehrmaßregeln gegen den Wanderbettel ansgestellt hat. Als erste lind wichtigste dieser Maßnahmen erschien die Errichtung einer jüdischen Arbeiter! olo nie, die dazu bestimmt ist, die inländischen und aus